Fundamentales rund um die Armbanduhr
Die Rolex Meilensteine 1952 bis 1955 prägen die Marke bis heute. Legten sie doch den Grundstein zu Modellen und Innovationen, welche die Geschichte moderner Armbanduhren bis heute prägen. Aus einem simplen Wassertropfen entstand die praktische Rolex Zyklop-Lupe als geniale Lösung für die bessere Ablesbarkeit des Fensterdatums.

Parallel dazu bewährten sich Rolex-Uhren unter Extrembedingungen: bei Hochgebirgsexpeditionen, in der Tiefsee und in strengsten Chronometerprüfungen. Die Rolex Explorer übersetzte die Erfahrungen aus dem Himalaya in ein bis heute weitgehend unverändertes, funktionales Design.
Mit der Rolex Submariner definierte Rolex 1953 die professionelle Taucheruhr und schuf damit einen Archetyp, der in sich Präzision, Robustheit und Zuverlässigkeit vereint.

Die raren Rolex Kew-A Observatory-Chronometer belegten eindrucksvoll den Anspruch auf höchste Ganggenauigkeit jenseits gängiger Standards. Und mit der Rolex GMT-Master reagierte Rolex auf die Anforderungen der internationalen Luftfahrt. Entstanden ist eine Armbanduhr mit Zeitzonen-Dispositiv, geboren den Anforderungen des globalen Reisens.

Fünf weitere Rolex-Meilensteine demonstrieren, wie visionäres Denken, technische Innovation und reale Nutzung tickende Ikonen formten, deren Prinzipien bis heute Bestand haben.

1952: Rolex Zyklop-Lupe
Die kleine Lupe über dem Datumsfenster verwenden heute zahlreiche Uhrenmarken. Ihr Ursprung liegt jedoch weniger in Marketing als im Alltag. Betty Wilsdorf-Mettler, die zweite Ehefrau des Rolex-Gründers Hans Wilsdorf sah nicht sonderlich gut. Daher berichtete sie ihrem Mann über Probleme, das Datum ihrer Rolex Datejust ohne Brille lesen zu können.

Der entscheidende Impuls kam vermutlich in den späten 1940er-Jahren eher zufällig. Als Hans Wilsdorf im Bad seiner Morgentoilette nachging, spritzte ein Wassertropfen genau über dem Datumsfenster auf das Glas seiner eigenen Datejust. Der solcherart entstehende Lupeneffekt löste ein Aha-Erlebnis aus. Auf Geheiß ihres Chefs klebten Techniker eine kleine Vergrößerungslinse aufs Uhrglas. Die Geburtsstunde der sogenannten Zyklop-Lupe hatte geschlagen.

Eine genaue Dokumentation, wann Rolex entsprechend ausgestattete Datejust-Modelle fertigte, gibt es nicht. Vermutlich war es bereits 1949. Sicher ist jedoch, dass Montres Rolex S.A. die Erfindung am 1. Mai 1952 zum Patent anmeldete. Die entsprechende Schweizer Urkunde mit der Nummer CH 298953 trägt das Datum 31. Mai 1954. Am 2. August 1954 erfolgte die Publikation. Beim Pièce d’horlogerie à calendrier erfolgte kein Schutz der digitalen Datumsindikation, sondern die technische Besonderheit des Uhrglases. Eine linsenartige Verdickung direkt über dem Datumsfenster bewirkt eine Vergrößerung der im Zifferblattausschnitt dargestellten Ziffern und Zahlen.

In diesem Sinne benennt die Patentbeschreibung auch klar das Problem: Die schlechte Ablesbarkeit kleiner Datumsziffern. Die entsprechende die Lösung ist ebenfalls zu lesen: Eine fest integrierte Lupe im Uhrglas, vorzugsweise ausgeführt in einem Stück ohne zusätzliche bewegliche Teile oder Eingriffe ins Uhrwerk. Dieses Grundlagenpatent der Zyklop-Lupe prägte die Geschichte der Rolex-Armbanduhren mit Fensterdatum ganz erheblich. Obwohl der Schutz längst abgelaufen ist, blieb das Prinzip unverändert: Auch moderne Saphirgläser folgen technisch noch immer derselben Idee, die einst aus einem simplen Wassertropfen entstand. Sie besitzen eine aufgeklebte Lupe.


1953: Rolex Oyster Perpetual Explorer
Zwischen 1933 und 1955 stattete Rolex insgesamt 17 Hochgebirgsexpeditionen mit Uhren aus. Auch bei den Everest-Expeditionen der frühen 1950er-Jahre kamen Vorserienmodelle zum Einsatz. Zwar trugen Edmund Hillary und Tenzing Norgay 1953 bei ihrer Erstbesteigung des Mount Everest aus patriotischen Gründen britische Smiths-Uhren, doch hatten Expeditionsmitglieder zuvor schon Rolex-Prototypen unter widrigen Bedingungen ausgiebig getestet.

Deren Ganggenauigkeit, Zuverlässigkeit und Robustheit fanden großes Lob. Nach gründlicher Analyse der zurückgesandten Rolex Explorer Testuhren gelangten diese später in den Handel.



Die Summe umfassender Erfahrungen führte 1953 zur Rolex Explorer 6350 mit 35 mm Gehäusedurchmesser, dem Automatikkaliber A296, schwarzem Zifferblatt, deutlich wahrnehmbaren Leuchtzeigern und -indexen sowie den markanten Ziffern „3“, „6“ und „9“. Am grundlegenden Explorer-Design hat sich bis in die Gegenwart nichts geändert.


1953: Rolex Oyster Perpetual Submariner
Mit Fug und Recht kann die 1953 lancierte Rolex Submariner als Mutter aller professionellen Taucheruhren gelten. Maßgeblich geprägt wurde ihre Entwicklung durch René-Paul Jeanneret, Mitglied des Rolex-Direktoriums, passionierter Taucher und Freund des Unterwasserpioniers Jacques-Yves Cousteau.


In 132 exakt dokumentierten Tauchgängen bis 60 Meter Tiefe sowie Belastungsproben bis 120 Meter erwies sich diese Armbanduhr als außergewöhnlich robust, wasserdicht und präzise. Sie zeigte weder Korrosion noch Feuchtigkeitseintritt und widerstand selbst harten Stößen. Von der anfangs bis 10, später bis 18 Bar druckdichten Referenz 6204, ausgestattet mit dem Automatikkaliber A.260 verließen die Fabrik geschätzte 2881 Exemplare. Höchstpreise für eines davon sind heute also garantiert.


Für Unsterblichkeit sorgte James Bond 007, der die Rolex Submariner bereits 1962 in seinem ersten Film Dr. No trug.
Alles zu Uhren in James-Bond-Uhren findet sich hier im Uhrenkosmos.

1954: Kew-A-Observatory-Chronometer
Zum 40. Jubiläum des ersten Kew A-Zertifikats im Jahr 1914 brachte Rolex eine auf 24 Exemplare limitierte Oyster-Sonderserie mit kleiner Sekunde auf den Markt. Das Zifferblatt der in massivem Gelbgold ausgeführten Referenz 6210 trägt die zusätzliche Aufschrift Observatory Chronometer und Kew A Certificate. Im Gehäuseinneren tickt das speziell selektierte Handaufzugswerk vom Kaliber 700.

Für die extrem strenge die Kew-A Prüfung erfolgte eine deutlich aufwändigere Ausführung und Reglage. Vergoldete Brücken und Kloben, hochwertige olivierte Lagersteine, präzise Räderwerksbearbeitung sowie eine große Schraubenunruh in Verbindung mit einer frei schwingenden Breguetspirale. Die Zertifizierung am britische Kew Observatory gehörte zu den strengsten zivilen Genauigkeitsprüfungen und stellte die Anforderungen der Schweizer Chronometerprüfung weit in den Schatten.
Bewähren mussten sich nämlich ausnahmslos komplett fertiggestellte Zeitmesser. Die Tests dauerten deutlich länger, umfassten mehr Lagen und Temperaturwechsel, bewerteten zusätzlich Isochronismus, Langzeitstabilität und Lagekonstanz. Die zulässigen Toleranzen lagen klar unter COSC-Niveau. Daher bestanden nur wenige Zeitmesser. Dementsprechend rar waren Kew-A-Zertifikate.

1955: Rolex Oyster Perpetual GMT-Master
Mit dem Verlangen nach einer Armbanduhr, die gleichzeitig Referenz- und Ortszeit anzeigen konnte, wandte sich die renommierte Fluggesellschaft Pan American Airways 1953 an Rolex. Hans Wilsdorf entwickelte die Lösung im Pariser Hotel Ritz persönlich: Ein zusätzlicher Stundenzeiger, der sich einmal innerhalb von 24 Stunden um 360 Grad dreht und mit einer entsprechend skalierten Drehlünette korrespondiert.
Bereits 1954 war die auf dem Turn-O-Graph 6202 basierende GMT-Master entwickelt, 1955 kam sie als Referenz 6542 auf den Markt. Ein rückseitig bedrucktes Acryl-Inlay verhinderte Reflexionen im Cockpit, wurde jedoch ab 1956 durch Aluminium ersetzt. Die frühe Wasserdichtheit betrug fünf Bar, optional war ein Datumsfenster mit Lupe erhältlich. Pan Am bestellte zwei Varianten: schwarz für Piloten, weiß für Bodenpersonal.


Im Juli 1959 trug der PanAm-Pilot Charles N. Warren Jr. beim ersten Nonstop-Flug mit einem Boeing 707-120 Clipper von New York nach Moskau eine Rolex GMT-Master 6542 mit Lederband und dem zuerst verwendeten Automatikkaliber 1036. Nach diesem Sonderflug, welcher einer Annäherung der verfeindeten Staaten USA und der UdSSR dienen und die Langstreckenfähigkeit des vierstrahligen Jets unterstreichen sollte, warb Rolex in unterschiedlichen Inseraten damit, dass die Armbanduhr das Navigieren in den Lüften unterstützt hatte.


Rasch erfreute sich die GMT-Master mit den Automatikkalibern 1036, später 1065 und 1066 weltweiter Nachfrage. Zusätzliche Popularität erlangte diese Zeitzonen-Armbanduhr durch ihren Auftritt am Handgelenk von Pussy Galore im 1964 erstmals gezeigten James-Bond-Streifen Goldfinger.

Während der Weltraummission Apollo 13 trugen die amerikanischen Astronauten offiziell natürlich einen Omega Speedmaster Chronographen. Jack Swigert nahm sicherheitshalber jedoch auch seine Rolex mit, weil er ihrer Präzision und Zuverlässigkeit vertraute. Nach der Explosion an Bord des Command Module Odyssey am 13. April 1970 nutzte der Kapsel-Pilot seine persönliche Rolex GMT-Master „Pepsi“, um die Triebwerke im Mondschatten sekundengenau starten zu können. Für die pünktliche Zeit, welche das Leben der Astronauten rettete, bedankte er sich hinterher schriftlich bei René P. Jeanneret von Rolex. Ganz abgesehen davon trugen die meisten der damaligen amerikanischen Astronauten privat eine Rolex. Viele nahmen sie zu ihren gewagten Missionen aus innerer Überzeugung in der Hosentasche mit.
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