Zeit, Jahreskalender, Mond-Indikation
Bei Uhrensammlern genießt die legendäre Rolex-Referenz 8171 einen Ruf wie Donnerhall. An diese historische Armbanduhr mit einfachem Vollkalendarium und Mondphasenanzeige knüpft die am 15. September 2026 in Mailand vorgestellte Rolex Perpetual Padellone. Hinter der bewusst klassisch gehaltenen Fassade agiert eine neue Generation ausgeklügelter Kalendermechanik. Sie hebt die Kreation in den Rang der bislang kompliziertesten konventionell tickenden Manufaktur-Rolex.
Neben den Stunden, Minuten und Sekunden führt der völlig neu entwickelte Jahreskalender Wochentag, Datum und Monat vor Augen, ergänzt durch eine ungewöhnliche Mond-Indikation. Doch damit nicht genug: Pünktlich um Mitternacht springen die Kalenderanzeigen gleichzeitig und augenblicklich weiter. Ein neues Haplos-System weiß zu unterscheiden zwischen Monaten mit 30 und 31 Tagen. Nur einmal im Jahr, beim Wechsel von Februar auf März, heißt es manuell korrigieren.

Das zugehörige Automatikkaliber 7190 basiert auf dem seit 2025 in der Land-Dweller bewährten 7135. Mehr dazu hier im Uhrenkosmos.
30 Patentanmeldungen begleiten den mechanischen Mikrokosmos, zwei davon beziehen sich exklusiv auf die Perpetual Padellone, welche die Linie Perpetual 1908 nach oben hin ergänzt. Trotz dieses Genfer Mechanik-Feuerwerks wirkt die 39 mm messende Armbanduhr, erhältlich in Everose-Gold oder Platin, nicht wie ein technisches Schaustück. Zwei Fenster bei „12“, zentrales Zeigerdatum und die blaue Mondscheibe bei „6“ wecken spontane Erinnerungen an eine der begehrtesten Vintage-Rolex überhaupt.
Wegen des vor rund 75 Jahren beachtlichen Durchmessers von 38 mm tauften italienische Sammler besagte Referenz 8171 salopp, aber auch liebevoll Padellone. Übersetzt heißt das nichts anderes als „große Pfanne“. Wegen ihrer hohen Bedeutung für die Genfer Nobelmanufaktur und ihre Zukunfts-Philosophie verdient dieser brandneue Zeitmesser eine umfassende Erörterung.

Die Rolex Padellone ist keine Retro-Kopie
Nahezu alle der bekannten und beliebten Rolex-Uhrenlinien besitzen starke Bezüge zur Vergangenheit. Sie sind Resultate sorgfältig geplanter und ausgeführter Evolution. Reine Retromodelle wird man in der Kollektion indessen nicht finden. Das gilt logischerweise auch für den kalendarischen Newcomer. Rolex hat es sich nicht leicht gemacht, sondern vor allem technisch genau das Gegenteil getan. Die Perpetual Padellone ist erkennbar aus ihrer Vorgängerin hervorgegangen, präsentiert sich rundum jedoch als Produkt der Gegenwart und auch Zukunft.
Gegenüber der Vorbild-Referenz 8171 ist das Gehäuse nur um einen Millimeter gewachsen. Unten fein kanneliert und oben konvex gewölbt sticht der Glasrand ins Auge. Eine sanfte Fase auf der Oberseite akzentuiert die geschwungenen Bandanstöße. Selbstverständlich besitzen das leicht bombierte Saphirglas und der transparente Bereich des Bodens eine Antireflexbeschichtung. Fünf bar Wasserdichtigkeit, also ein Tiefgang bis 50 Meter, wirken im Umfeld moderner Oyster-Modelle eher bescheiden. Andererseits passen sie exakt zur bewusst eleganten Ausrichtung der Rolex Perpetual-Kollektion. Man erhält eine Dresswatch mit alltagstauglichen Qualitäten.

Beim Armband bietet die Everose-Version Wahlmöglichkeit zwischen braunem Alligatorleder oder dem siebenreihigen Settimo, welches man seit 2025 von der Perpetual 1908 kennt. Eine verdeckte Crownclasp lässt die Schmuckband-Optik möglichst ungestört. Das Lederband besitzt ein grünes Kalbslederfutter, Ton-in-Ton-Nähte und eine doppelte Dualclasp-Faltschließe. Die Platinversion hält mattschwarzes Alligatorleder am Handgelenk. Aus dem schweren Edelmetall besteht auch die Faltschließe. Untrügliches Kennzeichen hierfür ist hier das augenfällige eisblaue Zifferblatt.


Rolex Perpetual Padellone im Video
Rolex Perpetual Padellone und die Zifferblatt-Historie
Apropos Zifferblatt: Hier macht sich die Verwandtschaft zur Referenz 8171 am deutlichsten bemerkbar. Trotz mannigfacher Informationen wirkt die Scheibe, in deren Zentrum vier Zeiger drehen, keineswegs überladen. Rolex gliedert sie durch unterschiedliche Oberflächen. Den größten inneren Teil nimmt ein dezent strukturierter Bereich ein, während Rolex den äußeren Ring mit der Datumsskala fein satiniert hat.
Wochentag und Monat erscheinen nebeneinander in zwei Fenstern bei „12“. Die englischen Begriffe sind auf zwei darunter rotierenden Scheiben verewigt. Ein blauer Zeiger weist auf eine der 31 Datumszahlen. Seine Mondsichelspitze ist keine zufällige nostalgische Dekoration. Genau dieses Detail kennzeichnete bereits klassische Vollkalender-Armbanduhren der späten 1940er- und frühen 1950er-Jahre. Auch bei der 2019 vor- und inzwischen eingestellten Cellini Mondphase mit Zeigerdatum kam dieses Detail zum Tragen.


Dass Rolex bei einer komplett neuen Konstruktion strikt an dieser konventionell geprägten Anordnung festhält, ist mit Blick auf die ursprüngliche Padellone mehr als verständlich. Insofern musste das Konstruktionsteam die patentierte und in die Uhrwerks-Vorderseite integrierte Kalender-Kadratur entsprechend auslegen. Der anvisierte Auftritt am Handgelenk und die Mechanik entstanden also nicht unabhängig voneinander, sondern in engem Zusammenspiel. Aber die Entscheidung für einen zentralen Datumszeiger fiel nicht allein wegen des historischen Vorbilds. Ganz explizit nennt die diesbezügliche Patentschrift eine geringere Trägheit des Datumsrads als technischen Vorteil gegenüber einer deutlich gewichtigeren Datumsscheibe.


Mond-Indikation statt Mondphasen-Kulisse
Besondere Aufmerksamkeit verdient die außergewöhnliche Anzeige bei „6“. Rolex selbst bezeichnet sie als Mondphase. Optisch funktioniert die schon von besagter Cellini bekannte Indikation jedoch anders als die sattsam bekannten Ausführungen mit teilweise verdeckter Scheibe, bei der eine speziell geformte Blende die verschiedenen Lichtphasen erzeugt.
Demgegenüber bleibt die aufwändig blau emaillierte Scheibe bei der Perpetual Padellone stets vollständig sichtbar. Sie absolviert in 29,53 Tagen eine Umdrehung und bildet damit ziemlich exakt einen synodischen Mondmonat ab. Der kontinuierliche Zahnrad-Antrieb lässt auf einen Tag Genauigkeitsabweichung in 122 Jahren schließen. Zu sehen ist der aus Meteorit gefertigte Vollmond. Ihm gegenüber steht der dunkle Himmelskörper mit dunkelblauer PVD-Beschichtung für die unbeleuchtete Phase. Die jeweilige Stellung des Duos in einem gedachten Koordinatensystem zeigt, wo sich der Zyklus zwischen den beiden Extremen befindet.


Deswegen handelt es sich eher um eine andersartige Mond-Indikation denn um eine klassische bildhafte Mondphasenanzeige. Die Lichtgestalt entsteht nicht durch Abdecken eines Mondbilds. Stattdessen erfolgt die Visualisierung des zeitlichen Ablaufs von Neumond zu Neumond durch die kontinuierlich wechselnde Position der beiden unterschiedlichen Abbilder.
Ein kleines Detail verbindet 2026 besonders sympathisch mit der Vergangenheit. Beide Meteorit-Monde tragen aufgedruckte Gesichter. Nachdem der Mond im Französischen weiblichen Geschlechts ist, sind feminine Züge zu erkennen. Schon die historische Referenz 8171 zeigte ihren bleichen Erdtrabanten mit menschlichem Antlitz. Die neue Padellone übernimmt damit nicht nur eine Zifferblattarchitektur, sondern auch jenen kleinen Schuss Poesie, welchen man bei Rolex grundsätzlich eher selten, mittlerweile aber da und dort findet, wie die Day-Date-Emoji-Puzzle belegt. Schließlich zaubert Tampondruck auch noch kleine Sterne auf die blaue Email-Scheibe.


Vive la différence
Historisches Vorbild und die neue Perpetual Padellone sehen sich in gewisser Weise ähnlich. Kalendertechnisch trennen sie jedoch Welten. Die Referenz 8171 besaß einen vollständigen Kalender mit Anzeige von Datum, Wochentag und Monat. Die Mechanik machte aber keinen Unterschied, ob ein Monat 30 oder 31 Tage besitzt. Entsprechend musste der Besitzer regelmäßig zur berichtigenden Tat schreiten.
Der nun realisierte Jahreskalender, welcher sich konstruktiv deutlich von jenem in der Sky-Dweller unterscheidet, kennt die Gegebenheiten über ein Jahr hinweg. Am Ende von April, Juni, September und November springt das Datum unmittelbar vom 30. auf den 1. des Folgemonats. Entsprechend wechselt auch die Monatsindikation. Allein der mit 28 oder 29 Tagen besonders kurze Februar fällt aus dem programmierten Schema. Nur jeweils beim Übergang zum März braucht es deshalb einen kleinen manuellen Eingriff.
Den würde ein immerwährendes Kalendarium vermeiden. Aber eine mechanische Komplikation auf diesem Level passt grundsätzlich nicht zur Rolex-Philosophie. Ihr zufolge sollen Zusatzfunktionen hilfreich sein und relativ unkompliziert funktionieren. Dieses Denken zeigte sich schon Ende der 1980er-Jahre, als Rolex eine Oysterquartz mit ewigem Kalender entwickelte. Über das Prototypenstadium kam dieses ambitionierte Projekt aber nicht hinaus.

Rolex Haplos System
Die Besonderheit der Perpetual Padellone begründet sich auch darin, wie wenig zusätzliche Mechanik für einen intelligenten Jahreskalender nötig ist. Rolex nennt das neue System Haplos, abgeleitet vom altgriechischen Begriff für Einfachheit. Zwei mit dem Datumsmechanismus gekoppelte Komponenten, ein Jahreshebel und ein zusätzlicher Mitnehmerfinger genügen, um zwischen 30- und 31-Tage-Monaten zu unterscheiden.






Was die Rolex-Patentzeichnungen verraten
Die im Oktober 2025 veröffentlichte Patentschrift lässt genauer erkennen, wie Rolex die Aufgabe anging. Aus ihr geht hervor, dass die Position der Anzeigen integraler Bestandteil des Konzepts ist. Wochentags- und Monatsscheibe sitzen oberhalb der Zeigerachse. Weil zwölf Monatsangaben mehr Platz benötigen als sieben Wochentage, muss die zugehörige Scheibe logischerweise größer ausfallen. Folglich befindet sich der Drehpunkt weiter rechts und dazu auch noch etwas tiefer in Richtung horizontaler Mittelachse.
Durch diese wohlüberlegte Positionierung passt das Ganze auf die verfügbare Fläche. Der Rand reicht nicht über den Werkdurchmesser hinaus. Ausgeklügeltes Bedrucken der Monatsscheibe macht es möglich, dass beide Zifferblattausschnitte exakt nebeneinander liegen. Und die darin erscheinenden Informationen präsentieren sich dem Betrachter in gleicher Größe.
Technisch deutlich spannender wird es unterhalb dieser Ebene. Am Ende eines Monats mit 30 Tagen muss die Datumsindikation zwei Schritte vollziehen. Vier radiale Vorsprünge der Monatsprogrammkurve repräsentieren April, Juni, September und November. Die Kurve wirkt unmittelbar auf einen schwenkbar am Datumsrad gelagerten Hebel. Am Ende eines kurzen Monats stößt dessen Taststift gegen einen der Vorsprünge. Der Hebel kann nicht zurückweichen, sodass der Korrekturfinger seine Kraft auf das gesamte Datumsrad überträgt und den zusätzlichen Datumsschritt auslöst.
Bei einem Monat mit 31 Tagen steht der Taststift hingegen einem kreisförmigen Abschnitt der Programmkurve gegenüber. Der Hebel weicht aus, und der zusätzliche Schritt unterbleibt. Der Kalender erkennt die Monatslänge somit allein anhand der Geometrie und Stellung seiner Programmkurve. Der Übergang von Februar auf März geschieht ohnehin auf manuellem Weg.



Durchdachte doppelte Funktion
Bemerkenswert ist auch die Doppelfunktion der Monatsscheibe. Auf ihrer Unterseite befindet sich unmittelbar die Monatsprogrammkurve; Anzeige und mechanisches Jahresgedächtnis bilden ein einziges Bauteil. Weil die Kurve außermittig neben dem Datumsrad liegt, kann sie direkt mit dessen beweglichem Hebel zusammenwirken. Ein zusätzlicher Kurvenabtaster samt Übertragungskette ist nicht nötig. Das reduziert Teilezahl, Bauhöhe, Reibung und die beim Sprung zu bewegende Masse.
Die Grafiken veranschaulichen also deutlich, was ein Jahreskalender mechanisch bedeutet: Die Kadratur zählt nicht einfach Tage. Vielmehr muss sie wissen, wann im Jahreslauf der 31. zu überspringen ist.
An dieser Stelle bedarf es auch eines Hinweises auf den weit gefassten Schutzbereich. Die Patentschrift beschränkt die Architektur nicht auf den realisierten Jahreskalender, sondern nennt auch einfache, halb-ewige und ewige Kalender sowie mechanische, hybride oder elektronische Uhrwerke. Das erlaubt natürlich keine Rückschlüsse auf bereits geplante Rolex-Modelle. Es zeigt jedoch, dass die Manufaktur ihre Konstruktion als technische Plattform und nicht nur als Einzellösung für die Perpetual Padellone absichert.



Energie für schnellen Sprung
Mindestens ebenso interessant ist der zweite technische Aspekt des Patents. Die Perpetual Padellone schaltet ihre Kalenderanzeigen nicht langsam über eine längere Zeitspanne weiter. Datum, Wochentag und bei Bedarf auch der Monat springen um Mitternacht gleichzeitig und augenblicklich.
Dazu braucht es Energie, welche ein mechanisches Uhrwerk, das mit einem Milliardstel PS auskommt, im entscheidenden Moment definitiv nicht auf einmal zur Verfügung stellen kann. Der nötige Kraftstoß würde das Ticken zum Stillstand bringen. Aber Uhrmacher kennen schon seit Langem effiziente Möglichkeiten der Problemlösung. Und genau die gehen auch aus diesen Patentzeichnungen hervor. Das fein verzahnte Rad 34 erhält seinen Antrieb vom Basiswerk und vollzieht innerhalb von 24 Stunden eine komplette Umdrehung. Über eine unidirektionale Kupplung mit elastischer Sperrklinke verbindet es sich mit der Scheibe 37, welche die Schaltelemente für Datum, Monatskorrektur und Wochentag trägt. Hebel 41 und Feder 42 drücken eine Rolle gegen die Nockenscheibe 33.
Während des Tages steigt die Rolle langsam auf deren Kontur an und spannt den Energiespeicher. Am Schaltpunkt fällt sie ab. Schlagartig kann sich die angesammelte Kraft zur Fortbewegung der Kalenderanzeigen entfalten. Die Kupplung überträgt die Bewegung nur in der vorgesehenen Richtung und kann den Kalenderantrieb bei einer Bewegung in Gegenrichtung entkoppeln. In kurzen Monaten vollzieht der Datumszeiger einen doppelten, aber ebenfalls blitzartigen Sprung.
Was Rolex unter einem augenblicklichen Sprung versteht, definiert die Patentschrift ungewöhnlich konkret: Als typische Größenordnungen nennt sie etwa eine Hundertstelsekunde, eine Fünfundzwanzigstelsekunde oder eine Zehntelsekunde.





Durchdacht, durchdacht
Ein weiterer Kunstgriff verhindert, dass die Anzeigen nach ihrem Sprung nachschwingen oder versehentlich einen zweiten Schritt ausführen. Der Finger 6b schaltet nicht nur das Monatsrad weiter. Danach verbleibt er zwischen dessen Zähnen und bildet einen Anschlag für den folgenden Zahn. Beim Wochentagsrad erfüllt Finger 38 eine vergleichbare Doppelfunktion. Deshalb können die Rastfedern schwächer ausfallen.
Nach den Angaben der Patentschrift beträgt das Haltemoment am Monatsrad nur die Hälfte beziehungsweise rund zwei Drittel des Haltemoments am Datumsrad. Die geringe Trägheit des kombinierten Monatsrads und der reduzierte Kraftbedarf entlasten den Energiespeicher und begrenzen die Amplitudenschwankungen der Unruh beim Kalenderwechsel.
Der technische Reiz dieser durchdachten Kadratur besteht also in kontrollierter Abwicklung. Um Mitternacht erlebt man das Resultat mechanischer, während des ganzen Tags vorbereiteter Arbeit innerhalb eines winzigen Moments. Die präzise Sprungschaltung ist mehr als nur ein Schaueffekt. Durch den von Rolex betriebenen Aufwand bleiben die Anzeigen auch in der kurzen Phase des Wechsels logisch zueinander ausgerichtet. Und das unterscheidet einen konsequent durchkonstruierten Kalendermechanismus von einer bloßen Addition mehrerer Indikationen.



Korrekturen jederzeit
Die Bedienungsanleitungen vieler Kalenderuhren definieren einen Zeitraum vor und nach Mitternacht, in dem manuelle Korrekturen tunlichst unterbleiben sollten. Der Grund: Teile des Schaltmechanismus befinden sich bereits im Eingriff und können auf diese Weise beschädigt werden. Nicht so im Fall dieser neuen Rolex. Jederzeit und ohne Gefahr für die Kadratur lassen sich die Indikationen der Perpetual Padellone einstellen oder korrigieren. Dazu dienen vier in die Flanken des Gehäusemittelteils eingelassene Drücker. Ein passender Korrekturstift gehört selbstverständlich zum Lieferumfang.
Gerade bei einem Zeitmesser, der seine technische und uhrmacherische Komplexität nicht als Selbstzweck mit sich führt, ist diese Bedienungssicherheit von elementarer Bedeutung. Der Jahreskalender reduziert den überschaubaren Korrekturbedarf noch einmal zusätzlich. Bei regelmäßigem Tragen genügt ein kleiner Handgriff Ende Februar. Nicht mehr. Wer diese Armbanduhr nur zu besonderen Anlässen tragen möchte und im rauen Alltag seine Explorer, GMT-Master oder Submariner vorzieht, kann die Perpetual Padellone zwischendurch einem Umlaufgerät anvertrauen.
Kaliber 7190 in Aktion

Werk mit Familiensinn
Natürlich benötigt die in jeder Hinsicht bemerkenswerte Kalendermechanik einen passenden Zeit-Motor. Ganz bewusst nutzt Rolex für das komplett hauseigene Kaliber 7190 keinen seiner altbekannten Traktoren. Die sind zwar extrem zuverlässig, eine Dresswatch würden sie jedoch schlichtweg zu dick machen. Aber die Zahl 71 lässt ohnehin sofort erkennen, dass in diesem Fall jene Werkegeneration zum Einsatz kommt, welche sich bereits in der Perpetual 1908 und in der Land-Dweller bewährt. Sie ist flach und eignet sich deshalb in besonderer Weise zum Tragen der Kadratur.
Das 2023 vorgestellte Kaliber 7140 besitzt eine kleine Sekunde, die womöglich mit der Mond-Indikation in Konflikt geraten wäre. Beim Beim gerade einmal 4,05 mm hoch bauenden 7135 mit Zentralsekunde, das 2025 seinen Einstand gab, ist solches nicht der Fall. Ganz abgesehen davon verkörpert dieses Automatikwerk einen absolut zukunftsweisenden Stand zeitbewahrender Mechanik.


Die Aufwertung des Automatikkalibers 7135 zum 7190 und der Einzug in die Perpetual Padellone sind deshalb mehr als folgerichtig. Stündlich 36.000 Halbschwingungen vollziehen die Unruh mit variabler Trägheit und die zugehörige Spirale. Rolex verbindet schnelle 5-Hertz-Frequenz mit dem Anspruch, die Stabilität der Zeitmessung unter wechselnden Bedingungen zu verbessern, ohne die Gangautonomie ungebührlich zu reduzieren. Daher gehört die patentierte Dynapulse-Hemmung zu den technischen Schlüsselelementen. Diese aus Silizium gefertigte sequentielle Verteilungshemmung verbindet energetische Effizienz mit Zuverlässigkeit und hoher Magnetfeldresistenz. Kein Wunder, dass allein auf dieser Baugruppe sieben Patentanmeldungen lasten.

Syloxi, Keramik und fünf Hertz
Beim Gangregler setzt Rolex ebenfalls auf moderne Werkstoffe. Die patentierte Syloxi-Spirale besteht aus Silizium, das Magnetfeldern die kalte Schulter zeigt. Gleichzeitig bietet das überaus elastische Material thermische Stabilität und hohe Stoßfestigkeit. In den Kalibern 7135 und somit auch 7190 sind die Windungen besonders kräftig dimensioniert. Die höhere Steifigkeit liefert zusätzliche Federwirkung für das sehr schnelle Oszillieren.
Aus optimiertem Messing besteht der Unruhreif. Auch die Unruhwelle folgt diesem Konzept. Hochleistungskeramik macht sie ebenfalls unempfindlich gegen magnetische Einflüsse. Die optimierte Paraflex-Stoßsicherung gewährleistet nach heftigen Erschütterungen eine präzise Rückkehr der Unruhwelle in die ihr konstruktiv zugewiesene Position.
All das demonstriert, worauf Rolex mit seiner aktuellen Kaliberentwicklung zielt: Energieeffizienz, Hochfrequenz, Magnetfeldresistenz und Stoßfestigkeit gepaart mit anhaltender Präzision und Zuverlässigkeit. Dieses fundamentale Qualitäts- und Merkmalsbündel darf eine komplexe Kalender-Kadratur unter keinen Umständen schwächen. Dass Letztere die Energiebilanz nicht beeinträchtigt, belegen rund 66 Stunden Gangautonomie des Kalibers 7190.


Sichtbare Mechanik
Bei klassischen Oyster-Modellen bleibt die Mechanik traditionell verborgen. Wie bestimmte Daytona-Modelle und die Land-Dweller beschreitet auch die Perpetual-Kollektion einen anderen Weg. Schon die 1908 machte das Uhrwerk durch Saphirglas sichtbar. Und auch die Padellone rückt feine Zeit-Mechanik ins Blickfeld. Das insgesamt nur 5,86 mm in der Höhe messende Kaliber 7190 verfügt über eine durchbrochene Schwungmasse aus Gelbgold. Brücken tragen die Rolex-typischen Genfer Streifen. Diese Art der Dekoration unterscheidet sich von der klassischen Ausführung durch eine fein polierte Nut zwischen den einzelnen Bändern. Das ist keine Revolution der Finissage, aber ein sichtbarer Wandel im Selbstverständnis der Manufaktur. Inzwischen offenbart Rolex seine Mechanik, weil sie zweifellos einen wichtigen Teil des uhrmacherischen Reizes repräsentiert.
Auf den ersten Blick nicht sichtbar ist die Superlative-Chronometer-Zertifizierung. Aber sie zeigt sich beim Tragen der Perpetual Padellone. Seit 2026 umfasst sie zusätzlich Prüfungen zur Magnetfeldresistenz, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit. Für die fertige eingeschalte Uhr gilt weiterhin die strenge Rolex-Toleranz in der engen Bandbreite von täglich minus zwei bis plus zwei Sekunden.



75 Jahre zurück: Die Padellone
Wer verstehen will, weshalb Rolex 2026 ausgerechnet den Namen Padellone wiederbelebt, muss rund 75 Jahre zurückgehen. Damals konzentrierte Gründer Hans Wilsdorf erhebliche Kräfte auf robuste, präzise und vor allem automatisch aufziehende Armbanduhren. Die Datejust von 1945 glänzte mit einem praktischen Fensterdatum bei „3“. Gleichzeitig entstand für bewährte Savonnette-Kaliber ein Kalendermodul mit Mondphasenanzeige. Illustre Anregungen lieferte die elegante Welt komplizierter Dresswatches. In diesem Zusammenhang etablierten sich Vollkalender mit Fenstern für Wochentag und Monat, zentralem Zeigerdatum und rotierendem Erdtrabanten als überzeugende optische Ordnung.

Rolex kombinierte das Schaltwerk mit seinem patentierten Rotor-Aufzug. Die praktische Umsetzung erfolgte in den Referenzen 6062 und 8171. Beide Uhren sind technisch miteinander verwandt, aber keineswegs identisch. Erstere erhielt ein bauchiges Oyster-Gehäuse aus der eigenen Genex-Produktion. Die Letztgenannte beschritt einen anderen Weg.

Rolex und die „große Pfanne“
Für die Herstellung des Gehäuses der Rolex 8171 zeichnete der in Le Locle beheimatete Spezialist Favre Perret verantwortlich. Um 1950, als Herrenuhren in der Regel 33 oder 34 Millimeter maßen, waren 38 Millimeter eine echte Ansage. Kein Wunder, dass italienische Sammler später den durchaus treffenden Spitznamen „Padellone“ aus der Taufe hoben.
Das Faszinosum der „großen Pfanne“ resultiert nicht allein aus den beachtlichen Dimensionen. Wuchtige Bandanstöße treffen wohl proportioniert auf den kreisrunden Schalenkorpus. Das Quartett sitzt leicht versetzt am Mittelteil und verleiht der Armbanduhr markante Präsenz, ohne jedoch plump zu wirken. Der abgekantete und spiegelpolierte Glasrand unterstreicht den eleganten Charakter.
Eben diese spezielle Ausprägung des Gehäuses erschwert den Erhalt des ursprünglichen Zustands. Unsachgemäßes Polieren kann die subtile Geometrie dauerhaft zerstören. Hinzu kommen silberweiß gekörnte Zifferblätter, welche inadäquate Reinigungsversuche nicht verzeihen.

Aus diesen Gründen finden sich am Markt mehr oxidierte oder stümperhaft restaurierte Exemplare als gut erhaltene Originale. Sie mindern den Wert der in Edelstahl, Gelbgold und Roségold offerierten Padellone-Referenz 8171 ganz erheblich. Das keineswegs unrühmliche Ende kam Mitte der 1950er-Jahre mit der Einführung einer neuen Werkegeneration auf Basis des Manufakturkalibers 1030.
Ihm blieb die Aufwertung durch eine Vollkalender-Kadratur mit Mondphasenindikation auch deshalb versagt, weil sich das durch die patentierte Cyclop-Lupe vergrößerte Fensterdatum wesentlich besser ablesen ließ. Der am Handgelenk getragene Mond kam allmählich aus der Mode. Und mit der Day-Date lancierte Rolex eine perfekte Wochentagsanzeige. Auf die Indikation des Monats legten ohnehin nur wenige Wert.


Bedeutung für Rolex
Aus den genannten Gründen ist die neue Perpetual Padellone auch historisch bemerkenswert. Rolex belässt es nicht dabei, einen alten Spitznamen zurück in die Welt neuer Uhren zu bringen. Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf greift die von Jean-Frédéric Dufour geleitete Manufaktur eine vergessen geglaubte eigene Gattung wieder auf. Die Ähnlichkeiten lassen sich sofort erkennen: rundes, großzügig dimensioniertes Gehäuse, elegante Bandanstöße, zwei Kalenderfenster bei „12“, zentrales Zeigerdatum, Mond-Indikation bei „6“, gekörnte Zifferblattwirkung und ein Mond mit menschlichem Gesicht.
Wer die Referenz 8171 kennt, braucht keine lange Erklärung. Aber auch Zeitgenossen, die mit der Vergangenheit wenig vertraut sind, dürfte diese neue Armbanduhr schnell in ihren Bann ziehen. Technisch ist die Distanz zum Vorbild indes gewaltig. Das 21. Jahrhundert lebt. Und das Jahreskalender-Kaliber 7190 mit seinem Bündel bemerkenswerter technischer Eigenschaften demonstriert die geballte uhrmacherische Kompetenz der Manufaktur mit mehr als 120-jähriger Geschichte.

Gerade diese Mischung aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vermeidet einen einfallslosen Retro-Charakter der Perpetual Padellone. Das historische Vorbild lieferte die wichtige Grammatik, aber nicht den fertigen Satz.
Innerhalb der aktuellen Rolex-Kollektion wird diese Armbanduhr optisch und technisch eine besondere Stellung einnehmen. Die 2023 lancierte Perpetual 1908 eröffnete eine Modellfamilie jenseits der allseits vertrauten und begehrten Oyster-Welt. Schlankere Gehäuse, Sichtboden, Lederband oder schmuckartig ausgeführtes Metallband und eine bewusst klassische Formensprache rückten andere Perspektiven in den Vordergrund.

Als zweites Modell dieser Linie offenbart die Perpetual Padellone, dass die 1908 kein isoliertes Experiment war. Rolex schafft sich Raum für klassische Uhrmacherei, bei der nicht maximale Wasserdichte, Drehlünette oder sportliche Robustheit das Erscheinungsbild bestimmen. Gleichzeitig verzichtet die Manufaktur aber auch nicht auf ihre technischen Grundsätze. Genau deshalb passt der Jahreskalender so gut hierher. Er ist kompliziert, ohne umständlich zu sein. Und Haplos reduziert den zusätzlichen Aufwand ganz im philosophischen Sinne von Rolex auf das mechanisch Notwendige.
Summa summarum verbindet die Rolex Perpetual Padellone eine der reizvollsten historischen Ideen der Genfer Manufaktur mit ihrer derzeit fortschrittlichsten mechanischen Werkekompetenz. Genau darin liegt ihre Bedeutung. Sie schaut zurück, ohne rückwärtsgewandt zu sein. Und sie zeigt, dass bei Rolex die Zukunft durchaus komplizierter werden kann, ohne jedoch Besitzerinnen und Besitzer mit uhrmacherischer Komplexität zu überfrachten.
Preise gibt es natürlich auch. Die Everose-Version mit Lederband liegt bei rund 56.700 Euro. Mit Settimo Gliederband sind es 69.600 Euro. Platin schlägt mit ca. 63.800 Euro zu Buche. Und da dürfen sich Mitbewerber richtig warm anziehen. Die Lieferung erfolgt ab Oktober 2026 in überschaubaren Mengen. Werterhalt ist also gesichert.

Datenblatt |
Rolex Perpetual Padellone |
| Gehäusematerial | Everose-Gold oder Platin |
| Durchmesser | 39 mm |
| Höhe | 12,2 mm |
| Glas | bombiertes Saphirglas, antireflexbeschichtet |
| Gehäuseboden | Sichtboden mit antireflexbeschichtetem transparentem Bereich |
| Wasserdichte | 5 bar |
| Uhrwerk | Manufakturkaliber 7190, auf Basis Kaliber 7135 |
| Aufzug | Automatik, durchbrochene Schwungmasse aus Gelbgold |
| Gangautonomie | rund 66 Stunden |
| Frequenz | 36.000 Halbschwingungen/Stunde (5 Hz) |
| Oszillator | Unruh mit variabler Trägheit |
| Spirale | Syloxi-Spirale aus themisch stabilisiertem Silizium |
| Unruhwelle | Hochleistungskeramik, unempfindlich gegen Magnetfelder |
| Stoßsicherung | optimierte Paraflex-Stoßsicherung |
| Hemmung | Dynapulse, sequentielle Verteilungshemmung aus Silizium |
| Werkdurchmesser | 28,5 Millimeter |
| Werkhöhe | 5,86 mm |
| Funktionale Steine | 35 |
| Sekundenstopp | ja |
| Zifferblatt | innen dezent strukturier |
| Datumsskala | äußerer Ring fein satiniert, 31 Datumszahlen |
| Zeiger | zentrale Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger; blauer Datumszeiger mit Mondsichelspitze |
| Jahreskalender | Haplos-System; automatische Unterscheidung zwischen Monaten mit 30 und 31 Tagen |
| Datum | Zentrales Zeigerdatum; an kurzen Monatsenden Sprung vom 30. auf den 1. |
| Wochentag und Monat | zwei nebeneinanderliegende Fenster bei „12“, englische Anzeigen |
| Kalenderschaltung | gleichzeitiger, augenblicklicher Sprung um Mitternacht; Monat zum Monatswechsel |
| Kalenderkorrektur | einmal jährlich beim Übergang von Februar auf März |
| Bedienung | vier versenkte Korrekturdrücker im Gehäusemittelteil; Korrekturen jederzeit möglich |
| Mond-Indikation | bei „6“; vollständig sichtbare, blau emaillierte Scheibe mit Sternen |
| Mondzyklus | eine Umdrehung in 29,53 Tagen. Fehlweisung ein Tag in 122 Jahren |
| Mond-Darstellung | zwei Monde mit aufgedruckten Gesichtern. Vollmond Meteorit, Neumond dunkelblau PVD-beschichtet |
| Zertifizierung | Superlative Chronometer |
| Maximale Gangabweichung | −2 bis +2 Sekunden pro Tag für die eingeschalte Uhr |
| Werkdekoration | Rolex-Genfer-Streifen |
| Armband Everose | braunes Alligatorleder oder siebenreihiges Settimo-Metallband |
| Armband Platin | mattschwarzes Alligatorleder |
| Schließe Lederband | doppelte Dualclasp-Faltschließe Everose oder Platin |
| Schließe Settimo | verdeckte Crownclasp |
| Referenz Everose | 53505 |
| Referenz Platin | 53506 |
| Lieferumfang | Luxusetui und farblich passender Korrekturstift |
| Preise Everose: | ca. 56.700 Euro Lederband, ca. 69.600 Euro Settimo-Armband |
| Preis Platin: | ca. 63.800 Euro |
Mehr Infos und noch mehr Bildmaterial gibt es direkt bei Rolex.com.







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