Uhrengehäuse aus Gold ihre Herstellung

So entstehen Uhrengehäuse aus Gold – und diese Goldarten und Härtegrade gibt es

Gold ist dank seiner warme Farbe und als Edelmetall ein idealer Grundstoff für Uhrengehäuse aus Gold. Aber Gold ist nicht gleich Gold. Es gibt unterschiedliche Farben und Härtegrade. Das sollten Sie wissen.

von | 30.08.2020

Ein warmer goldener Schimmer

Traditionsgemäß wie aus rationalen Gründen der Widerstandsfähigkeit sind viele Uhrengehäuse aus Gold. Auch haben Gold-Gehäuse bei Uhren ihren ganz eigenen Reiz, auch wenn das Edelmetall ausgesprochen teuer ist.
Dabei gibt es auf unserem Planeten Gold in Hülle und Fülle. Etwa 30 Milliarden Tonnen Gold, dieses „erstarrten Lichts der Sonne“ birgt die gesamte, gerade einmal 15 Kilometer „dünne“ Erdkruste. Das ist zunächst einmal positiv. Allerdings beinhalten 1.000 Kilogramm Gestein im Schnitt nur drei bis fünf Milligramm des Edelmetalls. Für eine effiziente, kostendeckende Gewinnung ist das leider viel zu wenig. Infolgedessen konnte die Menschheit in den zurückliegenden 6.000 Jahren nur die relativ kleine Menge von 100.000 Tonnen abbauen und verwerten. Entsprechend wertvoll und begehrt ist das Metall mit der besonderen Farbe.

Was macht Gold jedoch so besonders? Der physikalische Steckbrief von Gold ist seit vielen Generationen bestens bekannt: Ordnungszahl 79 im periodischen System, Atomgewicht 197, Dichte von 19,32 Gramm pro Kubikzentimeter und ein Schmelzpunkt von 1.063 Grad Celsius. Das ist nichts besonders. Herausragend sind jedoch Korrosionsfestigkeit sowie die weitgehende Beständigkeit gegen Säuren und Sauerstoff.
Wegen seiner Weichheit kommt reines, 24-karätiges Feingold für Uhrengehäuse nicht in Betracht. Aber Gold lässt sich mit anderen Metallen hervorragend legieren. Das führt zu größerer Gold-Härte und gestattet die Kreation ganz unterschiedlicher Farben und Farbtöne, unterteilt in Härte-Kategorien von 1N bis hin zu 5N.

Die fünf unterschiedlichen Goldarten

Beginnen wir mit Gold der Stufe 1N. Es präsentiert sich als Blassgelb mit einer Härte von 200 – 240 HV. Gold der Härtestufe 2N mit 175-220 HV tritt hellgelb in Erscheinung. 3N Gold, das typische Barren- oder Gelbgold also, weist eine Härte zwischen 160 und 200 HV auf. Roségold 4N und Rotgold 5N wiederum entstehen durch eine höhere Beimischung von Kupfer. 18-karätiges Roségold 4N besteht deshalb zu 75 % aus Gold, hinzu kommen 16 % Kupfer und 9 % Silber. Beim Gold-Farbton 5N steigt dann der Kupferanteil sogar auf 20,5 Prozent – bei nur noch 4,5 Prozent Silber.
Übrigens ist die Uhrenmarke Rolex mit einer eigenen Rotgold-Legierung, dem „Everose“-Gold, am Markt vertreten. Deren lange anhaltende Farbstabilität resultiert aus einen höherem Kupferanteil und dazu noch einem „Schuss“ Platin.

Übrigens besitzt 4N-Gold eine Härte von 270 Vickers (HV). Bei 5N steigt der Härtegrad immerhin auf 300 Vickers. Im Vergleich dazu bringt es der Diamant, der „Unbezwingbare“ auf 10.600. Keramik liegt übrigens bei 1.500, Titan bei 970 und Stahl bei rund 700 HV. Im direkten Vergleich sieht man, dass Gold deutlich empfindlicher ist.

Der Oberbegriff Weißgold wird für solche Legierungen verwendet, bei denen mit Silber, Platinmetallen oder anderen metallischen Zugabe dem Gold die Farbe entzogen wurde. Je nach Zusammensetzung ergibt sich so hellweißes (silbernes) bis grauweißes Gold. Die Entwicklung erster Weißgoldlegierungen setzte bereits in den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts ein. Und zwar als Alternative zu Platin und Palladium. Letzteres hat interessanterweise trotz bestechender Eigenschaften so gut wie keine Verbreitung in der Gehäusefertigung gefunden.

Ein weiterer wichtiger Punkt zum Verständnis der Beschaffenheit von Goldgehäusen bei uhren: Bei echtem Weißgold handelt es sich um einen homogenen Werkstoff. Das bedeutet, er präsentiert sich durch und durch weiß. Manche Hersteller erzeugen diesen Farbton allerdings allein durch galvanisches Rhodinieren der Oberfläche. Solcherart kaschiertes Gelbgold darf sich nicht Weißgold nennen, obwohl der Begriff keiner Normierung unterliegt. Insofern kennt die Branche nahezu unzählige Weißgold-Rezepturen mit unterschiedlichen Goldanteilen.

Uhrengehäuse aus Gold 

Besonders die Tatsache, dass Goldgehäuse leicht verkratzen, aber auch die Suche nach neuen Gold-Farbtönen rief die Industrie auf den Plan. So entwickelten unterschiedliche Hersteller eigene Lösungen und Ansätze. A. Lange & Söhne zum Beispiel bietet „honiggoldene“ Uhren-Referenzen an. Der Name resultiert aus einem sehr speziellen, warm-gelblichem Farbton.
Als Basis für diese Sonder-Legierung dient der Uhrenmanufaktur aus Glashütte 18-karätiges Weißgold ohne Beimischung von Palladium, Nickel oder Silber. Für den dezent honigfarbenen Schimmer wird dazu etwas Kupfer, Zink und Silizium beigemischt. Darüber hinaus bewirkt ein abgestimmtes thermisches Verfahren die beachtliche Härte von 320 HV.

Magischer Glanz und Härte

Nicht von schlechten Eltern sind die 1.000 Vickers Härte, auf die es das „Magic Gold“, eine Spezialität von Hublot bringt. Mit der Entwicklung des gegen Kratzer weitestgehend unempfindlichen Werkstoffs, der sich trotzdem mit Fug und Recht Gold nennen darf, hatte die Manufaktur unter dem Dach des LVMH-Konzerns eigens einen Lehrstuhl der Technischen Hochschule Lausanne beauftragt. Schließlich war es 2011 soweit und es debütierte das „Magische Gold“. Beim selbstverständlich patentierten High-Tech-Verfahren wird, etwas vereinacht gesagt, flüssiges 24-karätiges Gold mit rund 200 bar Druck in eine ultraharte, aber poröse Keramikstruktur gepresst. Dabei bleibt nichts dem Zufall überlassen, denn die jeweiligen Quantitäten sind genau berechnet, so dass die fertigen Magic-Gold-Komponenten eine 18-Karat-Punze bekommen. Alles andere als ein Kinderspiel ist allerdings die Bearbeitung dieser Komponenten mit Diamant-Werkzeugen und Ultraschall. Mangels zufriedenstellender Resultate dieser klassischen Methoden findet sich in den Werkstätten von Hublot zur Bearbeitung der Rohlinge inzwischen ein wassergeführter Laserstrahl. Er erledigt die Aufgaben nun in der gewünschten Perfektion.

Fair ist schön

Mit „Fairmined“ verknüpft Chopard seine Bemühungen um nachhaltigen Luxus. Natürlich liebenMenschen Gold und seine warme Farbe. Vielen können sich jedoch die Lebensbedingungen der Werktätigen am Anfang der Wertschöpfungskette kaum vorstellen. Deshalb startete das Familienunternehmen 2013 gemeinsam mit Partnern ein engagiertes, auf mehrere Jahre angelegtes Projekt. Zuerst profitierte die „Coodmilla Cooperative“ im kolumbianischen La Llanada von der Zusammenarbeit. In diesem Bergbaugebiet leben gut 1.800 Menschen von der Goldmine. 2015 wurde Coodmilla nach den Richtlinien fairer Goldgewinnung zertifiziert.
Darüber hinaus unterstützt Chopard sein jenem Jahr zusammen mit der ARM die „15 de Agosto“-Cooperative, eine mehr als 4.000 Meter über dem Meeresspiegel in den bolivianischen Anden gelegene Goldmine. Damit die Kunden auch letzten Endes tatsächlich in den Genuss fair gewonnen Goldes kommen, erfolgen die Schmelzvorgänge streng getrennt in eigenen, vorher gründlich gereinigten Öfen.
Es wäre schön zu wissen, wenn sich nicht nur Chopard, sondern auch weitere große Konzerne und Hersteller der nachhaltigen und fairen Gewinnung des Gold-Edelmetalls anschließen würden.

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