Kreativität großgeschrieben
Wer die Geschichte der IWC Porsche Design Ocean wirklich verstehen will, muss den Blick einige Jahre zurück richten. Die Kalender zeigten das Jahr 1972, als sich Ferdinand A. Porsche an die Entwicklung des ersten Porsche Design Chronographen machte. Nach dem Lancement im Jahr 1973 hat sich die zeitschreibende Ode ans Schwarz nicht zuletzt auch wegen ihrer außergewöhnlichen Optik sehr rasch zu einer bleibenden Ikone entwickelt. Damit war die Kreativität des am 5. April 2012 verstorbenen Designpapstes jedoch bei weitem nicht erschöpft. Sein gestalterisches Lebenswerk reicht sehr viel weiter. Es umfasst eine ungeahnt breite Palette unterschiedlicher Zeitmesser.

Über die legendäre Kompassuhr hat der Uhrenkosmos hier ausführlich berichtet. Der weltweit ersten Titan-Chronographen hat der Uhrenkosmos in diesem Artikel von allen Seiten beleuchtet. In den folgenden Betrachtungen geht es um die verschiedenen Ausführungen des Modells Ocean, welches von 1982 bis 1997 wie andere Armbanduhren von Porsche Design zusammen mit dem damaligen Partner IWC Schaffhausen entstand. In Sammlerkreisen genießt der Unterwasser-Porsche höchstes Ansehen, wie die heutzutage dafür bezahlten Preise belegen.


Militärisch und zivil
Nach großen Erfolgen auf dem Gebiet der Fliegeruhren wandte sich IWC erst relativ spät, nämlich 1965 sich den Themen Wasserdichte und Tauchen zu. Die Herausforderung war allein schon gewaltig, weil Rolex mit der Submariner ab 1953 und die Blancpain Fifty Fathoms ab 1956 Maßstäbe gesetzt hatten, Nach zwei Jahren Entwicklungsarbeit brachten die Schaffhauser 1967 ihren stählernen Aquatimer auf den Markt. Anhand dieses Zeitmessers entdeckten die Produktentwickler von IWC das grundsätzlich hohe Anspruchsniveau dieser besonderen Spezies Armbanduhr.
Allerdings sollte es noch deutlich besser kommen. Die Kalender zeigten das Frühjahr 1980, als sich die das Deutsche Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung an die IWC wandte. Für die Kampfschwimmer und Waffen- und Minentaucher der Bundesmarine benötige man spezielle Dienstuhren.

Und damit kam auf Jürgen King, den damaligen Technikchef der Manufaktur eine Menge Arbeit zu. Ein 30-seitiges Pflichtenheft beinhaltete alle ausnahmslos zu erfüllenden Anforderungen. Wasserdichte, Schlag- und Stoßfestigkeit, Verhalten bei Temperaturwechseln und Präzision. Kopfzerbrechen bereitete vor allem die verlangten amagnetischen Eigenschaften. Zünder bestimmter Minen sprechen nämlich schon auf schwächste Magnetfelder. Und das kann für Minentaucher lebensgefährlich sein. Jegliche Erzeugung oder Veränderung von Magnetfeldern war deshalb von vorneherein auszuschließen. Folglich mussten alle Komponenten des Uhrwerks, welche ein messbares Magnetfeld generieren, amagnetischen Bauteilen weichen.

Kampf dem Magnetismus
Das alles war freilich leichter verlangt als getan. Weil derartige Armbanduhren absoluten Neuland waren, bedurfte es intensiver Grundlagenforschung. Zunächst brauchte es ein geeignetes Laboratorium für die vielen unabdingbaren Messungen. Gebäude frei von störenden Magnetfeldern sind nämlich absolut rar. Abgesehen von ferromagnetischen Metallen können stromführende Leitungen zu falschen und damit unbrauchbaren Messergebnissen führen.
Am Ende lieh sich Jürgen King die empfindlichen Messgeräte ganz einfach aus, um die nötigen Studien bei sich im heimischen Garten weit weg von störenden Einflüssen künstlicher Natur durchzuführen. Das Problem der Erdmagnetfelder war damit aber noch nicht gelöst. Messung in nördlicher Richtung ergeben andere Resultate als nach Süden ausgerichtete. In europäischen Breiten tritt besagtes Erdmagnetfeld mit einem Winkel von 59,5° in die Erdoberfläche ein.

Nach vier Jahren interner und externer Forschungen, in die neben dem erfahrenen Institut Straumann auch Professor Steinemann von der Universität Lausanne eingebunden waren, konnte man das Bündel unterschiedlicher Probleme als gelöst betrachten. In dem eigens hierfür auf Basis des Eta 2892 entwickelten Automatikkaliber 3755 Amag gab es keine magnetisierbaren Komponenten aus Stahl. Daher taugt diese sehr spezielle Armbanduhr nicht zum täglichen Tragen.
Die für militärische Zwecke hergestellten Prototypen, erkennbar am flachen Glas und einer speziellen Bodenprägung, mussten samt und sonders nach Greding zur Erprobungsstelle 81 der Deutschen Bundeswehr. Dort blieb den Probanden nichts erspart. Nachdem rundum erfolgreichen Test zeigten sich die Verantwortlichen der Bundeswehr ausgesprochen zufrieden.

Für militärische Zwecke
Währenddessen hatte sich Ferdinand A. Porsche um das Gehäuse- und Banddesign gekümmert. 1982 war die IWC Porsche Design Ocean Linie fertig. Das Modell 2000 misst 42,5 Millimeter und baut 10,5 Millimeter hoch. Die Schraubkrone verfügt über drei Drucksperren. IWC produzierte es danach in verschiedenen Versionen für zivile und ab 1983 auch militärische Zwecke. Kampfschwimmer erhielten die mit dem Quarzkaliber 2250 (Eta 955 122) ausgestatteten Referenzen 3314, 3315 und als Nachfolgerin die 3319. Kampftaucher legten die Referenzen 3501, 3509 oder 3529 ans Handgelenk.



Als komplett amagnetische Minentaucheruhr gab es die aufwändigste Referenz 3519. Dieser bis heute einzigartige Zeitmesser genügt dem NATO Standardisation Agreement 2897 für amagnetisches Verhalten. Im Gehäuse dieses nur 42,6 Gramm wiegenden Spezialmodells steckt das komplett amagnetische Automatikkaliber 3755 Amag.
Für dieses Uhrwerk musste IWC Bauteile aus speziellen Materialien fertigen lassen. Zum Beispiel besteht die Unruhspirale aus einer absolut geheimen Niob-Zirkon-Legierung. Alle an der Entwicklung Beteiligten mussten damals ein Verschwiegenheitsprotokoll unterschreiben und sich bei der Bundeswehr als Geheimnisträger klassifizieren lassen. Bei diesen Taucheruhren reichte die Wasserdichte offiziell nur bis zu 30 Bar Druck. Mehr war nicht verlangt.

Jedes der mit flachem Saphirglas ausgestatteten militärischen Modelle bekam spezielle Versorgungsnummern. Mit ihnen konnten auch NATO-Partner diese Armbanduhren bei der IWC bestellen. Die rote Kennzeichnung 3 H am Zifferblatt weist auf die Verwendung radioaktiver Tritium-Leuchtmasse hin.


IWC Porsche Design Ocean
Zivilisten konnten bei Porsche Design und IWC bereits ab 1982 die legendäre Taucheruhr Ocean 2000 als Referenzen 3500 (IWC Signatur Schreibschrift, Porsche Design bei „6“, Bandgeometrie 1), 3504 (IWC Porsche Design unterhalb „12“, Bandgeometrie 2) und 3524 (Porsche Design – by IWC, Bandgeometrie 3) erwerben.
Gehäuse gab es entweder in satiniertem oder zum Zweck höherer Oberflächenhärte mit schwarz beschichtetem Titan. Die Wasserdichte der 42,5 Millimeter großen, lediglich 10,5 Millimeter hoch bauenden und mit einem leicht bombierten Saphirglas ausgestatteten Armbanduhr reicht bis zu 200 Bar Druck. Übersetzt bedeutet das die – natürlich rein theoretische – Möglichkeit, 2000 Meter unter den Meeresspiegel zu tauchen.



Über einen leicht Bathyskaph-förmigen, sprich leicht bombierten Schliff verfügt das 3,4 Millimeter dicke Saphirglas. Dieser Grad an Belastbarkeit verlangte natürlich nach einem ausgeklügelten Dichtsystem. Die bei Temperaturschwankungen zwangsläufig auftretende Ausdehnung oder Schrumpfung der Schale fängt ein alterungsbeständiger Metalldruckring weitgehend auf. Auf diese Weise ist die Verbindung zwischen Glas und Gehäuse dauerhaft dicht. Das mit Rast- und Zahnring ausgestattete Verstellsystem der Drehlünette schließt ungewolltes Verändern zuverlässig aus. Bleibt die Schraubkrone. Mit Hilfe von drei Drucksperren hält sie das zerstörerische Wasser vom empfindlichen Uhrwerk fern.


Nur 34 Millimeter groß und damit logischer Weise auch deutlich leichter präsentierte sich ebenfalls 1984 die kleinere Schwester. Bis auf die Tatsache, dass ihre Wasserdichte nur bis zu 50 Bar Druck reicht, umgerechnet also etwa 500 Meter Tauchtiefe, verfügt die Ocean 500 über das gleiche Leistungsspektrum professioneller Taucheruhren. Allerdings lässt sich das Titan-Gliederband der entweder in Titan pur oder Titan mit Gelbgold erhältlichen Referenzen 3502, 3503 und 3523 nicht gegen ein Nylonband austauschen.


Tickende Innenleben
Apropos Uhrwerk: Sowohl bei der militärischen als auch der zivilen Porsche Design Ocean verwendete IWC als Basis das 3,6 Millimeter flache Eta 2892 mit beidseitig wirkendem Rotoraufzug, vier Hertz Unruhfrequenz und 42 Stunden Gangautonomie. In jedem Fall gehörte bei der Schaffhauser Manufaktur eine gründliche Überarbeitung und Optimierung der Fremdkaliber zu den Selbstverständlichkeiten. In diesem Sinne mussten sich alle diese Uhrwerke einer kompletten Remontage unterziehen. Dabei ersetzte die IWC wichtige Komponenten vom Gangregler bis hin zur Zugfeder durch Höherwertiges.
Auch beim Rotor erfolgte ein Austausch durch Exemplare, welche den strengeren eigenen Spezifikationen entsprachen. Zum Beispiel bestanden die winzigen Kugeln des Kugellagers aus künstlichem Rubin. Diese Maßnahme sollte die Lagerreibung reduzieren und einen effizienteren Selbstaufzug gewährleisten. Anfangs besaß der tickende Mikrokosmos eine vergoldete Oberfläche. Auf das Kaliber 375 (Basis Eta 2872), von dem IWC insgesamt 9.940 Exemplare fertigte, folgte das vom Eta 2892-A2 abgeleitete 37521. Die Werke mit Kugellagerrotor besaßen 21 funktionale Steine, jene mit Rubinlager der Schwingmasse deren 22.

Hinsichtlich der Regulierung legte IWC übrigens strenge Maßstäbe an. Nach dem Einregulieren gemäß COSC-Kriterien wanderten ausnahmslos alle IWC-Automatikwerke drei Wochen lang auf einen Trage-Simulator. Auf diese Weise konnten die rotierenden Teile hinreichend lange einlaufen. Nach dem Einschalen der Werke folgte der Praxistest.
Zunächst erfolgte ein Vergleich der Gangresultate mit den detailliert festgeschriebenen Grenzwerten. Danach wollten die Uhrmacher wissen, ob die kaliberspezifische Gangautonomie auch tatsächlich eingehalten wird, ob das Gehäuse hinreichend wasserdicht ist und die vorgegebenen Gangtoleranzen in keiner Situation unter- oder überschritten werden. Unzulässige Abweichungen führten zu Nachbesserungen. Weil Ausnahmen die Regel bestätigen, kam, wie schon erwähnt, in den Kampfschwimmer-Referenzen ein vergleichsweise einfaches Eta-Quarzwerk zum Einsatz,

Band-Geometrien
Übergangslos ans runde Gehäuse, bei dem die Krone aus Gründen der Sicherheit und des Tragekomforts ganz bewusst bei „4“ angeordnet ist, schließt sich das Titan-Gliederband mit Sicherheits-Faltschließe an. Anfangs hielt die Glieder des Armbands ein Federsteg mit einem Drücker zusammen. Erkennbar ist die erste Generation innenseitig an einer Wellenlinie. Auf der Armbandinnenseite ist dieses Band anhand der Wellenlinie der Glieder zu erkennen. Zum Kürzen oder Verlängern stand ein Spezialwerkzeug zur Verfügung. Starke mechanische Belastung bewirkte einen Verschleiß, der sich in lockeren oder schlimmstenfalls sogar auseinanderfallenden Gliedern äußerte.
Die schnell ausgemachten Probleme führten zur sogenannten Bandgeometrie 2, bei der die Titanglieder mit zwei Stiften gesichert sind. Die Wellenform mutierte zu einer rechteckigen Gestalt. Nachdem auch diese Lösung nicht wirklich zufriedenstellend war, entstand die Bandgeometrie 3 mit seitlich eingeschobenen und deutlich erkennbaren Verbindungsstiften. Diese beseitigten alle vorherigen Probleme. Mithilfe speziell entwickelter Werkzeuge lassen sich die exakt fünf Millimeter breiten Bandglieder problemlos entfernen oder einsetzen.

Für Tauchgänge entwickelte Porsche Design ein leicht auswechselbares Spezial-Armband aus reißfestem Nylon. Dank äußerst leicht handhabbarem Klettverschluss kann man die Länge bei steigendem Druck unter Wasser rasch an den Umfang des Handgelenks anpassen.


Sammlerwert
Heutzutage zahlen Sammlerinnen und Sammler übrigens deutlich mehr als die verschiedenen IWC Porsche Design Ocean Modelle einst kosteten. 1987 lag der Publikumspreis für die Ocean 2000 bei 4.100 Mark. 3.200 Mark verlangten Fachhändler für die Ocean 500 in Titan und 3.950 Mark für die mit Gold angereicherte Variante. Deutlich höher werden die BUND-NATO-Versionen gehandelt. Daher versuchen sich unlautere Zeit-Genossen darin, zivile Modelle durch kriminelle Nacharbeiten in vermeintlich militärische Zeitmesser umzuwandeln. Folglich ist Vorsicht beim Kauf geboten.


Nachdem die Rechte am Outfit weiterhin bei Porsche Design liegen, könnte es durchaus sein, dass diese Ikone irgendwann zurückfindet in die Kollektion. Porsche Design Timepieces ist bestens gerüstet für ein Comeback. Weil die Fertigungskapazitäten in Solothurn an ihre Grenzen stießen, brauchte es zwingend größere Räumlichkeiten. Wie der Zufall so will, stand in Grenchen das Gebäude der Uhrenmanufaktur Eterna, welche von 1995 bis 2011 der F. A. Porsche Beteiligungen gehörte, zum Verkauf. Diese Gelegenheit ließ sich Porsche Design im Jahr 2024 natürlich nicht entgehen.

Derzeit erfährt das markante Bauwerk gegenüber dem Grenchener Hauptbahnhof eine gründliche Sanierung und Renovierung. Wenn es im Laufe des kommenden Jahres in neuem Glanz erstrahlt, werden dort die Zeitmesser mit der Signatur Porsche Design unter der Ägide des Produktionschefs Rolf Bergmann und seinem Team mit gewohnter Akribie und Sorgfalt entstehen. Vielleicht eben irgendwann auch eine neu aufgelegte Ocean Taucheruhr. Natürlich wird der Uhrenkosmos zu gegebener Zeit ausführlich berichten.








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