50 Jahre Porsche Design Uhren

Ferdinand A. Porsche und die Porsche Design Kompassuhr

Der Name Marsch-Porsche für die Porsche Design Kompassuhr von Ferdinand A. Porsche ist keineswegs aus der Luft gegriffen. Der Uhrenkompass schildert die Genese dieses multifunktionalen Armband-Instruments

von | 06.06.2022

Einst aus gutem Grund

So viel vorweg: Im Zeitalter von Smartphones und Smartwatches braucht es die Porsche Design Kompassuhr im täglichen Leben nicht mehr wirklich. In diesem Sinne hat sie sich mittlerweile eher zu einem Sammlerstück entwickelt. Je nach Referenz und Erhaltungszustand ist das augenfällige Instrument bei Auktionen oder am Gebrauchtuhren-Markt zu Preisen am ca. 2.000 Euro erhältlich. 

Natürlich braucht nicht jeder jeden Tag einen Kompass. Aber der eine oder andere braucht ihn ab und zu. Und dann vielleicht ganz dringend.

Ferdinand Alexander Porsche

Designer, Porsche Design

Mit diesem Statement hatte der erfahrene Produktgestalter vollkommen recht. Für den Großstadt-Dschungel war die Porsche Kompassuhr prinzipiell auch nicht gedacht. Des Abends in der Bar vermochte man Freunde und Bekannte damit eher weniger beeindrucken. Orientierungslos in der Wüste auf der Suche nach einer Oase oder allein mit dem Segelboot in den Weiten eines Meeres konnte das Finden der richtigen Himmelsrichtung jedoch lebensrettend sein. Gold gäbe man in solchen Situationen für einen Kompass.

Gänzlich neu war die Idee, einen Kompass am Handgelenk zutragen übrigens nicht. Schon 1943 hatte sich die Schweizer Uhrenmarke Grana ein Armband mit integriertem Kompass patentieren lassen. Allerdings war dieses simple Hilfsmittel meilenweit entfernt von dem, was Ferdinand A. Porsche inmitten der Quarz-Krise vorschwebte.

Die Idee der Porsche Kompassuhr zielte von Anbeginn auf ein zweistöckiges Gehäuse. Dessen obere Etage sollte einem klassischen Automatikwerk und das untere Stockwerk einem Präzisionskompass Heimat bieten. Damit sich das Ensemble nicht zu einem unförmigen und damit am Handgelenk untragbaren Monster auswachsen würde, musste beides von möglichst schlanker Statur sein. Was es ferner brauchte, war eine hinreichend robuste Schale aus einem amagnetischen Werkstoff, der die Anzeige des richtungsweisenden Instruments nicht verfälscht.

Gelungene Partnerwahl

Die Suche nach einem erfahrenen, kompetenten und in die Zukunft denkenden Partner stieß der Designer auf die Uhrenmanufaktur IWC. Weil diese ihrer Arbeit schon seit 1868 in Schaffhausen nahe dem Rheinfall nachgeht, spricht man dort überdies Deutsch. Und dieser Aspekt erleichterte die gemeinsamen Pläne ganz gewaltig. Einen krisenbedingten Konkurs vor Augen, musste sich die Eigentümerfamilie Rauschenbach nach einem Käufer für ihre notleidende Uhrenmarke umsehen. Und der fand sich 1978 im Automobil-Zulieferer VDO.

Angesichts unverkennbarer Probleme im angestammten Geschäft mit Bordinstrumenten wuchs bei dem deutschen Unternehmen die Idee, das angestammte Knowhow von dem auch Porsche in Stuttgart profitierte, für den Consumer-Bereich zu nutzen. Im Kampf gegen die mächtigen japanischen Wettbewerber sollte eine europäische Uhrenholding besser bestehen können. So landeten in der Schweiz die stark angeschlagenen Unternehmen IWC und im Rahmen einer Mehrheitsbeteiligung auch Jaeger-LeCoultre unter dem Dach besagter VDO.

 

1980, als die Schweiz weiterhin unter der strukturbedingten Uhrenkrise litt, kam ich mit der Aufgabe an Bord, dieses Engagement zu koordinieren. Während meiner rund zwölf Jahre in den Diensten von Diehl und Junghans hatte ich genügend einschlägige Erfahrungen sammeln können. Worunter die Uhrenbranche generell litt, wusste ich. Und wenn Unternehmen ganz unten sind, bleiben eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Es geht bergauf oder ganz in den Graben. In der Talsohle können Sie nirgends auf Dauer überleben.

Günter Blümlein

ehemaliger CEO, IWC

Die Frage, ob Günter Blümlein bei seinem Dienstantritt erfolgversprechende Rezepte bei sich führte, beantwortete er selbst mit einem klaren Nein. In Schaffhausen und im Vallée de Joux regierte noch das Prinzip des Festhaltens am Überlieferten. Flexibilität gehörte nicht unbedingt zu den Stärken der tradierten Uhrmacherei. Jedoch war bei IWC dank Porsche Design schon 1978 ein neuer Geist eingekehrt. Diesen galt es nicht nur zu bewahren, sondern auch konsequent weiter zu entwickeln. Und das geschah, wie die Kooperation eindrucksvoll verdeutlicht.

 

Realisation einer richtungsweisenden Pionierleistung

Zurück zur Kompassuhr. Bei der Referenz 3510 praktizierten die neuen Partner nach Auffassung von Ferdinand A. Porsche „die perfekte Integration von Form und Funktion, die international gültige Maßstäbe setzt.“ Porsche Design in Zell am See zeichnete für die Produkt-Idee und das Design, die IWC International Watch Co. AG für deren technische Entwicklung und uhrmacherische Umsetzung. Insgesamt sechs Patentanmeldungen verdeutlichen das immens hohe Anspruchsniveau bei der Realisierung dieses ambitionierten Projekts.

Erstmals in der Geschichte des ans Handgelenk geschnallten Zeitmessers verbindet die Kompassuhr zwei sehr hoch­wertige, funktional jedoch völlig unabhängig voneinander agierende Instru­mente zu einer Einheit. Um die Bewahrung der Zeit wo auch immer auf dem Globus kümmerte sich das zuverlässige und ganggenaue Automatikkaliber Eta 2892 mit Fensterdatum und Mondphasenindikation bei „12“. Bei 35,6 Millimetern Durchmesser baut es lediglich 3,6 Millimeter hoch.

Zur Vermeidung magnetischer Einflüsse auf den Kompass bestehen alle relevanten Komponenten aus para­magnetischen Werkstoffen. Für den Rotor verwendet die IWC zunächst 21-karätiges Gold, später das Schwermetall Wolfram. Die neun winzigen Kugeln im Rotorlager lassen die Schaffhauser aus künstlichem Rubin fertigen. Eine patentierte Membran-Stoßsicherung führt das für die einwandfreie Funktion des Selbstaufzugs immens wichtige Mini-Kugellager.

 

IWC Porsche Design Kompassuhr Ref 3510 schwarz 1978

Mehrheitlich schwarz gefärbtes Aluminium: IWC Porsche Design Kompassuhr, Initial-Referenz 3510

Porsche Design Kompassuhr

Die Richtung weist ein von IWC zusammen mit erfahrenen Partnern wie dem deutschen Spezialisten Lufft neu entwickelter Präzisions-Kompass. Er arbeitet absolut wartungsfrei. Die Kompassnadel selbst ist beid­seitig stoßsicher. Ein Patent schützt die selbstschmierenden Lager. Von selbst mag sich verstehen, dass das Instrument extrem feinfühlig reagiert. Bei Bedarf lässt sich der Kom­pass dem ihm zugewiesenen Gehäuse ohne Werkzeug entnehmen. Uhr und Kompass entspre­chen den Schweizer NIHS-Normen für Stoßsicherheit.

Die bis dahin einzigartige Kombination mit 39 Millimetern Gehäusedurchmesser wandte sich primär an Segler, Jäger, Sportpi­loten, Rallyefahrer, Wanderer oder das Militär. Aus funktionalen Gründen bestanden Gehäuse und Armband anfangs aus nichtoxidierendem Leichtmetall mit ge­härteter eloxierter Oberfläche. Saphirglas schützte sowohl das Zifferblatt und die drei Zeiger der Uhr wie auch den extrem flach ausgeführten und daher empfindlichen Kompass. Bis zu drei bar Druck reicht die Wasserdichte.

 

Handhabung leicht gemacht

Wie es sich für eine Pionierleistung dieser Art gehört, besitzt auch das Gliederband einige Merkmale des Einzigartigen. Zu ihnen zählten der leicht bedienbare Sicherheitsverschluss und die patentierte Feinregulierung. Mühelos lässt sich die Länge direkt am Arm ein­stellen. Ganz ohne Werkzeug gelingt das Entnehmen oder Ergänzen der ganz bewusst fünf Millimeter breit gehaltenen Glieder. Einfach wie die Uhr selbst ist auch die Nutzung des eingebauten Kompasses. Durch gleichzeitiges Betätigen zweier Druck­knöpfe unten am Gehäuse lässt sich die Zeit-Einheit nach oben klappen. Bei 45 Grad Öffnungswinkel rastet sie spürbar ein. Danach ist der Kompass sofort einsatzbereit.

IWC Porsche Design Kompassuhr Flyer 1979 5-8 (C) Uhrenkosmos

Teil 2 der Broschüre über die IWC Porsche Design Kompassuhr, Ref. 3510

Analog zu einem handelsüblichen Marschkompass kann man mit einer Porsche Design Kompassuhr Peilungen mit Hilfe der ins Gehäuse integrierten Visiereinrichtung vornehmen. Der verspiegelte Saphirglasboden des Uhrengehäuses dient dabei als Reflektor für den Arbeitsbereich der Kompassnadel. Zur Nutzung in Verbindung mit selbstverständlich exakt von Süden nach Norden ausgerichteten Landkarten lässt sich das Armband im Handumdrehen öffnen. Sofern keine anderen Hilfsmittel für die Maßbestim­mung zur Verfügung stehen, bieten die die exakt fünf Millimeter breiten Bandglieder einen verblüffend einfachen Anhaltspunkt.

Gehäusefarbe und mehr

IWC fertigte die meisten der Kompassuhren mit schwarz eloxierter Aluminiumschale. Daneben gab es deutlich weniger Exemplare der Referenz 3510 in so genanntem NATO Olivgrün. In aller Regel verfügten auch diese über einen klassischen Kompass mit Windrose und Bogengrad-Skalierung.

IWC Porsche Design Kompassuhr Ref 3510 Nato Oliv Lederband C Antiquorum

IWC Porsche Design Kompassuhr Referenz 3510 Nato-Oliv Lederband (Foto Antiquorum)

Darüber hinaus gab es einige wenige der grünen Ausführungen mit Mekka- oder Qibla-Kompass. Er indiziert Gläubigen die Gebetsrichtung. Im Islam ist diese Richtung die Qibla, welche nach Mekka zeigt. Auf dem Kompassblatt stehen die Namen verschiedener Weltstädte in arabischer Schrift. Der untere Teil ist mit einer drehbaren Scheibe versehen, auf der ebenfalls die Namen verschiedener Städte in arabischer Schrift stehen.

Einstellen lässt sich der aktuelle Standort ganz einfach durch Drehen des weißen Zeigers. Der Nutzer muss sich dann selbst so lange drehen, bis der rote Kompasszeiger auf den roten Punkt am Glasrand und damit Richtung Mekka weist.

Weiterentwicklung

Bei der 1987 vorgestellten Referenz 3551 mit schwarz eloxiertem Aluminiumgehäuse sticht sofort die unterhalb „1“ angeordnete Mondphasenindikation ins Auge. Der Preis für diese Armbanduhr lag damals bei 2.550 Schweizerfranken.

IWC Porsche Design Kompassuhr Mondphasen Ref 3551

IWC Porsche Design Katalog 1987: Präsentation der Kompassuhr Referenz 3551 mit Mondphasenanzeige

Das Jahr 1991 brachte eine weitere Evolutionsstufe der Referenz 3510. Bei der 40,6 Millimeter messenden Referenz 3511 bestehen Gehäuse und Gliederband aus ebenfalls leichtem, amagnetischem aber deutlich widerstandsfähigerem Titan.

Die weiterhin mit dem Automatikkaliber Eta 2892-2 ausgestattete Armbanduhr lässt sich einmal identifizieren am grauen Auftritt. Des Weiteren wandert die griffige Aufzugs- und Zeigerstellkrone wie schon bei den Ocean-Taucheruhren um 30 Grad nach rechts zur „4“. Drittes Erkennungszeichen schließlich ist das Fehlen der Mondphasenindikation. Bei 6.400 Mark oder umgerechnet rund 3.200 Euro lag der unverbindliche Preis.

IWC Porsche Design Kompassuhr Ref 3511

Zwei Seiten aus dem IWC Porsche Design Katalog 1991: Kompassuhr in Titan, Referenz 3511

Limitierte Kompassuhr Re-Edition

Nach dem Ende der Partnerschaft mit IWC im Jahr 1998 konnten zu kurz Gekommene die geniale Kompassuhr ab 2011 in einer auf 911 Exemplare limitierten Re-Edition erwerben. Die nunmehr 42 Millimeter messende Porsche Design P`6520 Compass Watch besitzt ein schwarz beschichtetes Titangehäuse.

Ausgestattet ist die Porsche Design Kompassuhr mit dem flachen Automatikkaliber Sellita SW300, einem Klon des Eta 2892-2. Hergestellt von Eterna, der Uhrenmanufaktur, welche sich damals noch im Eigentum der F.A. Porsche Beteiligungen GmbH befand und der Preis lag bei unverbindlichen 4.800 Euro. Und damit endet vorerst die Geschichte der Porsche Design Kompassuhr.

Ob Porsche Design diese ikonographische Kompass-Armbanduhr, die Nummer zwei nach dem schwarzen Automatik-Chronographen von 1972 in Solothurn nochmals fertigen wird, steht in den Sternen.

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