Pioniere des automatischen Aufzugs für Armbanduhren

Autorist Automatik von John Harwood und ihr ungewöhnliches Zug Automatik-Kaliber

Bei diesem interessanten Modell Autorist handelt es sich um einen echten Exoten aus dem Jahr 1930. Sie war ungewöhnlich, fast schon kurios, aber wenig erfolgreich. So hat die interessante Automatik ihre Energiegewinnung funktioniert

von | 20.10.2020

 

Erfolgreich war diese Vintage Uhr nie, obwohl der britische Erfinder und Uhrmacher John Harwood mit der in Serie gefertigten Automatik Uhr Autorist einen spannenden Plan hatte. Ihm, dem Erfinder der Armbanduhr mit Pendelschwungmasse ging es um eine Automatikuhr in neuer Form. Dazu hatte er sich mit diesem neuen Modell und seinem unkonventionellen Automatik-Uhrwerk einen spannendes Konzept überlegt.
Zunächst wollte er um ein Eindringen von Wasser in das Gehäuseinnere bei der damals unverschraubten Krone zu verhindern, seine neue Uhr in eine Art Glaskäfig packen und mit einem Hammeraufzug versehen. Dazu gesellte sich eine simple Zeigerstellung per Drehlünette und schon startete im Jahr 1929 die Serienfertigung unter Verwendung eines Adolph Schild S. A. Rohwerks aus Grenchen.
Allerdings stellte sich nicht wirklich ein nachhaltiger Verkaufserfolg ein. Daher war Im Jahr 1931 mit der Harwood Autorist schon wieder Schluss. Der progressiv denkende Engländer ließ sich jedoch nicht entmutigen. Er ahnte wohl, dass am automatischen Aufzug für Armbanduhren kein Weg mehr vorbeiführen würde

Von der runden Harwood Automatik zur tonneauförmigen Zugautomatik

Die Gedanken zur neuen Automatik-Autorist kamen nicht von ungefährt. Dass runde Uhrengehäuse langsam aus der Mode kamen, war auch auch John Harwood nicht verborgen. Spätestens seit der legendären Pariser Weltausstellung des Kunstbereichs, der „Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“ von 1925, stand das Rechteck in der Gestaltung von Industrie- und Handelsgütern hoch im Kurs. Daher hieß es auch für die Grenchener AS S.A umdenken. Das vergleichsweise opulente runde Harwood-Automatikkaliber passte einfach nicht. Also hieß es Abstand nehmen von der Pendelschwungmasse.

Zum Glück bot das Handgelenk und seine Bewegungen noch andere Möglichkeiten zum selbsttätigen Spannen der Zugfeder. Eine davon bestand in der aus Bewegung resultierenden Veränderung seines Umfangs. Und die nutzte der kreative Handwerker Harwood für seine Konstruktion namens Autorist. Dahinter verbirgt sich ein Zusammenschluss der Wörter „Automatic“ und „Wrist“. Das Prinzip war recht simpel: Die bei Bewegung am Armband entstehenden Zugkräfte gelangen über einen beweglichen Bandanstoß und ein komplexes Hebelsystem zum Energiespeicher. 

Autorist

Noch im gleichen Jahr 1931 waren bei A. Schild aus Harwoods Plänen die Kaliber 796 für Herren- und 802 für Damenuhren entstanden. Hierbei handelte es sich allerdings nicht um völlige Neukonstruktionen. Beide Werke, die in Grenchen durch die Fortis S.A. fertiggestellt wurden basierten auf normalen Handaufzugs-Formwerken: die maskuline Version auf dem AS 624, 6¾ x 11″‚ von 1926, und die Variante für zarte Handgelenke auf dem 1922 lancierten Kaliber AS 475, 5¼ x 8¾ „‚. Sie wurden jeweils durch den trickreichen Hebelmechanismus, der für ein Aufladen des Uhrwerks mit Energie sorgte ergänzt.

Nur, wie man es auch drehte und wendete: Die Verkäufe der automatischen Autorist-Armbanduhr hielten sich in sehr überschaubarem Rahmen, denn die konstruktiven Nachteile überwogen die Vorzüge bei weitem. Damit das vergleichsweise komplizierte Aufzugssystem und der Hebelmechanismus überhaupt funktionieren konnte, musste das Armband sehr straff am Handgelenk befestigen. Außerdem durfte es keinesfalls elastisch oder stark nachgebend sein. Dies minderte den Tragekomfort ungemein. Wurde das Armband wiederum normal getragen, blieb die Uhr schnell stehen.
Somit zeichnete sich der kantige Automatik-Newcomer zwar durch eine moderne Form, jedoch nur geringe Funktionstüchtigkeit aus. Entsprechend gering war der Verkaufserfolg und die Anzahl der hergestellten Uhren blieb gering.
Dies wiederum freut die Vintage Uhrensammler von heute, die mit dieser ungewöhnlichen Autorist Vintage Uhr und seinem ungewöhnlichen Automatik Aufzugssystem von John Harwood und A. Schild S.A. ihre Freude haben.

Haben Sie Feedback zu unserem Artikel? Hinterlassen Sie gerne einen Kommentar.

Noch mehr über luxuriöse Uhren

Dress Watch: Die passende Uhr zum formalen Dresscode

Ein wichtiger Anlass verlangt nach entsprechender Kleidung. Allerdings gehören zu Anzug oder Smoking auch eine passende Dress Watch. Hier sind unsere nach Budgetgrößen gestaffelten Vorschläge für Uhren für formale Anlässe.

Dress Watch Jaeger-LeCoultre Master Ultra-Thin Kingsman Knife

Dugena Siffert Chronograph: Eine Vintage Uhr mit Potential

In Heuer Sammlerkreisen wird der Dugena Siffert Chronograph oft als "Poor Man's Heuer" bezeichnet. Dass dies nicht zutrifft, setzt sich unter Uhrensammlern mehr und mehr durch. Wir zeigen auf, worin die besondere Pointe dieses Vintage Chronographen liegt.

Dugena Siffert Chronograph von Heuer

Doxa Sub 300T Professional: Die Geschichte dieser Taucheruhren-Ikone

Um den Erfolg der Doxa Sub 300T Professional zu verstehen, muss man einen Blick in die Anfänge der Taucheruhren werfen. Denn die Doxa Taucheruhr Sub 300 hat seit ihrer Lancierung im Jahr 1967 die Gestalt und Funktionalität von Taucheruhren stark geprägt. So kam es zur berühmten Uhr im leuchtenden Orange.

Doxa Sub 300T Professional von 1967 und heute

Kommentare zu diesem Beitrag

0 Kommentare