Chrono Sapiens

Mathieu van der Poel und Richard Mille: Eine Uhr von 32 Gramm für die härtesten Rennen der Welt

Gipfeltreffen - so könnte man die Partnerschaft von Mathieu van der Poel und Richard Mille beschreiben. Sicherlich eine mutige Partnerschaft, denn schließlich muss die 32 Gramm leichte Uhr auch härteste Rennen überstehen. Das Uhrenkosmos Exklusiv-Interview.

von | 25.05.2026

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Beide, Mathieu van der Poel und Richard Mille, kann man ohne Übertreibung als Superstars ihrer Kategorie bezeichnen. Richard Mille, weil er es in 25 Jahren geschafft hat, in die Top-Liga der umsatzstärksten Uhrenmarken aufzusteigen. Mathieu van der Poel, weil er einer der wenigen Fahrer ist, die in allen Radfahrkategorien zu den weltbesten Athleten zählt.

Sohn des früheren Cyclocross-Weltmeisters Adrie van der Poel und Enkel der französischen Radsportlegende Raymond Poulidor, trägt er eine der bemerkenswertesten Dynastien des Radsports fort – und übertrifft sie noch. Ob Cyclocross, Straße, Gravel oder Mountainbike: Während sich die meisten Radprofis auf eine Disziplin konzentrieren oder sich sogar auf ausgesuchte Rennen, Bergankünfte oder Sprints spezialisieren, sucht Mathieu van der Poel den Erfolg als Grenzgänger. Als Straßenweltmeister 2023 und mehrfacher Sieger der Flandern-Rundfahrt hat er dabei auf der größten Bühne des Radsports bewiesen, dass dieser ungewöhnliche Ansatz funktioniert.

Aber auch Richard Mille weiß, wie man aus der Menge herausragt. Denn die Marke steht seit ihrer Gründung für die provokante Idee von hochkomplizierten, im Design eindeutigen und optisch prägnanten Uhren – die außerdem extrem teuer sind.

Wenn Mathieu van der Poel seine Richard Mille Uhr also nicht in den Safe zu legt, sondern im harten Wettbewerb trägt, sind Fahrer wie Uhr die Aufmerksamkeit des Rad-Publikums wie der Uhrenliebhaber sicher.

Mathieu van der Poel beim Klassiker Paris-Roubaix 2024

Härteprüfung: Mathieu van der Poel beim Klassiker Paris-Roubaix im Jahr 2024 Bild cc

Mathieu van der Poel - Tour de France 2025 Etappe 7

Bei der Tour de France 2025 fuhr van der Poel im gelben Triko (Etappe 7) Bild cc

Richard Mille und Mathieu van der Poel

Dabei legt Richard Mille eine gehörige Portion Selbstbewusstsein an den Tag. Schließlich muss die Uhr, mit der man Mathieu van der Poel ausstattet, gleich mehrere Bedingungen erfüllen. Neben der obligatorischen Wasser- und Staubdichtigkeit muss die Uhr heftige Erschütterungen und Stöße am Handgelenk erleiden, die bis zum Totalverlust führen können. Überdies muss sie ultraleicht sein und perfekt am Handgelenk sitzen, soll sie das Kopfsteinpflaster von Paris-Roubaix oder den berüchtigten Schlamm im Cyclocross-Rennen im belgischen Overijse überstehen.

Die Uhr, mit der Richard Mille van der Poel ausstattet, ist das Modell Richard Mille RM 67-02. Dank flacher Bauweise und skelettiertem Uhrwerk wiegt sie nur 32 Gramm. Für die notwendige Robustheit sorgen Titan und ein Gehäuse aus TPT-Verbundmaterial sowie ein eigens konzipiertes Flexi-Armband.

Ob es Mathieu van der Poel damit gelingt, weitere wichtige Tagesklassiker zu gewinnen, ist offen. Denn die Konkurrenz ist enorm stark. Entsprechend gespannt waren wir, als wir Mathieu van der Poel in seinem Trainingsstützpunkt in Girona – vor dem Start der Tour de France – zum Interview trafen. Schließlich wollten wir aus erster Hand vom Radstar wissen, warum er die Grenzen der unterschiedlichen Raddisziplinen nicht als Problem, sondern als Antrieb versteht und warum er die Markenpartnerschaft mit Richard Mille als Auszeichnung sieht.

Richard Mille RM 67-02 am Handgelenk

Leichtgewichtiger Zeitmesser, der hohen Belastungen standhält: Richard Mille RM 55-01 Grey Quartz TPT am Handgelenk.

Richard Mille Gründer Uhrenmarke Richard Mille

Mit dem richtigen Sinn für Uhren wie elektrisierende Partnerschaften im Sport: Richard Mille

Vom Cyclocross-Kind zum Straßenweltmeister

Uhrenkosmos: Mathieu, Sie gelten als das Gegenteil eines Spezialisten. Cyclocross, Straßenrennen, Mountainbike, Gravel: Was bedeutet es für Sie, Grenzen zu überschreiten, statt sich nur auf eine Disziplin zu konzentrieren?

Mathieu van der Poel: Für mich liegt der Reiz genau in diesem Wechsel. Ich liebe das Radfahren in all seinen Formen, denn jede Disziplin gibt mir etwas anderes. Auf dem Mountainbike komme ich an Orte, die man mit dem Straßenrad nie erreichen würde. Gravel hat wieder einen eigenen Charakter, gerade hier, rund um die Gegend von Girona gibt es fantastische Strecken. Für mich ist es nicht die Frage, welche Disziplin die beste ist. Entscheidend ist, dass ich wechseln kann. Diese Abwechslung hält die Freude am Radfahren lebendig.

Uhrenkosmos: Gleichzeitig kommen Sie aus dem Cyclocross und haben in dieser Disziplin als Rekordhalter ein historisches Niveau erreicht. War Straße ursprünglich gar nicht Ihr Plan?

Mathieu van der Poel: Nein, überhaupt nicht. Als ich klein war, war ich Cyclocross-Fahrer. Vor zehn Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal die großen Klassiker auf der Straße gewinnen würde. Ich fuhr im Sommer Straßenrennen, um beschäftigt zu bleiben und mich weiterzuentwickeln. Dann wurde ich besser, im Jahr 2018 sogar niederländischer Straßenmeister, und das Team merkte: Da ist mehr möglich. Es war ein gemeinsamer Schritt. Das Team kam aus dem Cyclocross und wir sind gemeinsam in den Straßenradsport hineingewachsen.

Uhrenkosmos: Und dann kam auch noch Mountainbike hinzu – unter anderem wegen Olympia, weil Cyclocross nicht olympisch ist.

Mathieu van der Poel: Genau. Auch da hat mich das Team unterstützt. Das war wichtig. Mountainbike ist für mich die schwierigste Disziplin, weil das Rad, die Federung, die Reifen, das Handling völlig anders sind. Auf dem Gravel- oder Cyclocross-Rad ist vieles näher an der Straße. Beim Mountainbike muss man sich wirklich umstellen. Gerade deshalb reizt es mich.

Richard Mille und Matheiu van der Poel Partnerschaft

Richard Mille und Mathieu Van Der Poel im Offroad-Modus Bild MatsPalinckx

Mathieu van der Poel

Steckbrief

Nationalität Niederländisch
Trainingsland Girona, Spanien
Vater Adrie van der Poel – Cyclocross-Weltmeister
Großvater Raymond Poulidor – Französische Radsportlegende
Sportliche Karriere
Disziplinen Cyclocross, Straße, Mountainbike, Gravel
Straßenweltmeister 2023
Niederländischer Straßenmeister 2018
Flandern-Rundfahrt Mehrfacher Sieger
Cyclocross Rekordhalter, historisches Niveau
Fehlender Titel Mountainbike-Weltmeister
Fahrtstil Instinktiv, frühe Attacken, renngespürgesteuert
Team Sponsoren Kategorie
Alpecin-Deceuninck Pro-Team (UCI WorldTeam)
Canyon Fahrräder (Team)
Shimano Schaltgruppe / Schuhe
Deceuninck Trikot-Namenssponsor
Persönliche Sponsoren Kategorie
Richard Mille Uhren
Canyon Fahrrad
Whoop Fitness-Technologie
Zwift Virtuelles Radfahren
Lamborghini Antwerpen Automobil
Pirelli Reifen
Flying Group Privatjet
4GOLD Sporternährung (persönlich beteiligt)
Canyon Rennrad von Mathieu van der Poel im Jahr 2026 mit den Emblemen der weiteren Sponsoren

Canyon Rennrad von Mathieu van der Poel im Jahr 2026 mit den Emblemen der weiteren Sponsoren.

Der letzte fehlende Titel: Mountainbike-Weltmeister

Uhrenkosmos: Mountainbike ist also Ihre schwierigste Disziplin – und gleichzeitig die einzige, in der Sie noch keinen Weltmeistertitel haben. Ist das Ihr erklärtes Saisonziel?

Mathieu van der Poel: Ja, das sage ich offen: Ich möchte Mountainbike-Weltmeister werden. Noch niemand ist in allen drei Disziplinen Weltmeister geworden. Mir fehlt genau diese eine. Das wäre eine große Leistung – aber gleichzeitig eine der schwierigsten für mich, weil die Konkurrenz enorm stark ist. Tom Pidcock hat zweimal in Folge gewonnen, und es kommt eine junge Generation nach. Aber ich glaube, dass ich es eines Tages schaffen kann.

Uhrenkosmos: Umstellen ist ein gutes Stichwort. Sie stammen aus einer Radsportdynastie. Ihr Vater Adrie van der Poel und Ihr Großvater Raymond Poulidor sind berühmte Radrennfahrer. Hatten Sie als Kind nie das Gefühl: „Jetzt habe ich vom Radsport genug“?

Mathieu van der Poel: Überhaupt nicht. Ich wurde nie zum Radfahren gedrängt. Ich habe auch Fußball gespielt, mein Vater war dort sogar eine Zeit lang mein Trainer. Er hat mich immer unterstützt, egal was ich machte. Aber es war früh klar, dass ich Talent auf dem Rad hatte und dass ich es gerne machte. Als Schule und Sport schwerer zu kombinieren waren, musste ich mich dann irgendwann entscheiden. Ich habe mich fürs Rad entschieden.

Noch entspannt - in der Vorbereitung der Tour de France Mathieu van der Poel

Noch entspannt - in der Vorbereitung der Tour de France: Mathieu van der Poel mit seiner leichtgewichtigen Richard Mille am Handgelenk

Instinkt oder Kalkül? So fährt Mathieu van der Poel

Uhrenkosmos: Ihre Rennen wirken oft instinktiv. Sie greifen früh an, manchmal scheinbar aus dem Gefühl heraus. Ist das Kalkül oder Impuls?

Mathieu van der Poel: Beides. Ich war immer ein Fahrer, der ein Rennen spüren will. Ich versuche zu erkennen, wann der richtige Moment kommt. Dann greife ich an. Das ist manchmal sehr impulsiv, aber es hat mir viele Siege gebracht. Vielleicht hätte ich manche Rennen taktisch vorsichtiger fahren können. Aber ich glaube, meine Generation hat die Art und Weise, wie Rennen gefahren werden, verändert. Früher konnte man 50 Kilometer vor dem Ziel den Fernseher einschalten und hatte noch das ganze Finale vor sich. Heute kann es sein, dass die entscheidende Attacke da schon längst vorbei ist. Das macht den Radsport spannender.

Uhrenkosmos: Spüren Sie diese Spannung im Rennen selbst und bekommen Sie die Emotionen am Straßenrand mit? Auch Ihre Rivalität mit Wout van Aert ist fast legendär.

Mathieu van der Poel: Man hört die Menge zwar, aber während des Rennens ist man im Tunnel und so fokussiert, dass man vieles nur am Rand wahrnimmt. Dabei entstehen Emotionen und Rivalitäten gehören zum Sport. Was absolut nicht dazugehört, ist Respektlosigkeit oder Gegenstände, die auf Fahrer geworfen werden. Ich kann verstehen, dass man einen Favoriten hat und diesen anfeuert. Aber ich verstehe nicht, warum man deshalb gleich gegen jemanden sein muss.

Mathieu van der Poel beim Abspulen von Trainingskilometern

Mathieu van der Poel beim Abspulen von Trainingskilometern Bild Mats Palinckx

Mathieu van der Poel und Richard Mille – oder: „Ist das eine echte Uhr?“

Uhrenkosmos: Kommen wir zu einem Ihrer meistzitierten Accessoires, der Uhr an Ihrem Handgelenk. Radsport ist ein Kampf gegen die Zeit. Schafft das eine besondere Beziehung zu Uhren?

Mathieu van der Poel: Ich war schon vor der Partnerschaft mit Richard Mille an Uhren interessiert – auch an Richard Mille bereits, bevor die Marke so groß wurde. Deshalb ist es für mich etwas Besonderes, Teil dieser Marke zu sein. Ich bin stolz darauf. Denn Richard Mille ist in vielen Sportarten präsent, nicht nur im Radsport. Und da ich mich für Uhren interessiere, ist die Uhr für mich kein Fremdkörper – ich trage sie die ganze Zeit.

Uhrenkosmos: Trotzdem ist es ungewöhnlich, eine Uhr dieser Kategorie während eines Rennens zu tragen. Sie fahren bei Wind und Wetter, über Stock und Stein. Sind Sie sich im Rennen bewusst, was da am Handgelenk ist?

Mathieu van der Poel: Am Anfang denkt man darüber nach. Aber Richard Mille hat mir gesagt, dass die Uhr dafür gebaut ist. Also habe ich sie immer getragen: im Schnee, im Schlamm, auf dem Mountainbike, einfach überall. Und sie hat alles überstanden. Sie stört nicht und wird irgendwann zu einem Teil von einem. Fast wie ein Armband, das man nach einiger Zeit auch nicht mehr spürt. Ich erinnere mich noch gut: Die Uhr kam ein, zwei Wochen vor dem Cyclocross-Weltmeisterschaftsrennen. Es war also schön, sofort damit erfolgreich zu sein.

Uhrenkosmos: Was fasziniert Sie technisch an Ihrer Uhr?

Mathieu van der Poel: Die Kombination. Die Uhr ist robust, aber sie wirkt trotzdem elegant. Das ist schwer zu schaffen. Außerdem ist sie extrem leicht und sitzt gut am Handgelenk. Man merkt, dass sie wirklich für Bewegung gebaut wurde.

Uhrenkosmos: Bekommen Sie auch Reaktionen von anderen Fahrern oder Fans auf Ihre Richard Mille Uhr?

Mathieu van der Poel: Ja, sehr oft. Eine der häufigsten Fragen ist: Ist das eine echte Uhr? Manche glauben, es müsse eine Attrappe sein. Ich sage dann: Nein, sie ist echt. Andere schreiben, die Uhr zeige immer dieselbe Zeit. Dann muss ich es erklären: Was ihr seht, sind nicht die Zeiger, sondern Teile des skelettierten Uhrwerks.

 
 
 
 
RM 67-02 Mathieu van der Poel

RM 67-02 Mathieu van der Poel

Richard Mille RM 67-02 Automatic Winding Extra Flat

Datenblatt

Gesamtgewicht ca. 32 Gramm inklusive Armband
Kaliber CRMA7
Aufzug Automatik
Funktionen Stunden, Minuten
Gangreserve ca. 50 Stunden
Lagersteine 25
Grundplatine und Brücken Titan Grad 5, DLC-beschichtet
Form tonneauförmig
Abmessungen 38,70 × 47,52 mm
Höhe 7,80 mm
Material Gehäuse Quartz TPT und Carbon TPT
Glas Saphirglas
Gehäuseboden Saphirglas-Sichtboden
Krone Titan
Wasserdichtigkeit 30 Meter / 3 bar
Zifferblatt offen gearbeitet, mit Blick auf das skelettierte Werk
Armband elastisches Richard Mille Comfort Strap
Schließe nahtlos integriertes Armband ohne klassische Schließe
Preis ca. 340.000 €
Richard Mille RM 67-02 Frontalansicht und Blick durch den Glasboden

Richard Mille RM 67-02 Frontalansicht und Blick durch den Glasboden

Uhrenkosmos: Womit die nächste Frage auf der Hand liegt. Haben Sie schon die Gelegenheit gehabt, die Uhrenmanufaktur von Richard Mille zu besuchen?

Mathieu van der Poel: Noch nicht, aber es ist geplant. Und ich freue mich wirklich darauf.

Uhrenkosmos: Dann sollten Sie das bald nachholen. Sie hätten zweifellos auch das Zeug zum guten Uhrmacher – bei einem Ruhepuls von 38.

Mathieu van der Poel: (lacht) Das stimmt.

Uhrenkosmos: Vielen Dank für Ihre Zeit und viel Erfolg bei der kommenden Tour – und vor allem bei der Mountainbike WM Ende August.

Noch mehr Richard Mille Uhren finden Sie in unserem Richard Mille Markenkosmos hier bei uns. 

Gute Laune - aber auch Focus auf die großen Ziele - van der Poel bei einer kurzen Sprungeinlage

Gute Laune und voller Energie - aber auch mit klarem Fokus auf die großen Ziele: van der Poel bei einer kurzen Sprungeinlage - für Gelegenheitsfahrer nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen.

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