Minerva ist wieder Minerva

Minerva: Warum die Emanzipation der traditionsreichen Manufaktur aus Villeret zur richtigen Zeit kommt

Minerva kehrt als Signatur in die Uhrenwelt zurück. Ob daraus innerhalb des Richemont-Konzerns eine eigenständige Maison wird, ist derzeit offen. Das bieten die Minerva The Unveiled Crownless, Chronograph L30, Chronograph LE58, Chronograph LE18 und Chronograph LE30.

von | 13.08.2026

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Comeback eines Traditionsnamens

Knapp zwanzig Jahre nach der Übernahme durch Richemont findet sich Minerva wieder auf den Zifferblättern feiner und natürlich kostspieliger Armbanduhren. Laurent Lecamp wagt damit einen mutigen Schritt, der wirtschaftlich gewisse Risiken bergen kann, uhrmacherisch aber schlüssig erscheint. Schließlich zählen im gegenwärtig nicht unbedingt leichten Uhrenmarkt Provenienz, handwerkliche Glaubwürdigkeit und geringe Stückzahlen mehr denn je. Mitunter können zwei scheinbar gegensätzliche Entscheidungen gleichermaßen richtig sein. 2006 war es richtig, Minerva unter das Dach von Montblanc zu stellen. Zwanzig Jahre später spricht vieles dafür, der 1858 gegründeten Manufaktur ihren altehrwürdigen Namen zurückzugeben.

Laurent Lecamp Minerva

Laurent Lecamp - Leiter der Uhrensparte bei Montblanc und neuer Minerva-CEO

Laurent Lecamp, seit 2021 für das Uhrengeschäft von Montblanc verantwortlich, hat genau das erreicht. Schon kurz nach seinem Amtsantritt holte er den historischen und von Sammlern hochgeschätzten Minerva-Pfeil behutsam zurück. Im Herbst 2025 folgte der wesentlich schwierigere zweite Schritt. Offenbar konnte Laurent Lecamp das Richemont-Management davon überzeugen, Uhren aus Villeret wieder mit der angestammten Signatur Minerva auf Zifferblatt, Werk und Gehäuse auftreten zu lassen.

Zum Konzept gehört logischerweise auch die finanzielle Bewährungsprobe. Das nun Begonnene muss sich im Wesentlichen aus eigenen Erlösen tragen. Und genau das scheint bislang deutlich besser zu funktionieren als anfangs erwartet. Die im Frühjahr 2026 vorgestellten Minerva-Modelle kommen sehr gut an und die überschaubaren Fertigungskapazitäten in Villeret sind komplett ausgelastet. Dabei übersteigt die Nachfrage nach Minerva-signierten Armbanduhren das Angebot. Und die Produktion ist bereits bis ins Jahr 2027 hinein ausverkauft.

Alte Anzeigen Robert Frères und Minerva

Spezialität Chronographen und Stoppuhren: alte Anzeigen der Robert Frères und von Minerva

Von Robert Frères zu Minerva

Die historische Legitimation muss Minerva nicht erfinden. 1858 gründeten Charles-Yvan und Hyppolite Robert in Villeret zunächst eine Etablissage. Am 30. Juli 1887 ließen ihre Nachfolger den Markennamen Minerva und das Pfeil-Logo registrieren. Um 1902 begann die Fertigung eigener Uhrwerke. Schon am Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts verfügte die Manufaktur über rund ein Dutzend Kaliber. Chronographen entwickelten sich früh zu einer Kernkompetenz.

Minerva im Jahr 1905

Minerva Villeret im Jahr 1905

Das 13-linige Kaliber 13-20 gehört ebenso zu dieser Geschichte wie professionelle Stoppuhren. Mit einem 19-linigen Kaliber, dessen Unruh 360.000 Halbschwingungen pro Stunde absolvierte, konnte Minerva Hundertstelsekunden messen. 1936 übernahm das Unternehmen die Zeitnahme bei den olympischen Skiwettbewerben in Garmisch-Partenkirchen. Später prägte die Familie Frey über Jahrzehnte den Betrieb. 2000 folgte der Verkauf an den italienischen Finanzier Emilio Gnutti, 2006 übernahm schließlich Richemont.

Mit Minerva bekamen wir eine faszinierende Geschichte und unter anderem auch sehr interessante Uhrwerke. Die vorherigen Eigentümer hatten sich finanziell ein wenig übernommen. Und deshalb bekam Richemont die Minerva zu einem attraktiven Preis. Ganz zu schweigen von einem Stab qualifizierter und deshalb ungemein wertvoller Uhrmacher.

Norbert Platt

Ex-CEO, Richemont

Minerva Flieger-Chronographen um 1940

Minerva Flieger-Chronographen aus der Zeit um 1940

Mit dem Erwerb kamen nicht nur Markenrechte in den Konzern. Richemont übernahm die Archive, historische Kaliber, Rohwerke, Maschinen, Werkzeuge, ein umfangreiches Ersatzteillager, das Gebäude in Villeret und vor allem ein über Generationen bewahrtes Wissen über klassische Chronographen.

Minerva Villeret nach Übernahme durch Richemont

Minerva Villeret nach Übernahme durch Richemont

Montblanc war damals die richtige Lösung

Aus heutiger Perspektive wäre es zu einfach, die nach dem Kauf getätigte Verknüpfung mit Montblanc nur als Irrweg zu betrachten. Richtig ist genau das Gegenteil. 2006 benötigte Minerva wirtschaftliche Stabilität, Investitionen und einen weltweiten Vertrieb. Der Schreibgeräte- und Lederspezialist Montblanc, seit gerade einmal neun Jahren mit dem Thema Zeitmessung befasst, suchte nach uhrmacherischer Substanz.

2008 beschrieb mir der ehemalige Richemont-CEO Norbert Platt die Situation in einem Interview absolut treffend. A. Lange & Söhne, Vacheron Constantin, Jaeger-LeCoultre oder Piaget hatten Minerva weder aus technischer noch aus historischer Sicht nötig. Für Montblanc dagegen bedeutete die kurz zuvor erworbene Manufaktur eine erhebliche Aufwertung des im Wachsen begriffenen Uhrenportfolios.

Die Begehrlichkeit war gar nicht so groß. Unsere etablierten Manufakturen wie Jaeger-LeCoultre, Lange & Söhne, Vacheron Constantin oder Piaget brauchten aus technischer und historischer Sicht keine Minerva. Bei IWC und Panerai passte die Marke auch nicht zwangsläufig ins Konzept. Ganz anders Montblanc. Hier verknüpfte sich mit Minerva eine echte Aufwertung des Portfolios und die Bewahrung überlieferter Handwerkskünste war sichergestellt.

Außerdem besaß Montblanc mit seinen Boutiquen bereits potenzielle Verkaufspunkte für Zeitmesser der obersten Liga. Sicher ist aber auch, dass wir beim Entscheidungsprozess, in den viel persönliches Herzblut pro Montblanc einfloss, zur Erkenntnis kamen, dass den Zuschlag eine Konzernmarke bekommen muss, für die Minerva das tollste emotionale Geschenk verkörpern würde, welches Richemont jemals gemacht hat.

Norbert Platt

Ex-CEO, Richemont

Richemont und Montblanc investierten. Das historische Gebäude erfuhr eine gründliche Renovierung. Alte Maschinen blieben aus guten Gründen erhalten und arbeiteten fortan neben computergesteuertem Equipment. Die Fertigungstiefe erreichte mehr als 90 Prozent. Selbst Unruhn und Unruhspiralen entstanden in Villeret.

Uhren-Atelier bei Minerva in Villeret (2)

Blick in ein Uhren-Atelier von Minerva in Villeret

Uhren-Atelier bei Minerva - Prüfung Unruh Rundlauf und Balance

Uhren-Atelier bei Minerva: Prüfung des Rundlaufs einer Unruh

Wer die Ateliers kennt, weiß, warum die Produktionszahlen klein bleiben müssen. Kunstfertige Handwerker schleifen beispielsweise Chronographenhebel und -federn von Hand, anglieren deren Kanten und passen die Funktionsflächen individuell an. Beim sogenannten Mise en fonction verfolgt der Uhrmacher das Zusammenspiel von Schaltrad, Kupplung, Bremse und Nullstellung langsam und unter der Lupe. Kleinste Abweichungen führen zur erneuten Demontage und Nacharbeit.

Kantenanglierung bei Minerva in Villeret

Kantenanglierung bei Minerva in Villeret

Norbert Platt brachte es mir gegenüber auf einen einfachen Nenner: Villeret ist „klein, aber fein“. Bemerkenswerte Stückzahlen seien dort nie zu erwarten. Und er formulierte einen Satz, der heute beinahe wie eine Handlungsanweisung für den aktuellen Minerva-CEO Laurent Lecamp klingt: „Mengenwachstum ist kein erstrebenswertes Ziel. Viel wichtiger ist das Wachsen über den Wert jeder verkauften Uhr.“

Minerva Monopusher Chronographenkaliber 16.29

Höchste Finissage-Standards: Minerva Monopusher-Chronographenkaliber 16.29

Minerva ist eine ganz andere Welt. Klein, aber fein. Bemerkenswerte Stückzahlen werden aus Villeret niemals zu erwarten sein. Das ist vollkommen klar. Uns kam und kommt es darauf an, Nobel-Uhrmacherei in tradierter Form weiterleben zu lassen. Wer egal zu welcher Zeit nach Villeret kommt, kann hautnah erleben, wie Uhrwerke und komplette Uhren auf überlieferte Weise entstehen.

Für diese Form der Uhrenfertigung gelten andere Gesetze. Und das möchten wir unter allen Umständen bewahren, denn solche Ateliers sind ausgesprochen selten geworden in unserer schnelllebigen Zeit.

Norbert Platt

Ex-CEO, Richemont

Wie Montblanc irgendwann auch zum Problem wurde

Was Minerva rettete, begrenzte irgendwann jedoch die Möglichkeiten der traditionsreichen Manufaktur. Als anerkannte Luxusmarke besitzt Montblanc enorme internationale Bekanntheit. Bei Füllfederhaltern und Lederwaren ist diese Kompetenz unbestritten. Im kleinen Kreis hochspezialisierter Uhrensammler und eingefleischter Fans höchster Uhrmacherkunst funktioniert die Wahrnehmung jedoch anders.

Wer 40.000 Euro und deutlich mehr für einen klassischen Handaufzugschronographen ausgibt, kauft nicht nur erlesene Mechanik. Er erwirbt Herkunft, Signatur, Kontinuität und die Zugehörigkeit zu einem sehr speziellen uhrmacherischen Kosmos. Genau dort besaß Minerva weitaus mehr überliefertes Kapital als Montblanc. Dieses lag jedoch weitgehend brach, weil der Name Minerva nach der Integration nicht mehr am Zifferblatt erschien.

Minerva Red-Arrow-Chronograph um 1930

Großer Minerva-Klassiker mit Drehlünette und rotem Merkpfeil

All das hat Laurent Lecamp sehr früh nach seinem Start bei Montblanc erkannt. Schon 2022 beschäftigte er sich intensiv mit dem Archiv und den in Villeret tätigen Uhrmachern. Er bescherte dem roten Minerva-Pfeil und der kannelierten Drehlünette eine Renaissance. Auf meine damalige Frage nach einem Comeback des Namens Minerva wich Laurent allerdings mit Verweis auf die Einheit beider Marken noch aus.

Minerva The Unveiled Crownless

Neu 2026: Minerva "The Unveiled Crownless" mit Lünettenaufzug

Minerva Unveiled 

Tempi passati. Gut Ding braucht bekanntlich eine Weile. Nun also prangt der unter Sammlern hochgeschätzte Schriftzug Minerva wieder dort, wo er tatsächlich hingehört: auf dem Zifferblatt. Die neue, entsprechend signierte Kollektion reicht von der Unveiled Crownless mit Lünettenaufzug für 39.000 Euro über den 39 Millimeter großen Unveiled Secret Chronograph LE18 für 88.000 Euro in Massivgold oder 58.000 Euro in Bicolor (58 Stück) bis zum auf 30 Exemplare limitierten Unveiled Chronograph LE30 in Gelbgold für 84.000 Euro. Und sie verkauft sich bestens, wie mir Laurent Lecamp nicht ohne Stolz mitteilte.

Minerva The Unveiled Secret Chronograph LE18 und LE58

Nur begrenzt verfügbar: Minerva "The Unveiled Secret Chronograph" LE18 und LE58

Der Markt könnte Minerva entgegenkommen

Auf den ersten Blick wirkt der gewählte Comeback-Zeitpunkt tatsächlich etwas gewagt. Die Schweizer Uhrenindustrie befindet sich keineswegs in einem neuen Boom. Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Exporte mit 12,8 Milliarden Schweizer Franken noch 0,7 Prozent unter Vorjahr. Der Juni brachte zwar ein Plus von 11,2 Prozent. Bei Uhren mit einem Exportpreis von mehr als 3.000 Franken stieg der Exportwert sogar um 14,2 Prozent. Aber eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer, und ein einzelner positiver Monat bewirkt noch keinen nachhaltigen Aufschwung.

Zudem erfasst die Fédération Horlogère (FH) allein die gemeldeten Exporte und nicht Verkäufe an Endkunden. Gerade darin liegt eine Chance für Laurent Lecamp und Minerva. Der Markt ist deutlich selektiver geworden. Mittelmaß hat es schwerer. Bei überzeugenden Produkten im oberen Segment ist hingegen weiterhin beträchtliche Kaufkraft vorhanden.

Richemont meldete für April bis Juni 2026 bei seinen Specialist Watchmakers ein Wachstum von acht Prozent. Besonders Vacheron Constantin, Jaeger-LeCoultre und A. Lange & Söhne entwickelten sich gut. Als stärkste Regionen glänzten Amerika und Japan. Minerva ist ohnehin auf keinen nennenswerten Marktanteil angewiesen. Bei geschätzten rund 230 Uhren jährlich benötigt die kleine Manufaktur nur ebenso viele überzeugte Käufer. Das ist ein fundamentaler Unterschied.

Minerva The Unveiled Secret Chronograph LE30

30 Stück in Gelbgold: Minerva "The Unveiled Secret Chronograph LE30"

Minerva – wer kauft diese Uhr?

An erster Stelle stehen erfahrene Sammler, die bereits Patek Philippe, Vacheron Constantin, A. Lange & Söhne oder Audemars Piguet besitzen und inzwischen nach etwas weniger Offensichtlichem suchen. Hinzu kommen Liebhaber klassischer Chronographentechnik und jene Klientel, welche sich regelmäßig bei unabhängigen Uhrmachern wie beispielsweise F.P. Journe, Kari Voutilainen oder Akrivia umsieht. 
Einen natürlichen Kundenstamm bilden auch Besitzer von Montblanc-Minerva-Uhren. Sie kennen und schätzen die hohe Qualität aus Villeret. Den nun zurückgekehrten Namen dürften sie eher als Aufwertung denn als Bruch mit dem seit 2007 Gepflegten empfinden.

Montblanc 1858 Unveiled Timekeeper Chronograph Minerva LE100 M2

Montblanc 1858 "Unveiled Timekeeper" Chronograph LE100

Montblanc 1858 Unveiled Timekeeper Chronograph Minerva LE100

Minerva Uhrmacherkunst hinter Sichtboden: Montblanc 1858 "Unveiled Timekeeper"

Dem Trend unserer Zeit und der Markenattraktivität entsprechend, erhält Minerva von Sammlern aus der ganzen Welt Anfragen nach Einzelstücken. Diese Stücke liegen zwischen einigen Hunderttausend Euro und manchmal sogar über einer Million. Neben den Chronographen als solides Fundament offeriert Minerva schon seit 2008 auch patentierte Tourbillons. Hier bewegt sich die Preisspanne zwischen 150.000 und 365.000 Euro. Einige davon reservieren Kunden mehr als zwei Jahre im Voraus. Eine besondere Rolle spielen hier zum Beispiel die Sonderserien des Tourbillon Cylindrique.
Montblanc Minerva Tourbillon Cylindrique Geosphère

Signiert Montblanc: Tourbillon Cylindrique Geosphère

Geografisch erscheinen die USA für Minerva besonders wichtig. Die dortige Luxusnachfrage ist weiterhin robust, und spezialisierte Sammler reagieren stark auf nachvollziehbare historische Geschichten. Japan besitzt eine traditionsreiche, sehr kenntnisreiche Sammlerszene. Nicht zu vergessen Singapur, Hongkong, Südkorea sowie ausgewählte Kunden in Deutschland, der Schweiz, Großbritannien und Frankreich. China bleibt bedeutend.

Aber Laurent Lecamp sollte diesen Markt in meinen Augen gegenwärtig noch nicht als Planungsgrundlage nutzen. Schließlich verlief das Geschäft in China, Hongkong und Macau bei Richemonts Specialist Watchmakers zuletzt deutlich schwächer als in Amerika und Japan.

Institut Minerva Grand Tourbillon Mysterieuse 2008

150 Jahre Minerva 2008: Grand Tourbillon Mysterieuse

Die größten Risiken für Minerva

Gerade der anfängliche Erfolg sollte Laurent Lecamp keinesfalls zu möglicherweise schädlichen Konsequenzen verleiten. Die Beschränkung auf vielleicht 500 Uhren kann ein großer Vorteil sein. Mehr als 1.000 Exemplare wären dagegen womöglich bereits ein Problem. Die handwerkliche Kapazität von Villeret lässt sich ohnehin nicht beliebig vergrößern. Neue Uhrmacher benötigen Jahre, um das vorhandene Wissen zu übernehmen. Wird aus Nachfrage Mengenwachstum, kann Minerva relativ schnell genau jene Glaubwürdigkeit verlieren, auf der das jetzt praktizierte Geschäftsmodell beruht.

Wenn eine Uhr vergleichbar ist, dann ist es nicht Minerva. Über die Produkte hinaus habe ich das Glück – und ich danke dem Universum dafür – ein fantastisches Team zu haben, und wir alle teilen diese Leidenschaft und diesen Ehrgeiz, der dafür sorgt, dass Minerva nicht aufhören kann zu wachsen. Solange die Energie positiv, die Innovation so stark und das Erbe so ausgeprägt ist, wird nichts unser Wachstum aufhalten können.
Laurent Lecamp

CEO, Minerva

Ein zweites Risiko ist die Preispositionierung. Zwischen 39.000 und 88.000 Euro tritt Minerva gegen Audemars Piguet, A. Lange & Söhne, Patek Philippe, Vacheron Constantin und hoch angesehene unabhängige Uhrmacher an. Potenzielle Kunden vergleichen dann nicht mehr nur die verbauten Uhrwerke. Sie beurteilen Zifferblätter, Gehäuse, Proportionen, Markenführung, Service und vor allem auch den Werterhalt. Hinzu gesellt sich die gegenwärtig noch nicht vollständig geklärte Identität.

Öffentlich präsentiert sich Minerva fortan einerseits wieder als eigenständige Marke, zum anderen aber offiziell als distinct entity innerhalb der Maison Montblanc. Auf Dauer sollte daraus keine schwer einschätzbare Grauzone entstehen.

 

Blick vom Minerva Firmensitz in Villeret - unten die Villa der Familie Robert

Blick vom Minerva Firmensitz in Villeret - unten die ehemalige Villa der Familie Robert

Keine kleine Vacheron Constantin

Haupteigentümer Johann Rupert, CEO Nicolas Bos und der Richemont-Konzern täten meiner Meinung nach gut daran, Minerva im Orchester der Uhrenspezialisten relativ schnell ein eigenes, gut hörbares Instrument zuzuweisen. Im Zuge dessen sollte Minerva aber weder eine kleinere Vacheron Constantin noch eine eidgenössische Lange werden. Hierzu fehlen die Stückzahlen, und dafür ist die lange Markengeschichte viel zu interessant.

Die künftige Rolle von Minerva könnte in der Tat einzigartig sein: eine kleine, hochspezialisierte Atelier-Manufaktur. Eine Maison für klassische Mechanik, Chronographen, andere Komplikationen und nahezu anachronistisch viel Handarbeit. Nicht gemessen am Umsatzvolumen, sondern an uhrmacherischer Kompetenz und Begehrlichkeit. In dieser Position würde Minerva weniger mit den großen Konzernmarken konkurrieren als mit der Welt unabhängiger Uhrmacher.

Genau dort kann ein finanzstarker Konzern gegenüber landläufiger Meinung sogar handfeste Vorteile bieten: langfristige finanzielle Stabilität, weltweiter Kundendienst und Zugang zu einer hoch entwickelten Vertriebsinfrastruktur, ohne dass Villeret selbst zu einem Industriebetrieb mutieren muss. Damit könnte Minerva innerhalb der Richemont Gruppe eine klar abgegrenzte und besondere Stellung eines uhrmacherischen Juwels einnehmen.

Uhren-Atelier bei Minerva in Villeret

Viel Handarbeit: Minerva Uhren-Atelier in Villeret

Ratschläge zum Schluss

Vorerst aber heißt es, dem gerade wachsenden Erfolg nicht hinterherzulaufen. In den kommenden Jahren sollte die Produktion in etwa dort verharren, wo sie sich heute bewegt. Eine gesunde Warteliste ist für Minerva weniger gefährlich als eine zweite Werkbankreihe, welche anerkannte handwerkliche Standards verwässert. Ebenso wichtig ist eine deutlich eigenständigere Markenwelt. Minerva braucht keinen großen Boutique-Rollout. Einige wenige ausgewählte Uhrenspezialisten, direkte Beziehungen zu Sammlern und vor allem die Manufaktur selbst reichen. Schon Norbert Platt wusste, wie stark ein Besuch in Villeret wirkt: Skeptiker mauserten sich dort mitunter zu echten Fans.

Norbert Platt

Norbert Platt erwarb Minerva 2006 für den Richemont-Konzern

Chronographen sollten das Rückgrat bleiben. Minerva darf Neues wagen, aber nicht vergessen, weshalb ausgewiesene Kenner den Namen respektieren. Kleinere Durchmesser, klassische Proportionen und eine erkennbare, vom Montblanc-Design zunehmend unabhängige Formensprache unterstützen diesen Prozess.

Und schließlich wäre es gut, diesen Emanzipationsprozess nicht als Scheidung zu inszenieren. Montblanc hat Minerva erhalten, finanziert, modernisiert und beinahe zwanzig Jahre lang weiterentwickelt. Ohne diese Phase wäre das aktuelle Comeback wahrscheinlich gar nicht möglich. Aber nach zwanzig Jahren unter den Fittichen von Montblanc ist Minerva inzwischen erwachsen genug, um wieder Minerva zu heißen und als eigenständige Manufaktur zu agieren.

Finissage bei Minerva

Keine Qualitäts-Kompromisse bei Minerva. Blick auf ein Chronographen-Schaltwerk

Für mich, der das Miteinander von Anbeginn und über all die Jahre mit großem Interesse begleitet hat, ist das keine Niederlage für Montblanc. Nach meinem Dafürhalten wäre es vielmehr der schönste Beweis dafür, dass die 2006 initiierte Minerva Weichenstellung am Ende genau die richtige war.

Minerva The Unveiled Crownless mood

Minerva "The Unveiled Crownless" - unlimitiert

Minerva The Unveiled Crownless

Datenblatt

 

Gehäuse Edelstahl, Lünette 18 Karat Roségold
Durchmesser 41,5 mm
Höhe 11,99 mm
Wasserdichte bis 3 bar
Glas Box-Saphirglas, doppelt entspiegelt
Uhrwerk Minerva Manufakturkaliber M15.08
Durchmesser 33,3 mm
Höhe 4,07 mm
funktionale Steine 19
Unruhfrequenz 2,5 Hertz (18.000 A/h)
Gangautonomie 80 Stunden
Aufzug manuell
Anzeigen Stunden, Minuten, kleine Sekunde
Funktion Aufzug und Zeiteinstellung über Lünette
Referenz MB137544
Limitierung nicht limitiert
Preis 39.000 Euro
Minerva The Unveiled Secret Chronograph LE58

The Unveiled Secret Chronograph LE58

Minerva The Unveiled Secret LE58

Datenblatt

 

Gehäuse Edelstahl, satiniert und poliert; Lünette aus 18 Kt. Roségold
Durchmesser 39 mm
Höhe 14,18 mm
Wasserdichte bis 3 bar
Glas Box-Saphirglas, gewölbt und entspiegelt
Uhrwerk Minerva Manufakturkaliber M13.26
Durchmesser 28,8 mm
Höhe 7,42 mm
funktionale Steine 25
Unruhfrequenz 2,5 Hertz (18.000 A/h)
Gangautonomie 60 Stunden
Aufzug Handaufzug
Chronograph Monopusher, Säulenrad, Horizontalkupplung; umgekehrte Konstruktion
Anzeigen Stunden, Minuten, kleine Sekunde bei „9“, Chrono-Sekunde zentral, 30-Minuten-Zähler bei „3“
Referenz MB136354
Limitierung 58 Exemplare
Preis 58.000 Euro
Minerva The Unveiled Secret Chronograph LE18

Minerva "The Unveiled Secret Chronograph LE18"

Minerva The Unveiled Secret LE18

Datenblatt

 

Gehäuse 18 Kt. Roségold, satiniert und poliert; Lünette mit 84 Brillanten (ca. 0,62 ct)
Durchmesser 39 mm
Höhe 14,18 mm
Wasserdichte bis 3 bar
Glas Box-Saphirglas, gewölbt und entspiegelt
Uhrwerk Minerva Manufakturkaliber M13.26
Durchmesser 28,8 mm
Höhe 7,42 mm
funktionale Steine 25
Unruhfrequenz 2,5 Hertz (18.000 A/h)
Gangautonomie 60 Stunden
Aufzug Handaufzug
Chronograph Monopusher, Säulenrad, Horizontkupplung; umgekehrte Konstruktion
Anzeigen Stunden, Minuten, kleine Sekunde bei „9“, Chrono-Sekunde zentral, 30-Minuten-Zähler bei „3“
Referenz MB136384
Limitierung 18 Exemplare
Preis 88.000 Euro
Minerva The Unveiled Secret Chronograph LE30 mood

Minerva "The Unveiled Secret Chronograph LE30"

Minerva The Unveiled Chronograph LE30

Datenblatt

 
Gehäuse 18 Kt. Gelbgold, fünf Saphirglas-Öffnungen im Gehäuse-Mittelteil
Durchmesser 43 mm
Höhe 14,78 mm
Wasserdichte bis 3 bar
Glas Box-Saphirglas, gewölbt und entspiegelt
Uhrwerk Minerva Manufakturkaliber M17.26
Durchmesser 38,40 mm
Höhe 7,70 mm
funktionale Steine 26
Unruhfrequenz 2,5 Hertz (18.000 A/h)
Gangautonomie 50 Stunden
Aufzug Handaufzug
Chronograph Monopusher, Säulenrad, Horizontalkupplung; umgekehrte Konstruktion
Anzeigen Stunden, Minuten, kleine Sekunde bei „9“, Chrono-Sekunde zentral, 30-Minuten-Zähler bei „3“
Referenz MB136352
Limitierung 30 Exemplare
Preis 84.000 Euro

Weitere Infos und eine Bezugsmöglichkeit gibt es hier. 

Minerva The Unveiled Secret Chronograph LE30

Fenster in den Flanken: Minerva "The Unveiled Secret Chronograph LE30"

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