MB&F Legacy Machine Perpetual Evo
Die MB&F Legacy Machine Perpetual Evo schreibt Transparenz gross

Im Mikrokosmos der hohen Uhrmacherkunst ist Transparenz oft ein Fremdwort. Nur wenige plaudern gerne über ihre Partner und Zulieferer. Das gilt für die verwendeten Uhrwerke wie für unverzichtbare Komponenten. Um zu vertuschen, erhalten Kaliber von Eta oder Sellita oft Phantasiebezeichnungen. Nur wer sich auskennt, vermag die Provenienz zuzuordnen. Ganz anders agiert MB&F. Max Büsser macht keinen Hehl daraus – denn es gibt viele, die zur MB&F Legacy Machine Perpetual Evo beitragen.

Die MB&F Legacy Machine Perpetual Evo schreibt Transparenz gross

Die drei Versionen der neuen MB&F Legacy Machine Perpetual Evo, 2020

Max Büsser und seine Biographie

Lange zurückblickend betrachtet hat Maximilian Büsser, Jahrgang 1967, mit einer Luxusuhr wie der MB&F Legacy Machine Perpetual Evo recht wenig zu tun. Denn urspünglich entstammt er einer traditionsreichen Schweizer Bauernfamilie. Weil sein Vater allerdings einen anderen beruflichen Weg einschlug, eine Inderin aus Bombay heiratete und in der weiten Welt umherzog, erblickte der Spross in Mailand das Licht der Welt. Mit 18 bekam Maximilian Büsser dann seine erste Armbanduhr.

Mein Traum wäre eine Rolex gewesen, aber die war viel zu teuer. Also bekam ich nur eine stahl-goldene Tissot mit Quarzwerk, Preispunkt 700 Schweizerfranken.

Max Büsser

Budgetgründe vereitelten seinerzeit auch die Wunsch-Ausbildung an der damals neu gegründeten Dependance des Pasadena Art Center in La Tour-de-Peilz am Genfer See. „Das Art Center Europe verlangte ein jährliches Schulgeld von 50.000 Schweizerfranken. Und das überstieg unsere Möglichkeiten um ein Vielfaches.“ Also erwarb Max seinen Master im Bereich Mikrotechnologie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne.
Eine 1988/89 durchgeführte Studie, warum Menschen so viel Geld für Uhren ausgeben, brachte schließlich intensive Kontakte zur Uhrenindustrie. Bei dieser Gelegenheit bekam der angehende Techniker von vielen CEOs zu hören, dass das an der Universität Gelernte so gut wie keine Relevanz für die spätere Berufsausübung besäße.

Wenig später investierte Max in seine erste selbst gekaufte Armbanduhr, eine Ebel mit dem von Pierre-Alain Blum wieder aufgespürten El Primero-Kaliber aus dem Hause Zenith. „Hierfür opferte ich mein gesamtes Geld.“

Karriereschritte

Im Januar 1991 sah man Max Büsser beim Skifahren in Verbier. Dort war auch Henri-John Belmont zugegen, den er von besagter Befragung kannte. Der Generaldirektor von Jaeger-LeCoultre lud zu einem Interview nach Le Sentier und offerierte einen Job als Produktmanager bei der Manufaktur. Einen tiefen Eindruck hinterließen die Begegnungen mit Günter Blümlein. „Von diesem Mann konnte ich unglaublich viel lernen. Er fragte mich eines Tages, ob ich im Leben einer unter Tausenden oder einer unter Wenigen sein möchte.“

Diese Frage kam wieder hoch, als 1998 ein Headhunter anklopfte, der einen CEO für die beinahe bankrotte Winston Rare Timepieces in Genf suchte. Der Umsatz mit Uhren machten damals im Gesamtgeschäft des amerikanischen Nobeljuweliers gerade einmal drei Prozent aus. Die Probleme türmten sich haushoch. Und Geld aus der Neuen Welt war nicht zu erwarten. Der Schweizer Ableger musste nolens volens alleine zurechtkommen.
„Damals stellte ich mir die Frage, ob ich mich auf ein derartiges Himmelfahrtskommando einlassen und den Job bei Jaeger-LeCoultre hierfür aufgeben sollte.“ Als Max sich an Günter Blümlein erinnerte, war die Sache klar. Und der nur 31 Jahre junge Geschäftsführer schickte sich an, das schlimmste Jahr seines Lebens zu durchleiden.

„Wir bezahlten Zulieferer nach 200 Tagen, obwohl 30 Tage die Normalität waren.“ Aber das gewaltige Kreativitätspotenzial und der eiserne Wille das Blatt bei Harry Winston Timepieces zu wenden,  machten sich letzten Endes bezahlt. „Ich erfuhr am eigenen Leib, dass ich imstande bin, das Ruder herumzureißen.“ Zwischen 2000 und  2005 kletterte die Zahl der Mitarbeiter von acht auf 80, der Umsatz von acht auf 80 Millionen Schweizerfranken.

Einen wichtigen Beitrag leisteten die 2001 eingeführten und stets streng limitierten Opus-Modelle, hinter denen renommierte und bei der Lancierung der Zeitmesser stets in den Vordergrund gerückte Meister-Uhrmacher oder Konstrukteure standen: François-Paul Journe, Antoine Preziuso, Vianney Halter, Christophe Claret, Felix Baumgartner  und viele mehr.
Nach sieben Jahren bei Jaeger-LeCoultre folgten letzten Endes sieben sehr erfolgreiche Jahre bei Harry Winston. Max Büsser transformierte das verstaubte Uhr-Unternehmen durch zukunftsweisende strategische Entscheidungen, innovative Produkte, gezieltes Marketing und den Ausbau eines weltweiten Vertriebsnetzes zu einem respektierten Mitglied des kleinen elitären Haute Horlogerie-Zirkels.

Von Harry Winston zu MB&F

Der Aufbau sowie die Implementierung der Abteilungen Design sowie Forschung und Entwicklung brachte unverzichtbare Kompetenz. Viel wichtiger jedoch waren all jene Freundschaften, welche im Juli 2005 zur Gründung von MB&F, also Maximilian Büsser & Friends führten.

Bei Harry Winston habe ich immer nur kommerzielle Uhren, heute würde ich auch sagen Marketingprodukte für andere gestaltet, und das war mir auf Dauer einfach zu wenig. Mein künftiges Leben konnte und sollte nicht darin bestehen, für mir nicht immer sympathische Menschen zu arbeiten.

Maximilian Büssser

Der Tod des „innerlich geliebten Vaters, mit dem ich aber zeitlebens nie ein liebevolles Gespräch führen konnte“ war ein Impuls für eine dringend gebotene Zäsur. Es war der Wechsel an der Spitze seines übergeordneten Arbeitgebers.

Man legte mir einen 25-seitigen Arbeitsvertrag vor mit einem strengen Wettbewerbsverbot am Ende. „Als ich das las, reichte es mir. Außerdem kam mir immer öfter in den Sinn, dass ich im Business deutlich mehr Negatives zu akzeptieren hatte, als ich in meinem Privatleben jemals tolerieren würde. Mir wurde sonnenklar, dass ich mein persönliches Wertgefüge schützen musste. Ich wollte mit verlässlichen und vertrauensvollen Freunden tätig sein.“

Max Büsser und Freude

Uhrmacher, Konstrukteure, Designer und natürlich Lieferanten für alles, was jene Uhren auszeichnet, welche Max Büsser kreiert und realisiert, gehören seit Anbeginn des eigenen Unternehmens MB&F zum unverzichtbaren Freundeskreis.
„Meine Vision waren dreidimensionale kinetische Kreationen zum Messen der Zeit.“ Ohne anonymes Versteckspiel. „Wenn man mit den Besten ihres Metiers zusammenarbeitet, also anerkannten  Spezialisten beispielsweise Zahnräder, Werkskomponenten, komplexe Saphirgläser, Gehäuse, Zifferblätter oder Zeiger, dann sollen und müssen diese auch benannt werden.“

Die Fertigstellung, also Montage, Reglage und Qualitätskontrolle erfolgen in eigenen MB&F Ateliers in Genf. Zur Herstellung von Prototypen kam auch ein computergesteuertes Fertigungszentrum ins Haus. Doch es dauerte noch lange, bevor es so weit war. Max Büsser war im Jahr 2005 zumindest so weit, dass er etwas Neues suchte. Am 15. Juli quittierte er den Job bei Harry Winston. Zehn Tage später startete er seine eigene Firma. Bei der Namensgebung waren einige rechtliche Hürden zu beachten. Beispielsweise ging B & F wegen der Ähnlichkeit zu B & R (Bell & Ross) nicht. So kam es schließlich zu MB & F und das junge Unternehmen legte mit einem Kapital von 700.000 Schweizerfranken los.

Ich besaß damals 900.000 Franken, von denen ich 200.000 abzweigte, um die kommenden Jahre ohne eigenes Einkommen überleben zu können.

Max Büsser

Aller Anfang ist schwer

Die erste der folgenden Horological Machines unterschiedlicher Ausprägung, von Max Büsser auch als “mechanische Skulpturen” tituliert, entstand auf einem 3-D-Drucker. Damit ging der Jungunternehmer auf Reisen. Er offerierte den ausgefallen, teils wirklich verrückten und radikal anderen Zeitmesser namens Horological Machine Nr. 1 – HM1 gegen Anzahlung.

MBF HM1 Mechanik

Das Innenleben der MH1 von MB&F

Ziel waren 25 Exemplare. In Japan stieß Büsser auf strikte Ablehnung, da Händler diese Uhr als unverkäuflich bezeichneten. In Dubai und Singapur hatte er hingegen deutlich mehr Glück. „Ich sammelte 700.000 Franken ein und kam mit meinem gleich hohen Eigenkapital auf jenen Betrag, den ich unbedingt benötigte.“ Und damit begann ein Abenteuer, welches zwischenzeitlich jedoch keines mehr ist. Ab 2006 kletterte der Jahresumsatz –mit kleinen Dellen in den Krisenjahren 2009 und 2010- kontinuierlich.

Nach dem Motto klein aber fein produzieren Max Büsser, rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie besagte Freunde per annum zwischen 250 und 300 Zeitmesser. Und dabei soll es auch bleiben.

MB&F

Das neue Modell ist eigentlich gar nicht so neu. Das lässt schon ihr Name MB&F Legacy Machine Perpetual Evo erkennen. Evo weist unmissverständlich auf eine Evolutionsstufe des 2015 während des auf der Genfer Uhrenmesse SIHH vorgestellten Modells mit ewigem Kalender hin. Wie es sich für eine Legacy Machine gehört, oszilliert der Gangregler prominent vor den Indikationen für die Zeit und das Kalendarium. Dazu braucht es die wohl längste Unruhwelle von mechanischen Armbanduhren. Ein weiteres uhrmacherisches Highlight besteht in dem immerwährenden Kalender. Sein geistiger Vater heißt Stephen McDonnell und er betrachtete das komplexe Thema aus anderer Perspektive.

Die traditionellen und inzwischen weit verbreiteten Kadraturen bestehen aus Zahnrädern, Hebeln, Wippen und vor allem einem so genannten Monatsnocken. Letzterer kann als der Schaltkreis des ewigen Kalenders bezeichnet werden, denn in seinen Umfang ist die unterschiedliche Dauer der zwölf Monate programmiert. Je tiefer die Einbuchtung, desto kürzer währt ein Monat.

Die Krux des Julianischen und Gregorianischen Kalenders besteht im Monat Februar, der drei Mal hintereinander 28 und im vierten Schaltjahr 29 Tage währt. Um dem gerecht zu werden, besitzen Monatsnocken, die sich einmal pro Jahr um 360 Grad drehen, eine Februar Ausbuchtung. Dort bewegt sich ein rechteckiger Nocken mit einer erhabenen Seite jährlich um 90 Grad. Anderer Konstruktionen verfügen über einen 48-Monate-Nocken für den gesamten Schaltjahreszyklus. Um den astronomischen Gegebenheiten Rechnung zu tragen, schaltet die ausgeklügelte Kadratur am Ende des Monats Februar auf einmal drei oder in Schaltjahren lediglich zwei Tage weiter.
Hat man beim Einstellen dieser Kalenderwerke zu viel des Guten getan, heißt es warten oder gleich vier Jahre durchschalten. Ein Zurück gibt es nicht. Korrekturen in beiden Richtungen gestatten der innovative Perpetual Ludwig von Ulysse Nardin oder der Heritage Perpetual Calendar von Montblanc. Sie verfügen nämlich über ein intelligentes Räderwerk.

Das Kalendarium der Legacy Machine Perpetual

Für MB&F hat Stephen McDonnell einen Mechanismus mit übereinander montierten Platinen ersonnen. Bei ihm dauern alle Monate prinzipiell gleich lang, nämlich 28 Tage. Beim Schaltjahres-Februar addiert sich ein Tag hinzu. April, Juni, September und November erhalten zwei und die übrigen Monate drei zusätzliche Tage.

Folglich ist das Thema Überspringen vom Tisch. Ein planetarischer Nocken gestattet die unkomplizierte Schnelleinstellung des jeweiligen Jahres mit 365 oder 366 Tagen. Bleibt ein durchdachtes Sicherheitssystem, welches die Korrekturdrücker während der Zeit des Datumswechsels deaktiviert. Das unterbindet Fehlbedienungen mit schädlichen Folgen für das Schaltwerk.

Als Antrieb dient seit 2015 ein Handaufzugswerk mit zwei seriell geschalteten Federhäusern. Sie und die entschleunigte Unruhfrequenz von 2,5 Hertz lassen diese Armbanduhr 72 Stunden am Stück laufen. Der speziell gefertigte Unruhreif misst stattliche 14 Millimeter. Für jedes Uhrwerk braucht es 581 Komponenten, darunter 41 funktionale Steine. Neben Stunden, Minuten und verbleibende Gangreserve zeigt die Legacy Machine Perpetual Evo Datum, Tag und Monat an. Mit von der Partie ist ferner ein Rückwärtszähler zum nächsten Schaltjahr.

Evolution

Wer das entsprechende Modell von 2015 kennt, fragt spätestens jetzt nach den fortschrittlichen Elementen. Eines davon ist die 44 Millimeter große Zirkonium Gehäuse-Schale. Dabei handelt es sich um ein silbrig-grau glänzendes Schwermetall mit 6,501 g/cm3 Dichte, abriebfester Oberfläche und hoher Resistenz gegen Korrosion. Hypoallergene und antimikrobielle Eigenschaften machen das in der Uhrenindustrie bislang kaum verwendete Zirkonium zu einem beliebten Material für biomedizinische Anwendungen.
Ein neues Gehäuseprofil mit extrem schmalem Glasrand bietet optimale Entfaltungsmöglichkeiten für die verschiedenen Indikationen. Zur Beibehaltung seiner strukturellen Festigkeit verlangte das große gewölbte Saphirglas nach einer kompletten Neuberechnung. Für sicheren Halt an der Schale sorgt dabei eine thermische Verbindung.

Hinzu gesellt sich ein neuartiges Monoblock-Stoßdämpfungssystem. Der so genannte FlexRing macht diese Armbanduhr zur robustesten MB&F-Zeitmaschine überhaupt. Dazu trägt auch die verschraubte Aufzugs- und Zeigerstellkrone mit spezieller Auskupplungs-Mechanik bei. Sie verhindert das Überdrehen der Haupt-Zugfeder.

Neu ist die Wasserdichtigkeit der MB&F. Sie bietet Schutz von bis zu acht bar Druck, was knapp 80 Meter Tauchtiefe entspricht. Somit ist dieses komplexe Instrument, von dem es je 15 Exemplare mit orangefarbenem, blauem oder schwarzem Zifferblatt gibt, nahezu allen Lebenslagen gewachsen. Das hat natürlich seinen Preis. Und der liegt bei beachtlichen 169.000 Euro. Pro Stück versteht sich, unabhängig von der Farbwahl.

Freundeskreis

Ganz zum Schluss ein kleiner Teil der vielen Freunde, die neben Maximilian Büsser zum Gelingen der Legacy Machine Perpetual Evo beitragen:

Produktdesign: Eric Giroud

Werkdesign: Stephen McDonnell

Werksentwicklung: Stephen McDonnell und MB&F

Räder, Brücken, Triebe und Achsen: Jean-François Mojon und Chronode, Atokalpa, Paul-André Tendon  – Bandi, Daniel Gumy  – Decobar Swiss, Rodrigue Baume –  HorloFab, DMP und Le Temps Retrouvé

Unruh: Andreas Kurt – Feinmechanik, Benjamin Signoud  – AMECAP und Marc Bolis – 2B8

Federhaus: Stefan Schwab – Schwab-Feller und Swiss Manufacturing

Teile des ewigen Kalenders: Alain Pellet – Elefil

Handgravuren: Glypto

FlexRing: Laser Automation

Manuelle Finissage der Werkteile: Jacques-Adrien Rochat und Denis Garcia  –  C.-L. Rochat

PVD-/CVD-Beschichtung: Pierre-Albert Steinman – Positive Coating

Gehäuse und Werkteile: Alain Lemarchand und Jean-Baptiste Prétot – MB&F

Gehäusedekoration: Bripoli

Zifferblatt: Les Ateliers d’Hermès Horloger

Krone und Korrektoren: Cheval Frères

Zeiger: Waeber HMS

Saphirgläser: Stettler

Wer sich ein Bild der MB&F Legacy Machine Perpetual Evo machen möchte, für den hat die Firma die Uhr in bunte Bewegtbilder gepackt. 

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