Chrono Sapiens – die Herren der Zeit
Im Gespräch mit Raynald Aeschlimann, CEO Omega

„Omega bestimmt mein Leben seit nunmehr rund 20 Jahren.“ – Doch reicht das auch, um einen der berühmtesten Uhrenmarken auch erfolgreich in neue Zeiten zu führen? 2016 übergab Stephen Urquhard das Ruder an seinen Nachfolger – gute Entscheidung oder Fehlgriff? Wir haben nachgefragt…

Im Gespräch mit Raynald Aeschlimann, CEO Omega

Hallo, ich bin der alte Neue

Am 6. April 2016 verschickte die Swatch Group die Nachricht, dass Raynald Aeschlimann bei Omega zum 1. Juni 2016 den Chefsessel einnehmen werde. Der 47-jährige Schweizer kennt die Marke wie nur sehr wenige. Vor 20 Jahren stieß der studierte Wirtschaftswissenschaftler als Verkaufs- und Marketing-Projektmanager zur Traditionsmarke. Wegen gravierender Management-Fehler durchlebte Omega damals stürmische Zeiten.

Der Aufstieg zum Vice President und internationalen Leiter Verkauf, Einzelhandel und Vertrieb, eine Schlüsselposition ließ dann auch nur fünf Jahre auf sich warten. Bereits 2000 übernahm Raynald die Position eines Direktors für den spanischen Markt, 2004 jene des Direktors von Omega USA. 2010 folgte die Bestellung zum Koordinator der Swatch Group-Aktivitäten auf dem Indischen Subkontinent. Über seine Leitungsfunktion hinaus agiert Raynald Aeschlimann auch als Vorstandsmitglied des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie FH. 2013 hatte ihn sein Arbeitgeber außerdem in die Erweiterte Konzernleitung befördert. Die nun übernommene Verantwortung ist riesig, denn mit einem Jahresumsatz irgendwo zwischen zwei und drei Milliarden Schweizerfranken ist Omega nicht nur das mit Abstand wichtigste Mitglied der Swatch Group, sondern auch ein bedeutendes Aushängeschild des eidgenössischen Uhrenmulti.

Wie fühlt Mann sich als CEO des wichtigsten Mitglieds der Swatch Group?

Raynal Aeschlimann: Was soll ich sagen? Ich fühle mich einmal unglaublich wohl, weil es sich um Omega handelt. Und Omega besitzt sowohl in der Swatch Group als auch bei der Familie Hayek seit jeher einen speziellen Rang. Im Gegenzug weiß ich als Präsident und CEO wie wichtig die Swatch Group für Omega ist. Ohne die Swatch Group wäre die Marke nicht da, wo sie sich heute befindet. Und die aktuellen Produkte gäbe es ohne die Swatch Group auch nicht.

Was soll das heißen?

Ich rede beispielsweise von jener Keramik, welche wir für die neue Seamaster Planet Ocean Deep Black verwenden. Oder ich denke an die METAS-Zertifizierung. Für beides ist die Kooperation beispielsweise mit der ETA oder mit dem Asulab (Forschungs- und Entwicklungszentrum der Swatch Group) unverzichtbar. Alles, was wir technologisch auf die Beine gestellt haben in den vergangenen Jahren und was wir auch in Zukunft an Innovation bringen werden beruht auf dieser Zusammenarbeit. Insofern ist es eine Ehre, dass wir als Omega von dieser geballten Kompetenz profitieren können. Aus diesem Blickwinkel betrachtet würde ich nicht behaupten wollen, dass Omega die wichtigste Marke der Swatch Group ist.

Es war ja seit längerem bekannt, dass Stephen Urquhart zu seinem 70. Geburtstag aufhören wird. Läuft Mann da mit Herzklopfen durch die Gegend in Erwartung der Nachfolgeregelung?

Für mich war wichtig, dass einer aus unserem bewährten Team zum Chef berufen wird. Das hätte auch jemand anderer sein können. Aber die Leidenschaft für die Marke musste ihre Fortsetzung finden. Ich bin seit langem im Leitungsteam und bin es nun geworden. Das stimmt mich glücklich und dafür bin ich Herrn Hayek sehr dankbar. Aber am Teamcharakter ändert sich nichts. Nur zusammen sind wir bei Omega stark.

Wenn ich mich nicht täusche, wurde Raynald Aeschlimann schon lange als Nachfolger von Stephen Urquhart gehandelt. Ist so etwas Fluch oder Segen?

Das ist eine gute Frage, auf die ich keine wirkliche Antwort weiß. Sicher ist, dass ich Herrn Urquhart immer den nötigen Respekt gezollt habe und dass Omega mein Leben seit nunmehr rund 20 Jahren bestimmt. Nach meinem Studium habe ich gesagt, dass ich nur für ein Jahr projektbezogen zur Omega gehe, um danach an meine Doktorarbeit abzuschließen. Es hat sich anders entwickelt und die Arbeit bei Omega hat mir unglaublich viele Facetten des beruflichen Lebens gezeigt. Insofern ist in mir eine Leidenschaft zu Omega gewachsen, an der sich auch nichts ändern wird. Diese Passion ist übrigens meinen Kollegen, darunter zum Beispiel Jean-Claude Monachon ebenfalls zu Eigen.

Es gab ja bei Omega auch weniger gute Zeiten, wenn ich an die frühen 1990er Jahre erinnern darf.

Ich kann mich noch gut an interne Besprechungen mit Herrn Hayek Senior erinnern, als wir jede Menge Probleme mit den Produkten und dem Vertrieb aufarbeiten mussten. Da ging es mitunter sehr turbulent zu. Aber am Ende haben wir immer Lösungen gefunden. Aber retrospektiv kann ich sagen, dass wir hart arbeiten und unsere Hausaufgaben machen mussten in der Produktentwicklung, in der Produktion, in der Qualität, in der Distribution und im Marketing. Es waren vier extrem anstrengende Jahre, bis wir 1999 endlich mit der koaxialen Hemmung auf den Markt kamen und bis wir die erste eigene Omega Boutique eröffneten.

Für mich ruht Omega auf drei tragenden Säulen. Eine davon heißt Testimonials, dabei denke ich unter anderem an Cindy Crawford, James Bond oder auch Olympia.

Damit bin ich total einverstanden. Wir haben bei Omega eine klare, kohärente Marketingstrategie bezogen auf unsere Testimonials entwickelt und diese, wie man heute sieht, über die Jahre hinweg auch konsequent durchgezogen. Cindy Crawford ist immer noch dabei, James Bond, die NASA und Olympia. Wir halten nichts von Kurzlebigkeit. Wir kennen unsere DNA und pflegen diese. Dabei dürfen wir aber die passenden Produkte nicht vergessen. Wir haben sie bei Omega passend zu unserer Strategie entwickelt und optimiert. Vor 20 Jahren hatten wir keine guten Produkte, das muss man offen und ehrlich zugeben. Aber heute sind wir hier Spitze.

Die zweite Säule trägt für mich die Aufschrift Moon Watch und alles, was damit zusammenhängt.

Abermals Zustimmung. Die Speedmaster ist ohne Übertreibung die Ikone schlechthin. Ihre Geschichte mit der Mondlandung. Dann hat sie das Leben von Astronauten gerettet. Aber wir haben ja, wie die Dark Side Of The Moon oder die neue Speedmaster mit Mondphasenindikation demonstriert, auch intensiv an dieser linie gearbeitet. Unsere neuen Technologien finden sich in diesen Uhren wieder. Aber es ist und bleibt eine Speedmaster. Und ich kann hier so viel verraten, dass wir auch in den nächsten Jahren auf diesem Gebiet für Überraschungen gut sein werden.

Reden wir noch über die dritte Säule, welche ich koaxial, Manufaktur, Antimagnetismus und METAS beschriften würde.

Auch hier bin ich total einverstanden. Hinter allem stehen Visionen. Nicolas G. Hayek hat schon in den 1990er Jahren die Weichen gestellt, als er Omega und die koaxiale Ankerhemmung von George Daniels zusammenbrachte. Er kannte die Industrie und er wusste, was es für Omega braucht. Omega ist keine Marke im Bereich von zwanzig- oder dreißigtausend Euro. Wir müssen jedes Jahr 700.000 Uhren verkaufen und das bringt ganz andere Herausforderungen mit sich. Wir reden also von Industrialisierung. Und dazu passte die koaxiale Ankerhemmung als Meilenstein perfekt. Mit den antimagnetischen Uhren und METAS verhält es sich ähnlich. Beides ist Visionen entsprungen.

Wie lautet die Vision des neuen Omega CEO?

Kundenorientierung, Werte schaffen, Master-Zertifizierung ohne eklatante Preiserhöhung. Bei der Vorstellung der 15.000 Gauss Uhr haben wir gesagt, dass dieses Plus nicht mehr als 400 Schweizerfranken extra kostet. Das gilt auch heute noch, obwohl wir neben den 15.000 Gauss ja auch noch die aufwändige METAS-Zertifizierung bieten. Omega bietet den Kunden mit visionären Produkten also einen echten und vor allem bezahlbaren Mehrwert. Das macht uns stark bei jungen Leuten, die einen Traum haben, aber nicht zigtausende Euros für ihre Armbanduhr ausgeben können. Deswegen sind Testimonials und da speziell James Bond so wichtig.

Für mich ist die Speedmaster Professional mit dem klassischen Handaufzugschronographen weiterhin der Prototyp einer bezahlbaren Ikone. Die Uhr gibt es seit gut 50 Jahren und der Preis ist stets moderat geblieben. Die Uhr ist und bleibt aktuell.

Das trifft den Nagel auf den Kopf. Wir bei Omega pflegen äußere und innere Werte. Und wir achten in der Tat auf den Preis. Das ist auch der Grund, warum in schwierigen Zeiten immer mehr Marken in unser angestammtes Preissegment drängen. Aber es geht doch nicht nur um den Preis. Es kommt darauf an, was man den Kunden für diesen Preis bietet. Deshalb sind wir erfolgreich. Ich komme ja aus den Märkten und habe erlebt, was da abgeht. Bei Omega gibt es fürs Geld eine großartige Marke mit langer Tradition, Qualität, Langlebigkeit, Manufaktur und Zertifizierung, um nur einige Beispiele zu nennen. Da fühlt sich der Kunde gut. Das macht in der heutigen Zeit den Unterschied aus zwischen arroganten Marken und den Marken der Swatch Group, denn dort gilt diese Philosophie ganz generell.

Ist die Speedmaster ein Produkt, das sich nicht überlebt, so wie eine Royal Oak oder eine Submariner oder eine Nautilus?

Absolut. Es ist gut, mal über die Speedmaster-Linie zu reden, denn sie ist eines der Produkte, das einerseits Zeit-Geschichte geschrieben hat und bleiben muss. Auf der anderen Seite müssen wir aber auch in die Zukunft schauen. Wie entwickeln wir die Speedmaster weiter? Da arbeiten wir noch an einer Lösung, denn die Speedmaster-Linie verzeiht keine Fehler. Aber die ganze Familie wird sich vergrößern und künftig definitiv noch besser werden.

Die klassische Speedmaster Professional mit dem alten aber bewährten Handaufzugskaliber 1863 gibt es bislang noch nicht mit METAS-Zertifikat. Wird sich auf diesem Gebiet denn in absehbarer Zeit was tun?

Warten wir bitte bis zum nächsten Jahr. Mehr möchte ich jetzt dazu nicht sagen.

Das ist ja schon einmal eine Botschaft. Was ich vermisse, und das ist auch eine Frage zur Zukunftsvision des neuen Omega CEO, sind richtig schöne Retro-Modelle. Die Monduhr ist eines, die Seamaster Ploprof auch. Aber ich erinnere mich einige Jahr zurück, wo jedes Jahr mindestens ein Modell aus der reichhaltigen Omega Geschichte auf den Markt kam.

Das kann ich gut verstehen. Aber auch da möchte ich auf die Baselworld 2017 verweisen.

Bleiben wir beim Rückblick. Ich gehe in die 1940-er Jahre zurück. Der ewige Rivale hieß da schon Rolex. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Das ist sicher eine riesige Herausforderung für den aktuellen Omega CEO, der ja ungefähr das gleiche Alter hat wie Jean-Fred Dufour bei Rolex.

Die Herausforderung ist unglaublich, das kann ich sagen. Aber, und das ist vielleicht ein großer Vorteil für mich, ich habe jetzt schon zwanzig Jahre lang für Omega gearbeitet, während Herr Dufour relativ neu ist bei Rolex. Aus dieser Kenntnis der Marke heraus kenne ich den steinigen Weg, der hinter uns liegt sehr gut und ich habe großen Respekt vor den vollbrachten Leistungen. Vor diesem Hintergrund kann ich Omega guten Gewissens und mit großer Leidenschaft in die Zukunft steuern. Die Zeiten haben sich geändert und sich werden sich weiter verändern. Was bleibt, ist die Marken-DNA. Und die kenne ich bestens und auf der möchte ich die Zukunft von Omega auch mit Blick auf unseren Mitbewerber Rolex bauen.

Rolex und Omega eint ja die Tradition und Philosophie, viel Uhr fürs Geld zu bieten. Dazu das Qualitätsversprechen, die Zertifizierung und eine Garantie, welche über das Übliche hinausreicht.

Dem habe ich eigentlich nichts hinzuzufügen. Technologie in dem Sinn, was ich dem Kunden offerieren kann, und echte Werte sind heutzutage maßgebliche Faktoren für den Erfolg. Insofern ist und bleibt der Wettbewerb zwischen den beiden Marken ausgesprochen spannend. Aber ich möchte auch betonen, dass unsere Haupt-Motivation nicht in diesem ewigen Wettbewerb begründet ist, sondern im Faktum, die Marke Omega mit Blick auf die eigenen Leistungen und Werte beständig weiter zu bringen. Diesbezüglich besitzen wir alle Möglichkeiten, eines Tages die Nummer eins zu werden.

Die Modelle, die Mann haben sollte

Seamaster Diver 300M Rio 2016

Die Wellenlinien auf dem schwarzen Zifferblatt dieses sportlichen Zeitmessers symbolisieren das Mosaikmuster der Strandpromenade der Copacabana. Ein weiteres Highlight sind die bunten Details auf der einseitig drehbaren Taucherlünette, welche die Farben der Olympischen Ringe symbolisieren. Der Zeitmesser ist wasserdicht bis zu einem Druck von 30 Bar (300 Metern) und somit für Tauchgänge bestens geeignet- durch das edle Design und den Durchmesser von 41 Milimetern ist er aber auch zum Anzug ein passender Begleiter. Die OMEGA Seamaster Diver 300M Rio 2016 ist auf 3.016 Stück limitiert und hat eine unverbindliche Preisempfehlung von 4.000 Euro.

Seamaster Bullhead Rio 2016

Das Modell im Retro-Design mit dem blauen, durchbrochenem Lederarmband ist ein echter Hingucker. Die Kontrastnähte und die Zahlen im drehbaren Höhenring wurden in den Farben der Olympischen Ringe gehalten und verleihen dem Modell einen fröhlichen Charme. Auch die ungewöhnliche Form des Gehäuses, das an einen Stierkopf erinnert, hebt diesen Zeitmesser von der Masse ab. Die Chronometerdrücker zum Aktivieren der Stoppuhrfunktion sind hier nämlich an der oberen Seite des Gehäuses angebracht. Mit einer Limitierung auf 316 Stück und einer unverbindlichen Preisempfehlung von 7.900 Euro ist die OMEGA Seamaster Bullhead Rio 2016 ein echtes Liebhaberstück.

Speedmaster Mark II Rio 2016

Dieser rasante Zeitmesser mit Tachymeterskala zur Ermittlung der Geschwindigkeit lehnt sich an ein Modell aus dem Jahr 1969 an. Die Hilfszifferblätter in den Materialien Bronze, Silber und Gold sind eine charmante Anspielung auf das olympische Erbe der Marke und verleihen dem sportlichen Modell mit 42,2 Milimetern Durchmesser einen exklusiven Touch. So ist das Modell aus der ursprünglich für Rennfahrer entwickelten Speedmaster-Reihe nicht nur die ideale Uhr für alle, die Benzin im Blut haben, sondern auch für elegante Sportfans. Die OMEGA Speedmaster Mark II Rio 2016 ist auf 2.016 Stück limitiert und hat eine unverbindliche Preisempfehlung von 5.400 Euro. Die Speedmaster Professional mit Handaufzug: 4.300 Euro.

 

 

Die Omega "Speedmaster" mit Mondphase und Manufakturkaliber

Die legendäre Omega Speedmaster Moon Watch - Sie reiste mit der Apollo-Besatzung zum Mond.

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