bauhaus Dessau
Bereits während der Münchner Inhorgenta 2025 stellte das in Ismaning beheimatete Uhr-Unternehmen POINTtec seine neue Marke bauhaus vor. Mit der Signatur bauhaus Dessau gelangten in Spätsommer 2025 so insgesamt 4 neue bauhaus Dessau Armbanduhren auf den Markt.

Bevor wir näher auf dieses Quartett eingehen, heißt es einen Blick zuwerfen auf die Bauhaus-Bewegung und das Thema Uhren allgemein.
Gegenwärtig scheinen Uhren und das Bauhaus irgendwie fest zusammenzugehören. Die Geschichte jedoch lehrt etwas anderes. Während die Gebrüder Thiel in Ruhla, wo POINTtec heute einen Großteil seiner breiten Palette unterschiedlicher Zeitmesser fertigt, schon 1892 ihre erste Taschenuhr präsentierten, interessierten sich die Lehrenden und Studierenden am Bauhaus kaum für dieses Thema. Die Schule suchte nach neuen Formen für Architektur, für Wohnen, für Farbe und Gestalt.


Uhren standen indessen nicht auf der Tagesordnung. Rückblickend wirkt das reichlich überraschend, denn Uhren, egal ob für den Wohnraum, die Tasche oder das Handgelenk verbinden Technik, Gebrauch und Schmuck auf geradezu idealtypische Weise miteinander. Und genau diese Verknüpfung war dem 1919 in Weimar gegründeten Bauhaus wichtig: Handwerk, Kunst und Funktion. Vielleicht lag es an den Themen, die in Weimar und ab 1925 in Dessau Vorrang hatten. Das Bauhaus beschäftigte sich mit Räumen, Möbeln, Materialien und sozialen Fragen.


Damals, am Anfang der Art-Déco-Periode waren Armbanduhren außerdem noch eher ein weibliches Accessoire. Dieser Sachverhalt mag dazu geführt haben, dass man ihnen noch relativ wenig Beachtung schenkte. Eindeutig erklären lässt sich diese Distanz heute jedoch nicht mehr. Sicher ist nur so viel: Es gab keine Bauhaus-Uhren aus den Werkstätten der Kunstschule, weder für das Haus noch für die Industrie oder gar das Handgelenk.


Bauhaus-Idee und Uhren
Gleichwohl passen Uhren in die Logik des Bauhauses. Sie sind Gebrauchsobjekte, die hinreichend präzise funktionieren müssen. Speziell Armbanduhren sind sehr sichtbar, nahe am Körper, und brauchen daher eine klare Gestaltung. Gut ablesbare Uhren, welche nicht mehr zur Schau tragen als für den anvisierten Zweck nötig, tragen dem Postulat „Form folgt der Funktion“ in fast schon idealtypischer Weise Rechnung. Gerade deshalb hätten Zeitmesser den Protagonisten des Bauhauses sicher gut zu Gesicht gestanden. Gestalterische Ideen waren sicher da, die Umsetzung blieb jedoch an den beiden Ursprungsorten des Bauhauses aus. Erst später flossen bewährte Prinzipien in die Uhrenwelt ein.

Spätestens jetzt stellt sich die Frage, woher das eigentlich kommt, was man in der Uhrenbranche heute als Bauhaus-Design bezeichnet? Antworten liefern Blicke in Kataloge der späten 1920er- und vor allem der 1930er-Jahre. Viele Modelle dieser Zeit sind streng, reduziert und sachlich. Gehäuse mit schmalem Glasrand, schlanke Bandanstöße, klare Typografie. Die Zifferblätter verzichten auf überflüssige Zeichen. Die Zeiger sind frei von Ornamenten. Diese Gestaltung steht in der Nähe des Art Déco und der modernen Druckgrafik jener Epoche. Sie führte zu Uhren, welche ruhig wirken und doch sofort ins Auge fallen.

Reduktion auf das Wesentliche
In diesem Sinne entstanden damals Objekte, welche wir heute als Klassiker titulieren. Ihr Reiz liegt in der Reduktion auf das Wesentliche. Eine Uhr zeigt Zeit. Alles andere tritt zurück. Offen bleibt dabei, wie groß der direkte Einfluss des Bauhauses auf diese Entwicklung tatsächlich war. Wahrscheinlich prägte dieses Terrain eher eine allgemeine Bewegung zur Sachlichkeit. Und diese Haltung findet sich auch im Bauhaus wieder. So gesehen kann man zusammenfassen, dass die Uhrengestaltung und das Bauhaus eine Strecke gemeinsam liefen, ohne sich offiziell zu treffen. Aber der Zeitgeist stellte eine nachvollziehbare Verbindung her.
In den letzten Jahrzehnten haben viele Uhrenhersteller und -marken diese Nähe aufgegriffen. Sie berufen sich auf das Bauhaus, wenn sie schlichte, gut ablesbare Uhren entwerfen. Aber so gut wie nie gibt es direkte Verbindungen zur historischen Schule. Die Anknüpfung liegt in der Idee: klare Linien, sinnvolle Proportionen, verlässliche Technik. Dahinter steckt natürlich jede Menge Marketing. Aber der da und dort zu beobachtende Erfolg rechtfertigt die Mittel.

Bei der Suche nach echter Legitimation stößt man einmal auf Junghans und die 1997 wiederbelebte Uhrenlinie max bill. Schließlich hatte der Schweizer Architekt, Designer und Theoretiker von 1927-28 tatsächlich als Schüler am Bauhaus in Dessau gelernt. Viele der dort erworbenen Ästhetik-Ideale realisierte er später auch an der von ihm mitgegründeten Hochschule für Gestaltung in Ulm.


POINTtec und das Bauhaus
Echte Bezüge zum Bauhaus kann aber auch POINTtec vorweisen: 2019 erwarb das familiengeführte Unternehmen den Nachfolgebetrieb der historischen Uhrenwerke Ruhla samt Firmensitz, dem letzten erhaltenen Gebäude des einst gewaltigen Industrieparks. Dabei handelt es sich um ein 1929 errichtetes Verwaltungsgebäude im Bauhausstil. Hinter diesem denkmalgeschützten Bauwerk, dessen Fassade gerade mit hohem technischen und finanziellen Aufwand originalgetreu restauriert wird, stand das 1919 in Jena gegründete Architekturbüro Schreiter & Schlag.


Übrigens hatte POINTtec schon 2010 in Ruhla eine Serie mit Bauhaus-Armbanduhren gefertigt. Somit nehmen Willi Birk und seine geschäftsführende Tochter Nathalie Birk mit Fug und Recht für sich in Anspruch, das Thema bauhaus in ganz unterschiedlichen Modellen ans Handgelenk zu bringen.
Ein interessantes Interview von Uhrenkosmos mit Nathalie Birk und Willi Birk finden Sie hier auf Uhrenkosmos.com.

Neue bauhaus Dessau Kollektion
Die neuen bauhaus Dessau Armbanduhren geben eine Antwort darauf, wie man Dinge baut, die sofort ins Auge stechen und jeden Tag einwandfrei funktionieren sollen. Zeitmesser, gekennzeichnet von Ordnung und Ruhe in der Gestaltung. Die drei POINTtec Inhaber folgen dabei einem einfachen Grundsatz: bestmögliche Qualität in einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis.

Mit Rückblick auf die Klarheit der Dessauer Architektur zeichnen sich die solcherart signierten Armbanduhren durch glatte Flächen, ruhige Proportionen und Zifferblätter ohne Ablenkung aus. Ihre Gestaltung wirkt zeitlos, weil sie nicht auf Effekte zielt. In allen Details erkennbar ist der bereits apostrophierte Leitspruch, dass die Form der Funktion zu folgen hat. Ablesbarkeit rangiert ganz oben. Die Indexierungen, Ziffern, Zahlen und natürlich die Zeiger gewährleisten rasches und sicheres Erfassen der Zeit. Von zurückhaltender Natur sind die Gehäuse. Wegen ihrer sehr schmalen Glasränder treten die Zifferblätter besonders eindrucksvoll in Erscheinung. Hier schreit nichts nach effekthaschender Aufmerksamkeit. Alles ordnet sich der intendierten Funktion unter.

Gleichzeitig zeigen die Newcomer aus Ruhla und Ismaning, dass diese Einfachheit keinen Verzicht auf Zeit-gemäße Technik bedeutet. Drei der 2025 vorgestellten Modelle besitzen zuverlässige mechanische Uhrwerke. Die Vierte im Bunde wendet sich an Menschen, denen Komfort und hohe Präzision mehr bedeutet, als der tickende Herzschlag menschlicher Kultur. Mit anderen Worten: Es besitzt ein elektronisches Quarzwerk.

So oder so: bauhaus Dessau ist mehr als ein Produktstart. Es ist eine Demonstration dessen, dass sich funktionales Design und solide Uhrmacherei nicht gegenseitig ausschließen. Die aktuell vier aber auch die sicher noch kommenden Modelle wenden sich an Menschen, welche ruhige Formensprache schätzen, auf solides Innenleben Wert legen und dafür keine aberwitzigen Preise bezahlen wollen. Diese schwierige Quadratur des Kreises ist POINTtec mit bauhaus Dessau durchaus gelungen.

bauhaus Dessau Armbanduhren 2025
bauhaus Dessau Automatic Chronograph
Ganz oben im zeitbewahrenden Viererbund rangiert der sehr zurückhaltend gestaltete bauhaus Dessau Automatic Chronograph. POINTtec stattet diese 42 Millimeter messende und 14 Millimeter hoch bauende Armbanduhr mit dem bewährten Schweizer Selbstaufzugskaliber Sellita SW500 aus. Selbstverständlich besitzt das bis zu fünf Bar wasserdichte Stahlgehäuse einen Sichtboden.

Besonders anspruchsvolle Zeit-Genossen erhalten den Zeitschreiber in den ersten Monaten des Jahres 2026 auch mit einer deutschen Chronometer-Zertifizierung durch die Sternwarte Glashütte. Der Unterschied zur eidgenössischen COSC-Prüfung besteht darin, dass die komplett fertiggestellte Uhr den 15-tägigen Check ohne Beanstandung durchlaufen muss. Das zulässige Delta bei der mittleren Gangabweichung bewegt sich im Spektrum zwischen minus vier und plus sechs Sekunden täglich. Die sehr moderaten Preise liegen bei 1.979 Euro ohne bzw. 2.499 Euro mit Chronometerzertifikat.



bauhaus Dessau Automatic Power Reserve Indicator
Wer wissen möchte, die es um die aktuellen Kraftreserven seiner Armbanduhr bestellt ist, sollte sich näher mit der bauhaus Dessau Automatic Power Reserve Indicator beschäftigen. Am Zifferblatt unterhalb der „12“ findet sich eine bestens ablesbare Gangreserveanzeige. Oberhalb der „6“ dreht ein kleiner Sekundenzeiger. Mit von der Partie ist auch ein Fensterdatum. Als mechanischer Zeit-Motor dient das 13½-linige Kaliber Citizen-Miyota 9132 mit einseitig wirkendem Rotoraufzug, rund 40 Stunden Gangautonomie und vier Hertz Unruhfrequenz.
Die Bauhöhe des im Premiumsegment von Miyota angesiedelten Uhrwerks liegt bei 5,52 Millimeter. Analog zu den zuvor genannten Modellen erfolgen die Assemblage und Reglage in Ruhla. Somit ist das Made in Germany vollauf gerechtfertigt. Am Handgelenk trägt das wiederum bis fünf Bar wasserdichte Stahlgehäuse, Durchmesser 41 Millimeter, insgesamt zwölf Millimeter auf. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 499 Euro.



bauhaus Dessau Automatic
Durch klare Linienführung und auf das Wesentliche reduziertes Design besticht die neue bauhaus Dessau Automatic. Ihr 40 mm großes Stahlgehäuse baut elf Millimeter hoch. Durch den Sichtboden zeigt sich das Automatikkaliber Citizen-Miyota 8215 mit Fensterdatum und Zentralsekunde. Sein Durchmesser beträgt 25,6, die Höhe 5,67 Millimeter. Stündlich 21.600 Halbschwingungen vollzieht die Unruh. Der Rotor spannt die Zugfeder in einer Drehrichtung. Nach Vollaufzug läuft das japanische Uhrwerk circa 42 Stunden am Stück. Wie beim Chronograph reicht die Wasserdichte bis zu fünf Bar Druck. Individuellem Geschmacksempfinden tragen Zifferblätter in Blau, Grün oder Weiß Rechnung. Dieses deutsche Bauhaus-Feeling ist für 279 Euro erhältlich.



bauhaus Dessau Chronograph
Bleibt schließlich der ebenfalls 41 Millimeter große bauhaus Dessau Chronograph. Im Stahlgehäuse versieht das zuverlässige Schweizer Quarzwerk ETA G10.212 mit Fensterdatum, Stoppfunktion sowie 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler seinen Dienst. Auf das in Blau, Weiß oder Grün erhältliche Zifferblatt und die insgesamt sechs Zeiger blickt man durch ein Mineralglas. Die Dimensionen dieses Zeitmessers liegen bei 41 Millimeter (Durchmesser) und zwölf Millimeter (Bauhöhe). Wasser bleibt bis zu fünf Bar Druck außen vor. 299 Euro lautet der unverbindliche Preis.







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