Die Geschichte des Rolex Daytona Chrongraphen Teil II
Die Rolex Daytona Chronologie: Ein Herz und eine Krone

1988, also 19 Jahre nach der Vorstellung der ersten Selbstaufzugs-Chronographen begann auch bei Rolex auf diesem Gebiet das Automatik-Zeitalter. Das Rohwerk zum Kaliber 4030 stammte allerdings noch von Zenith. Erst 2000 schloss Rolex die letzte Lücke im Spektrum hauseigener Kaliber. Im 4130 steckt eine ganze Menge Innovation.

Die Rolex Daytona Chronologie: Ein Herz und eine Krone

Automatik-Chronographen im Zeichen der Krone: Kaliber 4030 und 4130

Die Rolex „Daytona“ Automatik

Die Tatsache, dass schon ab 1902 erste Autorennen auf dem legendären „Daytona International Speedwaykurs“ stattfanden und die 500 Meilen von Daytona Legende sind, beflügelte Rolex ab 1967 zur Verwendung des Namens „Daytona“ auf Chronographen-Zifferblättern. Dem Nachteil, die Zugfeder täglich spannen und dazu die Schraubkrone öffnen zu müssen, konnte freilich auch dieser imageträchtige Name nicht abhelfen.

Ein adäquates Automatikwerk stand nicht zur Verfügung. Massenprodukte wie die Kulissen-Kaliber Valjoux 7750 oder Lémania 1341 passten keinesfalls zur ausgeprägten Qualitäts-Philosophie. Zenith hatte die Fertigung seines El Primero Mitte der 1970-er Jahre mangels Nachfrage eingestellt.

Und die damals von Genf noch völlig unabhängige Bieler „Manufacture des Montres Rolex“ brachte, die CEO André Heiniger einmal bissig bemerkte, kein brauchbares Automatikwerk mit Stoppfunktion zustande. Somit verwundert es nicht, dass sich Rolex nach rund sechzig Jahren still und leise von Chronographen verabschiedete. Vorübergehend jedenfalls.

Kooperatives Comeback des Chronographen

Rückblende ins Jahr 1988. Für den ehedem wenig begehrten „Daytona Cosmograph” zahlten Liebhaber deutlich mehr als umgerechnet 2.500 Euro.

Im Zuge der fulminanten Mechanik-Renaissance mochte natürlich auch Rolex nicht abseits stehen. Verschwiegen, wie es sich für die bedeutende Genfer Marke gehört, hatten Techniker eine Automatik-Version des „Daytona Cosmograph“ entwickelt. Eher unscheinbar ruhte sie in einer der Vitrinen des für Neugierige unzugänglichen Messestands.

Erst beharrliches Nachfragen brachte ans Tageslicht, dass in dem bis 100 Meter wasserdichten Gehäuse der Rolex Referenzen 16520, 16523 und 16528 eigentlich altbekannte Technik die Zeit zu stoppen vermochte. Die Basis des neuen Rolex Kalibers 4030 stammte von Zenith und tat dort unter der Bezeichnung 400 seinen Dienst. Die Standard-Version des seit 1986 erneut produzierten „El Primero” kam für Rolex freilich nicht in Betracht. Die quirlige, auf Zehntelsekunden-Stoppgenauigkeit ausgelegte Unruhfrequenz von stündlich 36.000 Halbschwingungen störte ebenso wie das bei Rolex-Chronographen noch nie vorhandene Fensterdatum

Unter der Maxime optimaler Zuverlässigkeit und Präzision unterzogen Techniker und Uhrmacher besagtes Kaliber Zenith 400 einer gründlichen Überarbeitung. Am Ende blieb nur rund die Hälfte aller Teile unangetastet. Die gravierendste Änderung betraf das Räderwerk selbst. Nach Abschluss der uhrmacherischen Rosskur vollzog die Unruh nur noch 28.800 Halbschwingungen pro Stunde, was einer Frequenz von vier Hertz entspricht.

Zu den der Tradition folgenden Merkmalen gehörten ferner eine freischwingende Breguetspirale und eine Unruh mit variabler Trägheit. Die Regulierung des Gangs erfolgte über vier „Microstella”-Masselots auf der Innenseite des deutlich größeren Unruhreifs. Das äußere Ende der Spirale steckte in einem dreieckigen Spiralklötzchen, welches die unbeabsichtigte Veränderung des Spiralen-Endpunkts verhindert. Weitere Features: Der Rolex-typische Rotor mit äußerem Schwermetall-Segment, flach geschliffene und polierte Schrauben mit Kantenbrechung, kein Sekundenstopp, offizielles Chronometerzertifikat. Trotz des beträchtlichen Aufwands betrachtete Rolex die chronographische Kooperation mit Zenith jedoch von Anbeginn als Übergangslösung. Das modifizierte Automatikkaliber 4030 mit Schaltrad, horizontaler Kupplung, 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler repräsentierte in der auf strikte Manufakturarbeit ausgelegten Werkepalette einen echten Fremdkörper. Und mit dem mochte Rolex auf Dauer nicht leben.

Ein Daytona Chronographenkaliber Aus eigener Manufaktur: das Kaliber Rolex 4130

Irgendwann Mitte der 1990-er Jahre beginnt das vorläufig letzte Kapitel der Rolex Daytona Chronographengeschichte. Aufmerksame Beobachter der internationalen Patent-Szene wussten um Innovationen, für die bereits am 31. Oktober 1995 Anträge auf rechtlichen Schutz eingereicht worden waren.

Der offizielle Startschuss für eine neue „Daytona“-Generation mit hauseigenem Innenleben fiel am 22. März 2000 während der Basler Uhrenmesse. Beim Automatikkaliber 4130 handelte es sich um eine komplette Neukonstruktion, in die viele kreative Ideen eingeflossen waren:

  1. Im Gegensatz zu herkömmlichen Chronographenwerken mit 30-Minuten- und 12-Stunden-Zählern befinden sich sämtliche Mechanismen auf einer, nämlich der rückwärtigen Seite. Das mindert die Zahl der erforderlichen Bauteile und schafft Platz für ein größeres Federhaus.
  2. Das horizontal angeordnete Zahnradgetriebe zur Verknüpfung von Räder- und Chronographenwerk gehört der Vergangenheit an. Durch das Ineinandergreifen der Zähne des Mitnehmer- und des Sekundenrads entstehen beim Starten des Chronographen fast zwangsläufig kleine Sprünge. U.a. deshalb hat sich Rolex beim Kaliber 4130 für eine vertikale Friktionskupplung entschieden. Diese gestattet ein relativ weiches, nahezu ruckfreies Anlaufen des Chronographen. “Der intermittierende Antrieb von Chronographen- und Zählzeiger”, so die Patentschrift, “erfolgt kraftschlüssig und damit ohne das übliche Spiel. Außerdem mindert er die Energieentnahme, wodurch die Leistung des zeitbewahrenden Elements optimiert wird.”
  1. Für die Nullstellung aller drei Chrono-Indikationen ist ein einziger, u-förmiger Hebel zuständig. Auch hier setzte Rolex erfolgreich auf das Prinzip, mit möglichst wenigen Komponenten auszukommen. Was nicht vorhanden ist, kann auch nicht kaputtgehen.
  1. Das entscheidende Wesensmerkmal klassischer Chronographen besteht zweifellos in der konstruktiven Einheit von Uhrwerk und der komplexen Kadratur. Dies ist beim Kaliber 4130 ungeachtet seiner geistreichen, mit deutlich weniger Bauteilen auskommenden Konstruktion uneingeschränkt der Fall. Ohne einen intelligenten Steuer-Mechanismus kommt aber auch dieses innovative Uhrwerk nicht aus. Und hier ging Rolex keine Kompromisse ein. Wie alle Chronographen-Vorgänger besitzt auch das Rolex 4130 ein aufwändiges Schaltrad mir sechs Säulen.

Chronographissimo

Obwohl Rolex traditionsgemäß kein Verfechter extraflacher Werke ist, sollte das 44-steinige 4130 Werk gegenüber seinem Vorgänger etwas schlanker werden. Und das ist in Tat der gelungen. Fünf Hundertstelmillimeter wurden eingespart. Die Höhe liegt bei insgesamt 6,50 Millimeter.  

Beim Selbstaufzug entschieden sich die Genfer für eine modulare Konstruktion, deren ausgesprochen effizient arbeitendes Getriebe über dem relativ großen Federhaus montiert wird. Deshalb zieht das 4130 deutlich schneller auf als das 4030.

Nach vollendeter Arbeit reicht die Gangautonomie für 72 Stunden oder drei Tage. Und somit könnte man die neue Daytona getrost übers Wochenende einmal in den Tresor verbannen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass dies höchst selten der Fall sein wird. Bei eingeschalteter Stoppfunktion erhält die Manufakturautomatik nach etwa 66 Stunden Energienachschub.

Wie üblich darf die autokompensierende, von Rolex selbst produzierte „Parachrom“-Breguetspirale völlig frei schwingen. Und das mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde.

Der zentrale Chronographenzeiger rückt also in Achtelsekundenschritten vor.

Vor dem Einbau ins Gehäuse muss zudem jedes der Uhrwerke zur offiziellen Chronometerprüfung COSC.

Diesen Viererschritten wird die Einteilung und Skalierung des Zifferblatts zwar nicht gerecht. Sie tut so, als würde das Uhrwerk wie einst in Handaufzugszeiten mit 2,5 Hertz arbeiten. Auffallen wird jedoh den wenigsten Käufern. Und wenn, dann ist es ihren auch herzlich egal. Ähnliches gilt für das Fehlen eines Fensterdatums, zu dessen Pionieren Rolex seit dem Start der „Datejust“ im Jahr 1945 ja gehört.

Die allermeisten schätzen sich nämich außerordentlich glücklich, einen derartigen „Cosmograph Daytona“ zu besitzen, egal ob ohne oder mit kratzfester Keramiklünette.

Manche Konzessionäre, wie man hinter vorgehaltener Hand hört, auch offizielle Konzessionäre, können dieser begehrenswerten Armbanduhr indessen nur eines abgewinnen: einen raschen Profit beim überteuerten Verkauf am Parallelmarkt. Und dagegen scheint selbst eine übermächtige Marke wie Rolex schlicht und einfach machtlos zu sein. Zu groß ist die Sehnsucht vieler Sammler nach diesem Chronographen-Klassiker. 

Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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