Montblanc Heritage Small Second Limited Edition 38
Ein wertvoller Schubladenfund in Villeret

In den Schubladen der ehemaligen Minerva-Manufaktur, die seit 2007 zu Montblanc gehört, schlummerte seit 2003 ein kleiner Schatz. Gemeint sind 38 Handaufzugswerke, deren Geschichte bis 1948 zurückreicht. Sorgfältig veredelt und reguliert finden sie in insgesamt 38 Edelstahl-Armbanduhren mit Namen „Montblanc Heritage Small Second Limited Edition 38“. Der Uhrenkosmos hat die Geschichte.

Ein wertvoller Schubladenfund in Villeret

Ein wertvoller Schubladenfund: Das Montblanc-Kaliber MB-M62

Blick in die Archive

Die Kalender zeigten das Jahr 2007, als die bis dahin getrennt verlaufenden Wege von Minerva und Montblanc in einen gemeinsamen mündeten. 2006 hatte der von Norbert Platt geleitete Richemont-Konzern die die traditionsreiche Schweizer Manufaktur mit anerkannter Chronographen-Kompetenz unter sein Dach gebracht. Minerva passte nämlich perfekt ins Portfolio des auf uhrmacherischen Luxus spezialisierten Unternehmens.

Mit Minerva bekamen wir eine faszinierende Geschichte und unter anderem auch sehr interessante Uhrwerke. Die vorherigen Eigentümer hatten sich finanziell ein wenig übernommen. Und deshalb bekam Richemont die Minerva zu einem attraktiven Preis. Ganz zu schweigen von einem Stab qualifizierter und deshalb ungemein wertvoller Uhrmacher.

Norbert Platt

ehemaliger CEO, Richemont

Von Revolutionen war im Jurastädtchen Villeret seit der Minerva-Gründung durch Charles-Yvan und Hyppolite Robert im Jahr 1858 keine Rede. Wie es sich für passionierte Uhrmacher gehört, hatten die konservativ denkenden Eigentümer ihr einschlägiges Knowhow stets von einer Generation an die nächste weitergereicht. Und die Nachfahren entwickelten das Erbe weiter. Schnell beschrieben ist die ursprüngliche Intention: Zusammenbau von Uhrwerken aus der Ebauchesfabrikation in Fontainemelon (FHF). 1878 traten Charles und Georges Robert in die Fußstapfen der Gründergeneration. Yvan Robert gesellte sich 1885 als Dritter im Bunde hinzu. Das signifikante Markenzeichen, die v-förmig angeordneten sowie durch einen Pfeil getrennten Buchstaben RF und V standen für Robert Frères Villeret.

Minerva Manufaktur Villeret im Jahr 1905

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert starteten die Gebrüder Robert mit der Fertigung von Manufaktur-Kalibern für Taschenuhren. Für 1908 verzeichnen die Archivbücher das erste Uhrwerk mit Chronograph, 19/9CH genannt. 19 stand in diesem Fall für den Durchmesser von 19 Linien, 9 für die Nummer des Werks in den Musterbüchern und CH für die zusätzliche Stoppfunktion mit Schaltradsteuerung.

Anfang 1909 standen erstmals kleine Handaufzugskaliber für Armbanduhren zu Verfügung. Zunächst mit einem Durchmesser von 12 Linien, was 27 Millimetern entspricht. Daraus leitete Minerva auch eine kleinere, sprich 10½-linige Ausführung ab. Diese beseelte in erster Linie Zeitmesser für weibliche Handgelenke.    

Minerva Damenarmbanduhr, 1909, Kaliber 10 1/2 Linien

Das Handaufzugskaliber 48 „Pythagore“

Genau dieses kleinere Uhrwerk diente André Frey als Grundlage für das außergewöhnlich gestaltete Kaliber 48. 1943 setzte sich der Uhrmacher höchstpersönlich ans Reißbrett. Dort brachte er erste Skizzen zu Papier.

Vom Minerva-Kaliber 10 1/2 Linien zum Kaliber 48

Bei seiner schöpferischen Tätigkeit ließ sich der damalige Minerva-Inhaber von den Vorgaben des „Goldenen Schnitts“ leiten. Dieses Fundament idealer harmonischer Proportionen teilt eine Strecke in zwei Abschnitte. Aber nicht irgendwie, sondern so, dass sich die Länge der kleineren zu derjenigen der größeren verhält wie die der größeren zum Ganzen. Herausragende Beispiele für die Perfektion von dementsprechenden Kreationen sind Bienenwaben oder die Fassade des Pantheon im Herzen Roms. Die Erfindung dieser Proportionslehre geht zurück bis in die griechische Antike. Bekanntheit erlangte der „Goldene Schnitt“ indessen erst durch die 1509 erschienene Publikation „De divina proportione“ von Luca Pacioli, deren Illustrationen kein geringerer als Leonardo da Vinci beisteuerte.

Eigentlich wäre damit zum 10½-linigen Minerva-Handaufzugskaliber 48 fast schon alles gesagt. Aber eben nur fast. Wegen seiner unverkennbaren Architektur, den geradlinig geformten Brücken und Kloben sowie den gewählten Winkeln gehört es bei vielen Liebhabern mechanischer Uhrwerke zu den echten Klassikern. Der in Anlehnung an den griechischen Philosophen Pythagoras gewählte Beiname „Pyathagore“ kommt also nicht von ungefähr. Bei 10½ Linien oder 23,6 Millimetern Durchmessern beträgt die Bauhöhe 3,8 Millimeter. Stündlich geruhsame 18.000 Halbschwingungen vollzieht die Schraubenunruh. In der Ur-Version speicherte die Zugfeder speichert Kraft für 45 Stunden Gangautonomie.

Neuinterpretation

Derartiges still und leise in der Versenkung verschwinden zu lassen, wäre ein echtes Sakrileg gewesen. Diese Auffassung teilte zu Beginn des 21. Jahrhunderts auch Demetrio Cabbidu (siehe links). Schon vor der Übernahme durch Richemont bestimmte der ambitionierte und mit allen Wassern gewaschene Uhrmacher die Geschicke in Villeret. Mit Blick in die bis 1909 zurückreichende Geschichte entstand unter seiner Ägide eine Ausführung mit elegant geschwungenen Brücken und Kloben.

Handaufzugskaliber Montblanc MB-M62.00

Und von der ruhten 38 Exemplare versteckt in einer der vielen Schubladen des Minerva-Archivs in Villeret.

Dieser Fund führte zur limitierten Edition einer klassischen Edelstahl-Armbanduhr mit 39 Millimeter Durchmesser und lachsfarbenem Zifferblatt. Wer es genau betrachtet, entdeckt zwischen „4“ und „5“ den kleinen Schriftzug Minerva. Dieses einmalig verwendete Detail weist hin auf besagtes Handaufzugskaliber, welches sich durch den Sichtboden mit spezieller „Historical Minerva movement“-Gravur zeigt und die Bezeichnung MB-M62.00 trägt. Wie gehabt agiert der Gangregler mit 2,5 Hertz. Und das nach manuellem Vollaufzug etwa 50 Stunden am Stück. Auf dem Unruhkloben zeigt sich eine Feinregulierung für den Rückerzeiger.

Der speziell gestaltete Schwanenhals besitzt am hinteren Ende den typischen Pfeil der Minerva. Seine Form erinnert ein wenig an die 2016 im Kaliber MB-M62.48 verwendete Bauweise. Hierbei handelte es sich um die durchbrochene Titan-Version des Kalibers 48 in der „TimeWalker Pythagore Ultra-Light Concept“. Die ursprünglichen Ausführungen des Kalibers 48 besaßen übrigens noch keinen Schwanenhals.

Montblanc TimeWalker Ultra-Light Concept, 2016

Natürlich genügt beim Kaliber MB-M62.00 die Feinbearbeitung in Gestalt von Kantenanglierungen, Polituren und Schliffen höchsten handwerklichen Ansprüchen. Durch die Verwendung dreier gepresster Chatons für die Lagersteine klettert die Bauhöhe des Uhrwerks von 3,8 auf 3,9 Millimeter. Zum Schluss muss sich jede der bis fünf bar wasserdichten Armbanduhren beim „Montblanc Laboratory Test 500“ qualifizieren. Logischer Weise hat Seltenes in derartiger Vollendung seinen Preis. Und der liegt bei 17.000 Euro.

Montblanc Heritage Small Second Limited Edition 38, Zifferblatt-Detail

Uhrenkosmos Modell-Steckbrief 

Hersteller

Montblanc

Name

Heritage Small Second Limited Edition 38

Referenz

124781

Premiere

November 2019

Uhrwerk

Manufakturkaliber MB M62.00

Aufzug

Manuell

Durchmesser

23,6 Millimeter

Bauhöhe

3,9 Millimeter

Gangautonomie

ca. 50 Stunden

Unruhfrequenz

2,5 Hertz

Komponenten

162

Anzeige

Stunden, Minuten, Sekunden

Zusatzfunktionen

Keine

Gehäuse

Edelstahl mit speziell dekoriertem Sichtboden

Durchmesser

39 Millimeter

Höhe

9,45 Millimeter

Wasserdichte

fünf bar

Armband

Alligatorleder mit Faltschließe

Preis

17.000 Euro

Limitierung

38 Exemplare

 

 

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