CEO im Interview

Guido Terreni über Parmigiani Fleurier 2025: Werte, Wachstum und „Private Luxury“ unter dem Dach von Sandoz

Guido Terreni beschreibt 2025 bei Parmigiani Fleurier als turbulentes Jahr: Es geht strikt um Identität, Beständigkeit und „Private Luxury“. Im Interview verrät der CEO, wie man Gerüchte ausblendet und auf externe Schocks wie US-Zölle reagiert. Das Exklusiv-Interview von Uhrenkosmos.

von | 02.01.2026

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Januar: Der Start in ein unruhiges Jahr

Lieber Guido, nach den Corona-Rekordjahren war 2024 bereits kein leichtes Jahr: Europa in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, China mit schwachem Binnenmarkt und Amerika unter einem politisch unberechenbaren Donald Trump. Wenn Sie sich zurückerinnern: Mit welchen konkreten Zielen sind Sie im Januar in dieses turbulente Jahr 2025 gestartet?

Guido Terreni: In einem Jahr, das von starken Turbulenzen geprägt ist, ist es umso wichtiger, den Kompass der eigenen Werte klar auszurichten. Wirtschaftliche Schwierigkeiten eines Quartals oder sogar eines ganzen Jahres verblassen mit der Zeit. Was jedoch nach fünf oder zehn Jahren bleibt, ist die Frage, ob eine Maison sich selbst treu geblieben ist.

Mit genau dieser Haltung sind wir bei Parmigiani Fleurier in das Jahr 2025 gestartet: fokussiert auf das, was unsere Identität ausmacht, auf unsere Art, Zeit auszudrücken, und auf die aufrichtige Beziehung zu unseren Kunden. In einem unsicheren Umfeld sind Beständigkeit, Kohärenz und die Glaubwürdigkeit eines Projekts für mich die einzigen wirklich dauerhaften Orientierungspunkte.

Parmigiani Fleurier Tonda PF Micro Rotor groß

Mit der Tonda PF mit Micro Rotor begann der Relaunch der Marke Parmigiani Fleurier.

Februar: Die Unabhängigkeit auf dem Prüfstand

Im Februar kochten die Spekulationen über die Zukunft der Sandoz-Stiftung und einen möglichen Verkauf von Parmigiani hoch – oft fiel dabei der Name LVMH. Wie schwierig war es für Sie als CEO, das Team und die Partner trotz dieses medialen Lärms fokussiert zu halten und die Unabhängigkeit zu verteidigen?

Guido Terreni: Spekulationen über die Zukunft von Parmigiani Fleurier gehören zu einem wiederkehrenden Grundrauschen, mit dem wir uns über mehrere Jahre hinweg auseinandersetzen mussten. Unsere größte Sorge galt dabei nie den Gerüchten selbst, sondern ihren möglichen Auswirkungen auf unsere Teams sowie auf das Vertrauen unserer Kunden und Partner. Unser Umgang damit war stets einfach und klar: Wir konzentrierten uns auf unsere Mission und auf die Realität der täglichen Arbeit. Die Maison mit Klarheit weiterzuentwickeln, kohärente Kreationen zu liefern und einen transparenten Dialog mit unserem Netzwerk zu pflegen, stand im Mittelpunkt.

In diesem Zusammenhang hat die Familien-Stiftung Sandoz ihr Engagement erneut bekräftigt: Parmigiani Fleurier bleibt unter ihrem Dach. Diese Kontinuität schafft eine essenzielle Stabilität und ermöglicht es der Maison, ihr Wachstum ungestört im Rahmen des eingeschlagenen Projekts fortzusetzen.

Parmigiani Fleurier ist Teil der Sandoz Stiftung

Parmigiani Fleurier ist wie Vaucher Manufacture Fleurier Teil der Sandoz Stiftung.

März: Die Strategie vor dem großen Marktplatz

Guido, im Vorfeld der weltweit größten Uhrenmesse Watches and Wonders werden nicht nur die Neuheiten fertiggestellt, sondern stets auch Strategien nachjustiert. Wo sehen Sie Parmigiani heute im direkten Wettbewerbsumfeld – ist Quiet Luxury eine Nische oder ein großer weltweiter Trend, den Sie nur früh genug gesehen haben?

Guido Terreni: Die Watches and Wonders ist in erster Linie der institutionelle Höhepunkt der Uhrmacherkunst – der Moment, in dem die Maisons die Möglichkeit haben, sich mit maximaler Wirkung zu präsentieren. Dabei geht es nicht um eine strategische Veränderung, sondern vielmehr darum, die Markenerzählung zu schärfen – eine Erzählung, die direkt mit den eigenen Werten verbunden ist.

Diese Werte ändern sich nicht. „Private Luxury“ ist kein Trend, er existiert schon immer. Er unterscheidet sich grundlegend vom „Quiet Luxury“, der eher ein konjunkturelles Phänomen darstellt.

Heute erleben wir eine tiefgreifende Transformation des Luxus, besonders des High-End-Luxus. Kunden interessieren sich zunehmend für das „Warum“: für Wissen, das Verständnis der handwerklichen Geste und für die Qualität der menschlichen Beziehung zu den Maisons.

Genau diese Entwicklung hat Parmigiani Fleurier mit seinem Repositionierungsprozess antizipiert. Wir haben bewusst einen Luxus gewählt, der auf Sinn, Kultur und Beziehung basiert – und beobachten heute, dass viele Maisons diesem Ansatz folgen.

Am Handgelenk - die Rosé-Gold Version der Parmigiani Fleurier Tonda PF Sport Chronograph Rosegold Sandstone

Dezenter Quiet luxury am Handgelenk - die Rosé-Gold Version der Parmigiani Fleurier Tonda PF Sport Chronograph Rosegold Sandstone.

April: Der Härtetest in Genf

Im April folgte mit der Watches & Wonders der wichtigste Termin des Jahres. Parmigiani hatte einen starken Auftritt, insbesondere die neue Toric mit ihrem besonderen Zifferblatt erntete viel Lob. Wie zufrieden sind Sie heute, sieben Monate später, mit den tatsächlichen Abverkäufen? Kann die Toric bereits an die Erfolge der Tonda PF anknüpfen?

Guido Terreni: Watches and Wonders 2025 war eine überaus gelungene Veranstaltung. Die vorgestellten Neuheiten wurden von Kennern, Presse und unseren Partnern gleichermaßen geschätzt.

Die Toric Morning Blue aus Platin mit ewigem Kalender zog selbstverständlich besondere Aufmerksamkeit auf sich. Sie war schnell ausgebucht, bei einer sehr hohen Nachfrage, was das große Interesse an diesem Zeitmesser und an der Entwicklung der gesamten Kollektion bestätigt.

Doch die Messe beschränkte sich nicht auf ein einzelnes Modell. Ebenso wichtig war die Gesamtdarstellung der Marke. Das Publikum erkannte unsere unverwechselbare und anspruchsvolle Farbpalette, die über die Jahre entwickelt wurde und sich durch mehrere Kollektionen zieht – etwa bei der Tonda PF GMT Rattrapante Verzasca.
Für Überraschung sorgte zudem die Tonda PF Sport in Ultra-Cermet, ein unerwartetes Material, das große Begeisterung hervorrief.

Ich würde sagen, diese Edition war ein vielstimmiger Beweis für die Fähigkeit von Parmigiani Fleurier, sich kohärent auszudrücken und gleichzeitig unterschiedliche Ausdrucksformen zu erkunden.

Die Toric, vor etwas mehr als einem Jahr neu lanciert, befindet sich weiterhin in einer Wachstumsphase. Die Resonanz in Genf zeigt uns, dass die Uhr richtig verstanden wird und die Kollektion nach und nach ihren festen Platz im langfristigen Entwicklungsrahmen der Maison einnimmt.

Parmigiani Fleurier CEO Guido Terreni mit Parmigiani Uhren

Parmigiani Fleurier CEO Guido Terreni setzt in der Gestaltung der Uhren auf Beständigkeit und Kohärenz.

Kunden interessieren sich zunehmend für das „Warum“.

Guido Terreni

CEO, Parmigiani Fleurier

Mai: Trump und die Zölle

Im Mai 2025 sorgte Donald Trump mit den angekündigten Sonderzöllen auf Schweizer Luxusgüter für Unruhe in der Branche. Wie haben Sie reagiert – blieben Sie gelassen? Und kann man sich gegen solche geopolitischen Überraschungen überhaupt wappnen? Außer vielleicht, künftig auch eine Tischuhr im Programm zu haben?

Guido Terreni:  Die Ankündigung erfolgte am zweiten Messetag und überraschte die gesamte Branche. Es handelt sich um externe Faktoren, die per Definition unvorhersehbar sind und denen man mit Pragmatismus begegnen muss. Wir sind die Situation mit dem Bewusstsein angegangen, dass wir nicht allein sind. In einem Geist geteilter Verantwortung haben wir eng mit unseren Partnern zusammengearbeitet.

Parmigiani Fleurier ist kein großer Konzern mit umfangreichen Lagerbeständen oder unbegrenzten Mitteln, der solche Situationen durch Vorab-Lieferungen abfedern könnte. Wir haben den Moment daher so gemeistert, wie er sich darbot – mit Transparenz. Wir legten unseren Partnern die tatsächlichen Auswirkungen der Zölle offen, inklusive des absoluten Betrags, und teilten die entstehenden Mehrkosten.
Dieser klare und verantwortungsvolle Ansatz ermöglichte es uns, die Situation ausgewogen zu bewältigen und unserer partnerschaftlichen Arbeitsweise treu zu bleiben.

Donald Trump Treffen mit Schweizer Handelsdelegation - mit Johann Rupert, Präsident Richemont, Rolex-CEO Jean-Frédéric Dufour und Alfred Gantner, Partners Group Breitling

Es dauerte einige Monate und benötigte einer massiven Intervention - unter anderem von Rolex und Richemont - um Donald Trump zu einer Reduktion auf "nur" 15% zu bewegen.

Juni: Der Zweitmarkt als Indikator

Lassen Sie uns über den wichtigen Sekundärmarkt sprechen. Parmigiani Fleurier kann sich im Sekundärmarkt mit seinen neuen Modellen gut behaupten. Wie wichtig sind inzwischen Uhren-Auktionen für die Wahrnehmung von Parmigiani Fleurier? Verfolgen Sie hier eine aktive Strategie, um mit Auktionshäusern und Sammlern die Wertstabilität und das historische Erbe der Marke zu pflegen?

Guido Terreni: Der Sekundärmarkt umfasst in Wahrheit zwei unterschiedliche Bereiche. Zum einen die Auktionen, die eine wichtige Rolle bei der Neubewertung der frühen Kreationen der Maison gespielt haben. Nach dem Relaunch von Parmigiani Fleurier wandten sich zahlreiche Sammler den Gründungsstücken zu, also der ersten Toric, der Ionica und den großen Komplikationen der frühen 2000er Jahre – und diese Modelle erfuhren eine deutliche Wertsteigerung. Dies spiegelt das erneuerte Interesse am uhrmacherischen Erbe der Marke wider.

Zum anderen muss der Sekundärmarkt aktueller Produkte unbedingt mit dem Sell-out unserer Handelspartner in Einklang stehen. Um dieses Gleichgewicht zu gewährleisten, haben wir vor zwei Jahren eine digitale Garantie eingeführt, die es uns ermöglicht, die tatsächlichen Verkäufe in den Boutiquen in Echtzeit zu verfolgen. Grundsätzlich liefern wir keinen neuen Zeitmesser aus, solange das vorherige Modell nicht verkauft ist – Doppelbestände in den Geschäften gibt es nicht.

Aus unserer Sicht ist dies der einzige gesunde Weg, um Angebot und Nachfrage in Einklang zu halten, unsere Partner zu schützen und den langfristigen Wert unserer Kreationen zu bewahren

Phillips Auktion mit Aurel Bacs

Die Auktionsergebnisse korrespondieren mit der Bewertung der Marke im Primärmarkt.

Der Sekundärmarkt aktueller Produkte muss unbedingt mit dem Sell-out unserer Handelspartner in Einklang stehen.

Guido Terreni

CEO, Parmigiani Fleurier

Juli: Trendforschung in der Sommerpause

Lieber Guido, der Juli mit seinen Uhrmacherferien ist auch eine Zeit der Reflexion und Sie sind nah am Puls der Zeit: Was kommt nach Keramik, bunten Zifferblättern und Titan auf der Watches and Wonders 2026? Und geht der Trend zu noch kleineren Durchmessern weiter? Es gab ja Zeiten, da waren 34 mm bei Herrenuhren Standard.

Guido Terreni: Was ich an der Sommerzeit besonders schätze, ist die Möglichkeit, Abstand zu gewinnen. Im Urlaub beobachtet man Uhren am Handgelenk in einem entspannten, nicht-professionellen Umfeld. Das ist oft sehr inspirierend, denn unsere Leidenschaft für die Uhrmacherkunst zeigt sich dann auf besonders natürliche Weise.

Bei Parmigiani Fleurier arbeiten wir nicht nach saisonalen Trends. Wir versuchen, grundlegende Strömungen frühzeitig zu erkennen, sie schrittweise in die Sprache der Maison zu integrieren und langfristig zu kultivieren. Dies ist ein kontinuierlicher Prozess, gelegentlich bereichert durch bewusst gesetzte Überraschungen.

Die Rückkehr zu moderateren Gehäusegrößen ist teilweise vom Vintage-Einfluss geprägt, der eine Idee von uhrmacherischer Kultur und selbstbewusster Raffinesse vermittelt. Im zeitgenössischen Gebrauch liegen zentrale Durchmesser jedoch meist zwischen 38 und 41 mm. Entscheidend sind weniger die Zahlen, sondern vielmehr der Tragekomfort und die Wirkung der Uhr am Handgelenk.

Die Parmigiani Fleurier Toric etwa bietet eine Zifferblattöffnung von 39 mm bei einem Gehäusedurchmesser von 40,6 mm. Solche feinen Unterschiede sind weit bedeutsamer als das Streben nach extremen Größen – ob sehr klein oder sehr groß. Letztlich bleibt der persönliche Geschmack entscheidend – und genau das ist auch die Freiheit des Trägers.

Parmigiani Fleurier Toric QP Goldenhour

Parmigiani Fleurier Toric Quantieme Perpetuel

August: Expansion in Japan

Im August 2025 eröffnete Parmigiani eine Boutique an der berühmten Chuo-dori in Ginza. Ist Japan mit seinen detailverliebten, technikaffinen Kunden der ideale Markt der Zukunft für Ihre Marke? Oder bleiben die USA das Land, mit dessen Ergebnis das Jahresergebnis steht und fällt?

Guido Terreni: Die Eröffnung in Ginza war für die Maison ein bedeutender Moment, gerade weil sie eine Ausnahme darstellt. Sie ermöglicht es uns, an einer der ikonischsten Luxusadressen der Welt unsere Kreationen unter außergewöhnlich hochwertigen Bedingungen zu präsentieren. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Monobrand-Expansionsstrategie. Parmigiani Fleurier bleibt einem Multibrand-Vertriebsmodell treu, und diese Eröffnung war eine Chance, die wir bewusst ergriffen haben.

Wichtiger als die geografischen Märkte sind für uns die Werte unserer Kunden. Der Private-Luxury-Kunde – kultiviert, unaufdringlich, sensibel für eine verfeinerte Eleganz – findet sich überall auf der Welt: im Nahen Osten, in China, Japan, Europa oder den USA.
Besonders faszinierend ist es, wenn diese Sammler bei exklusiven Dinners aufeinandertreffen und man feststellen kann, wie eng ihre Sensibilitäten und ihr Verständnis von Luxus übereinstimmen – weit über nationale Grenzen hinaus.

Parmigiani Fleurier Flagshipstore in Ginza

Parmigiani Fleurier Flagshipstore in Ginza

September: Kommunikation abseits der Messe

Im kommenden Jahr wird die Watches & Wonders mit Audemars Piguet und weiteren Marken noch hektischer. Obwohl es bei den Geneva Watch Days im September entspannter zugeht, wächst auch hier die Zahl der teilnehmenden Marken. Wie verschafft sich Parmigiani noch mehr Gehör? Womöglich braucht es nicht gleich ein eigenes Hotel wie AP oder einen Bauernhof wie Jaeger-LeCoultre – trotzdem wird die Frage der spezifischen Kundenkommunikation für alle wichtiger denn je. Was plant Parmigiani, um Kunden noch mehr an sich zu binden?

Guido Terreni: Dass Watches & Wonders im kommenden Jahr mehr Marken aufnehmen wird, sehe ich als positive Entwicklung. Es ist der Moment, in dem die Uhrenbranche mit einer Stimme spricht – eine Art „Radio Watches“, das sich mit seinen Kunden synchronisiert. Es ist wichtig, dass dieses Treffen ein choraler Moment für den gesamten Sektor bleibt.

Natürlich gilt: Je mehr Marken teilnehmen, desto weniger Zeit und Aufmerksamkeit steht jeder einzelnen zur Verfügung – sowohl für Journalisten als auch für Besucher. Das macht die Aufgabe anspruchsvoller und meritokratischer. Journalisten und Kunden müssen Prioritäten setzen, denn in einer Woche lässt sich nicht alles sehen. Umso mehr liegt es an uns, noch relevanter und interessanter zu sein, um die Menschen zu motivieren, zu uns zu kommen.

Die anderen Momente im Jahr richten sich nach dem Rhythmus der Produktneuheiten und den Ressourcen der Marken. Wir hingegen haben uns entschieden, unsere Kräfte auf diesen institutionellen Höhepunkt – Watches & Wonders – zu konzentrieren.
Im Jahr 2025 haben wir ausnahmsweise auch an der Dubai Watch Week teilgenommen, einem weiteren hochkarätigen Event, das für Parmigiani Fleurier als stark wachsende Region besonders wichtig ist.

Dubai Watch Week 2026

Auch 2026 wird die Dubai Watch Week für viele Luxus-Uhrenmarken ein Fixpunkt in ihrer Jahresplanung sein.

Oktober: Begehrlichkeit vs. Verfügbarkeit

Im Oktober beginnt der Endspurt für das Weihnachtsgeschäft. Ein Dauerthema 2025 war die Balance zwischen Exklusivität und Verfügbarkeit. Wie sieht die aktuelle Wartezeit für eine Tonda PF oder Toric aus und wie schaffen Sie den Spagat zwischen Begehrlichkeit und Verfügbarkeit?

Guido Terreni: Bei Parmigiani Fleurier wird Begehrlichkeit niemals künstlich erzeugt. Sie ist das Ergebnis einer konsequenten Kreativität und von Werten, die über die Zeit hinweg geachtet werden. Seltenheit ist keine Strategie an sich, sondern organisch in der Marke verankert.
Heute schließen wir noch die Lieferung einiger Modelle ab, für die sich Kunden bereits direkt nach dem Ende von Watches and Wonders auf Wartelisten eingetragen hatten. Einige Modelle, wie die Tonda PF Sport aus Cermet, erlebten sogar eine höhere Nachfrage als erwartet, verbunden mit Verzögerungen aufgrund der Beschaffung eines kritischen Bauteils – in diesem Fall des Gehäuses.

Dies sind jedoch Einzelfälle, die jede Kreation für sich betreffen. Unsere Philosophie bleibt unverändert: Wir dienen unseren Kunden und machen unsere Uhren in angemessener Weise zugänglich – entsprechend der tatsächlichen Nachfrage. Diese Nachfrage kommt von anspruchsvollen Kennern, die die authentische Seltenheit von Parmigiani Fleurier zu schätzen wissen.

Parmigiani Fleurier Tonda Sport Cermet London Grey

Das Modell Parmigiani Fleurier Tonda Sport Cermet London Grey

November: Konzernpolitik und Schwesterfirmen

Im November 2025 ließ die Beteiligung von LVMH an La Joux-Perret aufhorchen. Sie haben das Glück, mit Vaucher Manufacture Fleurier eine technisch herausragende Schwesterfirma zu haben, die aber auch Wettbewerber beliefert. Stört Sie das manchmal – oder genießt Parmigiani eine Vorzugsbehandlung?

Guido Terreni: Die Vaucher Manufacture Fleurier entstand vor über zwanzig Jahren als Spin-off von Parmigiani Fleurier. Ursprünglich wurden die Uhrwerke ausschließlich für die Maison entwickelt. Schon früh zeigte sich jedoch, dass Parmigiani Fleurier allein nicht über die industrielle Kapazität verfügte, um dieses handwerkliche Know-how langfristig zu schützen und lebendig zu halten.

Daher haben wir dieses Fachwissen auch anderen Haute-Horlogerie-Marken zugänglich gemacht und ihnen den Zugang zu diesem hohen mechanischen Niveau eröffnet. Es handelt sich um eine Partnerschaft auf höchstem Niveau, bei der die Qualität der Uhrwerke und die Weitergabe von Kompetenz im Zentrum stehen.
Dass andere Marken dieses Know-how nutzen, schwächt nicht – im Gegenteil. Es trägt dazu bei, diese Fähigkeiten zu sichern, lebendig zu halten und dauerhaft im Uhrmacher-Ökosystem zu verankern, in dem Parmigiani Fleurier einer der Gründungsakteure ist.

Vaucher Manufaktur Fleurier

Vaucher Manufaktur Fleurier

Dezember: Der Jahrestag

Im Dezember feiert Michel Parmigiani seinen 75. Geburtstag. Sie ehren ihn nicht nur mit einer technisch eindrucksvollen Jubiläumsuhr (wir haben sie auf Uhrenkosmos vorgestellt), sondern sehen diesen Meilenstein auch stets als Ansporn für die technische Weiterentwicklung der Marke. Wenn Sie den Blick nach vorne richten: Worauf können wir uns im Jahr 2026 einstellen?

Guido Terreni: Der 75. Geburtstag von Michel Parmigiani ist ein zutiefst symbolischer Moment, denn er ehrt einen Uhrmachermeister von seltener Sensibilität, mit intuitivem Verständnis für Mechanik und einem absoluten Respekt vor formaler Reinheit – eine Zeitvorstellung, die eher Kontinuität als Bruch bedeutet.

Zur Feier dieses Meilensteins haben wir gerade „La Ravenale“ vorgestellt, eine außergewöhnliche Taschenuhr. Es handelt sich dabei nicht nur um einen Zeitmesser, sondern um ein wahres Kunstobjekt der Uhrmacherkunst: Die Uhr vereint ein Minutenrepetitionswerk aus den 1920er-Jahren, das von unseren Ateliers restauriert wurde, mit einem fein gravierten 18-Karat-Weißgoldgehäuse, verziert mit seltener Marketerie aus Opal und Jade, die von unseren Kunsthandwerkern gefertigt wurde.

Ihr Design, inspiriert vom tropischen Ravenala-Baum, folgt harmonischen Proportionen und verkörpert die intime Verbindung von Natur, Kunst und Mechanik. „La Ravenale“ spiegelt unsere Vision für die Zukunft wider: Haute Horlogerie, in der Innovation, Tradition und Emotion in perfektem Einklang stehen. Sie zeigt unsere Fähigkeit, Erbe zu restaurieren und zu bewahren und zugleich einzigartige Stücke zu schaffen, die den Geist von Parmigiani Fleurier tragen.
Für 2026 bitte ich noch um ein wenig Geduld.

Lieber Guido, vielen Dank für das interessante Gespräch und wir sind gespannt, was Genf an Neuheiten bringt. 

Guido Terreni und Michel Parmigiani

Parmigiani CEO Guido Terreni und Gründer Michel Parmigiani

Parmigiani Fleurier La Ravenale 2025

Die Taschenuhr Parmigiani Fleurier La Ravenale von 2025 ist ein Einzelstück zu Ehren des 75. Geburtstags von Michel Parmigiani.

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