Minutenrepetition und Repetitionsschlagwerk

Minutenrepetition: So funktioniert ein Repetitionsschlagwerk!

Im Gegensatz beispielsweise zum ewigen Kalender handelt es sich beim Repetitionsschlagwerk einer Minutenrepetition um eine dynamische Komplikation. Will heißen: Um die Zeit hörbar zu machen, müssen sich viele Komponenten nach- oder miteinander bewegen. Versagt ein Teil seinen Dienst, bleibt die Uhr stumm, oder sie schlägt nicht das, was sie eigentlich soll. Aus diesen Gründen gehören Zeitmesser mit Repetitionsschlagwerk zum Komplexesten wie Interessantesten, was die Uhrmacherei zu bieten hat.

Zeit hören heißt Zeit zählen

Uhren mit Repetitionsschlagwerk offerieren zwei ganz unterschiedliche Möglichkeiten des Wahrnehmens der kostbaren Zeit: eine optische durch konventionell rotierende Zeiger und dazu eine akustische durch das Zählen der verschiedenen Zeit-Schläge. Höchstmögliche Genauigkeit bietet hier die Minutenrepetition, welche zuerst die Zahl der Stunden mit einem tiefen Ton darstellt. Die Viertel­stunden repräsentieren Doppeltöne. Für jede der nach der letzten vollen Viertelstunde vergangenen Minuten erklingt danach noch ein hoher Ton. Um 12 Uhr 59 heißt es besonders aufgepasst. Hier erklingen anfangs zwölf tiefe Töne, dann folgen drei Doppelschläge und anschließend nochmals 14 hohe Töne. Macht summa summarum 29.

Eine Minutenrepetition in Aktion – mit Blick auf die Hämmer und das Schlagwerk

Wie alle anderen, weniger präzisen Ausprägungen klassischer Repetitionsschlagwerke verlangt auch die Minutenrepetition zunächst nach dem Spannen der unter einer zentralen Brücke gelagerten Antriebsfeder des komplexen, aus mehr als 100 Teilen bestehenden Repetiermechanismus. Die Energiezufuhr für einen Repetiervorgang geschieht durch Betätigung des Drückers oder Schiebers im Gehäuserand. Daneben löst dieser Handgriff auch den Vorgang der Zeit-Repetition aus.

Stufenscheiben, Stern, Rechen

Voraussetzung für präzises Repetieren der Zeit ist eine exakte Synchronisierung der Kadratur mit der Zeigerstellung. Zu diesem Zweck montieren die Uhrmacher die Zeiger ganz zum Schluss in Übereinstimmung mit dem, was der Repetitionsmechanismus gerade schlägt. Mit Hilfe spezieller Nockenräder reicht das Uhrwerk die Zeit an das Repetierwerk weiter. Wie der Name bereits andeutet, ist die Stundenstaffel zusammen mit dem Stundenrechen für das Schlagen der vollen Stunden zuständig. Das mit einem Stern gekoppelte schneckenförmige Gebilde mit insgesamt zwölf Stufen, welche sich über 360 Bogengrade verteilen, sitzt unter dem Zifferblatt des Uhrwerks. Alle zwölf Stunden vollzieht es eine volle Umdrehung.

Beim Auslösen des Schlagwerks touchiert ein kleiner Stift die augenblicklich zutreffende Stufe der Schnecke. Mit zunehmender Stundenzahl steigt das Treppenniveau.

Beispielsweise ist zwischen acht Uhr und acht Uhr 59 Minuten die achte Stufe an der Reihe. Nun tritt der so genannte Einfallhebel in Aktion. Er begibt sich in den zugehörigen, in diesem Fall also achten Zwischenraum einer komplex geformten Zahnstange, welche in der Fachsprache Rechen heißt. Die Kraftquelle des Schlagwerks bewegt diesen Rechen bis zum Anschlag und bewirkt ein achtmaliges Anheben der Hammerhebewelle, welche den kleinen Hammer acht Mal nacheinander gegen die tief gestimmte Tonfeder schlagen lässt.
Den Schwung liefert eine flache, genau auf den Mechanismus angestimmte Stahlfeder. Die Fallbewegung des Hammers spannt ein kleines Zusatz-Federwerk, welches diesen nach nur kurzem Anklopfen der Tonfeder wieder abhebt. Das gestattet freies, wohlklingendes Schwingen.

Staffeln und Vorfall

Die Viertelstundenstaffel sitzt auf dem Minutenrohr. Sie verfügt über drei Doppelnocken für das erste, zweite und dritte Viertel jeder Stunde. Das vierte Viertel ist logischer Weise entbehrlich, weil der Mechanismus die auf jede volle Stunde folgenden Minuten unmittelbar schlägt. Das Abtasten erfolgt nach Abschluss des Ertönens der jeweiligen Stundenzahl analog zur Stun­denstaffel. Allerdings muss das Schlagwerk zur Darstellung der Viertelstunden per Doppelschlag die beiden Hämmer kurz nacheinander anheben. Bei der nicht minder wichtigen Minutenstaffel handelt es sich um eine Art Stern. Der besitzt vier geschwungene Arme mit jeweils 14 winzigen Zähnen, rotiert gleichfalls mit dem Minutenrohr und tritt erst ganz zum Schluss in Aktion. Jeder der 14 Zähne repräsentiert eine Minute nach der vollen Stunde oder vollen Viertelstunde, dargestellt durch Anschlagen der hell gestimmten Tonfeder.

Eine wichtige Komponente hochwertiger Repetitionsmechanismen besteht im so genannten Vorfall. Dabei handelt es sich um eine kleine Platte unter der Minutenstaffel. Sie schiebt sich beim Schlagen der ersten Minute nach vorne, vergrößert die naturgemäß winzige Abtastfläche für die erste Minute und steigert so die Zuverlässigkeit.

Schlagwerks Baugruppe Minutenrepetition bei Chopard

Die Schlagwerks-Baugruppe in der Strike One mit Minutenrepetition von Chopard

Isolator und Tempomat

Der für die korrekte Funktion bedeutsame Isolator legt einen der beiden Hämmer still, während der andere seine schlagende Arbeit absolviert. Er sorgt also für eine wesentlich zuverlässigere und weniger kräftezehrende Funktion.

Weil das Wahrnehmen der Zeit mit Hilfe von Repetitionsuhren eifriges Zählen verlangt, beschränkt sich die Schlagzahl auf ungefähr eineinhalb pro Sekunde. Die akustische Dimension von 12 Uhr und 59 Minuten nimmt also 20 bis 25 Sekunden in Anspruch.

Damit die Repetitionsmechanismen nicht zu schnell ablaufen, besitzen sie einen Regler. Hochwertige Konstruktionen früherer Jahre besaßen eine kleine, allerdings vernehmbar schnarrende Ankerhemmung. Zentrifugalregler, die in vielen Repetitionsuhren unserer Tage zu finden sind, bewegen sich dagegen nahezu lautlos.

 Minutenrepetition

Spätestens jetzt sollte klar geworden sein, dass Repetitions-Armbanduhren von ihrer Klangqualität leben. Und die, hervorgerufen durch zwei Paare von Hämmern und Tonfedern, bereitet den Uhrmachern immer schon erhebliches Kopfzerbrechen. Die auf Länge und Stärke der Tonfedern abgestimmten Hämmer dürfen nur einige Sekundenbruchteile lang möglichst hart anschlagen. Damit die Schwingungen nicht gedämpft werden, haben sie anschließend sofort wieder einen gebührenden Abstand einzunehmen.

Die stählernen, ums Werk gewundenen Tonfedern müssen in Material, Länge und Durchmesser so definiert sein, dass ein harmonischer, hinreichend lauter Klang entsteht. Modernes Material und moderne Technologien führen nicht zwangsläufig zu akzeptablen Resultaten. Top-Qualität verlangt nach Tonfedern, die aus einem Stück gefertigt werden. Der Gong darf also nicht mit dem kleinen Halteblock verlötet sein. Exemplare vom Typ Kathedral sind mehr als eineinhalbfach so lang wie konventionelle. Dadurch senden sie mehr hörbare Wellen aus, nähert sich der Klang demjenigen einer Taschenuhr. Allerdings müssen die doppelt gewendelten Tonfedern extrem präzise gefertigt werden, damit sie nicht aneinanderschlagen und so das Klangerlebnis stören.

Leichte Schalen oder Gehäusematerial trägt zur Verbesserung des Klanges bei. In diesem Sinne erweisen sich Titan oder Karbon als akustisch optimaler Werkstoff. Stahl wäre ebenfalls sehr gut, wird allerdings kaum genutzt. Gold verkörpert einen akzeptablen Kompromiss. Platin mit hohem spezifischem Gewicht dämpft hingegen das Klangvolumen.  

Uhrwerk mit Minutenrepetition Komponenten unter Zifferblatt

Cartier Uhrwerk mit Minutenrepetition, Ansicht unter dem Zifferblatt

Uhrwerk mit Minutenrepetition Komponenten Rueckseite 1

Cartier: Uhrwerk mit Minutenrepetition, Komponenten auf der Rückseite

Repetition des komplexen Themas in aller Kürze:

Repetitionsschlagwerke geben die aktuelle Zeit auf Wunsch mehr oder minder genau akustisch wieder. Je nach Ausführung des Schlagwerks unterscheidet man die

Viertelstunden-Repetition oder kurz Viertelrepetition
Sie schlägt auf Anforderung die Stunden und Viertelstunden. Für jede Stunde erfolgt ein Schlag auf eine tief gestimmte Tonfeder. Die Viertelstunden werden durch Doppelschläge auf die tief und eine höher gestimmte Tonfeder dargestellt. Beim Blick auf die Rückseite eines klassischen Repetitions-Uhrwerks kann man übrigens nicht feststellen, um welchen Schlagwerkstyp es sich handelt.

Chronoswiss Armbanduhr mit Viertelstundenrepetition 2015 2

Chronoswiss Armbanduhr mit Viertelstundenrepetition, 2015. Schlagwerks-Kadratur von Dubois-Dépraz

Dubois Depraz Schlagwerks Modul Viertelrepetition

Dubois-Dépraz Schlagwerks-Modul Viertelrepetition, aktuelle Produktion zum Beispiel für Chronoswiss

Uhrwerk mit Viertelstundenrepetition unter dem Zifferblatt Uhrenkosmos

Überliefertes Uhrwerk mit Viertelstundenrepetition, Ansicht unter dem Zifferblatt

7½-Minuten oder Achtelrepetition

Diese Repetitionsart sagt neben den vollen Stunden auch die Viertel- und Achtelstunden an.
Erstere werden wiederum durch das Anschlagen einer tief gestimmten Tonfeder wiedergegeben. Für jede Viertelstunde erfolgt ein Doppelschlag. Die zusätzlich verstrichenen Achtelstunden-Intervalle repräsentieren Schläge auf eine höher gestimmte Tonfeder. Einer bedeutet, dass sich der Minutenzeiger in der ersten Hälfte der folgenden Viertelstunde (null bis 7½ Minuten) befindet. Zwei besagen, dass er die zweite Hälfte dieser Zeitspanne erreicht hat. Diese Art der Repetition wird heutzutage in Armbanduhren nicht mehr verwendet.

Fünf-Minuten-Repetition

Hiervon existieren zwei Varianten:
Diejenige, welche die volle Stunde per tiefem Ton sowie anschließend die Zahl der danach verstrichenen Fünf-Minuten-Intervalle per hohem Ton verkündet, und diejenige mit Stunden- (tiefer Ton), Viertelstunden- (tiefer und hoher Ton) sowie Fünf-Minuten-Schlag (hoher Ton).

Kelek Armband und Taschenuhr mit 5 Minuten Repetition 1984

Kelek Armband- und Taschenuhr mit 5-Minuten-Repetition, 1984. Die Taschenuhr besitzt zudem auf der Vorderseite einen Figurenautomat.

Nivrel Kelek Automatik Armbanduhr mit 5 Minuten Repetition K

Nivrel Automatik-Armbanduhr mit 5-Minuten-Repetition, hergestellt von Kelek. Kaliber Eta 2892-A2 mit Schlagwerks-Modul von Dubois-Dépraz. Das Modul ähnelt demjenigen mit Viertelstunden-Repetition

Minutenrepetition

Sie verbreitet die Stunden, Viertelstunden sowie die anschließend verstrichenen Minuten analog zur zuletzt beschriebenen Fünfminuten-Repetition.

Armin Strom Resonance MinutenrepetitionARR18 Recto

Armin Strom Resonance Minutenrepetition, Kaliber ARR18, Vorderseite

Armin Strom Resonance MinutenrepetitionARR18 Verso

Armin Strom Resonance Minutenrepetition ARR18, Rückseite

Repetition mit Carillon (Spielwerk)

Diese Repetition unterscheidet sich von den anderen dadurch, dass sie die Viertelstunden mit drei Hämmern auf drei unterschiedlich gestimmte Tonfedern schlägt. Ein Gong-Quartett gestattet die berühmte Westminster-Tonfolge.

Audemars Piguet Minutenrepetition Carillon Kaliber 2877A unter Zifferblatt

Audemars Piguet Minutenrepetition mit Carillon, Kaliber 2877A, Kadratur unter Zifferblatt

Audemars Piguet Minutenrepetition Carillon Kaliber 2877

Die Rückseite des Handaufzugskaliber 2877 mit Minutenrepetition und Carillon von Audemars Piguet

Wer nicht das durchaus beträchtliche Budget besitzt für eine aktuelle Armbanduhr mit Repetitionsschlagwerk, kann sich auf dem Markt der so genannten Mariagen umsehen. Hier haben heimatlose Uhrwerke ein neues Gehäuse erhalten, das sich am Handgelenk befestigen lässt. Sofern man mit dem Mix aus alt und neu  leben kann, bleibt das Ganze durchaus bezahlbar. Mit Geduld und etwas Glück ist Derartiges für weniger als 10.000 Euro erhältlich.

LeCoultre Mariage Minutenrepetition 43 mm Rotgold Gesicht Foto GLB

LeCoultre Mariage: altes Uhrwerk, original Zeiger, neues Zifferblatt und 43-Millimeter-Gehäuse aus Rotgold. Ein Sichtboden ist dabei Ehrensache.

LeCoultre Mariage Minutenrepetition 43 mm Rotgold Werk Foto GLB

Das 16-linige LeCoultre-Uhrwerk mit Minutenrepetition (Durchmesser 36 mm), stammt von ca. 1910. Der Hintergrund zeigt die Schlagwerks-Kadratur.

Demnächst geht es weiter mit Selbstschlags-Armbanduhren (Grande und Petite Sonnerie)

Minutenrepetition Mariage-Modell von LeCoultre

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