Die Rolex Werkstätte für mechanische Werke in Biel - Teil 2
So produziert Rolex in seinem Werk in Biel

Das Rolex Werk in Biel am Bözingenfeld. Hier stehen immerhin 230.000 Kubikmeter umbauter Raum zur Verfügung. Mit den anderen Rolex Werkstätten stehen so insgesamt 400.000 Kubikmeter Produktionsvolumen zur Verfügung.

So produziert Rolex in seinem Werk in Biel

Gian Riccardo Marini, 2012 der Rolex-CEO, bei der Eröffnung des neuen Bieler Fabrikgebäudes

Ein Name, eine Uhrenfabrikation

Um die heutige Situation der Rolex-Produktion und Werkstätten zu verstehen ist es wichtig zu wissen, das erst im Jahr 2004, dem damaligen Rolex CEO Patrick Heiniger sei Dank, das chronometrische Groß-Unternehmen Rolex SA gebildet.
Dieser am 26. August 1950 in Argentinien geborene Sohn von André Heiniger hatte die Geschicke des Unternehmens im Eigentum der Hans-Wilsdorf-Stiftung ab dem Jahr 1992 gelenkt. Neben allen Erfolgen gab es allerdings auch substanzielle Fehleinschätzungen. Diese führten im Jahr 2009 zur Entlassung des Managers, der wenige Jahre später, am 3. März 2013 in Monaco verstarb.

Zahlen sind in Genf traditionsgemäß Geheimsache. Aber die Jahresproduktion dürfte sich in einer Größenordnung von ungefähr 850.000 Uhren bewegen. Rolex könnte durchaus mehr Zeitmesser herstellen und, wie insbesondere die Nachfrage nach sportiven Stahluhren belegt, selbstverständlich auch mühelos verkaufen.

Zurück zu den Bieler Aktivitäten

Die Übernahme war kein Pappenstiel. Für schätzungsweise 2,5 Milliarden Schweizerfranken kaufte die Genfer Montres Rolex SA der Familie Borer, welche vom Wilsdorf-Partner Aegler abstammt, im Jahr 2004 die Bieler Manufacture des Montres Rolex SA ab. Und damit begann, möchte man sagen, in der zweisprachigen Stadt im Herzen der Uhr-Schweiz ein neues Zeitalter. Selbiges zeigt sich am mehr als 300 Meter langen, modernen, aber keineswegs unumstrittenen Gebäudekomplex.
Von Grenchen kommend führt auf dem Weg in die Bieler Innenstadt so gut wie kein Weg an ihm vorbei. Die Kalender zeigten den 16. Oktober 2012, als der seit Mai 2011 amtierende Generaldirektor Gian Riccardo Marini den vom Bieler Architekturbüro Jan Gebert nach strengen Vorgaben des Auftraggebers entworfenen Bauabschnitt eröffnete. Es stand jedoch weniger das Design im Vordergrund, vielmehr ging es um unbedingte Funktionalität und Energieeffizienz. Diese beiden Punkte standen im Pflichtenheft ganz oben.

Aber der gegenwärtige CEO Jean-Frédéric Dufour und sein Team üben sich weiterhin in durchaus vernünftiger Zurückhaltung. Wohl wissend, dass eine Uhr weniger im Markt als von den Kunden verlangt schlichtweg und einfach besser ist als eine zu viel. Diese Denk- und Handlungsweise schafft definitiv Begehrlichkeit und hält vor allem die Preise mehr als stabil.
Dafür, dass sich die rund 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in jeder Hinsicht  wohl fühlen, trug der Arbeitgeber bei der Konzeption des neuen Bauwerks ebenfalls Sorge. Übrigens hatte das Rolex-Management im Vorfeld auch eine komplette Verlegung seiner Produktion nach Genf ins Kalkül gezogen. Eine Übersiedlung an die Rhône hätte wirklich alle Manufaktur-Aktivitäten unter nahe beieinander liegende Dächer gebracht. Aber nicht zuletzt auch aus Personalgründen wurden solche Überlegungen am Ende  wieder verworfen.

Biel bleibt Biel

Bedenken solcher Art sind künftig mit Blick auf die nachgerade imposante Fabrikationsstätte völlig unangebracht. Rolex bleibt auch unter der Ägide eines einzigen Eigentümers, der Hans-Wilsdorf-Stiftung, das, was es prinzopiell immer war: Eine Manufaktur, die in Biel ausnahmslos eigene Uhrwerke produziert und selbige an mehreren Standorten in Genf zu fertigen Zeitmessern weiterverarbeitet. Nicht weniger als 400.000 Kubikmeter umbauter Raum stehen gegenwärtig im Kanton Bern zur Verfügung. Davon entfallen auf den zuletzt fertiggestellten Komplex 230.000 Kubikmeter. Zur besseren Orientierung heißen die sieben unterirdisch miteinander verbundenen Gebäude BA, BB, BC, BD, BE, BH und BI. Das weitläufige Ensemble beinhaltet alles, was es zur Entwicklung und Fertigung hoch präziser mechanischer Uhrwerke braucht. Eine Forschungsabteilung gibt es ebenso wie die unverzichtbare Aministration vor Ort.
Wer sich in Biel unter der Erde von einem Gebäudeteil zum anderen begibt, muss genau Spur halten. Sonst könnte man Marcel in die Quere kommen. Die durch eine unübersehbare gelbe Line abgetrennte Seite des Ganges ist mobilen Robotern vorbehalten. Völlig selbststätig transportieren sie rohe und fertige Komponenten sowie die komplettierten Uhrwerke durch den langgestreckten schwarzen Riesen.  Wird fortgesetzt. Auch lesenswert: der erste Teil dieser Geschichte  

Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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