Vom Triptychon zur Jaeger-LeCoultre Quadriptyque

An die 2006 vorgestellte, für 335.000 Euro wohlfeile Reverso Grande Complication à Tryptique, knüpft nun im Jahr 2021 die anlässlich des 90. Reverso-Geburtstags vorgestellte Jaeger-LeCoultre Reverso Hybris Mechanica Calibre 185 Quadriptyque an.
Bei dieser Armbanduhr handelt es sich um einen Höhepunkt der bisherigen Komplikationen-Kompetenz der Uhrenmanufaktur JLC.
Hinsichtlich der Idee und Konzeption bezieht sich diese Armbanduhr zwar an das tickende Triptychon von 2006. Erstmals in der Geschichte mechanischer Armbanduhren besitzt diese Überhöhung konstruktiven und handwerklichen Könnens allerdings vier Zifferblätter. Das hatte es bisher noch nicht gegeben.

Bei dem auf zehn Exemplare limitierte Jubiläumsmodell findet sich die vierte Anzeigefläche dem Handgelenk zugewandt ganz unten in der Bodenplatte.

Jaeger-LeCoultre Reverso Hybris 

Das komplexe Weißgold-Opus der Jaeger-LeCoultre Reverso Hybris Mechanica Calibre 185 Quadriptyque, Referenz Q7103420, misst 52 x 31 Millimeter. Gegenüber der Triptychon-Reverso zum 75. Geburtstag baut es mit 15,15 Millimeter sogar 2,75 Millimeter flacher. Insgesamt elf Zusatzfunktionen besitzt das Handaufzugskaliber 185 mit etwa 50 Stunden Gangautonomie.

Ewiger Kalender und Minutenrepetition

Zifferblatt Nummer eins, ist jenes, welches sich beim Wende-Container mit der Aufzugs- und Zeigestellkrone rechts zeigt. Hier dreht das Minutentourbillon zur Kompensation negativer Schwerkrafteinflüsse seine Kreise. Der Drehgang stellt auch die Sekunden dar. Im Zentrum rotieren Zeiger für Stunden und Minuten. Durch Fenster lassen sich Datum, Wochentag, Monat, Schaltjahreszyklus ablesen. Alle Indikationen des immerwährenden Kalendariums sind springend ausgeführt. 

Nach dem Umdrehen befindet sich die Krone links. Auch auf dieser Seite findet sich eine Zeitanzeige mit springender digitaler Stundenindikation und wandernder roter Pfeilspitze für die Minuten. Nach Betätigung des Schiebers links über der Krone setzt sich die Mechanik der Minutenrepetition in Bewegung. Die Ablaufgeschwindigkeit steuert ein lautlos agierender Fliehkraftregler.

Einen solchen Regler hat die Manufaktur schon 1895 erstmals in Schlagwerksuhren verwendet. Zu den Besonderheiten der teilweise sichtbaren Repetitions-Kadratur gehört ein fließender Übergang vom Stunden- zum  Viertelstunden- und schließlich dem Minutenschlag auf speziell geformte Tonfedern mit kantigem Profil.

Eine weitere Besonderheit ist das Trebuchet. Auf gut Deutsch heißt das nichts anderes als stottern. Bei der Quadriptyque verwendete Jaeger-LeCoultre wiederum zweiteilige und damit „stotternd“ agierende Hämmer. Der Anschlag-Mechanismus spannt eine oben liegende Spiralfeder vor. Die lässt dann den freien vorderen Teil des Hammers gegen die beiden Gongs schnellen. Das braucht weniger Energie und erhöht die Intensität des Anschlags.

Dem Mond zu Ehren

Ein ausgeklügelter Hebelmechanismus erteilt dem astronomischen Teil in der Bodenplatte regelmäßige Fortschalt-Impulse. Dem Gesicht zugewandt zeigen sich die Indikation der Mondphasen im synodischen, also exakt 29,53059 Tage dauernden Zyklus über der nördlichen Hemisphäre. 

Links unten lässt sich der drakonitische Zyklus ablesen. Darunter versteht man die Zeitpunkte, an denen sich die Mondbahn und die Umlaufbahn der Erde um die Sonne schneiden. Rechts daneben stellt die Jaeger-LeCoultre Quadriptyque den variierenden Abstand zwischen Erde und Mond, also den anomalistischen Zyklus dar. Letztgenannte Anzeigen hat sich Jaeger-LeCoultre patentieren lassen. Bleibt eine großzügige digitale Indikation des aktuellen Jahres.

Bleibt schließlich, dem Arm zugewandt, die Anzeige der Mondphasen über der südlichen Hemisphäre. Dort dreht der bleiche Erdtrabant bekanntlich in entgegengesetzter Richtung. Rein theoretisch braucht es nur alle 1.111 Jahre eine manuelle Korrektur der verschiedenen Mond-Indikationen.

Jaeger-LeCoultre Reverso Hybris Mechanica Calibre 185 Quadriptyque 

Apropos Korrekturen: Nachdem die zehn Eigentümer das mehr als 1,6 Millionen teure Oeuvre womöglich nicht permanent tragen werden, erfolgt die Lieferung der Jaeger-LeCoultre Reverso Quadriptyque in einer speziellen Box mit integriertem Mechanismus zum raschen, intuitiven und damit vergleichsweise unkomplizierten Einstellen und Korrigieren, wenn die Anzeigen nach längerem Liegen aus dem Takt geraten sind.

Jaeger-LeCoultre Reverso Tribute

Wer gerade keine 1,6 Millionen Euro für die Reverso Hybris Mechanica Calibre 185 übrig hat, trotzdem aber an der Reverso gefallen findet, sollte sich die stählerne Jaeger-LeCoultre Reverso Tribute mit kleiner Sekunde ansehen. Bei ihr findet die 90-jährige Geschichte ihren würdigen Widerhall. Grün ist hier nicht nur die Farbe der Hoffnung, sondern auch jene der Saison. In diesem Sinne setzt Jaeger-LeCoultre die 2016 begonnene Tradition der Reverso Tribute Modelle fort. Die Referenz Q3978430 findet in den Dimensionen 45,6 x 27,4 mm mit dem hauseigenen Handaufzugskaliber 822/2 ans Handgelenk. 

Nach spätestens 42 Stunden wird beim Handaufzugskaliber 822-2 ein Nachschub an Energie fällig. Facettierte Stunden-Indexe kennzeichnen das grüne Zifferblatt mit Sonnenschliff und am Handgelenk trägt diese Wende-Armbanduhr 8,5 Millimeter auf. Einen zwar nicht zum Schwimmen zu empfehlenden, jedoch alltagstauglichen Druck von bis zu drei bar, also 30 Meter Wasserdichte weist das drehbare Gehäuse der Jaeger-LeCoultre Reverso Tribute auf. Uhren-Eigentum lässt sich in diesem Fall mit einem Investment von 8.350 Euro erwerben.

Für circa 200 Euro gibt es übrigens vom bekannten Uhrenexperten Nick Foulkes ein in englischer Sprache verfasstes schönes Buch rund um die Jaeger-LeCoultre Reverso. Erschienen ist das Buch im französischen Verlag Assouline, allerdings ist vorerst keine deutsche Fassung vorgesehen.      

Die Geschichte der Jaeger-LeCoultre Reverso haben wir in komprimierter Form natürlich auch bei Uhrenkosmos. Hier ist der Link dazu.