Die Geschichte des Rolex Daytona Chronographen

Rolex Daytona Chronograph – Technik und Mythos

Auf dem aktuellen Uhrenmarkt ist fast kein Chronograph so begehrt wie die Rolex Daytona. Dabei liegt es nicht nur an ihrer Technik. Es ist mehr ihre Geschichte und einige Eigenheiten, die die Daytona besonders machen.

von | 16.10.2020

Lust auf Luxus, Lust auf Rolex

Wer glaubt, dass lange Wartezeiten Uhrenliebhaber davon abhalten, sich einen Rolex Daytona Chronographen zu bestellen, der irrt gewaltig. Der Chronograph mit Edelstahlgehäuse und seinen typischen Totalisatoren auf dem Zifferblatt ist gesucht wie eh und je. Dabei hat der Rolex Cosmograph Daytona, so die offizielle Bezeichnung, nach seiner Erstlancierung im Jahr 1963 doch schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat.  

Überhaupt, ist die Begehrlichkeit nach Rolex Stahluhren ungebrochen. Der virusbedingte Produktionsstopp fachte die Nachfrage sogar an, wie die am Parallelmarkt verlangten Preise belegen. Auch hier gehört zu dengroßen Favoriten der Rolex Cosmograph Daytona. Inoffiziell kostet die Rolex Referenz 116500LN mit Stahlgehäuse und Keramiklünette tendenziell sogar mehr als vor der Coronakrise. Für ungetragene Exemplare einer Daytona werden inzwischen deutlich mehr als 20.000 Euro verlangt. Welche Summen am Ende nun tatsächlich fließen, ist ungewiss. Sicher hingegen ist: Die Lust auf  Luxus und eine Uhr mit Ausstrahlung ist ungebrochen.

Daytona Mythos

Warum gerade die Rolex Daytona einen derartigen Hype erzeugt, kann man logisch oder wissenschaftlicher Sachlichkeit schwerlich nachvollziehen. Auf jeden Fall besitzt der Chronograph Daytona abgesehen von einer sehr zuverlässigen Technik und einem robusten Äußeren einen sehr markanten Look. Uhrenliebhaber würden durchaus von Sexappeal sprechen. Dieser Faktor kommt nicht zuletzt durch den wohl berühmtesten Rolex Daytona Träger Paul Newman. Der erfolgreiche Schauspieler und Unternehmer wie auch Rennfahrer bekam von seiner Frau diese Uhr als Geschenk und hat sie insbesondere auf Rennstrecken gerne getragen. So wurde sie zu einer Art Markenzeichen und zu einer der berühmtesten Uhren der Uhrengeschichte – verbunden mit einer unfassbaren Wertsteigerung. Die Geschichte zu seiner Armbanduhr findet sich hier.

In Preisregionen, wo sich gegenwärtig beispielsweise die Rolex Vintage-Referenzen 6239, 6241 oder 6265 derzeit tummeln, werden die aktuellen Automatikmodelle vermutlich niemals vordringen. Dazu gibt es einfach zu viele am Markt. Aber der kontinuierliche Preisanstieg der 1988 lancierten und 2000 eingestellten Rolex Daytona Referenz 16520 mit dem Zenith-basierten Rolex-Kaliber 4030 belegt, dass nicht mehr Produziertes oft an Reiz gewinnt.

Vor allem dann, wenn es vom richtigen Hersteller stammt. Am Uhrenmarkt ist die Marke vergleichbar mit der Lage bei Immobilien. Und da ist Rolex bekanntlich ganz oben angesiedelt. Abgesehen davon hat der Mythos der Daytona weitere Gründe. Seit die Rolex Referenz 16520 im Jahr 1988 auf der Bildfläche erschien, übersteigt die Nachfrage die zu offiziellen Publikumspreisen erhältliche Anzahl an Uhren ganz erheblich.

Und Rolex tut bewusst und klugerweise nichts, um diesem Mangel-Zustand abzuhelfen. Zum einen ist die Fabrikation speziell in der Bieler Werkemanufaktur ohnehin ausgelastet. Zum anderen werden Produkte ganz allgemein erst dann interessant, wenn am Markt immer weniger Rolex Uhren am Markt erhältlich sind, als die Kunden verlangen.

Rolex Daytona

Wer eine sportliche Rolex-Uhr besitzt, kann sich ziemlich sicher sein, auf Dauer kein Geld zu verlieren. Die für Autos geltende Regel, dass der erste Kilometer aus dem Hof des Händlers der teuerste ist, weil er den Wert am meisten mindernd, trifft hier nicht zu. Vielmehr führt die lebhafte Suche der Uhrenliebhaber nach gebrauchten Rolex Uhren dazu, dass die Modelle kaum an Wert gewinnen, eher an Wert gewinnen.
Weil sich das vorteilhafte Investment besonders bei den Rolex Modellen Daytona, Rolex Submariner und der Rolex GMT-Master II rentiert, sind diese sportlichen Rolex Stahlmodelle extrem nachgefragt. Entsprechend lang sind deshalb die Wartelisten bei den Konzessionären.

Warum gerade die Daytona?

Hinter dem Hype rund um die „Daytona“, um auf dieses Uhrenmodell zurückzukommen, verbirgt sich freilich mehr, viel mehr sogar. Ganz zweifellos ist da das gewandelte Renommée einer im umfassenden Sinn wahrhaft einzigartigen Uhrenmarke. Vom einstigen Schmuddel-Image redet kaum noch jemand. Seit der Gründung im Jahr 1905 war Rolex entweder im Eigentum von Hans Wilsdorf oder der von ihm ins Leben gerufenen Stiftung. Gewinnmaximierung um jeden Preis stand deshalb nie zur Debatte.

Werte groß geschrieben

Natürlich haben auch die Armbanduhren mit dem Kronenlogo ihren Preis. Und der ist nicht gerade niedrig. Aber fürs Geld bekommt man zuverlässige, präzise und langlebige Manufakturarbeit mit Brief und Siegel. Gemeint sind ein offizielles COSC-Chronometerzertifikat und inzwischen fünf Jahre internationale Garantie.

Hinzu gesellen sich beispiellose Kontinuität im Produktdesign und daraus resultierend der sprichwörtliche Wiedererkennungswert selbst aus zwanzig Metern. Und das nicht nur bei der Rolex GMT-Master II Pepsi.
Zugegeben: Rund um den Globus sind mehr Rolex-Plagiate als Originale unterwegs. Aber die Eigentümer des Echten ficht das nicht an. Im Gegenteil: Sie wissen um den Wert ihrer Erwerbung und sind stolz darauf. Ferner lässt sich eine Rolex mit bestem Wissen und Gewissen an die nächsten Generationen weiterreichen. Und die Erben können sich freuen, denn ungeachtet des Alters wird die Hinterlassenschaft niemals unmodern und wertlos.

Bleibt zum Schluss das immer bedeutendere Storytelling. Der Mythos Rolex und auch jener der Daytona stecken voller Geschichten, welche sich zum Erzählen eignen, die Zuhörer staunen lassen und dort womöglich ebenfalls die Lust auf eine solche Armbanduhr wecken. Herz, was willst du mehr.

Rolex-Historie

Im Gegensatz zu anderen uhrmacherischen Pioniertaten hat Rolex bei Chronographen, wie übrigens auch Audemars Piguet, Patek Philippe oder Vacheron Constantin erst relativ spät eigene Manufaktur-Geschichte geschrieben. Und zwar mit dem Start des Rolex Automatikkalibers 4130 im Jahre 2000. In den Jahrzehnten zuvor tat es die renommierte Manufaktur vielen anderen Nobelmarken gleich: Sie baute auf die Kompetenz des im abgeschiedenen Vallée de Joux ansässigen Rohwerkefabrikanten Valjoux.

Rolex Zerograph

Nur im circa 1938 vorgestellten Rolex Zerographe, Referenz 3346, tickte ein eigenes Kaliber. Rund zehn zusätzliche Komponenten führten beim 10½-linigen Basis-Handaufzugswerk zu einer permanent nullstellbaren, nicht aber anhaltbaren Zentralsekunde.

Daher handelte es sich bei dieser optisch sehr attraktiven Armbanduhr mit dem so genannten „California“-Zifferblatt also lediglich um einen Pseudo-Chronographen, der bei Sammlern gleichwohl hohen Stellenwert genießt und entsprechend teuer bezahlt wird.

Rolex Chronographen

Als ausgewiesener Sportuhren-Spezialist kam auch Rolex in den 1920-er Jahren nicht mehr an den bei Sportsleuten extrem beliebten Chronographen vorbei. Hans Wilsdorf war ein viel zu guter Geschäftsmann, um diese Chance nicht zu nutzen. Außerdem brauchte er nach den Wirrnissen der vorangegangenen Kriegsepoche jeden Franken Umsatz. Die ersten Rolex Chronographen, zum Beispiel die Rolex Referenz 2021 besaß wie üblich nur einen Drücker zum Starten, Stoppen und Nullstellen.

In den Rolex-Katalogen fand sich dieser Uhrentyp noch nicht. Selbst 1934 waren Chronographen dort noch kein Thema. Erst 1937 gab es fünf verschiedene Rolex Chronographen Modelle zu sehen.

1939, als die Welt in den Zweiten Weltkrieg stürzte, brachte gleich eine ganze Reihe neuer Armbandstopper: Die Rolex Referenz 3335 mit 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler, die Referenz 3481 mit verschraubter Oyster-Krone und normalen Drückern sowie die ungewöhnliche Referenz 3529 mit kleinem quadratischen Gehäuse, in dem das Kaliber Valjoux 69 tickte. Letztgenannte Armbanduhr eignete sich wegen ihrer geringen Dimensionen auf für weibliche Handgelenke. Dem nassen Element durfte man die goldene Gehäuseschale nicht aussetzen.

1942 wandte sich die italienische Armee an Rolex. Man brauchte gut ablesbare Schleppzeiger-Chronographen fürs Handgelenk. Die Genfer Manufaktur lieferte sie. Und zwar als heutzutage extrem teuer bezahlte Referenz 4113 mit dem feinen aber opulenten Kaliber 55 VBR, welches einmal mehr das erfahrene Haus Valjoux zulieferte.

Am 19. November 2019 versteigerte das Auktionshaus Phillips eine derartige Armbanduhr aus dem Jahr 1942 für1,94 Millionen Schweizerfranken.

Rolex Cosmograph

Zwischen 1951 und 1953 gab es die OysterReferenz 6036 mit dem Vollkalendarium-Kaliber Valjoux 72C. Die gleichzeitig lancierte und wohl bis in die 1960-er Jahre produzierte Referenz 6034 mit Tachy- und Telemeterskala musste hingegen ohne Kalendarium auskommen. Zum kleinen aber feinen Kreis der klassischen „Oyster” Handaufzugs-Chronographen gehört die 1960 vorgestellte Referenz 6239. Ihre Kennzeichen: Oyster-Krone, normale, aber wasserdichte Drücker und markante Lünette mit Tachymeterskala. 1965 stand im Zeichen des Rolex Cosmograph Referenz 6240, welcher erstmals neben der Oyster-Krone auch verschraubte Drücker vorzuweisen hatte.

Ab 1967 machten die sagen- und mythenumwobenen „Oyster Cosmographen“ mit so genanntem „Paul Newman”-Zifferblatt von sich reden. Dessen Kennzeichen sind kleine quadratische Markierungen an den Indexen der kleinen Skalen für den permanent mitlaufende Sekundenzeiger sowie die Totalisatoren für Minuten und Stunden. Seinen Armbandstopper hatte der beliebte Schauspieler von Ehefrau Joanne Woodward mit der einprägsamen Bodengravur DRIVE CAREFULLY. ME geschenkt bekommen.

Die Verbindung zu dem populären Amerikaner lässt die Preise für dieses und andere historische Daytona-Modelle förmlich explodieren. Vermutlich sind am Markt inzwischen mehr gefälschte als originale Paul Newman Rolex Zifferblätter unterwegs.

Rolex Daytona Cosmograph

Im Jahr 1976, als alle Welt von Quarzuhren sprach, gelangte die letzten Handaufzugs-Referenzen auf den Markt. Gemeint sind die Rolex Cosmograph-Modelle 6263 und 6265 mit Uhrwerken wiederum von Valjoux. Zu diesem Zeitpunkt hatte der traditionsreiche Rohwerkespezialist die Produktion der Handaufzugs-Schaltradkaliber schon seit zwei Jahren beendet. Speziell in den USA gab es die Rolex-Chronographen mit Discount, denn für die amerikanischen Händler waren nur die Rolex Oyster Perpetuals mit Manufaktur-Automatik authentische Produkte der Rolex-Marke. Bei Valjoux gehörte die Zukunft dem 1973 eingeführten Chronographenkaliber 7750 mit Selbstaufzug. Das jedoch genügte den hohen Rolex-Ansprüchen in keiner Weise.

Im zweiten Teil dieser Uhrenkosmos Chronologie beschäftigen wir uns ausgiebig mit dem neuen Rolex Daytona Automatikkaliber 4030 und sowie Details und Hintergründen des Manufakturkalibers Rolex 4130.

Wie bewusst man sich des Mythos Rolex Daytona im Hause Rolex ist, zeigt das Modell Rolex Oyster Perpetual Cosmograph Daytona in 18 Karat Gold, Panda-Zifferblatt und der Ausstrahlung, als wäre es direkt der Paul Newman Daytona nachempfunden. 

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