Tickende Bühne am Handgelenk
Roger Dubuis liebt Spektakel. Nicht laute Spektakel ohne Substanz, sondern jene Art von inszenierter Haute Horlogerie, bei der Technik, Handwerk, Mythos und dramatische Optik zu einem eigenständigen Gesamtkunstwerk verschmelzen. Genau diesen Weg beschreitet die Genfer Manufaktur mit der neuen Roger Dubuis Excalibur The Kabuto Legacy. Ihr unverbindlicher Preis von 407.500 Euro ist selbst in der Haute Horlogerie eine Ansage. Aber vielleicht deshalb will diese Armbanduhr am Handgelenk definitiv keine diskrete Begleiterin sein. Dort versteht sie sich vielmehr als tickende Bühne.

Wer sich an die 2013 gestartete Knights-of-the-Round-Table-Saga erinnert, erkennt das von Roger Dubuis kunstvoll praktizierte und zelebrierte Prinzip sofort wieder.



2022 erhielt diese Linie mit dem fliegend angeordneten Monotourbillon eine besonders spektakuläre Ausprägung. Damals umstanden zwölf aus 18-karätigem Roségold gefertigte Ritter den zentral positionierten Drehgang. Die Tafelrunde aus der Welt von König Artus präsentierte sich als Teil des Zifferblatts, denn die augenfälligen Skulpturen übernahmen zugleich auch die Funktion der Stundenindexe. Edelmetall, Muranoglas und Tourbillon formten ein Kunstwerk, das weitaus mehr als nur die Uhrzeit ins Blickfeld rückte.

Wie seit 1995 fest in der Firmenphilosophie verankert, übte sich Roger Dubuis weniger in Zurückhaltung, als in der maximalen Erzählkraft eines mechanischen Objekts.
Mit der jüngst vorgestellten Excalibur The Kabuto Legacy verlässt Roger Dubuis den europäischen Sagenkreis und wendet sich dem Land der aufgehenden Sonne zu und dem wichtigen japanischen Markt zu. Konkret geht es um das 17. Jahrhundert, um das Ende einer kriegerischen Epoche und um die Einigung des Landes unter Tokugawa Ieyasu samt seinen Gefolgsleuten. Aus der Artus-Tafelrunde wird eine symbolische Versammlung von Bushō, also Samurai-Kommandanten. Statt Ritterfiguren stehen zwölf Kabuto im Zentrum. Gemeint sind jene zeremoniellen Helme, die Herkunft, Rang, Geisteshaltung und Machtanspruch ihrer Träger visualisieren.

Gestaltungskunst
Diese Kabuto sind keine bloßen Appliken. Jeder Helm entsteht in Handgravur als mikroskopisch kleine Skulptur aus 18-karätigem Roségold. Nach zwei bis drei Tagen Arbeit verlangt jedes einzelne dieser winzigen Kunstwerke. Besondere Herausforderungen verknüpfen sich mit den vorderseitigen Ornamenten. Genau dort zeigt sich die individuelle Signatur des jeweiligen Kommandanten.

Bei „12“ beginnt der Kreis mit Tokugawa Ieyasu. Ihm folgen unter anderem Honda Tadakatsu, Sakai Tadatsugu, Sakakibara Yasumasa und Ii Naomasa, welche in der japanischen Geschichte als bedeutende militärische und politische Gestalten gelten.

Im Zentrum des Zifferblatts erhebt sich die Burg Edo. Roger Dubuis interpretiert sie nicht historisierend, sondern abstrakt und architektonisch inspirierend. Insgesamt 17 einzelne Elemente bilden diese Miniaturfestung. Roségold trifft auf blaue CVD- und schwarze PVD-Beschichtungen. Politur, kreisförmige Bürstung und Kugelstrahlen erzeugen Tiefe und wechselnde Lichtreflexe. Das intensive Blau verweist auf Indigo, jenen Farbstoff, der einst Samurai-Gewänder prägte und später in der japanischen Kunst- und Textilkultur eine besondere Rolle spielte.
Gerade darin unterscheidet sich die Kabuto Legacy spürbar vom Knights of the Round Table Monotourbillon. Die Artus-Uhr von 2022 war märchenhaft, theatralisch und durch den zentral drehenden Käfig auch mechanisch spektakulärer. Die neue Samurai-Interpretation wirkt kulturell konkreter, architektonischer und erzählerisch dichter. Sie setzt primär auf eine dreidimensionale Szenerie aus Helmen, Burg, Wappen, japanischer Symbolik und hinsichtlich ihrer Anzeige konsequent auf Entschleunigung. Die beiden Zeiger bewegen sich schließlich nur recht langsam fort.

Ausstattung
Das 45 Millimeter große Gehäuse besteht logischerweise ebenfalls aus 18-karätigem Roségold. Unter der Lünette sitzt ein blauer Saphirring, die Krone trägt innen einen gleichfarbigen Glaszylinder.

Hinter dem Sichtboden setzt sich die Geschichte fort: Ein blau beschichteter Roségoldring trägt die lasergravierten Wappen der zwölf Bushō. Zu sehen ist ferner der Rotor des hauseigenen Automatikkalibers RD821. Einmal mehr inszeniert Roger Dubuis nicht nur das, was am Handgelenk ins Auge sticht, sondern auch die Rückseite zu einer stimmigen Erzählung.

Jenseits aller Theatralik spielt auch das aus 172 Komponenten assemblierte Manufakturkaliber eine tragende Rolle. Seine Unruh oszilliert mit vier Hertz. Ohne weiteren Energienachschub durch die sehr speziell gestaltete Schwungmasse tut sie das 48 Stunden lang. Vierzehn unterschiedliche Feinbearbeitungstechniken verwandeln Sichtbares und auch Unsichtbares in ein Wechselspiel aus matten und polierten Oberflächen.

Die Qualität des Uhrwerks unterstreicht der anspruchsvolle Poinçon de Genève (woraus es beim Genfer Siegel ankommt, erfahren Sie hier). Durch die ledigliche Indikation der Stunden und Minuten sowie den Verzicht auf eine Komplikation wie Tourbillon schaffen die Produktgestalter Raum für Handwerkskunst jenseits der präzisen Zeit-Mechanik.


Auch das blaue Kalbslederband folgt dem Konzept. Geklebte und vernähte Lederstreifen erinnern an gebrauchte Samurai-Rüstungen. Dank Schnellwechselsystem lässt es sich unkompliziert austauschen; ein zusätzliches Lederband gehört zum Lieferumfang. Die Roségold-Faltschließe passt zum gesamten Auftritt.

Uhrenkosmos-Fazit
Zusammenfassend ist die Roger Dubuis Excalibur The Kabuto Legacy alles andere als eine zurückhaltende Begleiterin fürs Handgelenk. In Erscheinung tritt sie groß, hoch, erzählerisch dicht und bewusst kostspielig. Aber genau darin begründet sich ihre Logik und Existenzberechtigung in einem schwierigen Marktumfeld. Die seit 2024 von David Chaumet geleitete Richemont-Maison positioniert sich seit Jahren dort, wo Uhrmacherkunst, Popkultur, Skulptur und Luxusobjekt ineinandergreifen. Dabei dient das durchaus polarisierende Excalibur-Gehäuse nicht als dezenter Rahmen, sondern als zusätzlicher Verstärker. Die markante Schale leistet einen maßgeblichen Beitrag zur Transformation der Uhr in ein Objekt, das ungeteilte Aufmerksamkeit förmlich einfordert.

Die Frage nach klassischer Preis-Leistungs-Relation stellt sich bei einem Preis von 407.500 Euro kaum noch. Auch in diesem Fall geht es um Seltenheit, handwerklichen Aufwand, Material und die Bereitschaft, ausgesuchte Narrative auf nur 28 Exemplare zu begrenzen. Zufällig sehen wird man diesen Zeitmesser so gut wie nie. Genau darin besteht der spezifische Reiz für die von Roger Dubuis adressierte Zielgruppe. So betrachtet versteht sich die Roger Dubuis Excalibur The Kabuto Legacy als konsequente Fortsetzung jener Strategie, welche Roger Dubuis mit den Rittern der Tafelrunde erfolgreich kultiviert hat.

Der streng limitierte Newcomer erzählt von japanischer Kultur, Macht, Handwerkskunst und natürlich feiner Genfer Uhrmacherei. In diesem Sinne möchte er nicht zwangsläufig jedem gefallen. Dort jedoch, wo dieses dezent tickende Objekt am Handgelenk erscheint, will es auf ausdrucksstarke Weise dominieren.
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Roger Dubuis Excalibur The Kabuto Legacy
Datenblatt
| Limitierte Edition | |
| Referenz | RDDBEX1139 |
| Gehäuse | 18 Karat Roségold, Sichtboden |
| Durchmesser | 45 Millimeter |
| Höhe | 16,87 Millimeter |
| Wasserdichte | bis 3 bar Druck |
| Zifferblatt | Dreidimensionale Edo-Burg, zwölf handgravierte Roségold-Kabuto |
| Zeiger | Stunden- und Minutenzeiger aus Roségold, satiniert |
| Uhrwerk | Automatikkaliber RD821 |
| Frequenz | vier Hertz / 28.800 Halbschwingungen pro Stunde |
| Komponenten | 172 |
| funktionale Steine | 33 |
| Gangautonomie | 48 Stunden |
| Armband | blaues Kalbslederband, Schnellwechselsystem |
| ein weiteres Lederband im Lieferumfang | |
| Schließe | Roségold-Dreifachfaltschließe |
| Limitierung | 28 Exemplare |
| Preis | 407.500 Euro |








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