Unser Markenkosmos zum Uhrenhersteller

Breitling

Breitling gehört zu den bekanntesten Schweizer Uhrenherstellern und ist besonders eng mit der Geschichte des Armbandchronographen verbunden. Die 1884 gegründete Marke entwickelte Instrumente für Industrie, Sport, Luftfahrt und Tauchsport. Mit Navitimer, Chronomat, Superocean und Emergency entstanden mehrere Uhren von Bedeutung weit über das eigene Sortiment hinaus. Heute verbindet Breitling historische Gestaltung mit moderner Fertigung, eigenen Chronographenkalibern und zugekauften Schweizer Werken. Der Unternehmenssitz befindet sich in Grenchen, die Breitling Chronometrie mit der Manufakturwerk-Fertigung in La Chaux-de-Fonds.

Léon Breitling und die Spezialisierung auf Chronographen

Die Geschichte begann 1884 im jurassischen Saint-Imier, wo der 24-jährige Léon Breitling ein Atelier eröffnete und sich früh auf Chronographen, Stoppuhren und andere Instrumente zur Messung kurzer Zeitintervalle konzentrierte – gefragt in Fabriken, wissenschaftlichen Einrichtungen und bei Sportveranstaltungen. Breitling arbeitete zunächst nach dem Établissage-System: Zulieferer fertigten Komponenten, die anschließend montiert und reguliert wurden.

1892 verlegte Léon Breitling seinen Betrieb nach La Chaux-de-Fonds, in die Rue de Montbrillant. Aus dem kleinen Atelier wurde eine industrialisierter arbeitende Fabrik. 1899 nahm er den Namen in die Firmenbezeichnung „L. Breitling, Montbrillant Watch Manufactory“ auf. Eine bekannte frühe Entwicklung war der Taschenchronograph Vitesse (1907) mit Tachymeterskala. Bereits 1910 hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben seinen 100.000. Zeitmesser produziert.

Gaston und Willy Breitling prägen den modernen Chronographen

Nach Léon Breitlings Tod übernahm 1914 sein Sohn Gaston die Leitung. 1915 präsentierte Breitling einen Armbandchronographen mit unabhängigem Drücker bei zwei Uhr – bis dahin wurden Chronographen meist über die Krone bedient. Der separate Drücker erleichterte Starten, Stoppen und Zurückstellen. 1923 patentierte Gaston ein System, bei dem Start/Stopp über den Drücker, das Zurückstellen über die Krone erfolgten, sodass mehrere Zeitabschnitte addiert werden konnten.

Gastons Sohn Willy übernahm 1932 im Alter von 19 Jahren. 1933 ließ er eine Konstruktion mit zweitem Drücker bei vier Uhr patentieren: ein Drücker für Start/Stopp, der andere für die Nullstellung – bis heute Standard für mechanische Chronographen. Drei Generationen der Familie Breitling hatten damit wesentliche Beiträge zur Entwicklung des modernen Armbandchronographen geleistet.

Breitling und die Luftfahrt

Willy Breitling baute die Verbindung zur Luftfahrt aus. 1938 gründete er die Abteilung Huit Aviation für Cockpitinstrumente und Piloten-Chronographen; „Huit“ verwies auf die acht Tage Gangreserve der damaligen Borduhren. Breitling belieferte fortan Streitkräfte, Flugzeughersteller und Fluggesellschaften.

Parallel entstanden elegantere Chronographen für zivile Kunden: Die Anfang der 1940er eingeführte Premier verband Chronographenkompetenz mit ausgewogener Gestaltung und bildet die Grundlage der heutigen Premier-Kollektion. 1941 folgte der Chronomat – der Name aus „Chronograph“ und „Mathematik“ –, dessen kreisförmige Rechenschieberskala Multiplikationen, Divisionen, Dreisätze und technische Berechnungen ermöglichte, basierend auf einem 1940 eingereichten Patent Willy Breitlings. Nicht zu verwechseln mit der sportlicheren, 1984 eingeführten Modellfamilie gleichen Namens.

Die Navitimer als wichtigste Breitling-Ikone

Aus dem Chronomat entwickelte Breitling die Navitimer: 1952 entstand ein Armbandchronograph mit drehbarer Lünette und logarithmischem Rechenschieber für Piloten, mit dem sich Geschwindigkeit, Entfernung, Treibstoffverbrauch, Steigrate und Einheitenumrechnungen berechnen ließen. 1954 erklärte die Aircraft Owners and Pilots Association die Navitimer zu ihrer offiziellen Uhr; frühe Exemplare trugen das geflügelte AOPA-Emblem. Die Breitling Navitimer wurde zum bekanntesten Breitling-Modell und einer der langlebigsten Chronographenkonstruktionen überhaupt, geprägt durch dicht bedrucktes Zifferblatt, gerändelte Lünette und drei Hilfszifferblätter.

Eine besondere Variante ist die Cosmonaute mit 24-Stunden-Anzeige: Astronaut Scott Carpenter trug sie am 24. Mai 1962 bei der Mission Mercury-Atlas 7 – die erste nachweislich im Weltraum getragene Schweizer Armbanduhr. Die 24-Stunden-Anzeige half Astronauten, ohne natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus zwischen Vormittag und Nachmittag zu unterscheiden.

1953 entstand zudem die Referenz 765 AVI, später Co-Pilot genannt: ohne Rechenschieber, dafür mit großen Leuchtziffern und guter Ablesbarkeit – ihre Gestaltung lebt heute in der Classic-AVI-Kollektion weiter.

Superocean und Top Time

1957 weitete Breitling das Angebot auf den Tauchsport aus: Die ersten Superocean-Modelle erschienen als Drei-Zeiger-Uhr und Chronograph, beide bis 200 Meter wasserdicht. Referenz 807 gilt als einer der ersten gezielt für Taucher entwickelten Chronographen. Daraus entwickelten sich zwei heutige Linien: die robuste, farbenfrohe Superocean und die schlankere, elegantere Superocean Heritage nach dem Vorbild von 1957.

In den 1960ern ergänzte Willy Breitling die Top Time als jüngeren, modischeren Chronographen mit auffälligen Zifferblättern, ungewöhnlichen Farben und Motorsportbezug. Die heutige Kollektion führt dies mit Retro-Chronographen und Automobil-/Motorrad-Kooperationen fort.

1969 gehörte Breitling gemeinsam mit Heuer-Leonidas, Büren und Dubois-Dépraz zum Konsortium hinter dem automatischen Chronographensystem Chrono-Matic (Kaliber 11) – charakterisiert durch Mikrorotor und linksseitige Krone, eines der ersten serienmäßig produzierten automatischen Chronographenwerke.

Quarzkrise und Neustart unter Ernest Schneider

Die Quarzkrise traf den auf mechanische Chronographen spezialisierten Hersteller schwer. Willy Breitling, ohne direkte Nachfolger und gesundheitlich angeschlagen, verkaufte die Marke 1979 an den Schweizer Unternehmer, Uhrmacher und Piloten Ernest Schneider – das Ende der Führung durch die Familie Breitling. Schneider verband robuste mechanische Fliegeruhren mit modernen Quarz- und Elektronikmodellen.

Für die italienische Kunstflugstaffel Frecce Tricolori entwickelte Breitling 1983 einen mechanischen Chronographen mit vier Lünettenreitern zum Glasschutz und flexiblem Rouleaux-Armband. 1984 übertrug Breitling diese Konstruktion auf den neuen Chronomat – bewusst gegen den damaligen Trend zu flachen Quarzmodellen gerichtet. Er wurde zu einem zentralen Erfolgsmodell; die aktuelle Generation greift Rouleaux-Armband und Lünettenreiter erneut auf.

Parallel setzte Breitling weiter auf elektronische Instrumente: Die 1985 vorgestellte Aerospace verband analoge Zeiger mit digitalen Anzeigen. Die 1995 eingeführte Emergency besaß als erste Armbanduhr einen integrierten Notrufsender mit ausziehbaren Antennen für die internationale Luftnotfrequenz; die spätere Emergency II ergänzte einen digitalen Zweifrequenzsender für Such- und Rettungssysteme.

1994 übernahm Ernest Schneiders Sohn Théodore die Leitung und baute die Position als Hersteller technischer Sport- und Fliegeruhren aus, mit dem Ziel, sämtliche Werke durch die COSC als Chronometer zertifizieren zu lassen.

Das Breitling-Manufakturkaliber B01

2001 eröffnete Breitling die Chronometrie in La Chaux-de-Fonds zur Prüfung, Montage und Regulierung von Werken. 2009 präsentierte die Marke mit dem Breitling Manufakturkaliber B01 ihr erstes selbst entwickeltes automatisches Chronographenkaliber: integrierte Konstruktion, Schaltradsteuerung, vertikale Kupplung, rund 70 Stunden Gangreserve. Zunächst im Chronomat eingesetzt, treibt es heute Modelle der Navitimer-, Premier-, Top-Time-, Avenger- und Chronomat-Familien an. Darauf basieren weitere Kaliber mit Handaufzug, GMT, Schleppzeiger oder ewigem Kalender. Zum 140-jährigen Bestehen stellte Breitling 2024 das B19 vor, das automatischen Chronographen mit ewigem Kalender und Mondphase kombiniert.

Breitling ist dennoch keine vollständig vertikal integrierte Manufaktur: Neben eigenen Werken kommen Kaliber von Partnern zum Einsatz – das B20 basiert auf Kenissi, das Tourbillon-Kaliber B21 entsteht mit La Joux-Perret, das Vollkalenderwerk B25 mit Concepto, hinzu kommen Schweizer Standardwerke und thermokompensierte SuperQuartz-Kaliber. Alle aktuellen Werke müssen die COSC-Chronometerprüfung bestehen.

Eigentümerwechsel und die Ära Georges Kern

2017 verkaufte die Familie Schneider Breitling an den Finanzinvestor CVC Capital Partners. Im selben Jahr übernahm der frühere IWC-Chef Georges Kern die operative Leitung und beteiligte sich selbst am Unternehmen. Unter ihm wurde das Sortiment neu geordnet, die historische Modellvielfalt herausgearbeitet und das lange von massiven Fliegeruhren geprägte Markenbild erweitert – Breitling positioniert sich seither als sportliche, vergleichsweise informelle Luxusmarke mit den Themenwelten Luft, Land und Meer.

Seit 2023 ist die Schweizer Partners Group Mehrheitsaktionärin, CVC, Management und weitere Investoren bleiben beteiligt. Breitling gehört damit keinem großen Uhren- oder Luxuskonzern, befindet sich aber auch nicht mehr im Besitz einer Gründerfamilie. Georges Kern führt das Unternehmen weiterhin als CEO.

Die wichtigsten Breitling-Kollektionen

Die Breiting Navitimer bleibt die bekannteste Uhr der Marke und verbindet den historischen Flugrechner mit automatischen oder handaufgezogenen Kalibern; dazu kommen kleinere Drei-Zeiger- und GMT-Modelle sowie die Cosmonaute. Die Chronomat steht für vielseitige sportliche Uhren mit charakteristischen Lünettenreitern und Rouleaux-Armband, von Chronographen über GMT-Modelle bis zu kleineren Automatikuhren.

Die Breitling Superocean ist die funktionale Taucheruhrenkollektion, die Superocean Heritage interpretiert die Gestaltung von 1957 eleganter. Die Avenger setzt auf große, robuste Flieger- und Einsatzuhren, die Classic AVI erinnert an die Co-Pilot-Chronographen der 1950er.

Die Breitling Premier bildet die klassisch-elegante Seite Breitlings ab mit Chronographen, Kalenderuhren und Tourbillons. Die Top Time verbindet Retro-Design mit Motorsport- und Popkulturbezügen. Unter „Professional“ fasst Breitling technische Modelle wie Endurance Pro, Aerospace und Emergency zusammen. Das Gesamtprogramm gliedert sich weiterhin nach den historischen Themen Luft, Land und Meer.

Breitling zeichnet sich durch seine konsequente Beschäftigung mit der Kurzzeitmessung aus: der separate Chronographendrücker von 1915, die Zwei-Drücker-Konstruktion der 1930er, der Chronomat mit Rechenschieber, die Navitimer und das Manufakturkaliber B01 markieren zentrale Etappen. Mit Superocean, Chronomat, Premier und Emergency besitzt die Marke zudem mehrere eigenständige Modellgeschichten und zählt damit zu den wichtigsten Unternehmen in der Geschichte des modernen Armbandchronographen.

 

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