Der passionierte Herzschlag der Uhrenmarke Frédérique Constant
Alles kann man, wenn man nur will

Dreißig Jahre ist in der traditionsreichen Uhrenbranche noch kein wirkliches Alter. Aber die Uhrenmarke Frédérique Constant hat in relativ kurzer Zeit sehr viel erreicht. Zum Geburtstag gibt es das „Tourbillon Perpetual Calendar Manufaktur“ für erstaunlich kleines Geld. Sie müssen aber schnell sein.

Alles kann man, wenn man nur will

Frederique Constant Tourbillon Ewiger Kalender in Stahl mit Rotgoldbeschichtung

Wenn Peter C. Stas sagt, es muss gehen, dann meint er es ernst, sehr ernst sogar. Das zeigte sich 1988, als der promovierte Betriebswirt zusammen mit seiner Ehefrau Aletta Stas-Bax die Uhrenmarke Frédérique Constant (FC) im wahrsten Wortsinn aus dem Boden stampfte. Und das bewies der Niederländer zum 30. Geburtstag des prosperierenden Unternehmens einmal mehr. Als er mir Ende Februar 2018 in der Genfer Manufaktur sein Jubiläumsmodell unter dem Siegel der Verschwiegenheit präsentierte und dazu auch noch den Preis nannte, mochte ich es erst gar nicht glauben. Ein Tourbillon mit ewigem Kalender für weniger als 20.000 Euro. Und das Ganze dazu auch noch aus eigener Manufaktur. So etwas hat es in der Geschichte der eidgenössischen Uhrmacherei noch nicht einmal ansatzweise gegeben. Seit Ende September ist diese Armbanduhr auf dem Markt. Und Peter Stas hat in der Tat das Angekündigte und Versprochene gehalten. „Ich wollte diesen Einstiegspreis und wir haben ihn realisiert.“ Damit stellt Frédérique Constant die seit Anbeginn gepflegte Philosophie des erschwinglichen Luxus einmal mehr unter Beweis.

Zugegeben: 19.495 Euro ist eine Menge Geld. Vor allem, wenn man den Betrag nach Zahlung von Einkommensteuer und sonstigen Abgaben betrachtet. Aber für diesen Betrag gibt es auch jede Menge Mechanik. Die 2016 mangels interessierter Nachkommen an die japanische Citizen-Gruppe veräußerte Manufaktur verdankt den wirbelnden Mikrokosmos, dessen Kalenderwerk rein theoretisch bis Ende Februar 2100 keiner manuellen Korrektur bedarf, Pim Koeslag und seinem Entwicklungsteam im Hause Frédérique Constant.

Der holländische Uhrmacher gelangte durch das 2001 gestartete Manufaktur-Projekt an Bord. Hierfür hatten Peter und Aletta die Zusammenarbeit mit Spezialisten der Genfer und einer holländischen Uhrmacherschule gesucht. 2004 debütierte das Handaufzugskaliber Heart-Beat FC-910-1. Die markant in einem Zifferblattausschnitt bei „6“ rotierende Unruh weckt unverzüglich Assoziationen an ein Tourbillon.  Auf die 2005-er Mondphasen-Version FC-915 folgte 2006 eine exklusive Automatik namens FC 930.

Im gleichen Jahr 2006 wandte sich die junge Manufaktur dem Drehgang zu. Zwei Jahre später kam das „Heart Beat Tourbillon“ in limitierter Edition von 188 Stück mit Goldgehäuse für 28.800 Euro auf den Markt.

Sein Drehgestell besteht aus 81 größtenteils von Frédérique Constant selbst mit minimaler Toleranz hergestellten Bauteilen. Optimale Masseverteilung gewährleistet das „Smart Screw”-System. Außen am Käfig montiert, gestattet es perfektes Auswuchten. Der Balanceakt nimmt etwa acht Stunden in Anspruch. Uhrmacher bewältigen ihn mit Hilfe winziger, durch zwei kleine Schrauben gehaltene Metallringe. Ein ultraleichtes amagnetisches Silizium-Ankerrad bewirkt hohe Energieausbeute. In den Flachlagen Zifferblatt oben und unten besitzt das Automatikkaliber FC-980-1 eine Unruh-Amplitude von gut 300 Bogengraden. Selbst in hängender Position sind es noch mehr als 275. Summa summarum besteht das Oeuvre mit vier Hertz Unruhfrequenz aus 188 Komponenten. Kein Wort verlor Peter Stas bei der Vorstellung darüber, dass dieses Uhrwerk einen Unruhstopp besitzt. Für ihn war so etwas eine absolute Selbstverständlichkeit.

2016 wartete Frédérique Constant anlässlich der Baselworld mit einer weiteren Top-Komplikation auf. Das exklusive Automatikkaliber FC-775 trägt auf seiner Vorderseite ein immerwährendes Kalendarium mit Datums-, Wochentags-, Monats-, Schaltjahres – und Mondphasenindikation, welches die Uhrmacher aus 78 Komponenten zusammenfügen. Die Edelstahl-Variante dieser Armbanduhr schlägt mit konkurrenzlosen knapp 8.000 Euro zu Buche.

Mit Blick auf das 30-jährige Bestehen lag eine Synthese beider Komplikationen förmlich auf der Hand. Die Realisation erfolgte im 30 Millimeter großen und 6,67 Millimeter hohen Automatikkaliber FC-975.

Für die damit ausgestatteten Armbanduhren ist das Attribut „Große Komplikation“ keineswegs aus der Luft gegriffen. Das Angebot umfasst drei limitierte Editionen à jeweils 88 Stück. Zwei davon kommen mit unbeschichteten Edelstahlgehäusen. Bei der dritten trägt die ebenfalls stählerne Schale eine Roségold-Auflage. Der Unterschied zwischen den beiden puristischen Modellen besteht in der Art des Zifferblatts. Für noch nie dagewesene 19.495 Euro gibt es die Referenz FC-975MC4H6 mit geprägtem Zifferblatt. Durch ein Fenster zeigt sich der Drehgang. Das ist auch bei der goldfarbenen Variante FC-975MC4H4 der Fall. Sie schlägt mit 19.995 Euro zu Buche. Exakt 1.000 Euro mehr wird für die Edelstahl-Referenz FC-975S4H6 mit durchbrochenem Zifferblatt fällig. Wer knapp 30.000 Euro investieren möchte, bekommt eines von nur 30 Exemplaren der bereits weitgehend an den Fachhandel ausverkauften Referenz FC-975S4H9 mit massiver dreiteiligen Roségoldschale.

Ausnahmslos alle Gehäuse besitzen 42 Millimeter Durchmesser und natürluch einen Sichtboden. Bei den stählernen Versionen reicht die Wasserdichte bis fünf, beim Goldstück nur bis drei bar Wasserdruck. An allen Fällen stattet Frédérique Constant das Rotorkaliber FC-975 mit einer Siliziumhemmung (Anker und Ankerrad) aus. Die Unruh vollzieht stündlich 28.800 Halbschwingungen. Nach Vollaufzug stehen rund 38 Stunden Gangautonomie zur Verfügung.

Gemessen an den 160.000 Armbanduhren, welche Frédérique Constant im Jubiläumsjahr produzieren möchte, sind die summa summarum 294 Tourbillons mit ewigem Kalender eine Quantité Négligeable, also eine zu vernachlässigende Menge. Aber für das Prestige der jungen Manufaktur bedeutet dieses Projekt ungemein viel. Peter C. Stas erfüllt es mit großem Stolz. Sein Rückblick auf 30 Jahre Frédérique Constant ist demnächst als Interview hier im Uhrenkosmos zu lesen.

Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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  1. 30 Jahre Frédérique Constant - Peter C. Stas erinnert sich - […] wir ein wenig zurück auf 30 Jahre Frédérique Constant. Gibt es ein Highlight, das Ihnen besonders gut in Erinnerung…

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