Unser Markenkosmos zum Uhrenhersteller

Breguet

Breguet gehört zu den historisch bedeutendsten Namen der Uhrmacherei. Die Marke wurde 1775 von Abraham-Louis Breguet in Paris gegründet und steht bis heute für klassische Gestaltung, aufwendige Komplikationen und zahlreiche technische Erfindungen. Typische Merkmale sind guillochierte Zifferblätter, fein kannelierte Gehäuseränder, gebläute Breguet-Zeiger mit offener Spitze und die charakteristischen Breguet-Ziffern. Seit 1999 gehört das Unternehmen zur Swatch Group. Die Uhren entstehen heute in der Schweizer Breguet-Manufaktur im Vallée de Joux.

Abraham-Louis Breguet und die Anfänge in Paris

Abraham-Louis Breguet wurde 1747 im damals preußischen Neuchâtel geboren. Als Jugendlicher ging er nach Frankreich, um seine Ausbildung in Versailles und Paris zu vervollständigen. 1775 eröffnete er am Quai de l’Horloge auf der Pariser Île de la Cité seine eigene Werkstatt. Durch Kontakte zum französischen Hof gewann er schon früh eine wohlhabende und einflussreiche Kundschaft. Zu seinen Kunden gehörten Marie-Antoinette, Napoleon Bonaparte, Zar Alexander I., Caroline Murat und zahlreiche europäische Adelsfamilien.

Breguet verband wissenschaftliches Denken mit einer für seine Zeit ungewöhnlich klaren Gestaltung. Seine Uhren waren technisch anspruchsvoll, wirkten aber häufig übersichtlicher und zurückhaltender als die reich verzierten Zeitmesser vieler Zeitgenossen. Bereits 1783 entstanden die später nach ihm benannten Zeiger und Ziffern. Ab 1786 nutzte er Guillochierungen nicht nur als Dekoration, sondern auch zur besseren Gliederung und Ablesbarkeit der Zifferblätter.

Zu seinen wichtigsten frühen Entwicklungen gehörte die „Perpétuelle“. Bei diesen Taschenuhren sorgte eine bewegliche Schwungmasse für den automatischen Aufzug. Die erste zuverlässig funktionierende Ausführung verkaufte Breguet 1780 an den Herzog von Orléans. Mit den später angebotenen Subskriptionsuhren entwickelte er außerdem vergleichsweise einfache, robuste Zeitmesser, die gegen Anzahlung bestellt und rationeller hergestellt werden konnten.

Erfindungen mit Wirkung bis heute

Der Name Breguet ist mit einer außergewöhnlichen Zahl uhrmacherischer Erfindungen verbunden. 1783 ersetzte Abraham-Louis Breguet die bis dahin üblichen Glocken in Repetieruhren durch gebogene Klangfedern. Dadurch konnten Schlagwerkuhren flacher gebaut werden und zugleich harmonischer klingen. Um 1790 entwickelte er mit dem „Pare-chute“ einen Vorläufer moderner Stoßsicherungen. Die empfindlichen Zapfen der Unruhwelle wurden dabei elastisch gelagert und dadurch besser vor Schlägen geschützt.

1795 folgte die Breguet-Spirale. Durch das nach oben gebogene Ende konnte sich die Spiralfeder konzentrischer ausdehnen und zusammenziehen. Das verbesserte die Ganggenauigkeit und verringerte den Verschleiß. Die sogenannte Breguet-Endkurve wird bis heute in hochwertigen mechanischen Uhrwerken eingesetzt.

Die berühmteste Erfindung ist das Tourbillon. Abraham-Louis Breguet erhielt dafür am 26. Juni 1801 ein zehn Jahre gültiges Patent. Hemmung und Unruh befinden sich dabei in einem rotierenden Käfig. Bei senkrecht getragenen Taschenuhren sollten sich die durch die Schwerkraft verursachten Gangabweichungen auf diese Weise teilweise ausgleichen. Erste Tourbillons kamen 1805 in den Verkauf. Heute zählt die Konstruktion zu den bekanntesten und anspruchsvollsten Komplikationen der Haute Horlogerie.

Zu den legendären historischen Uhren zählt die 1783 in Auftrag gegebene Taschenuhr Nummer 160, die als „Marie-Antoinette“ bekannt wurde. Sie sollte sämtliche damals bekannten Komplikationen und technischen Verbesserungen vereinen. Die Königin erlebte ihre Fertigstellung nicht mehr. Das extrem komplizierte Einzelstück wurde erst viele Jahre nach ihrem Tod vollendet und gilt heute als eines der bedeutendsten Werke der Uhrengeschichte.

Die erste für das Handgelenk entworfene Uhr

1810 bestellte Caroline Murat, Königin von Neapel und jüngste Schwester Napoleons, bei Breguet eine Uhr, die ausdrücklich am Handgelenk getragen werden sollte. Die Uhr Nummer 2639 war ein flacher, ovaler Zeitmesser mit Repetierwerk und wurde an einem Armband aus Goldfäden und Haar befestigt. Sie gilt als die erste archivalisch belegte Uhr, die gezielt für das Tragen am Handgelenk entworfen wurde. Das Original ist nicht erhalten, bildet aber die historische Grundlage der heutigen Kollektion Reine de Naples.

1815 ernannte König Ludwig XVIII. Abraham-Louis Breguet zum Uhrmacher der französischen Marine. Präzise Marinechronometer waren damals für die Navigation und die Bestimmung des Längengrads von entscheidender Bedeutung. An diese Verbindung erinnert heute die sportlich-elegante Kollektion Marine.

Abraham-Louis Breguet starb 1823. Sein Sohn Antoine-Louis und später sein Enkel Louis-Clément führten das Unternehmen weiter. 1870 verkaufte Louis-Clément Breguet die Uhrensparte an den langjährigen Werkstattleiter Edward Brown. Dessen Familie leitete das Haus anschließend genau ein Jahrhundert lang und bewahrte den Namen trotz Kriegen, Wirtschaftskrisen und des Wandels von der Taschen- zur Armbanduhr.

Vom Type XX zur Swatch Group

In den 1950er-Jahren fertigte Breguet Fliegerchronographen nach den Vorgaben des französischen Militärs. Diese Type-20-Uhren verfügten über eine Flyback-Funktion, mit der sich der Chronograph durch einen einzigen Drückerdruck stoppen, nullstellen und neu starten ließ. Aus den militärischen Modellen entstand die zivile Linie Type XX, die bis heute zu den sportlichsten und bekanntesten Uhren der Marke gehört. Breguet unterscheidet inzwischen wieder zwischen dem militärisch inspirierten Type 20 und dem zivilen Type XX.

Nach dem Ende der Ära Brown wechselte Breguet mehrfach den Eigentümer. 1970 übernahm das Pariser Schmuckhaus Chaumet die Marke. 1976 wurde die Produktion aus Frankreich in das Schweizer Vallée de Joux verlegt. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei Chaumet gelangte Breguet 1987 zur Investmentgesellschaft Investcorp. 1999 kaufte die Swatch Group das Unternehmen einschließlich des bedeutenden Chronographenwerk-Spezialisten Nouvelle Lemania.

Nicolas G. Hayek investierte anschließend erheblich in die Manufaktur, die Entwicklung eigener Kaliber und die Wiederbelebung der historischen Identität. Unter seiner Führung kehrte Breguet in die Spitzengruppe der Schweizer Haute Horlogerie zurück. Seit Oktober 2024 wird die Marke von Gregory Kissling geleitet.

Die wichtigsten Breguet-Kollektionen

Die Classique verkörpert die traditionelle Breguet-Ästhetik besonders deutlich. Typisch sind runde, kannelierte Gehäuse, guillochierte oder emaillierte Zifferblätter, Breguet-Zeiger und häufig dezentral angeordnete Anzeigen. Das Programm reicht von schlichten Drei-Zeiger-Uhren bis zu ewigen Kalendern, Minutenrepetitionen und Tourbillons.

Die 2005 eingeführte Tradition greift die Konstruktion historischer Subskriptions- und Taktuhrwerke auf. Ein großer Teil der Mechanik liegt auf der Zifferblattseite offen. Federhaus, Räderwerk, Unruh und Stoßsicherung werden dadurch zu sichtbaren Gestaltungselementen. Die Tradition verbindet historische Architektur mit einer ausgesprochen modernen Erscheinung.

Die Breguet Marine erinnert an Breguets Ernennung zum Uhrmacher der französischen Marine. Sie verbindet sportlichere Gehäuse, erhöhte Wasserdichtigkeit und Metall- oder Kautschukbänder mit der traditionellen Finissage der Marke. Zur Kollektion gehören einfache Automatikuhren, Chronographen und hochkomplizierte Modelle wie die Marine Tourbillon Équation Marchante.

Mit Type XX beziehungsweise Type 20 pflegt Breguet seine Tradition als Hersteller von Fliegerchronographen. Die aktuellen Modelle bewahren die Flyback-Funktion und das funktionale Erscheinungsbild ihrer militärischen und zivilen Vorgänger aus den 1950er-Jahren.

Die ovale Breguet Reine de Naples ist von der für Caroline Murat entwickelten Armbanduhr inspiriert. Sie verbindet eine außergewöhnliche Gehäuseform mit Guillochierung, Perlmutt, Edelsteinbesatz und mechanischen Komplikationen. Die Héritage überträgt die klassische Breguet-Gestaltung auf geschwungene Tonneau-Gehäuse. Ergänzt wird das Programm durch die technisch ausgerichtete Linie Expérimentale, in der die jüngsten Entwicklungen der Forschungs- und Entwicklungsabteilung in kleinen Serien erprobt werden.

Breguet-Uhren zeichnen sich durch die Verbindung von technischer Substanz und einer klar erkennbaren historischen Formensprache aus. Nur wenige Marken haben die Entwicklung der mechanischen Uhr so nachhaltig beeinflusst. Tourbillon, Breguet-Spirale, Klangfeder und Pare-chute sind weit mehr als Elemente der eigenen Firmengeschichte: Sie gehören zum grundlegenden technischen Vokabular der Uhrmacherei. Breguet Classique, Tradition, Marine, Type XX und Reine de Naples übertragen dieses Erbe heute in sehr unterschiedliche, aber unverkennbar von Breguet geprägte Armbanduhren.

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