Rolex "GMT Master II" oder Tudor "Black Bay GMT" ist wie HON versus Senator Class. Beides schön, aber nicht ganz gleich.
Rolex Pepsi oder Tudor Pepsi? Das ist hier die Frage (Teil 3 und Finale)

Rolex GMT Master II versus TudorBlack Bay GMT? Teil 3 des Uhrenkosmos Vergleichstests verrät die jeweiligen Stärken. Denn beide Armbanduhren überzeugen durch Qualität und Funktionalität und sowohl die Referenz 126710BLRO wie die Referenz M79830RB sind jeden Cent wert. Also wenn man eine ergattert. Aber lesen Sie selbst..

Rolex Pepsi oder Tudor Pepsi? Das ist hier die Frage (Teil 3 und Finale)

Die klassenlose Gesellschaft ist eine Utopie - auch bei fast gleichaussehenden Uhren wie der Pepsi Rolex und Pepsi Tudor

Der Praxis-Vergleich

Angesichts des kurzen Zeitraums seit dem Ende der Baselworld und der Lieferung dieser neuen Modelle ist ein Langzeittest der Rolex Pepsi 126710BLRO und des Tudor Pendants M79830RB verständlicherweise nicht möglich. Aber wir vom Uhrenkosmos werden diese Story zu gegebener Zeit selbstverständlich updaten. Dass sich beide Armbanduhren als zuverlässige und auch präzise Begleiterinnen am Handgelenk erweisen würden, stand in Anbetracht der Akribie, mit der Rolex und Tudor ans Werk gehen, a priori fest.

In Biel und Genf bleibt definitiv nichts dem Zufall überlassen. Die Produktion erfolgt, und davon konnte ich mich persönlich überzeugen, in beinahe klinisch reiner Atmosphäre. Kontrollen sind an der Tagesordnung und am Ende verlassen nur einwandfreie Uhren die Fabriken.

Uhrwerk

Sein tickendes Manufaktur-Innenleben zeigt keiner der beiden Kandidaten. Das ist zwar schade, aber der Philosophie des Hauses Rolex geschuldet. Immerhin lässt sich das, was man fürs Geld bekommt, auf Fotos betrachten. Beide Uhrwerke, also das Rolex 3285 und das Tudor MT5652 entstehen in eigener Manufaktur  und sind Produkte industrieller Fertigung auf höchstem Niveau. Angesichts massiver Böden spielen jedoch handwerkliche Feinheiten wie Polituren oder Kanten-Anglierungen keine große Rolle. Maßgeblich sind vielmehr Langlebigkeit, Robustheit, Zuverlässigkeit und Präzision – und das mindestens auf COSC-Niveau.

Nicht zuletzt auch wegen der durchdachten „Chronergy“-Ankerhemmung oder der aus dem „Paraflex“ genannten Antischocksystem resultierenden Stoßfestigkeit präsentiert sich das Rolex-Kaliber wohl auf einem höherem Innovationsniveau. Tudor wartet hingegen mit einer sehr modernen Silizium-Unruhspirale auf, an deren Entwicklung Rolex zusammen mit Patek Philippe und der Swatch Group beteiligt war. In punkto Gangautonomie herrscht Punktgleichheit. Ein Wochenende im Tresor lässt beide Mikrokosmen zwar zur Ruhe, aber nicht zum Stillstand kommen.

Ganggenauigkeit

Im persönlichen Praxistest ging die Rolex nach drei Wochen des Tragens (abwechselnd am linken oder rechten Handgelenk getragen, nachts in Flachlage auf einem Holztisch liegend) insgesamt elf Sekunden vor. Angesichts der strengen Genauigkeitsvorgaben, welche weit über das COSC-Prozedere hinausgehen, war beinahe nichts anderes zu erwarten. Absolut wunderbar schlug sich aber auch die konträr am jeweils anderen Unterarm getragene Tudor. Mit 17 Sekunden Vorgehen legte die „Black Bay GMT“ ebenfalls chronometrische Spitzenwerte an den Tag. Diese Praxis-Resultate waren damit sogar besser als das, was sich in einem kurzen Screening vorab auf einer Zeitwaage ermitteln ließ und verdient höchsten Respekt.

Ablesbarkeit

Das Erfassen der Zeit bei Helligkeit und Dunkelheit und das Handling gestaltete sich bei beiden Armbanduhren als Kinderspiel. Reichlich Super LumiNova zeichnet beide Modelle aus. Nicht jedermanns Ding ist in diesem Zusammenhang der Tudor „Snowflake“ Stundenzeiger. Man mag ihn – oder auch nicht.

In Sachen Fensterdatum geht der Sieg unbedingt an die „GMT-Master II“. Ihre Lupe erleichtert das Ablesen ungemein. Auf diesem Gebiet kann Tudor definitiv nicht mithalten. Und vermutlich ist es seitens der Mutter auch nicht gewünscht, dass die Tochter auf diesem Gebiet gleichzieht.

Ein gar nicht so unwichtiges Detail sei beim Blick auf das Rolex-Zifferblatt noch erwähnt: Direkt unter dem Stabindex für die „6“ ist eine kleine Krone erkennbar. Sie signalisiert die Verwendung eines Uhrwerks der neuen 32xx Kalibergeneration. In der 2013 lancierten 116710BLNR tickt hingegen noch das Kaliber 3186.

Gehäuse

Nichts zu wünschen übrig lassen die Haptik und Fertigungsqualität beider Schalen. Auch wenn Rolex während der Pressekonferenz in Basel behauptete, es handele sich um die gleiche, bei der Referenz 126710BLRO nur in nun so genanntem „Oystersteel“ (Edelstahl 904L) ausgeführte Schale, gewinnt man am Handgelenk doch den Eindruck, dass in Details an der Optik gefeilt wurde. Die Rolex-Schale kommt mit dem sattsam bekannten Flankenschutz für die dreifach gesicherte „Triplock“-Schraubkrone. Zu den konstruktiven Errungenschaften gehört, dass das signifikante Rolex Logo auf der Krone nach deren Festschrauben immer nach oben zeigt.

Die Tudor besitzt ebenfalls eine Schraubkrone, muss aber ohne die beiden Höcker links und rechts davon auskommen. Solche zeichneten beispielsweise die „“Submariner“-Referenzen 7016, 7021, 9401/0, 76000 und 79090/79190 oder die Chronographen-Referenzen 7159, 7169 und 94300 aus. Demgegenüber besannen sich die Designer bei der „Black Bay“-Schale vermutlich auf Wunsch der mächtigen Mutter, die Wert legt auf ein gerüttelt Maß an gestalterischem Abstand, eher auf die 1958 vorgestellte „Oyster Prince Submariner Big Crown“, Referenz 7929.

Dem Druck des nassen Elements widersteht die Tudor bis zu 20, die Rolex hingegen nur bis zu zehn bar. Beides wird vermutlich niemand auch nur annähernd ausschöpfen. Mit 12,1 Millimetern Gesamthöhe trägt die Rolex am Handgelenk deutlich weniger auf als die Tudor, welche 14,8 Millimeter zwischen die Backen der Schieblehre bringt. Bei Letzterer ist das aber auch dem höheren Grad an Wasserdichte und damit einem dickeren Saphirglas geschuldet

Was die Uhr am Arm hält

Rolex wollte einen Unterschied zu den GMT-Mastern in Edelmetall und führte ihn herbei durch ein fünfreihiges Jubilé-Band. Wer in die alten Rolex-Kataloge blickt, wird unschwer erkennen, dass es die GMT-Master-Referenzen 1675, 16750 oder 16710 wahlweise mit „Oyster“ oder „Jubilé“-Band gab. „Submariner“ oder „Explorer“ boten diese Wahlmöglichkeit nicht. Bordpersonal und Vielflieger besaßen vermutlich andere Ansprüche als Taucher, Bergsteiger oder Höhlenforscher. Insofern knüpft Rolex bei dieser differenzierenden Entscheidung an eine jahrzehntelang zurückreichende Tradition, welche erst im frühen 21. Jahrhundert ein vorläufiges Ende fand. Allerdings, und das ist definitiv neu, gibt es keine „Oyster“-Bandoption mehr. Rolex, das steht zu erwarten, wird eine solche beim Stahlmodell auch nicht mehr einführen.

Beim Tragen besticht die Referenz 126710BLRO jedenfalls durch hohen Komfort. Einklemmende Haare und das damit verknüpfte Ziehen waren nicht zu beklagen. Im Gegensatz zu den früheren Blech-Faltschließen hinterlässt die massive „Oysterclasp“ mit Sicherheitsverschluss einen hervorragenden Eindruck. Dank genialem Easylink“ lässt sich das Armband am Abend, wenn das Handgelenk womöglich etwas angeschwollen ist, ganz einfach um fünf Millimeter verlängern. Nicht ganz gefallen hat das einen guten Millimeter über die Bandanstöße hervorstehende erste Glied des Jubilé-Armbands. Diesbezüglich besitzt der „Oyster“-Bandanschluss eindeutige Vorteile. Aber das ist vermutlich reine Geschmackssache. Alles in allem der Punkt beim Armband eindeutig an Rolex.

Das vernietete Gliederband der Tudor ist ebenfalls massiv und wertig ausgeführt. Selbstredend besitzt es auch eine Faltschließe mit Sicherheitsbügel. In Punkto Tragekomfort kommt es aber nicht an das mütterliche Produkt heran.

Auf der Waage

Womöglich hängt der zuvor geschilderte Trage-Eindruck auch mit dem Gewicht der beiden Kandidaten zusammen. Mit 186 Gramm ist die Stahlband-Version der Tudor definitiv kein Leichtgewicht. Demgegenüber wiegt die „GMT-Master II“ lediglich 142 Gramm. Während des täglichen Tragens abwechselnd am linken und rechten Handgelenk macht sich der Unterschied deutlich bemerkbar. Vor allem zart besaitete Männern und Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts kann die schiere Masse der Tudor mit Stahlband zu schaffen machen. Zum Glück bietet sich als Ausweg ein Vintage-Lederband mit Faltschließe oder ein Textilband mit Dornschließe an. Mit Blick auf das unkonventionelle Material-Handeln der Rolex-Tochter, welches sich unter anderem in einem Bronzegehäuse äußert, könnte Titan die diesbezügliche Wertigkeit der Tudor „Black Bay GMT“ beträchtlich steigern. Man muss die beiden Kandidaten nicht unbedingt auf die Waage legen, um das deutlich höhere Gewicht der Tudor zu spüren.

Werterhalt

Der ist bei den sportlichen Modellen aus dem Hause Rolex über jeden Zweifel erhaben. Ob er langfristig auch dann noch gegeben ist, wenn man 15.000 Euro oder mehr für die stählerne „Cerachrom“-Pepsi bezahlt, steht auf einem anderen Blatt Papier. Eine ganze Reihe gesuchter Vintage-Modelle von Tudor hat in den vergangenen Jahren eine beachtenswerte Preisentwicklung an den Tag gelegt. Ob das auch bei der „Black Bay GMT“ der Fall sein wird, muss sich erst zeigen. Derzeit ist die Begehrlichkeit hoch, was am Parallelmarkt zu erhöhten Preisen führt. Ob das so bleibt, hängt ab von der Disziplin des Tudor-Managements. Wie es geht, zeigen die Erfahrungen mit der „Black Bay Bronze“ in der blauen Bucherer-Edition. Weniger ist mehr.

Rolex und Tudor: In jedem Fall eine gute Geldanlage

Fazit

Wenn es auch ums Geld geht, ist die Tudor einfach unschlagbar. Diese Armbanduhr taugt für eine lange Freundschaft. Die Garantie erstreckt sich über die vorgeschriebenen zwei Jahre. Ihr klassisches, gekonnt auf Retro getrimmtes Design lässt sie auch nach Jahrzehnten nicht unmodern werden. Kosmopoliten werden ihre Freude an der hohen Funktionalität haben. Aber auch Wenig- und Kurzstreckenflieger, aktive Sportler oder Büromenschen bekommen eine gleichermaßen robuste, zuverlässige wie präzise Begleiterin. Wer es sich leisten kann, sollte für 3.620 Euro die Ausführung mit Stahlband erwerben und die „Black Bay GMT“ gegebenenfalls nach eigenen Wünschen umzurüsten. Umgekehrt wird es im Nachverkauf immer teurer. Summa summarum kann man auch mit Blick auf Konkurrenzprodukte nur von einem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis sprechen. Das Team von Tudor hat einen hervorragenden Job gemacht.

Perfekte Arbeit muss man den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Mutter ohnehin bescheinigen. Wer partout eine Rolex will, muss allerdings (lange) warten können oder ad hoc deutlich mehr zahlen, als der Konzessionär verlangt. Für offiziell rund 5.000 Euro mehr als bei der Tudor gibt es nicht nur eine perfekte Reiseuhr, sondern auch einen echten Hingucker. Ohne Frage wecken das internationale Renommee der Marke und der überragende Wiedererkennungswert dieses Zeitmessers mit farblich markanter Lünette auch die Begehrlichkeit unehrenhafter Zeit-Genossen. Deshalb heißt es unterwegs in fernen Ländern aufgepasst. Das Böse lauert immer und überall.

Dem Produkt selbst tut das keinen Abbruch. Wer Rolex mag, wird die Pepsi- Referenz 126710BLRO lieben und nicht mehr hergeben wollen. Begleitet von stolzen fünf Jahren Garantie und einem bemerkenswerten Genauigkeitsversprechen wächst sie einem förmlich ans Handgelenk. Gewährleistet ist auch jener Werterhalt, der für alle Sportmodelle von Rolex gilt. Die Genfer halten es, und daran wird sich auch in den kommenden Jahren nichts ändern, mit dem Grundsatz, lieber tausend Uhren zu wenig als eine zu viel im Markt zu haben. Ergo wird, wer die stählerne „Oster Perpetual GMT-Master II“ in Edelstahl kauft, sein Investment über kurz oder lang immer wieder zurückbekommen. Spekulanten winkt aktuell sogar ein stattlicher Gewinn. So genannte Maximierer interessieren freilich nur pekuniäre und keine uhrmacherischen Werte.

Im Lufthansa Statusjargon ausgedrückt lautet das Resultat folgendermaßen: HON Circle für die Pepsi von Rolex, Senator für die Pepsi von Tudor.

Am Ende dieser vergleichenden Betrachtungen verwundert es somit nicht, dass sich viele Käufer und Besteller einer Rolex „GMT-Master II“ zugleich auch noch für eine Tudor „Black Bay GMT“ begeistern. Wer sich Pepsi im Doppelpack leisten kann, macht bestimmt keinen Fehler.

Bei allem Hype rund um die stählerne Referenz 126710BLRO gerät gerne in Vergessenheit, dass Rolex auch noch die „Explorer II“, Referenz 216570, mit gleicher GMT-Funktion, schwarzem oder weißen Zifferblatt und „Oyster“-Band offeriert. Sie ist 42 Millimeter groß, besitzt das Automatikkaliber 3187 und ist, wie Rolex-Konzessionäre bekunden, für 7.350 Euro sofort oder zumindest kurzfristig lieferbar.

Übrigens haben auch andere Uhrenmarken attraktive und gleichermaßen funktionale Zeitzonen-Kinder. Welche das sind, zeigt Ihnen der Uhrenkosmos hier.

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