Unser Markenkosmos zum Uhrenhersteller

Junghans

unghans gehört zu den großen Namen der deutschen Uhrengeschichte. Kaum eine andere deutsche Marke verbindet industrielle Fertigung, mechanische Uhrmacherei, Design und elektronische Zeitmesstechnik über einen derart langen Zeitraum. 1903 bis 1906 war Junghans die größte Uhrenfabrik der Welt, in den 1950er-Jahren gehörte das Unternehmen zu den bedeutenden Chronometerherstellern, später wurde es zum Pionier bei Quarz-, Funk- und Solaruhren.

Bis heute sitzt Junghans in Schramberg im Schwarzwald, wo das Unternehmen 1861 gegründet wurde. Seit 2009 befindet sich die Uhrenfabrik wieder in der Hand einer Schramberger Unternehmerfamilie. Die heutige Kollektion schlägt entsprechend einen weiten Bogen: von mechanischen Meister-Uhren und den Designklassikern von Max Bill bis zu Funk-Solaruhren der Performance-Linie.

Junghans Geschichte: Vom Schwarzwald zum größten Uhrenhersteller der Welt

Am 14. April 1861 gründete Erhard Junghans gemeinsam mit seinem Schwager Jakob Zeller-Tobler die Firma Zeller & Junghans in Schramberg. Zunächst produzierte das Unternehmen keine kompletten Uhren, sondern Komponenten für Schwarzwälder Großuhren: Gehäuseteile, Zeiger, Pendelscheiben und andere Bauteile. 1866 folgten die ersten eigenen Uhren.

Entscheidend für das schnelle Wachstum war die Bereitschaft, industrielle Fertigungsmethoden einzusetzen. Statt Uhrmacherei ausschließlich als Handwerk zu verstehen, orientierte sich Junghans früh an den rationalisierten Produktionsmethoden amerikanischer Hersteller.

Der Erfolg war enorm. 1903 beschäftigte Junghans rund 3.000 Menschen und produzierte mehr als drei Millionen Zeitmesser pro Jahr. Damit war das Unternehmen die größte Uhrenfabrik der Welt. Die Marke unterhielt inzwischen Produktionsstätten und Niederlassungen weit über den Schwarzwald hinaus, unter anderem in Paris und Venedig.

Zum sichtbaren Symbol dieser industriellen Größe wurde der Terrassenbau am Schramberger Werksgelände. Der vom Architekten Philipp Jakob Manz entworfene neunstufige Bau wurde 1918 fertiggestellt. Die terrassenartige Konstruktion sorgte dafür, dass möglichst viele Arbeitsplätze Tageslicht erhielten – für die präzise Arbeit an kleinen Uhrenteilen damals von erheblicher Bedeutung. Heute beherbergt der restaurierte Bau ein Museum zur Geschichte von Junghans und der Schwarzwälder Uhrenindustrie.

Junghans Meister: Mechanische Uhrmacherei aus Schramberg

Ab den 1930er-Jahren entwickelte Junghans verstärkt eigene Werke für Armbanduhren. 1936 erschienen die ersten Uhren mit dem Prädikat „Meister“. Ihr Kaliber J80 wurde in Schramberg entwickelt und gefertigt; die hochwertigere Variante J80/2 erhielt unter anderem dekorative Genfer Streifen.

Ihre große Zeit erlebte die Junghans Meister in den 1950er- und 1960er-Jahren. Junghans produzierte damals eine Vielzahl eigener Armbanduhrenkaliber und konzentrierte seine höherwertigen Konstruktionen in dieser Linie.

Auch in puncto Präzision besaß Junghans Gewicht. 1951 war das Unternehmen nach eigenen Angaben der größte Chronometerhersteller Deutschlands und 1956 der drittgrößte Chronometerhersteller weltweit. Ein Jahr später präsentierte Junghans mit dem J83 sein erstes automatisches Chronometerkaliber.

Die heutige Meister-Kollektion knüpft gestalterisch an diese Epoche an. Typisch sind gewölbte Zifferblätter, schmale Lünetten, stark gewölbte Gläser und insgesamt fließende Gehäuseformen. Das Programm reicht von der schlichten Meister Automatic über Meister Kalender und Meister Chronoscope bis zu sportlicheren Modellen wie der Meister S.

Junghans Pilot: Vom Modell J88 zur Bundeswehr-Fliegeruhr

Eine zweite wichtige historische Linie führt zur Fliegerei. Bereits 1946 entstanden die Konstruktionspläne für den Junghans-Chronographen J88. Das Handaufzugswerk verfügte unter anderem über Schaltradsteuerung und Breguetspirale und wurde von 1950 bis 1964 produziert.

Als die neu gegründete Bundeswehr Mitte der 1950er-Jahre einen Chronographen für ihre Piloten suchte, erhielt Junghans den Zuschlag. Besonders auffällig war die charakteristische zwölfeckige Drehlünette.

Dieses Gestaltungselement prägt auch die heutige Junghans Pilot. Die aktuellen Modelle interpretieren die historische Fliegeruhr technisch moderner, behalten aber die gezackte beziehungsweise zwölfseitige Lünette als wichtigstes Erkennungsmerkmal bei.

Junghans max bill: Bauhaus-Design aus Ulm

Keine Modellfamilie wird heute stärker mit Junghans verbunden als max bill. Die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Künstler, Architekten und Produktdesigner Max Bill begann in den 1950er-Jahren. Bill hatte am Bauhaus in Dessau studiert und gehörte später zu den Mitbegründern der Hochschule für Gestaltung Ulm. 1956 entwarf Max Bill gemeinsam mit seinen Studenten zunächst Wand- und Küchenuhren für Junghans. Das Prinzip war konsequent funktional: optimale Ablesbarkeit, klare Typografie und möglichst wenig dekorativer Ballast.

1961 erschienen die ersten auf Entwürfen von Max Bill fussenden Junghans-Armbanduhren. Ihre schmalen Zeiger, feinen Indexe beziehungsweise charakteristischen arabischen Ziffern und die streng organisierte Minuterie wirken bis heute erstaunlich modern.

Junghans produziert diese Gestaltung inzwischen seit mehr als sechs Jahrzehnten mit nur vorsichtigen Veränderungen. Die aktuelle Junghans max bill-Kollektion umfasst Handaufzugs- und Automatikuhren ebenso wie Chronographen sowie Quarz-, Funk- und Solarvarianten.

Gerade darin liegt die Besonderheit: Max Bill ist bei Junghans nicht einfach eine regelmäßig neu aufgelegte historische Edition, sondern eine dauerhaft fortgeführte Designlinie. Sie wurde zum international bekanntesten Gesicht der Marke.

Junghans und die Quarzuhr

Junghans beschränkte sich jedoch nie auf mechanische Uhrmacherei. Technologische Entwicklung gehörte bereits früh zur Firmenkultur. Um 1970 begann die Marke mit eigenen Quarz-Armbanduhren; 1971 erschien die Astro-Quartz. Gleichzeitig entwickelte Junghans hochpräzise elektronische Systeme für die professionelle Sportzeitmessung.

Einen Höhepunkt bildeten die Olympischen Sommerspiele 1972 in München, bei denen Junghans als offizieller Zeitnehmer eingesetzt wurde. Elektronische Startkontrolle, Lichtschranken und präzise Zielfotografie zeigten, wie weit sich das Unternehmen inzwischen von der klassischen Schwarzwälder Großuhr entfernt hatte.

Diese Offenheit gegenüber unterschiedlichen Technologien ist bis heute ein wichtiges Merkmal von Junghans. Mechanik, Quarz, Solar und Funk werden nicht als Gegensätze behandelt, sondern je nach Einsatzzweck parallel angeboten.

Junghans Mega 1: Die erste Funkarmbanduhr

Besonders deutlich wurde dieser Innovationsanspruch in den 1980er-Jahren. 1985 brachte Junghans zunächst eine serienmäßig gefertigte funkgesteuerte Tischuhr auf den Markt.

1990 folgte mit der Junghans Mega 1 die weltweit erste funkgesteuerte Armbanduhr. Das Signal eines Zeitzeichensenders synchronisierte die Uhr regelmäßig mit einer hochpräzisen Atomuhr-Zeitbasis. Dadurch musste die Uhr im normalen Betrieb weder gestellt noch regelmäßig korrigiert werden.

Nicht nur technisch war die Mega 1 ungewöhnlich. Ihr asymmetrisches Gehäuse entstand gemeinsam mit dem Designstudio FROG Design und setzte sich deutlich von konventionellen Armbanduhren ab.

Fünf Jahre später kombinierte Junghans die Funktechnik mit Solarenergie und einem Keramikgehäuse. Die 1995 vorgestellte Funk-Solaruhr wurde zum Vorläufer zahlreicher späterer Modelle.

Junghans Performance: Funk und Solar bis heute

Diese technische Tradition lebt heute in der Performance-Kollektion weiter. Modelle wie Force Mega Solar, Spektrum Mega Solar oder Stratos Mega Solar verbinden Funksteuerung mit Solarenergie.

Die aktuelle Force Mega Solar nutzt beispielsweise das Multifrequenz-Funk-Solarwerk J615.84. Es kann Zeitsignale in Europa, Japan und den USA empfangen, besitzt einen ewigen Kalender und lässt sich zusätzlich über die Junghans-App einstellen. Eine Dunkelgangreserve von bis zu 21 Monaten erhöht die Alltagstauglichkeit.

Damit pflegt Junghans einen Bereich, den zahlreiche traditionelle mechanische Uhrenmarken längst aufgegeben haben: die Entwicklung und Verwendung hochpräziser elektronischer Armbanduhren unter derselben Marke wie klassische mechanische Modelle.

Junghans FORM: moderne deutsche Gestaltung

Mit der FORM-Kollektion besitzt Junghans zusätzlich eine jüngere, bewusst moderne Designlinie. Sie übernimmt nicht einfach die Gestaltung von Max Bill, sondern interpretiert die Idee funktionaler deutscher Produktgestaltung zeitgemäßer.

Klare Zifferblätter, sachliche Gehäuse und zurückhaltende Proportionen prägen Modelle wie die FORM A. Dabei greift Junghans immer wieder auch die eigene Heimat im Schwarzwald auf, beispielsweise durch Farben, Materialien oder Details bei Sondereditionen.

FORM steht damit zwischen den historischen Linien Meister und max bill und der technologisch geprägten Performance-Familie.

Junghans in der Krise und die Familie Steim

Die Unternehmensgeschichte verlief allerdings keineswegs geradlinig. 1956 übernahm Diehl die Aktienmehrheit an Junghans. Jahrzehnte später wechselte die Marke erneut den Eigentümer und gelangte schließlich zur in Hongkong ansässigen Egana-Goldpfeil-Gruppe. Als Egana-Goldpfeil 2008 in finanzielle Schwierigkeiten geriet, wurde auch Junghans in die Insolvenz gezogen.

Für die Marke erwies sich die Krise jedoch als Wendepunkt. 2009 übernahmen der Schramberger Unternehmer Dr. Hans-Jochem Steim und sein Sohn Hannes Steim Junghans. Die Familie war über das Industrieunternehmen Kern-Liebers bereits eng mit Schramberg verbunden und entschied sich bewusst dafür, Marke und Produktionsstandort in der Stadt zu erhalten.

Heute wird die Uhrenfabrik Junghans GmbH & Co. KG vom geschäftsführenden Gesellschafter Hannes Steim vertreten. Junghans ist damit wieder ein familiengeführtes Unternehmen aus Schramberg.

Die wichtigsten Junghans Modellreihen heute

Die aktuelle Kollektion lässt sich im Wesentlichen in sechs Bereiche gliedern: Meister, Pilot, Sport, Junghans max bill, FORM und Performance. Die Meister Modelle stehen für die mechanische Tradition und die Formensprache der 1930er- bis 1960er-Jahre. Die Pilot führt die Geschichte des Bundeswehr-Chronographen mit Kaliber J88 fort. Die Linie max bill verkörpert hingegen die Verbindung der Marke zum Bauhaus und zur Hochschule für Gestaltung Ulm.
Die FORM interpretiert sachliches deutsches Design moderner, während die Junghans Sport robustere und sportlichere Uhren bündelt. In der Performance führt Junghans schließlich seine Kompetenz bei Funk- und Solartechnologie fort. Damit besitzt die Marke heute eine ungewöhnlich breite technische Basis: Mechanische Automatik- und Handaufzugsuhren stehen neben Quarz-, Solar- und Funkuhren.

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