Junghans und die Geschichte des Chronometers mit dem Kaliber J82

Dieser Junghans Chronometer erzählt von tiefen Tälern, dunklen Tannen und feinen Uhrwerken

Schramberg ist ein Ort vieler Geschichten. Auch der vom Aufstieg der Teileproduzenten Gebrüder Junghans zum Uhrenhersteller von Weltbedeutung. Da geht es um Präzision, wie die Kunst des hochwertigen Chronometerbaus. Der größte deutsche Uhrenhersteller Junghans beherrscht beides.

Die Gebrüder Junghans hatten im Jahre 1861 bei der Gründung ihrer Uhrenproduktion im kleinen Schwarzwaldstädtchen Schramberg sicher klare Vorstellungen über die Entwicklung ihres Unternehmens. Der Weg zum Uhrenhersteller kompletter Uhren, Armbanduhren oder gar komplexe Chronometer stand jedoch wohl noch in den Sternen. Zumindest wenn man den Beginn des Junghans Unternehmens ansieht. Dieser war nämlich zunächst auf eine moderne Teileproduktion und Zulieferung für die Uhrenindustrie ausgelegt.

Entsprechend hatte Franz Xaver Junghans in den USA zunächst die nötigen Maschinen und Werkzeuge für dieses unternehmerische Idee gekauft hatte. Als die Lieferung endlich in Schramberg eingetroffen war, begann er die Herstellung von Uhrenteilen auf „amerikanische“, also arbeitsteilige Art. Die so rationell aber dennoch passgenau gefertigten Uhrenteile erfreuten sich bald schon großer Beliebtheit bei den vielen Heimuhrmachern des hohen Schwarzwaldes.

Der Erfolg weckte aber die Begehrlichkeit nach mehr. Und so präsentierte Erhard Junghans 1866 der königlichen Zentralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart erstmals drei komplette Uhren als Muster einer Großuhren-Produktion amerikanischer Art mit wirtschaftlich günstig gefertigten Ganzmetallwerken. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und der langsame Aufstieg zu einem Weltunternehmen begann. Bis bei Junghans jedoch die ersten Armbanduhren auf Band gelegt wurden, gingen freilich weitere sechs Jahrzehnte ins Land.

 

Der Weg zum Präzisen Junghans Chronometer

Mit den nun in Mode kommenden Armbanduhren ging der Aufstieg der Firma Gebrüder Junghans weiter. Zunächst standen jedoch robuste und eher preiswerte Uhren im Vordergrund. Junghans produzierte von diesen Uhren eine hohe Stückzahl. Für dieses erhöhte Bekenntnis zur Präzision dauerte es aber nochmals zwanzig Jahre.
So war es das Jahr 1952, als Junghans die Fertigung besonders präziser Armbanduhren begann. Um diese neue Präzision zu dokumentieren gelangten nun diese besonderes präzisen Uhren mit einem Zertifikat der Uhrenprüfstelle des Landesgewerbeamtes Baden‑Württemberg in den Handel.

Die ursprüngliche Idee für die präzisen Junghans Chronometern entstand noch vor Ende des zweiten Weltkriegs, als man zusammen mit der Pforzheimer und der Glashütter Uhrenindustrie eine gleichermaßen genaue und robuste Wehrmachtsuhr bauen wollte. Diese Idee zerschlug sich jedoch, der Wunsch nach Präzsion war jedoch geblieben. Und so machte sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs der Junghans-Konstrukteur A. Letsche an die Entwicklung des legendären Kalibers J 82, welches ab 1952 in den ersten Junghans Chronometern tickte.

Der Weg zur Qualität

Beim neu entwickelten Chronometer-Kaliber handelte es sich um ein 12 ½liniges Handaufzugswerk mit 16 Steinen, Junghans-eigener Stoßsicherung und kleiner Sekunde. Die Evolution dieses Kalibers vollzog sich in kleinen Schritten, welche durch einen Schrägstrich und eine Zusatzziffer dokumentiert wurde. Auf das Kaliber J 82 folgten die Versionen J 82/1 bis J 82/3 mit indirekter Zentralsekunde und 17 Steinen. Diese Ausführungen besaßen bereits eine Sekundenstopp-Vorrichtung zum sekundengenauen Einstellung der Uhr. Gemeinsames Merkmal aller J 82-Kaliber bildete die besonders große Schraubenunruh, deren hohes Trägheitsmoment die Basis für die geforderte Präzision darstellte. Um die Bauhöhe niedrig halten zu können, verzichtete Junghans bei diesen Kalibern ganz bewusst auf die Verwendung von Breguetspiralen. Dies tat den Gangresultaten ganz offensichtlich keinen Abbruch.

Mehr Chronometer

Allein 1954 produzierte Junghans neben 60.000 normalen Armbanduhren beachtliche 7.000 Chronometer aus der Kaliberfamilie J 82. Eine stattliche Zahl. In den Jahren 1955/56 stellte Junghans dann die Chronometer-Fertigung auf das 11linige Kaliber J 85 um. Dessen 17steiniges Werk verfügte über eine direkte Zentralsekunde. Dadurch konnte die Bauhöhe beträchtlich reduziert werden. Da zu diesem Zeitpunkt bereits elektronische Unruh-Wuchtmaschinen existierten, erübrigten sich die vergleichsweise komplizierten Schraubenunruhn. Die Ringunruh des Kalibers J 85 besaß jedoch auf jedem Schenkel zwei senkrechte Gewichtsschrauben zum Nachregulieren, die erst beim Evolutionskaliber J 85/10 sowie beim späteren J 685 wegfielen. 1956 verließen rund 10.000 Armbandchronometer das Haus Junghans. Damit rangierte die Marke hinter Rolex und Omega auf Platz 3 in der Fertigung offiziell geprüfter Zeitmesser fürs Handgelenk.
Eine beachtliche Leistung und Ausdruck der Blüte der Marke Junghans in diesen Jahren. 

Der Aufstieg von Junghans zum weltweiten Player im Uhrenmarkt
Das große Junghans Portrait

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