Basiswissen Uhren: Tourbillon

Tourbillon Modelle: Welche Tourbillon Typen und Bauweisen gibt es

Der Uhrenmarkt ist wie immer stark in Bewegung und jede Uhrenmarke sucht nach Möglichkeiten der Differenzierung. Dazu gehören auch unterschiedliche Tourbillon Modelle. Hier kommen die wichtigsten Tourbillon Typen und einige Uhrenmarken, die sich mit faszinierenden Tourbillon Konstruktionen einen Namen gemacht haben.

von | 22.04.2022

Viele große Uhrenmarken haben in den letzten Jahrzehnten hinsichtlich Konstruktion und Bauweise spannende und technisch oft ganz unterschiedliche Tourbillon Modelle entwickelt. Dank neuer Fertigungsmethoden und Werkstoffe wurden neue Bauweisen möglich und ausnehmend faszinierende attraktive Tourbillon Typen entwickelt.
Wir möchten mit Uhrenkosmos einen kleinen Überblick über die wichtigsten oder besonders markante Tourbillon-Konstruktionen geben und deren wesentliche Konstruktionsmerkmale beschreiben. Die generelle Entwicklung des Tourbillons und seiner Funktionsweise hatten wir ja bereits unter in einem weiteren, großen Tourbillon Artikel vorgestellt. Hier soll nun die Bandbreite der Tourbillon Konstruktionen aufgezeigt werden.

Tourbillon Modelle

Klassisches Tourbillon

Das wohl am weitesten verbreitete klassische Tourbillon benötigt Lager auf beiden Seiten des Käfigs. In der Regel besitzen diese konventionellen Tourbillons vorderseitig sichtbar eine Brücke oder einen Kloben. Durch die Verwendung von Saphirglas lässt sich das Lager jedoch kaschieren.

Fliegendes Tourbillon

Eine deutlich erkennbare Alternative hob Alfred Helwig aus der Taufe. Der deutsche Uhrmacher ersann die so genannte fliegende Lagerung des Drehgestells. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand debütierte diese 1922 natürlich in einer Taschenuhr. Keine vorderseitige Lagerbrücke stört hierbei den Blick auf das lagekompensierende Schauspiel.
Natürlich brauchte auch der Glashütter Meister zwei Lager. Allerdings verstecken sich bei einem fliegenden Tourbillon diese Lager auf der Unterseite des Drehgestells. Wie üblich erfolgt der Antrieb über ein auf der langen hinteren Welle des Drehgestells befestigtes Zahntrieb. Der so genannte Turm ist mit der Platine verschraubt. Bei der Montage wird zuerst die hintere Lagerplatte entfernt. Dann lässt der im Presssitz befestigte Sekundentrieb abziehen.

Sphärisches Tourbillon

Mit dem Sachverhalt der sich verändernden Lage des Tourbillons bei entsprechendem Einfluss auf die Genauigkeit bei Armbanduhren haben sich unter anderem Jaeger-LeCoultre, Girard-Perregaux oder Franck Muller auseinandergesetzt. Wegen der ständig wechselnden Ausrichtung von Armbanduhren entstanden sphärische Tourbillons mit zwei oder gar drei Drehrichtungen. Sie tragen nahezu jeder Position des Unterarms Rechnung, bedingen naturgemäß aber auch einen nicht unwesentlichen Anstieg der Bauhöhe des Uhrwerks.

Peripheres Tourbillon

Die Schweizer Uhrenschmiede von Carl F. Bucherer lässt seinen Wirbelwind zur Kompensation negativer Gravitationseinflüsse mit Hilfe peripher angeordneter Keramikkugellager rotieren. Auf diese Weise scheint das periphere Tourbillon des Automatikwerks im Kaliber T3000 zu schweben.

Geneigtes Tourbillon

Um den Anforderungen in Armbanduhren gerecht zu werden, versetzt Greubel Forsey beim geneigten Tourbillon das Drehgestell gegenüber der Platine um 30 Grad. Dieser Kunstgriff soll der Lage-Problematik effizient entgegenwirken.

Doppeltes Tourbillon

Nach dem altbewährten Prinzip, dass doppelt genäht besser hält, setzen manche Marken auf gleich zwei Tourbillons in einem Werk. Breguet zum Beispiel montiert zwei unabhängige Drehgestelle auf einer Platine, welche sich einmal in zwölf Stunden um ihre Achse dreht.

Bei Greubel-Forsey zieht im Innern eines großen Drehgestells mit ungefähr 15 Millimeter Durchmesser ein kleinerer, um 30 Grad geneigter Käfig mit dem Schwing- und Hemmungssystem seine Kreise. Doppeltourbillons mit zwei neben einander arbeitenden und per Differenzial verbundenen Käfigen offeriert beispielsweise die Uhrenmanufaktur Roger Dubuis.

Exo Tourbillon

Die Uhrmacher von Montblanc haben sich als weitere Spielarte die Tourbillon Bauweise eines exklusiven Montblanc Exo Tourbillon ganz ohne klassischen Käfig einfallen lassen. Hierbei schwingt die Unruh vor dem eigentlichen Drehgestell, weshalb ihr Durchmesser deutlich größer ausfallen kann. Als Bindeglied zwischen beidem dient allein die Unruhspirale.

30-Sekunden-Tourbillon

Dem hochangesehenen Uhrmacher und Firmengründer Michele Parmigiani war es gegeben, mit dem Parmigiani Fleurier Tourbillon eine Tourbillon Version mit doppelter Umlaufgeschwindigkeit zu entwickeln. Bei dieser Variante erhöht sich die Tourbillon Umlaufgeschwindigkeit des Modells Parmigiani Kalpa XL Tourbillon auf 30 Sekunden pro komplettem Durchlauf.

Tourbillon mit Unruhstopp

Im Jahr 2008 präsentierten A. Lange & Söhne die höchst aufwendig konstruierte, weltweit erste Armbanduhr mit einem Tourbillon mit Unruhstopp zum sekundengenauen Einstellen der Uhrzeit. Durch die Integration der Rückstell, bei A. Lange & Söhne Zero-Reset genannte Funktion, springt der Sekundenzeiger beim Ziehen der Krone auf null. So kann die Uhr trotz Tourbillons exakt eingestellt und wieder sekundengenau gestartet werden.

Tourbillon und Uhrwerk sind eins

Bei dieser besonderen Tourbillon Konstruktionsweise ging Cartier einen neuen Weg und koppelte das Uhrwerk an das Tourbillon. Damit wird das ganze Uhrwerk schlichtweg zu einem großen, kreisenden Tourbillon-Uhrwerk. Optisch beruht die Tourbillon-Uhr auf der Cartier-Idee der Mysterieuse Uhren, bei denen Zeiger und Tourbillonkäfige in der Luft zu schweben scheinen. Der Effekt entsteht über gestapelt angebrachte Saphirscheiben, die vom Federhausgetriebe angetrieben werden.
Im Falle der Cartier Rotonde de Cartier Astromysterieux befindet sich zwischen drei transparenten Saphirglasscheiben mehr oder weniger das gesamte Uhrwerk, das jede Stunde eine volle Umdrehung auf dem Zifferblatt vollführt.

Tourbillon Relatif

Bei der Piaget Konstruktion des Tourbillon Relatif rotiert das Drehgestell scheinbar losgelöst vom eigentlichen Uhrwerk an der Spitze des Minutenzeigers.

Versetztes Tourbillon oder auch aufgestelltes Tourbillon

Ein Tourbillon, das aber korrekter Weise gar keines ist, präsentierte Panerai im Kaliber P.2005. Salopp geschrieben ist diese tourbillonähnliche Konstruktion  einem Hähnchen am Grillspieß vergleichbar. Um im Sinne der Präzision die spezifischen Tragebedingungen von Uhren am Handgelenk auszugleichen, rotiert die Unruh um exakt 90 Grad versetzt in Richtung ihrer eigenen Welle.

Patek Philippe Tourbillons

So schön technisch interessierte Uhrenliebhaber vorderseitig sichtbare Tourbillons auch finden, haben diese gut sichtbaren Konstruktionen einen großen Nachteil. Dabei geht es keineswegs um Diskretion. Vielmehr wissen Uhrmacher, dass die von der Sonne ausgehende UV-Strahlung dem in mechanischen Uhrwerken extrem wichtigen Öl ungemein zusetzt. Aus diesem Grund verbaut, um nicht zu sagen versteckt, die Genfer Uhrenmanufaktur alle Patek Philippe Tourbillons traditionsgemäß im Inneren des Gehäuses und schützt den Drehgang vor einem ungewollten Trockenlaufen.

Tourbillon Bauweisen

Am Ende der Auflistung all dieser technisch komplizierten und optisch faszinierenden Tourbillons und ihrer verschiedenen Bauweisen sollte man etwas nicht ganz vergessen: Die Wirkung von Tourbillons im Sinne einer hochpräzisen Zeitmessung ist überschaubar. War zu Vorzeiten die stets in gleicher Lage getragener Taschenuhren noch ein Faktor, so hat sich dieser Einfluss in der heutigen Zeiten der Armbanduhren weitgehend erledigt. Heute sind Tourbillons aller Bauarten eher eine Kür denn die Pflicht aus Gründen der Präzision. Was sie umso begehrter macht.

Entsprechend ist abzusehen, dass Tourbillons auch in den kommenden Jahrzehnten nichts von ihrem Reiz verlieren werden. Ob das Tourbillon Modell nun klassisch, sphärisch, peripher oder ganz ohne Käfig sein soll, bleibt letztendlich der persönlichen Vorliebe der Uhrenliebhabers überlassen. Alle Uhrenliebhaber eint jedoch der Wunsch, dem faszinierenden Spiel der Technik im Messen der Zeit zu folgen.

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