Unser Markenkosmos zum Uhrenhersteller

Longines

Longines gehört zu den ältesten und bekanntesten Schweizer Uhrenmarken. Seit 1832 ist das Unternehmen in Saint-Imier im Berner Jura beheimatet. Die Geschichte der Marke verbindet industrielle Uhrmacherei, eigene Chronographenwerke, Luftfahrt, Sportzeitmessung und klassische Armbanduhren.

Historisch war Longines stets eine echte Manufaktur. Kaliber wie das 20H, 13.33Z, 13ZN oder 30CH gehören heute zu den bedeutenden klassischen Chronographenwerken. Hinzu kamen Präzisions- und Hochfrequenzkaliber sowie technische Entwicklungen für Sport und Navigation.

Heute gehört Longines zur Swatch Group. Eigene Rohwerke wie früher produziert die Marke nicht mehr. Stattdessen arbeiten aktuelle mechanische Uhren überwiegend mit ETA-Kalibern. Innerhalb der Gruppe ist die Marke preislich unter Omega positioniert.

Longines Geschichte: Von Auguste Agassiz zur Manufaktur

Die Geschichte beginnt 1832, als Auguste Agassiz in Saint-Imier in ein Uhrenkontor eintrat. Produziert wurde zunächst nach dem traditionellen Schweizer Etablissage-System: Zahlreiche Spezialisten fertigten Teile und Rohwerke, während das Kontor Montage und Vertrieb organisierte. Den entscheidenden Wandel leitete Agassiz‘ Neffe Ernest Francillon ein. Er wollte die verstreute Fertigung stärker industrialisieren. 1866 erwarb Francillon ein Grundstück mit dem Flurnamen Les Longines – die langen Wiesen. Ab 1867 wurden dort wichtige Produktionsschritte in einer Fabrik zusammengeführt.

Die Uhren erhielten fortan den Namen Longines, individuelle Seriennummern und die geflügelte Sanduhr als Zeichen. Damit gehörte Longines zu den frühen Schweizer Herstellern, die den Übergang von dezentraler Heimarbeit zu industriell organisierter Uhrenproduktion vollzogen.
1889 ließ Longines das Markenlogo der geflügelten Sanduhr zusammen mit dem Markennamen registrieren. Das Signet gehört damit zu den ältesten noch verwendeten Markenlogos der Uhrenindustrie. Die frühe Markenführung war insofern sehr konsequent als sie Longines dabei half, sich international gegen Nachahmungen abzugrenzen.

Longines Chronographen: 20H, 13.33Z und 13ZN

Eine der größten technischen Stärken von Longines wurde früh der Chronograph. 1878 entstand das Kaliber 20H, das erste Chronographenwerk der Marke. Der Eindrücker-Chronograph steuerte Start, Stopp und Nullstellung über einen einzigen Drücker und wurde unter anderem für Sportzeitmessungen eingesetzt.

1913 folgte das Kaliber 13.33Z, eines der frühen Chronographenwerke, die ausdrücklich für Armbanduhren konstruiert wurden. Es besaß einen zentralen Stoppzeiger und einen 30-Minuten-Zähler.

Einen Höhepunkt erreichte diese Entwicklung in den 1930er-Jahren mit dem Kaliber 13ZN. Longines entwickelte eine Flyback-Funktion, mit der sich ein laufender Chronograph mit nur einem Tastendruck auf null stellen und unmittelbar neu starten ließ. Die Konstruktion wurde 1935 zum Patent angemeldet und 1936 geschützt.

Später folgte unter anderem das Kaliber 30CH. Gerade 13ZN und 30CH begründen bis heute den hervorragenden Ruf historischer Longines-Chronographen.

Longines und die Luftfahrt

Die Chronographenkompetenz führte fast zwangsläufig zur Luftfahrt und Navigation. In den 1920er- und 1930er-Jahren entwickelte Longines gemeinsam mit Piloten und Navigatoren verschiedene Instrumente.

Eine wichtige Rolle spielte der amerikanische Marineoffizier Philip Van Horn Weems. Sein Navigationssystem ermöglichte eine besonders genaue Synchronisation der Uhr mit einem Funkzeitsignal. Longines fertigte daraus die Weems Second-Setting Watch.

Noch bekannter wurde die Zusammenarbeit mit Charles Lindbergh. Nach seinem Atlantikflug von 1927 entwickelte er gemeinsam mit Longines die Stundenwinkel-Uhr, die 1931 erschien. In Kombination mit Sextant und nautischen Tabellen half sie Piloten bei der Bestimmung ihrer geografischen Position. Weems Second-Setting Watch und Lindbergh Hour Angle Watch gehören heute zu den bedeutendsten historischen Navigationsuhren.

Longines und die Sportzeitmessung

Parallel entwickelte sich Longines zu einem wichtigen Spezialisten der professionellen Sportzeitmessung. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts kamen Longines-Stoppuhren bei Pferderennen zum Einsatz. Später entwickelte die Marke elektronische Zeitmesssysteme mit Lichtschranken und Zielkameras.

Besonders eng ist die Verbindung zum Pferdesport und Ski Alpin. Diese Bereiche prägen die Markenkommunikation bis heute und führen die historische Verbindung zwischen Longines und präziser Zeitmessung fort. 

Longines Ultra-Chron: Hochfrequenztechnik

Weniger bekannt als die Chronographengeschichte ist die Erfahrung von Longines mit Hochfrequenzwerken.

1967 erschien die Ultra-Chron. Ihr mechanisches Werk arbeitete mit 36.000 Halbschwingungen pro Stunde beziehungsweise 5 Hertz. Bereits ein Jahr später entstand eine sportliche Taucheruhr mit dieser Technik.

Longines hat die Ultra-Chron inzwischen wiederbelebt. Moderne Varianten nutzen erneut ein exklusives Hochfrequenzkaliber und verbinden damit ein historisches technisches Thema mit aktueller Uhrwerktechnik.

Longines Conquest und HydroConquest

Die Conquest wurde 1954 eingeführt und war die erste Longines-Kollektion mit einem offiziell geschützten Modellnamen. Sie verkörpert bis heute die sportlich-elegante Seite der Marke. Die aktuelle Kollektion umfasst Dreizeigeruhren und Chronographen.

Die HydroConquest ist stärker auf Tauchen und Wassersport ausgerichtet. Mechanische Varianten bieten je nach Modell bis zu 300 Meter Wasserdichtigkeit und exklusive Longines-Kaliber mit hoher Gangreserve.

Longines Flagship

1957 folgte die Flagship als klassische, elegante Modellfamilie. Charakteristisch ist bei vielen historischen und heutigen Heritage-Versionen ein Medaillon auf dem Gehäuseboden mit einer Karavelle unter vollen Segeln. Flagship und Conquest gehören damit zu den ältesten bis heute verwendeten Modellnamen von Longines.

Longines Legend Diver

Eine der erfolgreichsten Heritage-Uhren ist die Longines Legend Diver. Ihr Vorbild stammt aus 1959 und besitzt ein Gehäuse mit zwei Kronen und innenliegender Drehlünette. Eine Krone bedient das Uhrwerk, die zweite verstellt die Tauchzeitskala unter dem Glas. Die moderne Legend Diver gehört heute zu den bekanntesten historischen Neuinterpretationen der Marke.

Longines Spirit und Zulu Time

Mit der Spirit-Kollektion schlug Longines 2020 eine moderne Brücke zu seiner Luftfahrtgeschichte. Die Uhren übernehmen klassische Elemente historischer Fliegeruhren, ohne diese einfach zu kopieren. Die mechanischen Werke sind mit Siliziumspiralen ausgestattet und COSC-zertifiziert. Zu den wichtigsten Varianten gehört die Spirit Zulu Time mit GMT-Funktion. Die Bezeichnung „Zulu Time“ erinnert an historische Longines-Uhren mit zweiter Zeitzone und an die in der Luftfahrt gebräuchliche Bezeichnung für UTC.

Mit der Spirit Flyback greift Longines außerdem seine historische Chronographenkompetenz wieder auf.

Longines Master Collection

Die Longines Master Collection wurde 2005 eingeführt und bildet die klassische mechanische Seite der heutigen Marke. Sie umfasst Dreizeigeruhren sowie Modelle mit Mondphase, Kalender, GMT und Chronograph. Damit positioniert Longines klassische Komplikationen in einem vergleichsweise zugänglichen Preisbereich.

Longines DolceVita

Die DolceVita und insbesondere die Mini DolceVita stehen für die elegante und designorientierte Seite von Longines. Ihre rechteckigen beziehungsweise tonneauförmigen Gehäuse greifen klassische Formuhren auf und sind vor allem im Damenbereich wichtig. Sie passen zur langjährigen Markenpositionierung unter dem Leitmotiv „Elegance is an attitude“.

Longines Uhrwerke heute

Historisch entwickelte und fertigte Longines zahlreiche eigene Kaliber. Im Zuge der Umstrukturierungen der Schweizer Uhrenindustrie änderte sich dieses System grundlegend. Longines wurde Teil der ASUAG und gelangte über deren Zusammenschluss mit der SSIH in jene Gruppe, aus der später die heutige Swatch Group entstand. Die Uhrwerkproduktion wurde zunehmend bei Spezialisten wie ETA gebündelt.

Heute entwickelt ETA innerhalb der Swatch Group exklusive Kaliber für Longines. Ein wichtiges Beispiel ist die L888-Familie mit rund 72 Stunden Gangreserve und Siliziumspirale. Auch Chronographen-, GMT- und Hochfrequenzwerke werden speziell für Longines angepasst beziehungsweise entwickelt.

Eine komplette Übersicht der aktuellen Modelle finden Sie auf der Seite des Herstellers. 

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