HourUniverse plant für 2021 physisch-digitale Plattform
HourUniverse 8.-12. April 2021: Ist das nicht ein ziemlich grosser Plan?

HourUniverse, die Nachfolgemesse der Baselword will sich als ganzjährige Plattform positionieren. Die echten Messetage werden weniger. Kann das gelingen? Das gilt es zu bedenken.

HourUniverse 8.-12. April 2021: Ist das nicht ein ziemlich grosser Plan?

Ohne die großen Marken plant die HourUniverse für 2021 ein offenes Messekonzept weg von den großen Luxusblöcken, hin zu offenen Ständen und einem Mehr an Kommunikation

Der neue Ansatz der HourUniverse

Nun wird es konkreter und die HourUniverse hat bekanntgegeben, wie die ehemalige Baselworld ab 2021 aussehen soll. Das Konzept sieht vor, die HourUniverse als digitale Vernetzungs-, Geschäfts-, Informations- und Inhaltsplattform aufzubauen. Anders als die alte Basler Uhrenmesse, deren Aktivitäten sich vornehmlich auf die Messetage beschränkt hat, will die neue HourUniverse das ganze Jahr aktiv sein. Mehr noch, die Plattform erhebt den Anspruch, als weltweite Plattform der Uhren- und Schmuckindustrie zu fungieren.

Das Ziel der neuen Basler HourUniverse ist, sich von der klassische lokalen Messe, zu einer modernen Medien- und Handelsplattform zu wandeln. Denn wer die erfolgreichen Plattformökonomien des 21. Jahrhunderts und ihre Player analysiert erkennt schnell, dass die gute alte Präsenzmesse nur noch einen kleinen Teil des Handelsgeschehen abdecken wird. Der Wandel von der Präsenzmesse zu einem Ökosystem, das als 24/7, internationaler mulitmedialer und komplett digitaler Handels- und Dienstleistungsplatz fungiert, ist unabdingbar.
Das Problem dabei ist, dass die Messen zum einen das lukrative klassische Messegeschäft verlieren. Zum anderen sollen die Messen die Kommunikation wie die Vernetzung der unterschiedlichen Player der Branchen übernehmen. Dabei jedoch die Neutralität und Qualität wahren, bzw. für hohe Standards sorgen. Von der Einbeziehung von Blockchain-Technologien und KI ganz zu schweigen. All dies muss jedoch funktionieren, damit künftig über die Dienstleistungsangebot und das Transaktionsbusiness neues Erlöse generiert werden.
Damit liegt die Latte, die zu überqueren ist, ziemlich hoch. 

Dazu kommt, dass die Uhrenbranche nicht zu den digitalen Überperformern gehört und auch die Basler Uhrenmesse hat sich in der Vergangenheit nicht gerade als hyperagiles Start-up präsentiert. Das Aufbereiten von Basisinformationen sowie das Abhalten von Konferenzen und Livestreams war in der Regel das digitale Maximum. Es muss sich also ziemlich viel, ziemlich schnell ändern. 

Houruniverse vom 8. bis 12. April 2021 – und das ganze Jahr hindurch.

Ein kleiner Umstand kommt erschwerend hinzu. Im kommenden Jahr fehlen für die Präsenztage die Zugpferde. Die großen Uhrenmarken der alten Baselworld waren Rolex, Patek Philippe, Hublot, Zenith, TAG Heuer, Chopard, Bulgari, Chanel, Breitling und Tudor. Ihre Kunden und ihre millionenschweren Stände werden fehlen. Geschweige denn, dass die Richemont Gruppe sich von Genf wegbewegen wird. Am ehesten könnte wohl noch die Swatch Group zu einer Zusammenarbeit zu bewegen sein, aber Nick Hayek wird nicht einfach zu gewinnen sein. Insbesondere da die regionalen Messen vieler Marken vor Corona durchaus gute Performance zeigten.

Die Qualität, Innovationskraft, Sicherheit wie Marktbreite der digitalen Plattform, die von der HourUniverse und den beiden großen Gesellschaftern MCH Messe Basel und  Lupa Systems, der Investmentgesellschaft von James Murdoch, im Moment aufgebaut wird, wird kriegsentscheiden sein. Hier geht es allerdings nicht um Quadratmeter und Aufbauhöhen, sondern Plattformtechnologien und das Verständnis von gewonnenen Daten. Es wird eine Herkulesaufgabe sein, die klassischen Bereiche Vertrieb, Produktion, Produktentwicklung, Marktforschung, Marketing und POS in einer Plattform unterzubringen. Insbesondere da die HourUniverse Plattform noch mehrsprachig, international, sowie datensicher sein muss.
Dazu kommt, dass der europäische Hauptwettbewerber im Schmuckbereich und Uhrenbereich, die Münchner Inhorgenta genau ins gleiche Horn bläst und versucht, die Präsenzmesse zu digitalisieren und zu einer Plattform auszubauen. Mit ihrem Termin 19. bis 22. Februar 2021 liegt sie auch früher im Jahr. Allerdings plagen die Inhorgenta, trotz einiger schöner Marken-„Neuverpflichtungen“ die gleichen Sorgen, geschweige denn, dass sie die Digitalisierung bereits hinbekommen hätte. Ein Vorteil spricht jedoch für die Münchner. Mit den großen Messen BAUMA, ISPO und neuerdings IAA hat man Projekte, die die gleichen Digitalisierungsschritte vor sich haben.

Positiv ist hervorzuheben, dass sich sowohl HourUniverse wie Inhorgenta neuerdings intensiv um Kunden- und Ausstellerbelange kümmern. Auch die Preise in Basel scheinen sich in die richtige Richtung zu bewegen. Denn sowohl Baselworld als auch die Inhorgenta wurden von vielen Kunden in der Vergangenheit als teuer und wenig kundenfreundlich wahrgenommen.
Ob die angestrebte Digitalisierung und die neue Flexibilität der HourUniverse ausreichen werden, um die Messe als moderne digitale Nachfolgeplattform der Basler Uhrenmesse zu einem Erfolg werden zu lassen, ist zu wünschen. Fest steht dieser Erfolg noch nicht.

Über den Autor

Wolfgang Winter

Uhrenkosmos Partner und Autor.

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