Unser Markenkosmos zum Uhrenhersteller

IWC

Die Geschichte der Uhrenmarke IWC Schaffhausen beginnt ungewöhnlich. Denn anders als praktisch alle großen Schweizer Uhrenhersteller entstand die IWC International Watch Company nicht in Genf oder im Jurabogen, sondern in der deutschsprachigen Schweiz. Der amerikanische Uhrmacher und Ingenieur Florentine Ariosto Jones gründete das Unternehmen im Jahr 1868 in Schaffhausen. Seine Idee bestand darin, moderne amerikanische Fertigungsmethoden mit der handwerklichen Kompetenz der Schweizer Uhrmacherei zu verbinden. Die Wasserkraft des Rheins sollte dabei die für eine rationelle Produktion benötigten Maschinen antreiben.

Schon die frühen Jones-Kaliber begründeten den Ruf des Unternehmens als Hersteller robuster und präziser Uhrwerke. Ende des 19. Jahrhunderts folgten dann auch Pallweber-Taschenuhren mit digitaler Stunden- und Minutenanzeige. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich IWC zunehmend zum Hersteller technisch geprägter Armbanduhren.

Ein entscheidendes Kapitel begann 1936 mit der ersten IWC Flieger Spezialuhr. Ihr schwarzes Zifferblatt, große Leuchtziffern und die auf gute Ablesbarkeit ausgelegte Gestaltung legten gestalterische Grundlagen, die sich bis heute in den IWC Pilot’s Watches finden. 1948 entstand schließlich, auf Anforderung der britischen Royal Air Force, die legendäre IWC Mark 11. Sie entwickelte sich zu einer der bekanntesten professionellen Fliegeruhren überhaupt.

Portugieser, Ingenieur und Aquatimer

1939 erhielt IWC von zwei portugiesischen Händlern den Auftrag, eine besonders präzise und für damalige Verhältnisse ungewöhnlich große Armbanduhr zu bauen. IWC setzte dafür das Taschenuhrkaliber 74 in ein 41,5 Millimeter großes Gehäuse. Aus diesem Auftrag entstand die IWC Portugieser, heute eine der wichtigsten Modellfamilien der Marke. Eisenbahnminuterie, arabische Ziffern und schlanke Zeiger prägen ihre Gestaltung bis in die Gegenwart.

Ebenfalls große Bedeutung besitzt der technische Direktor Albert Pellaton, der ab 1944 die Werkentwicklung in Schaffhausen entscheidend prägte. Mit ihm verbunden sind der berühmte Pellaton-Aufzug und besonders robuste Automatikwerke. 1955 debütierte die erste IWC Ingenieur. Ein Weicheisen-Innengehäuse schützte ihr Werk vor Magnetfeldern. In den 1970er-Jahren gestaltete der Schweizer Uhrendesigner Gérald Genta die Ingenieur SL Referenz 1832. Ihr integriertes Armband, die markante Lünette und der technische Auftritt beeinflussen die Ingenieur-Kollektion bis heute.

Mit der Aquatimer stieg IWC 1967 auch in das Segment professioneller Taucheruhren ein. Die erste Referenz war bis 200 Meter wasserdicht und besaß bereits eine innenliegende Drehlünette zur Kontrolle der Tauchzeit.

IWC Da Vinci und der ewige Kalender von Kurt Klaus

Zu den wichtigsten technischen Leistungen von IWC gehört der von Kurt Klaus entwickelte ewige Kalender. Er debütierte 1985 in der IWC Da Vinci Ewiger Kalender. Die Konstruktion besteht aus lediglich 81 Komponenten und synchronisiert Datum, Wochentag, Monat, Mondphase sowie die vierstellige Jahresanzeige. Besonders anwenderfreundlich: Die Anzeigen können gemeinsam über die Krone weitergestellt werden.

Unter Günter Blümlein, der IWC durch die schwierige Zeit der Quarzkrise zurück zur hochwertigen Mechanik führte, entstanden weitere außergewöhnliche Uhren. 1990 folgte die IWC Grande Complication, 1993 zum 125-jährigen Firmenjubiläum die hochkomplizierte Il Destriero Scafusia mit ewigem Kalender, Minutenrepetition, Tourbillon und Schleppzeiger-Chronograph.

Pionier bei Titan und Keramik

IWC hat sich außerdem früh mit neuen Gehäusematerialien beschäftigt. Gemeinsam mit Porsche Design stellte die Manufaktur 1980 den Porsche Design Titan Chronograph vor – die weltweit erste Armbanduhr mit Gehäuse und Armband aus Titan. 1986 folgte mit einer Da Vinci die erste Armbanduhr mit einem Gehäuse aus schwarzer Zirkoniumoxid-Keramik. Später kamen Materialien und Werkstoffentwicklungen wie Ceratanium sowie farbige Keramik hinzu.

Diese technisch-industrielle Ausrichtung gehört bis heute zur Identität von IWC. Sie unterscheidet die Schaffhauser in gewisser Weise von vielen stärker auf traditionelle Genfer Haute Horlogerie ausgerichteten Manufakturen.

Die wichtigsten IWC Uhren und Modellreihen

Heute konzentriert sich IWC Schaffhausen vor allem auf fünf große Uhrenfamilien. Die Pilot’s Watches umfassen Modelle wie die Mark-Serie, den Pilot’s Watch Chronograph und die markante Big Pilot’s Watch. Die Portugieser verbindet klassisches Design mit anspruchsvollen Komplikationen und reicht vom Portugieser Chronograph bis zum ewigen Kalender. Die Ingenieur steht für die sportlich-technische Seite von IWC und knüpft gestalterisch wieder eng an Gérald Gentas Ingenieur SL an.

Die Portofino vertritt die elegantere und klassischere Seite der Marke, während die Aquatimer als professionelle Taucheruhr konzipiert ist. Historisch gehört darüber hinaus die Da Vinci zu den bedeutendsten Modellreihen von IWC, auch wenn sie gegenwärtig nicht mehr zu den fünf Kernkollektionen zählt.

Zu den wichtigsten IWC-Modellen zählen:

IWC Portugieser, IWC Big Pilot’s Watch, IWC Pilot’s Watch Mark-Serie, IWC Pilot’s Watch Chronograph, IWC Ingenieur, IWC Aquatimer, IWC Portofino und die historische IWC Da Vinci.

IWC heute

Seit dem Jahr 2000 gehört IWC Schaffhausen zum Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont, zu dem auch Marken wie Cartier, Jaeger-LeCoultre, Vacheron Constantin und A. Lange & Söhne gehören. Seit 2017 führt Christoph Grainger-Herr das Unternehmen als CEO. 2018 eröffnete IWC in Schaffhausen ein modernes Manufakturzentrum, in dem unter anderem Gehäuse, Werkkomponenten und Manufakturkaliber gefertigt beziehungsweise montiert werden.

Über mehr als 150 Jahre hat sich IWC dabei eine bemerkenswert klare Position erarbeitet. IWC Schaffhausen steht für technisch durchdachte Schweizer Luxusuhren, funktionales Design, robuste Chronographen, Fliegeruhren und aufwendig konstruierte Kalendermechanismen. Die Verbindung von Ingenieursdenken und traditioneller Uhrmacherei, mit der Florentine Ariosto Jones 1868 begann, ist damit bis heute ein wesentlicher Teil der Identität der International Watch Company.

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