Sonderausstellung im Junghans Terrassenbau-Museum

Junghans Geschichte: Der Alleskönner aus dem Schwarzwald

Die Geschichte von Junghans ist beeindruckend. Die Schramberger waren schon größter Uhrenhersteller der Welt und auch größter Chronometerhersteller Deutschlands und beherrschen bis heute alle im Uhrenbau relevanten Antriebstechnologien. Ein Streifzug.

von | 21.01.2026

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„Ich werde immer wieder gefragt: Wofür steht Junghans?“ Hannes Steim, Geschäftsführender Gesellschafter der Uhrenfabrik in Schramberg, hat sich angesichts der beeindruckenden Junghans Geschichte diese Frage auch selbst gestellt und kommt zu folgendem Schluss: „Wir sind der Universalist unter den Uhrenherstellern.“ Das werde deutlich sichtbar in der aktuellen Sonderausstellung im Terrassenbaumuseum, über deren Eröffnung der Uhrenkosmos schon berichtete.
Dort ist – unter anderem – zu sehen: Junghans beherrscht alle Antriebstechnologien der Zeitmessung: Mechanik, Quarz, Funk und Solar. Das können nicht viele. Drei große Konzerne fallen uns da ein: Die Swatch Group, Seiko und Citizen. Junghans ist heute im Vergleich dazu klein, ein mittelständisches Unternehmen, aber inhabergeführt.

Junghans Terrassenbau in Schramberg

Junghans Terrassenbau in Schramberg

Hannes Steim Geschäftsführer Junghans

Hannes Steim, geschäftsführender Gesellschafter Junghans

Die eindrucksvolle Junghans Geschichte mit ihren technischen Meilensteinen

Die technologische Vielfalt entwickelte Junghans schon, als das Unternehmen ein großer internationaler Player in der Uhrenindustrie war. Was viele nicht wissen: Im Jahr 1903, also weniger als 40 Jahren nach der Gründung, beschäftigte das Unternehmen 3000 Mitarbeiter und war mit einer Produktionszahl von drei Millionen Uhren im Jahr der weltweit größte Uhrenhersteller. Da hatte man finanziell und personell doch einige Möglichkeiten für technische Entwicklungen. Nachdem das Unternehmen lange Zeit Uhrwerke für seine Produktion bei Dritten – viele bei der thüringischen Firma Thiel in Ruhla – kaufte, entschied die Geschäftsleitung in den 1930er-Jahren, selbst ein Uhrwerk zu entwickeln und zu bauen.

1936 erschien das Handaufzugwerk Kaliber J80, das in der feinen Ausführung J80/2 den eleganten Uhren der Linie Meister vorbehalten waren. Beim Rundgang durch die Sonderausstellung werden weitere Meilensteine der Uhren- und Firmengeschichte sichtbar, auf die uns Norbert Grünberger hinweist. Der Mann ist ein wandelndes Junghans-Lexikon, nicht ohne Grund von Hannes Steim als technischer Archivar eingestellt und hat auch gemeinsam mit seinem Chef die Junghans Sonderausstellung „Junghans Armbanduhren – Meilensteine der Uhrengeschichte“ mit stolzen 320 Exponaten kuratiert.

Junghans Sonderausstellung Meilensteine der Uhrengeschichte

Sonderausstellung Meilensteine der Uhrengeschichte

Meilensteine der Junghans Uhren Geschichte

Meilensteine der Junghans Uhren Geschichte

Norbert Grünberger technischer Archivar mit einigen der 320 Exponate

Norbert Grünberger, der technische Archivar, mit einigen der 320 Exponate.

Mechanische Meisterleistungen

1951 war Junghans Deutschlands größter Hersteller von Chronometern, bis 1956 sind die Schwarzwälder nach Rolex und Omega gar drittgrößter Chronometerhersteller weltweit. Geprüft wird übrigens in einer Prüfstelle des Landesgewerbeamts Baden-Württemberg in Stuttgart. 1957 taucht ein weiterer Junghans Stern am Chronometerhimmel auf: Mit dem Werk J83 wird das erste automatische Junghans-Chronometerkaliber präsentiert, das für Sammler heute zu den wichtigsten Junghans-Uhrwerken zählt.

Mit seiner Architektur, der weiterentwickelten Schraubenunruh und der speziellen Feinregulierung gehört das Kaliber in seinen verschiedenen Varianten noch heute zu den schönsten je in Deutschland gebauten Chronometerwerken. Alle Chronometerwerke waren übrigens mit der von Junghans entwickelten Stoßsicherung ausgestattet. Diese erblickte schon 1927 in einer Uhr namens „NOBRK“ die Welt. Das war die Abkürzung für den englischen Begriff nonbreakable (unzerbrechlich) und bezog sich auf den besonders stabilen Lagerzapfen der Unruhwelle.

Junghans Chronometer Automatic Kaliber J83 (C) Uhrenkosmos

Junghans Chronometer Automatic Kaliber J83

Nobrk Uhr von 1927

Nobrk Uhr von 1927

Weil sich Junghans seit jeher als Vollsortimenter verstand, beherschte man im Schwarzwald bereits früh die Kurzzeitmessung. Schon in den 1930er-Jahren baute man Taschen-, Bord- und Stationsuhren mit Chronographenfunktion. Der erste Junghans Armbandchronograph kam 1950 auf den Markt, ausgestattet mit dem heute legendären Kaliber J88, ein vergoldetes Uhrwerk mit Handaufzug, dass übrigens erst 1952 mit einer Stoßsicherung ausgestattet wurde.

Weithin bekannt wurde es durch seinen Einsatz im Fliegerchronographen, der offizielle Dienstuhr der damals noch jungen deutschen Luftwaffe. In der ersten Hochzeit der Mechanik, zwischen 1949 und 1956, meldete das Unternehmen ganze 852 Patente an – ein eindrucksvoller Beleg für die Innovationskraft und den Erfindergeist der Schramberger Uhrmacher.

Junghans Chronometer alt und neu mit Zertifikat der Chronometerprüfstelle Baden-Württemberg

Junghans Chronometer alt und neu mit Zertifikat der Chronometerprüfstelle Baden-Württemberg.

Junghans Museum Chronographen-Kaliber J88

Junghans Museum Chronographen-Kaliber J88

Von Batterien und Quarzen

Auf der Suche nach noch mehr Präzision experimentierte die internationale Uhrenindustrie mit Zeitmessern, die ihre Energie aus einer Knopfbatterie zogen. Schon Anfang der 1960er-Jahre zerbrach man sich darüber auch in Schramberg den Kopf. Im März 1967 präsentierte Junghans sein erstes elektromechanisches Uhrwerk, das Kaliber 600 vor, dessen Antrieb transistorgesteuert ist.

Zeitgleich arbeiteten die Junghans-Entwickler an einer Armbanduhr, die von einem – noch genaueren – Schwingquarz gesteuert wurde. Sie tüftelten und suchten nach Lösungen, denn die Zeit drängte. Schließlich schlief die Konkurrenz nicht und es war ein Wettlauf mit der Zeit. Junghans lief in der Spitzengruppe.

1970 war die Zeit reif für eine Sensation, die Präsentation einer Vorserie der ersten deutschen Quarz-Armbanduhr. Mit der Astro-Quartz schlug Junghans wieder ein neues Kapitel Uhrengeschichte auf. Aufgrund der aufwendigen Technik kam die Uhr zu einem für damalige Verhältnisse stattlichen Preis von etwa 800 Mark auf den Markt. 1972 ging das Kaliber W666.02 in die Serienfertigung.

Junghans Astro Quartz

Junghans Astro Quartz

Junghans Geschichte im Museum mit dem Modell Astro-Quarz

Erfolgreiches Modell der reichen Junghans Geschichte - die Junghans Astro-Quarz.

Zeitsignal per Antenne

Aber damit war noch lange nicht Schluss. 1985 präsentierte Junghans die erste funkgesteuerte seriengefertigte Tischuhr für den privaten Gebrauch. Die Abweichung betrug in einer Million Jahre nur eine einzige Sekunde. Dahinter steckte eine Atomuhr. Die von ihr erzeugte Normzeit gelangte über eine Sendeanlage in den Äther – in Europa war dies die Zeit der Atomuhr der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig, die vom Sender DCF77 in Mainflingen nahe Frankfurt am Main verbreitet wurde.

Funkuhren sind in der Lage, dieses Zeitsignal über eine integrierte Antenne zu empfangen und je nach Programmierung der Uhrenelektronik die Zeit täglich oder sogar im Stundenrhythmus zu synchronisieren. Es ist daher kein Zufall, dass in der PTB eine ganze Vitrine mit Junghans-Funkuhren zu sehen ist.

Tischfunkuhr von 1985  im Auto- und Uhrenmuseum Schramber CC BY-NC-SA

Im Jahre 1985 eine Weltsensation - die Junghans Tischfunkuhr mit funkgesteuerter Zeitmessung.

Mit der Kraft der Sonne

Im Jahr 1986, zum 125-jährigen Firmenjubiläum, stellte Junghans mit der Tischuhr RCS1 die weltweit erste Funkuhr vor, die ihre Energie über die ressourcenschonende Solartechnologie bezog.

Der nächste Paukenschlag erfolgt 1990: Die Junghans Ingenieure hatten die Funktechnologie so weit miniaturisiert, dass sie diese in eine Armbanduhr integrieren konnten. Die Junghans Mega 1 (mehr dazu gibt es hier auf Uhrenkosmos zu lesen) war damit weltweit die erste Funkarmbanduhr. Sie wurde in Zusammenarbeit mit FROG Design unter Führung des Deutschen Hartmut Esslinger entworfen und überzeugte neben ihrer fortschrittlichen Technologie auch durch ihr futuristisches Design.

Junghans Mega Funk-Armbanduhren

Junghans Mega 1 und nachfolgende Funk-Armbanduhren.

Allerdings verlangt die regelmäßigen Synchronisationen nach Strom. Entsprechend verlangte die eigene Mega 1 alle zwei bis drei Jahre nach einer neuen Batterie. Deshalb erschien es nur konsequent, die Junghans Funktechnologie mit Solartechnologie zu kombinieren. Das Ziel: Die ultimativ-praktische Armbanduhr, die nie gestellt werden muss, immer die richtige Zeit anzeigt und keinen Batteriewechsel benötigt.

Im Frühjahr 1992 ist es soweit: Junghans-Ingenieur Wolfgang Ganter präsentiert der Fachpresse einen ersten Prototyp, im Januar 1993 war die Uhr schließlich serienreif. Geschäftsführer Wolfgang Fritz sprach von einer Sternstunde für Junghans und einem Meilenstein in der Entwicklung der Uhr. 1995 wurde die Antenne in ein Keramikgehäuse integriert. Die Mega Solar Ceramic mit Ihrem kratzfesten Gehäuse gilt als das Nonplusultra, als die Uhr, die laut Fritz „ewig läuft und niemals falsch geht“.

Junghans Mega-Solar 1993

Junghans Mega-Solar aus dem Jahr 1993

Junghans Geschichte im Museum - historische und aktuelle Junghans Solaruhr

Die Junghans Geschichte mit ihren Uhren zeigen den enormen technologischen Fortschritt der letzten 30 Jahre: historisches und aktuelles Junghans Solaruhren-Modell.

Multifrequenz für Globetrotter

Die jahrzehntelange Erfahrung mit der Funkuhrentechnik mündete 2004 in dem selbst entwickelten Mehrfrequenzwerk J101, das neben dem Signal des DCF 77 auch noch die der Sender MSF (Anthorn, England), JJY40 (Fukushima, Japan), JJY60 (Kyushu, Japan) und WWVB (Fort Collins, Colorado, USA) empfing. Damit genoß der Träger auf drei Kontinenten äußerste Funkpräzision.

Außerhalb des Empfangsbereichs lief die Meister Mega als reine Quarzuhr laut Junghans mit einer maximalen Zeitabweichung von acht Sekunden im Jahr. Damit diese Präzision auch sichtbar wird, gleichen aktuelle Junghans Mega Modelle mit einer Art Lichtschrankentechnik, Junghans nennt es Intelligent Time Correction (ITC), die Position der Zeiger mit dem zuletzt empfangenen Zeitsignal ab. Stunden- und Minutenzeiger werden zweimal am Tag, immer um 12 Uhr korrigiert, der Sekundenzeiger sogar zu jeder Minute – also 1440 Mal am Tag.

Reist man in Regionen ohne Funksignal, lässt sich die Ortszeit über die Krone korrigieren – wahlweise in Stundenschritten oder über einprogrammierte Zeitzonen. Und wie es sich in diesen Zeiten gehört, bietet Junghans auch noch eine Smartphone-App an, mit der sich die passende Ortszeit auf der Uhr einstellen lässt.

Ein nettes Feature – mit Rücksicht auf Fotografen und Uhrenhändler – ist die Möglichkeit, die Uhrzeit permanent auf die Zeit 10.08 Uhr einzustellen. Das ist die sogenannte Fotozeit, bei der Stunden und Minutenzeiger so etwas wie ein Lächeln zeigen. Außerdem haben die Junghans-Entwickler die Elektronik so programmiert, dass der Sekundenzeiger – im Gegensatz zu anderen Quarzuhren – zweimal pro Sekunde springt, was sie fast wie einen Sekundenzeiger einer mechanischen Uhr aussehen lässt.

Junghans Transponderuhren und moderne Junghans Force Mega Solar mit Multi-Frequenzband-Quarzwerk

Verschiedene Junghans Transponderuhren aus der Junghans Geschichte und aktuelle Junghans Force Mega Solar mit Multi-Frequenzband-Quarzwerk.

Exponate der Sonderausstellung im Junghans Terrassenbau Museum

Exponate der Sonderausstellung im Junghans Terrassenbau Museum.

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