Eine Uhr macht die Runde
Es gibt Armbanduhren, die bedürfen langer Erklärungen, um Interesse zu wecken. Andere sprechen für sich selbst. Zu Letzteren gehört auf jeden Fall die Zeppelin Metropolis. Meine Frau Katrin blickt oft auf das erste gelieferte Open-Heart-Exemplar mit champagnerfarbenem Gehäuse und einem kleinen Guckloch im Zifferblatt, Referenz 8362-5. Damit hat sie den Pulsschlag der menschlichen Kultur immer vor Augen.

Zwei Freundinnen, die ebenfalls Zeitmesser mit der Krone ihr Eigen nennen, waren von dieser neuen Armbanduhr spontan derart angetan, dass sie kurzerhand ebenfalls eine erwarben und immer wieder einmal tragen. Der Preis von gerade einmal 349 Euro macht dieses tickende und für Abwechslung sorgende Vergnügen nämlich absolut erschwinglich. Drei gleiche Armbanduhren an drei Handgelenken. Ganz ohne Werbung, ohne Verkaufsgespräch und ohne jene großen Namen, die gewöhnlich mit Begehrlichkeit in Verbindung gebracht werden. Das unterstreicht meinen Eindruck, dass Zeppelin mit der Metropolis einen Nerv getroffen hat.
Dabei ist das Erfolgsrezept keineswegs neu. Es besteht aus einer nicht unbedingt alltäglichen Gehäuseform, einem ansprechenden Zifferblatt und jener mechanischen Lebendigkeit, die batteriegetriebene Quarzuhren naturgemäß nicht bieten können.

Vom Kreis zum Tonneau
Wer sich mit der Geschichte tragbarer Zeitmesser beschäftigt, begegnet zunächst fast ausschließlich dem Kreis. Über Jahrhunderte hinweg besaßen Taschenuhren überwiegend runde Gehäuse. Das hatte nicht zuletzt konstruktive Gründe. Zahnräder drehen sich nun einmal im Kreis, und auch die Zeiger vollführen ihre Bewegungen um eine gemeinsame Achse.
Erst die zunehmende Verbreitung der Armbanduhr brachte Bewegung in die traditionelle Formenwelt. Plötzlich durfte ein Zeitmesser nicht nur funktionieren, sondern er sollte auch ans menschliche Handgelenk passen. Und dort, ständig sichtbar, natürlich modischen Vorstellungen entsprechen.

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden Armbanduhren mit nicht runden Gehäusen. Beredte Beispiele aus dem Hause Cartier heißen Santos und Tank. 1906 präsentierte der Pariser Nobeljuwelier überdies eine Armbanduhr mit dem ebenso schlichten wie treffenden Namen Tonneau. Ihren eigentlichen Durchbruch erlebten diese Alternativen während der sogenannten Roaring Twenties.
Besonders ansprechend war in der Tat jene Form, deren französische Bezeichnung deutlich eleganter klingt als ihre deutsche Übersetzung: Tonneau. Übersetzt bedeutet das Wort nichts anderes als Fässchen. Charakteristisch sind sanft geschwungene Seitenlinien, die sich zwischen dem oberen und unteren Gehäuserand ausbauchen. Im Gegensatz zum strengen Rechteck wirkt das Tonneau lebendig, im Vergleich zum Kreis eigenständig und selbstbewusst.
Bereits vor vielen Jahren habe ich mich eingehend mit dieser Gehäuseform beschäftigt. Damals interessierte mich insbesondere ihr wiederkehrendes Auftreten in der Uhrengeschichte. Denn nach ihrer Blütezeit in den 1920er-Jahren verlor die Tonneauform gegenüber dem nüchternen Rechteck zunehmend an Bedeutung.

Mitte der 1990er-Jahre erlebte sie eine bemerkenswerte Renaissance. Während der Basler Uhrenmesse 1995 präsentierten zahlreiche Hersteller wieder entsprechende Modelle. Vom preisgünstigen Quarzzeitmesser bis zur aufwändigen mechanischen Komplikation war alles vertreten. Seither ist das Fässchen nie vollständig aus der Uhrenwelt verschwunden. Und die neue Zeppelin Metropolis beweist, dass die Form auch im 21. Jahrhundert weiterhin ihren Reiz besitzt.

Von der Luftschifffahrt in die Großstadt
Beinahe zwangsläufig erinnert der Name Zeppelin an jene Epoche. Gewaltige Luftschiffe glitten damals majestätisch durch den Himmel. Am 2. Juli 1900 ließ Ferdinand Graf von Zeppelin das LZ 1 über dem Bodensee aufsteigen. Was damals noch als technisches Wagnis erschien, entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer faszinierenden Form des Reisens.
Das Luftschiff LZ 127 Graf Zeppelin absolvierte spektakuläre Fernreisen und überquerte wiederholt den Atlantik. An Bord genossen Passagiere einen Komfort, der eher an ein gehobenes Hotel als an ein Fluggerät erinnerte. Die historischen Luftschiffe bilden heute den thematischen Hintergrund der Uhrenmarke Zeppelin.

Mit der Metropolis geht dieser Gedanke aber noch einen Schritt weiter. Die Inspiration kommt nicht unmittelbar vom Luftschiff, sondern von der modernen Großstadt. Beinahe unwillkürlich weckt der Name Assoziationen an Fritz Langs monumentalen Stummfilm Metropolis aus dem Jahr 1927. Dessen futuristische Architektur, technische Visionen und geometrische Formen passen voll und ganz zur gestalterischen Idee der Kollektion.

Eine bemerkenswerte historische Verbindung zwischen Luftschifffahrt und Großstadtarchitektur existiert übrigens tatsächlich: Das 1931 fertiggestellte Empire State Building erhielt an seiner Spitze einen Mast, der ursprünglich auch zum Ankoppeln von Luftschiffen gedacht war. Für einen regulären Anlandepunkt erwies sich diese kühne Idee jedoch als wenig praktikabel. Technischer Fortschritt, Architektur und die Begeisterung für eine neue Zeit bilden somit eine schlüssige gedankliche Brücke zur Zeppelin Metropolis.

Die richtige Portion Eigenständigkeit
Bei näherer Betrachtung erweist sich die Entwicklung einer überzeugenden Tonneau-Armbanduhr deutlich schwieriger, als es zunächst erscheinen mag. Zu breit geraten, wirkt das Gehäuse plump. Zu schmal ausgeführt, erinnert es ungewollt an die kleinen Armbanduhren vergangener Jahrzehnte. Hinzu kommt die Frage, wie sich ein rundes Uhrwerk sinnvoll in eine vom Kreis abweichende Form integrieren lässt.
Zeppelin entschied sich bei den größeren Metropolis-Modellen für die Dimensionen 37 × 36 Millimeter. Diese Proportionen verleihen dem Gehäuse eine angenehme Präsenz, ohne das Handgelenk übermäßig zu beanspruchen.

Harmonisch gehen gebauchte Flanken in die Bandanstöße über. Eine wichtige Rolle spielt das Zifferblatt, dessen Gestaltung sich teils an den Gehäusekonturen orientiert, teils aber auch bewusst davon löst. Arabische Ziffern, eine Minuterie im Eisenbahnstil und unterschiedliche Oberflächenstrukturen schaffen eine Mischung aus historischen Anklängen und zeitgemäßer Gestaltung. Das Ergebnis ist eigenständig, ohne exzentrisch zu wirken.
Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang, dass Willi Birk, der Spiritus Rector, nicht versucht, mit möglichst vielen gestalterischen Einfällen Aufmerksamkeit zu erzwingen. Schließlich übernimmt die nicht alltägliche Gehäuseform bereits einen erheblichen Teil dieser Aufgabe.

Zeppelin Metropolis Automatic Open Heart und der Blick auf die inneren Werte
Obwohl es ganz unterschiedliche Modelle gibt, ist und bleibt die Metropolis Open Heart unser persönlicher Favorit. Das Guckloch direkt neben der kleinen Sekunde verleiht ihr eine besondere Note. Obwohl eine mechanische Uhr keine pulsierende Pumpe im menschlichen Sinn besitzt, repräsentieren das Oszillieren der Unruh und das Atmen der zugehörigen Spirale den Herzschlag der menschlichen Kultur. Der vom ehemaligen Zenith-CEO Thierry Nataf geprägte Name Open Heart kommt also nicht von ungefähr.

Alle, die schon einmal längere Zeit dem schwingenden Gangregler zugesehen haben, verstehen die emotionale Wirkung dieser Analogie. Bei der Metropolis übernimmt diese Aufgabe das bewährte und zuverlässige Automatikkaliber Miyota 82S5 aus japanischer Fertigung. Industrielle Fertigung in großen Stückzahlen ermöglicht den durchaus attraktiven Preis von besagten 349 Euro.

Aufwändige Feinbearbeitung beispielsweise mit handanglierten Komponenten darf man natürlich nicht erwarten. Das wäre ebenso unangemessen wie die Behauptung, mechanische Qualität beginne erst bei vierstelligen Beträgen. Ganz ohne Frage bietet die Metropolis einen unkomplizierten Zugang zu jener faszinierenden Welt, in der Federn, Zahnräder, Ankerhemmung und Unruh gemeinsam für den Fortgang der Zeit sorgen.

Mehr als nur ein Gesicht
Wie schon gesagt: Die Uhrenlinie Metropolis beschränkt sich nicht auf das offene Herz. Daneben finden sich auch ähnlich beliebte Automatikmodelle mit dem Miyota-Kaliber 8205. Es ergänzt die traditionelle Zeitanzeige durch Wochentags- und Datumsindikation.

Wer die Lichtphasen des Mondes verfolgen möchte, kann zur Variante mit dem Quarzkaliber Ronda 706.1 greifen. Schließlich umfasst die Kollektion auch einen Chronographen. Sein Schweizer Quarzwerk Ronda 5030.D ermöglicht das Stoppen von Zeitintervallen.

Bemerkenswert ist die einheitliche Preisgestaltung: Für die größeren Modelle mit Automatikwerk, Mondphase oder Chronograph ruft Zeppelin jeweils 349 Euro auf. Die Wasserdichte reicht bis zu fünf bar Druck. Für Unterwasser-Aktivitäten eignen sich diese Fässchen also nicht.

Für die Damenkollektion hat Zeppelin das gestalterische Konzept eigenständig interpretiert. Die kleineren Tonneau-Schalen messen 27 × 30,6 Millimeter. Perlmutt, römische Ziffern und dekorative Zifferblattstrukturen verleihen diesen Ausführungen eine feminine Anmutung. In diesem Fall reichen die Preise von 299 bis 329 Euro.
Erfreulich ist hier, dass Zeppelin nicht einfach die größeren Modelle maßstäblich verkleinert hat. Gerade bei Formuhren führt eine solche Vorgehensweise häufig zu wenig überzeugenden Ergebnissen.

Uhrenkosmos Fazit
Natürlich gibt es am Markt auch deutlich kostspieligere Armbanduhren ähnlicher Gestalt. Der Blick in diesen Kosmos macht die Zeppelin Metropolis doppelt sympathisch. Diese Linie erhebt keinen Anspruch darauf, ein uhrmacherisches Meisterwerk zu sein. Ihr spezifischer Charme liegt vielmehr in der gelungenen Verbindung aus eigenständigem Design, solider Alltagstechnik und erschwinglichem Preis. Ganz besonders gilt das in meinen Augen für die Open-Heart-Ausführungen.

Die sichtbare Unruh vermittelt eine Vorstellung davon, weshalb Menschen auch im Smartwatch-Zeitalter weiterhin mechanische Armbanduhren tragen. Im Alltagsleben geht es eben nicht ausschließlich ums Wissen, wie spät es gerade ist. Manchmal genügt ein Blick auf und durch ein kleines Fenster, um sich über etwas zu freuen, das seine Aufgabe seit Generationen mit erstaunlicher Beharrlichkeit und Präzision erfüllt.
Und wenn eine Armbanduhr mit champagnerfarbenem Gehäuse innerhalb kurzer Zeit drei Frauen begeistert, braucht es eigentlich keine weiteren Argumente. Ihre Bestätigung erhielt diese Armbanduhr beim German Design Award 2027. Aus der Jurierung ging sie als eine der Siegerinnen hervor.

Die gezielte Auseinandersetzung mit der Zeppelin Metropolis Automatic Open Heart verdeutlicht, dass reflektiertes Uhrendesign weder mit astronomischen Preisen noch mit traditionsreichen und prestigeträchtigen Markennamen einhergehen muss. Ein harmonisch proportioniertes Fässchen, ein ordentliches mechanisches Uhrwerk, ein kleines Guckloch und eine geschichtsträchtige Signatur können vollkommen ausreichen.
Eine redaktionelle Vorstellung der Zeppelin Atlantic GMT Uhr finden Sie hier auf Uhrenkosmos.com.

Datenblatt |
Zeppelin Metropolis Automatic Open Heart (2026) |
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| Referenzen | 8362-1 / 8362-2 / 8362-5 | |||
| Gehäusematerial | Edelstahl; Ref. 8362-5 mit champagnerfarbener PVD-Beschichtung |
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| Gehäuseform | Tonneau (Fassform) | |||
| Gehäusemaße | 37 × 36 mm | |||
| Höhe | 12 mm | |||
| Glas | K1-Mineralglas | |||
| Wasserdichte | bis 5 bar | |||
| Zifferblatt | 8362-1 hell 8362-2 braun 8362-5 opalinfarben mit goldfarbenen Ziffern |
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| Gestaltung | arabische Ziffern, Eisenbahnminuterie, Open-Heart-Ausschnitt |
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| Armband | Lederarmband mit Dornschließe | |||
| Uhrwerk | Citizen-Miyota 82S5 (Japan) | |||
| Aufzug | Automatik, zusätzlicher Handaufzug möglich | |||
| Werkdurchmesser | 11 ½ Linien | |||
| Werkhöhe | 5,67 mm | |||
| Funktionale Steine | 21 | |||
| Unruhfrequenz | 21.600 Halbschwingungen/Stunde (3 Hz) | |||
| Gangautonomie | ca. 42 Stunden | |||
| Indikationen | Stunden, Minuten, kleine Sekunde | |||
| Sekundenstopp | ja | |||
| Herstellung | Made in Germany; Fertigung/Montage in Ruhla | |||
| Preis | 349 Euro (alle drei Referenzen) | |||
Weitere Informationen zur Uhr finden Sie direkt auf der Seite des Herstellers.







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