Unser Markenkosmos zum Uhrenhersteller

CHANEL

Chanel ist sicher keine klassische Uhrenmarke. Denn anders als viele traditionsreiche Schweizer Marken begann das französische Luxushaus nicht mit Uhrwerken, sondern ausschließlich mit Mode. So liegt zwischen der Gründung der Marke Chanel durch Gabrielle „Coco“ Chanel im Jahr 1910 und dem Start als eigenständige Uhrengeschichte im Jahr 1987 nicht weniger als 77 Jahre. In den Folgejahren konnte sich Chanel jedoch durch seine ganz besonderen gestalterischen Marken-Codes sowie den ausnehmend konsequenten Aufbau einer eigenen Uhrenlinie bzw. durch die Beteiligung an einem Werkespezialisten unter den großen Uhrenmarken der Schweiz etablieren. Inzwischen genießen auch die eigene Fertigungskompetenz und die mechanischen Uhrwerke hohes Ansehen – was sich in einer adäquaten Preispositionierung niederschlägt.

Den Anfang machte 1987 die Chanel Première. Sie war die erste Armbanduhr von Chanel und wurde passend zur Modemarke als Damenuhr konzipiert. Das achteckige Gehäuse nimmt die Form des Verschlusses des Parfums Chanel N°5 auf, der wiederum an die Geometrie des Pariser Place Vendôme erinnern soll. Das mit Leder durchzogene Kettenarmband verweist dabei auf die berühmten Chanel-Handtaschen.
Schon die Première folgt damit dem Prinzip, das die Uhren der Marke bis heute prägt. Wobei Chanel seine Desigen-Codes  nicht nur auf das Zifferblatt überträgt, sondern aus den Designcodes komplette Uhrendesigns aus Gehäuse, Zifferblatt und Armband entwickelt.

Chanel Uhrenmanufaktur in La Chaux-de-Fonds

Für die weitere Entwicklung war 1993 entscheidend. Chanel übernahm die Schweizer Uhrenmanufaktur G&F Châtelain in La Chaux-de-Fonds und schuf sich damit eine eigene industrielle Basis in einem der wichtigsten Zentren der Schweizer Uhrenindustrie. Dort werden heute wesentliche Komponenten entwickelt, gefertigt und montiert. Dazu gehört insbesondere die Verarbeitung der Keramik, die später für Chanel eine zentrale Bedeutung bekommen sollte.

Seit 2013 verfügt Chanel zudem über ein eigenes Watch Creation Studio in Paris, das unter der Leitung von Arnaud Chastaingt aufgebaut wurde. Damit trennt die Marke gestalterische Entwicklung und technische Umsetzung bewusst: Das Design entsteht in Paris, Entwicklung und Fertigung erfolgen in der Schweizer Manufaktur.

J12: die Uhr, die Chanel in der Uhrenwelt etablierte

Den eigentlichen Durchbruch als Uhrenmarke brachte 2000 die Chanel J12. Die sportliche Uhr erschien zunächst vollständig in schwarzer Hightech-Keramik und unterschied sich damit deutlich von den damals vorherrschenden Sportuhren aus Stahl oder Edelmetall. 2003 folgte die weiße J12. Gerade diese beiden Farbvarianten machten Keramik zu einem Erkennungsmerkmal der Chanel-Uhren.

Die J12 ist bis heute die wichtigste Uhrenkollektion des Hauses. Charakteristisch sind das runde Gehäuse, die markante Drehlünette und das Keramikband. Chanel fertigt die Keramikkomponenten in der eigenen Manufaktur und übernimmt dort unter anderem Formgebung, Sintern, Polieren und Montage. Neben Schwarz und Weiß führte die Marke inzwischen auch eine speziell entwickelte blaue Keramik ein.

Technisch hat sich die J12 ebenfalls deutlich weiterentwickelt. Die mechanischen 38-Millimeter-Versionen verwenden heute das automatische Kaliber 12.1, das von der Schweizer Werkemanufaktur Kenissi hergestellt wird. Chanel beteiligte sich 2019 an Kenissi. Das COSC-zertifizierte Werk bietet rund 70 Stunden Gangreserve.

Chanel – vom Modehaus zur eigenständigen Uhrenmanufaktur

Dass Chanel langfristig mehr sein wollte als ein Modehaus mit Uhrenkollektion, zeigte sich besonders ab 2016. In diesem Jahr präsentierte das Unternehmen die Monsieur de Chanel und damit zugleich das erste vollständig von Chanel entwickelte Haute-Horlogerie-Manufakturwerk, das Kaliber 1. Es kombiniert eine springende Stunde mit einer retrograden 240-Grad-Minutenanzeige und kleiner Sekunde. Das Handaufzugswerk besitzt rund 70 Stunden Gangreserve.

Weitere eigene Kaliber folgten. Chanel entwickelte unter anderem Werke für skelettierte Boy·Friend-Modelle sowie komplizierte Haute-Horlogerie-Uhren. Mit dem Kaliber 5 entstand beispielsweise ein eigenes fliegendes Tourbillon. Damit verfügt Chanel heute neben den von Kenissi produzierten Automatikwerken über eine eigene Abteilung für Entwicklung und Montage komplexer mechanischer Kaliber in La Chaux-de-Fonds.

Boy·Friend, Code Coco und die Chanel-Designsprache

Neben Première und J12 entstanden weitere Kollektionen, die bewusst auf bekannte Gestaltungselemente des Modehauses zurückgreifen. 2015 wurde die Chanel Boy·Friend vorgestellt. Ihr achteckiges Gehäuse zitiert erneut die Architektur der Place Vendôme und verbindet eine vergleichsweise strenge Form mit femininen Details. Chanel versteht die Kollektion bewusst als Spiel mit traditionellen männlichen und weiblichen Gestaltungscodes.

2017 folgte die Code Coco. Hier steht weniger die klassische Uhrmacherei als die Verbindung von Uhr und Schmuck im Mittelpunkt. Das charakteristische Verschlusselement orientiert sich am Drehverschluss der Chanel-Handtasche und wird zum zentralen Gestaltungselement der Uhr.

Daneben nutzt Chanel insbesondere im Bereich der Haute Horlogerie und Métiers d’Art Motive, die eng mit Gabrielle Chanel verbunden sind: Kamelien, Löwen, Kometen, Sterne oder die Farbe Schwarz. Modelle wie die Première Camélia, aufwendig skelettierte J12-Varianten oder Tourbillons zeigen, dass die Marke dabei zunehmend traditionelle Schweizer Uhrmacherei mit der dekorativen Welt der Haute Couture verbindet.

Chanel heute

Heute gehören J12, Première, Boy·Friend, Code Coco und Monsieur de Chanel zu den zentralen Uhrenkollektionen des Hauses. Die Bandbreite reicht von Quarzuhren und Schmuckuhren über automatische Sportuhren bis zu aufwendig konstruierten Haute-Horlogerie-Modellen mit eigenen Manufakturkalibern. Entwicklung und Design werden vom Chanel Watch Creation Studio in Paris gesteuert, während die technische Umsetzung und ein wesentlicher Teil der Fertigung in La Chaux-de-Fonds erfolgen.

Chanel hat sich damit innerhalb von weniger als vier Jahrzehnten eine bemerkenswert eigenständige Position in der Uhrenwelt erarbeitet. Die Marke versucht nicht, die Geschichte klassischer Schweizer Manufakturen nachzuahmen. Stattdessen verbindet sie die unverwechselbaren Gestaltungscodes des Pariser Modehauses mit zunehmend anspruchsvoller Schweizer Uhrentechnik. Besonders die Première und die Chanel J12 haben inzwischen selbst den Status moderner Uhrenklassiker erreicht.

Bekannte Modelle und Kollektionen: Première, J12, Boy·Friend, Code Coco, Monsieur de Chanel sowie verschiedene Haute-Horlogerie- und Métiers-d’Art-Modelle.

Weitere Informationen über die Chanel eigene Uhrenmanufaktur in La Chaux-de-Fonds finden Sie unter diesem Link. 

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