Euphorie und Tristesse lagen dicht beieinander als am vergangenen Wochenende bei den November Auktionen 2025 in Genf, bei denen auf Sammleruhren aller Art geboten wurde. Die Gewinner waren wieder die „Creative Independent Horologists“, allen voran FP Journe Uhren und Highend Antiquitäten, die nur selten im Investment Grade verfügbar werden. In „der Mitte“ setzte sich die Bereinigung mit Preiskorrekturen und „Passed Lots“ fort.
Die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst
So schwach, wie die Exportstatistik für Schweizer Uhren zuletzt aussah, ist der Markt nicht. Bei einem insgesamt guten Sell Through von 94% der über 1.200 Lose hat es in Genf einige überraschend starke Ergebnisse und auch ein paar neue Rekorde der November Auktionen 2025 gegeben. Schon im Oktober schaffte es die Monaco Legend Group, den 5 Millionen Rekord in Schweizer Franken für die berühmte „Bao Dai“ Mondphasen Rolex mit schwarzem Brillantblatt durch ein vergleichbares Stück aus der ehemaligen Mondani Sammlung einzustellen.
Zuletzt gab CEO Davide Parmegiani auch bekannt, eine der 4 bekannten Patek Philippe Ref. 1518 Modelle in Stahl im Private Sale verkauft zu haben. Der offizielle Reservepreis lag bei 20 Millionen Euro und es ist unwahrscheinlich, dass der realisierte Preis weit davon entfernt liegt. Also noch ein Rekord – für die teuerste Vintage Patek Armbanduhr. Eine zweite 1518 in Stahl ging am Wochenende bei Phillips für 14,2 Millionen Schweizer Franken, gegenüber 11 Millionen Schweizer Franken, die dieselbe Uhr zuletzt im Jahr 2016 erzielte.
Das Charity-Los 6 bei Phillips, eine „Ferdinand Berthoud“ mit „Chain und Fusée“ Mechanismus, übertraf ihre Schätzung mit einem Gesamtpreis von € 1,3 Millionen ebenfalls klar. Neben diesen spektakulären Ergebnissen hat es noch andere interessante Entwicklungen gegeben, auch wenn die Stimmung in den Sale Rooms selbst verhalten schien.

Am Ende bietet der Markt interessante Gelegenheiten für entschlossene Käufer bekannter Klassiker, während sich die eigentliche Energie derzeit deutlich in Richtung hochwertiger Contemporaries verlagert hat. Diese Entwicklung wird von Franҫois Paul Journe Uhren angeführt. Es gibt eine Polarisierung im Markt, bei der nicht selten „High Rollers“, die aus der Golf Region oder aus Asien bieten, eine wichtige Rolle spielen.
FP Journe und die Independent Creative Horology
In Monaco und Genf waren zusammen 14 FP Journes verfügbar, die gemeinsam 10,2 Millionen Euro Umsatz eingespielt haben und damit ihre höhere Taxierung durchschnittlich um 64% (!) übertrafen. Das einzige Los, das innerhalb seiner Schätzung blieb, war die Astronomic Souveraine in Monaco. Allein mit den 14 Uhren von FP Journe wurde 44% mehr erlöst als in der gesamten Auktion von Antiquorum mit fast 700 Losen. Dabei hat Antiquorum mit einem Durchverkauf von über 90% bei so vielen Losen kein so schlechtes Ergebnis erzielt. Der Durchschnittspreis der FP Journe Lose lag bei ca. 730.000 Euro, also kein Spiel für Anfänger.

Aber auch weniger bekannte „Independents“ erreichten starke Ergebnisse. So schaffte der „Tourbillon 7“ von Christian Klings (Phillips Los 94) 889.000 Schweizer Franken gegen eine höhere Schätzung von 200.000 Schweizer Franken (+445%) und die wunderschöne Simon Brette (Phillips Los 2) erzielte einen Gesamtpreis von 279.000 Euro, + 233% gegenüber ihrer höheren Taxe. Auch die Kari Voutilainen „Observatoire“ (Phillips Los 155) übertraf ihre höhere Schätzung mit 381.000 Euro mehrfach. Das sind nur einige der starken Ergebnisse der „Creative Independent Horlogerie“, die besonders Phillips und Christie‘s zum Erfolg verhalf.

Erfolg der Qualität bei den Klassikern
Bei den Klassikern der traditionellen Player gab es weniger Überraschungen, aber auch ein paar starke Ergebnisse. Allgemein setzt sich Qualität durch, sie ist aber nicht immer die Erklärung, wenn für vergleichbare Stücke unterschiedliche Ergebnisse herauskommen. Die Preise für Daytonas mit Handaufzug sind generell schwächer und trotz korrigierter Schätzungen konnten nicht alle Uhren verkauft werden.
Es ist interessant, Los 70 bei Phillips mit Los 120 bei Christie‘s zu vergleichen. Beides waren Rolex Modelle 6263 mit „MK1 Oyster Sotto Paul Newman Dial“, beide Uhren waren für das Blatt glaubwürdig und in einem vergleichbaren Zustand, bis hin zu dem des Leuchtpunktes bei 3 Uhr. Die Phillips Uhr ging für fast 1,4 Millionen Schweizer Franken, während die Uhr bei Christie’s mit 660.000 Schweizer Franken weniger als die Hälfte erzielte.
Der Unterschied reicht zur hypothekenfreien Anschaffung eines Reihenhauses und lässt sich objektiv nur damit begründen, dass die Phillips Uhr zum ersten Mal auf dem Markt erschien und mit Accessoires geliefert wurde. Die goldene Paul Newman im Phillips Katalog (Los 34) kam übrigens auf 1,1 Millionen Euro und Christie’s Dr. Chronograph Los 62 erreichte 572.000 Schweizer Franken. Beide Ergebnisse entsprachen den Erwartungen.

Besser zu verstehen als bei den „Oyster Sottos“ ist die Abweichung zwischen den beiden Submariners mit „3-69 Explorer Dial“ (Phillips Los 195 und Christies Los 92a). Die Blätter beider Uhren stammten aus demselben Produktionslauf, unterschieden sich aber deutlich. Beim Blatt der Christies Uhr hat sich die Versiegelung teils gelöst und so ihren Glanz komplett verloren, während sich bei der Phillips Uhr die Zeiger noch auf dem Blatt spiegeln. Die Zeiger der Christies Uhr scheinen außerdem beim Service ersetzt worden zu sein, während sie bei der Phillips Uhr original sind. Außerdem wurde das Phillips Los mit Garantie- und Service Zertifikat angeboten.
Im Ergebnis schaffte das Phillips Los 195 159.000 Schweizer Franken und die Christie’s Uhr aus Los 92a nur 57.000 Schweizer Franken, also etwas mehr als ein Drittel.

Erwartungsgemäß hat sich auch der Vergleich der „Bakelit GMTs“ bei Phillips (Los 185) und Sotheby’s (Los 130) entwickelt. Die Phillips Uhr mit „Tropicalized Serpico Y Laino Dial“ blieb mit 127.000 Schweizer Franken klar innerhalb ihrer großzügig bemessenen Range von 100.000 – 200.000 Schweizer Franken, während die Sotheby’s GMT mit Standardblatt und Service Zeigern 83.000 Schweizer Franken gegenüber einer, zu niedrig angesetzten Range von 24.000 – 55.000 Schweizer Franken erreichte. Der Unterschied zugunsten der Phillips Uhr ist gerechtfertigt, aber er ist nicht so groß, wie es die wenig fundierte Taxierung der Lose erwarten ließ.

Außerdem hatte ich noch zwei „Pre-Daytonas“ Ref. 6238 bei Phillips hervorgehoben. Los 77 war eine „Prince of Darkness“ oder auch „Black Knight“, die bei einer Seriennummer von 964.614 mit einem matt schwarzen Galvanoblatt von Singer überraschte. Die Uhr stammte aus der thematischen Phillips Auktion „Start-Stop-Reset“, wo sie zuletzt vor 9 Jahren für 149.000 Schweizer Franken ging. Der jetzige Preis von 191.000 Schweizer Franken vergleicht sich mit 227.000 Euro für ein ähnliches Exemplar (Case 1.076.844) mit Glanzzifferblatt und „Singer MK 1 Grafik“ der Monaco Legend Group (Los 84).

Die zweite „Pre-Daytona“ Ref. 6238 war Los 121 bei Phillips, in 14 Karat Gelbgold, glaubwürdig für den amerikanischen Markt und mit traditionellem Zifferblatt von Stern Frères.
Das Modell 6238 an sich ist schon wesentlich seltener als das Daytona Modell 6239, so dass das Erscheinen eines goldenen Exemplars allein bemerkenswert ist. Hat es dann noch ein Stern Zifferblatt, anstatt des Standardblattes von Singer, reden wir von 10, weniger als 20 Exemplaren, die insgesamt bekannt sind und als „letzte Mohikaner“ gelten dürfen, bevor Stern das Mandat für Rolex Chronographen Blätter komplett verlor.
Gegenüber dem Vorgänger Modell 6234 wirken die Stern Zifferblätter für das Modell 6238 in Gold aufgeräumter, denn es wurde auf die Telemeter Skala verzichtet, womöglich um der Forderung nach Modernisierung gerecht zu werden. Bisher hat der Markt diese schönen Stücke nicht angemessen bewertet, das Ergebnis von 178.000 Schweizer Franken für die Phillips Uhr ist aber ein Start!

Für Vintage Patek Philippe Uhren gibt es auch interessante Ergebnisse zu berichten. Die roségoldene Ref. 1518 (Phillips Los 144) übertraf ihre höhere Schätzung von 2,4 Millionen Schweizer Franken um mehr als 1 Million und erzielte einen Gesamtpreis von knapp 3,6 Millionen. Auch die beiden Modelle 2499 der ersten Serie bei Sotheby’s (Los 160) und Phillips (Los 213) wurden verkauft.
Diesmal ging der Pokal an Sotheby’s, wo das Los mit 1,9 Millionen Schweizer Franken nahe an seine obere Taxierung kam, während die Phillips Uhr mit „nur“ 1,6 Millionen Schweizer Franken ihre höhere Schätzung sogar übertraf. Die Zifferblätter beider Uhren waren überholt, wobei der Materialverlust bei der Phillips Uhr etwas größer ausfiel. Die Achillesferse des Modells sind die „gesteppten“ Bandanstöße, die bei der Phillips Uhr noch klarer konturiert erschienen.

Besonders angepriesen hatte ich auch die Vintage Time-Only Patek Philippes bei Christie’s (Los 73) und bei Phillips (Los 21, 205). Die Phillips Uhren hatten beide sehr attraktive „three tone“ Zifferblätter mit aufgesetzten Breguet Ziffern und passenden Zeigern. Los 205 war ein Modell 570 in Stahl, das mit seinen 36 Millimetern noch etwas größer war als das Modell 592 in Roségold aus Los 21. So erklärt sich möglicherweise, dass die obere Schätzung der Stahluhr mit 150.000 – 300.000 Schweizer Franken noch über der Roségold Uhr lag, deren Zifferblatt außerdem ein paar Verfärbungen auf dem Zifferblatt hatte.
Überraschenderweise setzte sie sich aber klar gegen die Stahluhr durch und erzielte kinnladensenkende 445.000 Schweizer Franken. Die Christie’s Uhr war eine gelbgoldene Ref. 570, die sich durch eine Zentralsekunde und ihr schwarzes „Gilt Dial“ mit seltenem „F. Gübelin“ Händleraufdruck auszeichnete. Sie knackte mit 419.000 Schweizer Franken ihre höhere Schätzung klar, blieb aber noch unter der wohl einzigartigen Phillips Uhr.

Bei der Nautilus hat es wenig Überraschendes gegeben. Das beschriebene, schöne Sondermodell in Platin (Christie’s Los 89) bestätigte seine höhere Taxe mit einem Gesamtpreis von 826.000 Schweizer Franken und die diversen „Jumbo“ Modelle 3700/1 blieben auch nahe an ihren Schätzungen, bzw. blieben liegen (AQ Los 287).
Das Los 131 bei Christie’s war eins von nur vier bekannten Exemplaren mit dem „Khanjar“ Wappen vom Oman und erzielte trotz überschaubarem Zustand des Blattes einen Preis von 295.000 Schweizer Franken, gegen die höhere Schätzung von 300.000 Schweizer Franken.
Einen Überblick über die Christie’s Uhrenauktionen finden Sie hier.

Erstmals hatte ich auch Uhren beschrieben, die sich vor allem durch ihr avantgardistisches Design aus der Mitte des 20. Jahrhunderts auszeichneten. So hatte Phillips zwei Patek Phillippes mit Markowski Cases, designed von Gilbert Albert, im Katalog, die beide ihre Schätzungen klar übertrafen (Lose 18 und 88). Das Platinmodell mit zulaufendem Baguette Besatz ging für 813.000 Schweizer Franken (das Vierfache der Range) und das gelbgoldene Modell erzielte 241.000 Schweizer Franken (das Dreifache der Range).
Auch die Genta Entwürfe Rolex „King Midas“ und Audemars Piguet „Cobra“ (Christie’s Lose 14 und 112) übertrafen ihre Erwartungen deutlich. Wie schon angenommen ging auch die schöne Patek Philippe Ref. 2524 mit Schlagwerk im modernen Design aus dem Jahr 1954 zum fast dreifachen Preis der, im Retrostil entworfenen, Vacheron Constantin aus dem Jahr 2001.
Mehr dazu gibt es in meinem Artikel mit der Vorstellung einiger besonders interessanter Modelle der Herbstauktionen.

Cartier Uhren hatten zuletzt beachtliche Erfolge erzielt, aber es ist noch immer nicht klar, wohin die Reise geht. Die Auswahl war nicht gering und besonders bei Sotheby’s gab es einige besondere Stücke, die aber alle nahe an ihren Schätzungen blieben. Dagegen war Los 173 eine klassische Schmuckuhr der Haute Horlogerie, gemacht für den Opernball, die ihre Bewertung um das 3,7-fache übertraf. Los 165 war eine limitierte „Crash‘“ deren Ergebnis von 268.000 Schweizer Franken kaum jemanden überrascht haben wird. Daneben sind viele attraktive und seltene Stücke im Bereich von oder unter ihren Erwartungen geblieben.

November Auktionen in Genf im Ergebnis
Es gibt also im Herbst des Jahres 2025 wieder etliche Lichtblicke und besonders die Ergebnisse wertvoller Klassiker sind erfreulich. Die Auktionshäuser sind wirtschaftliche Unternehmen und können es sich nicht erlauben, Chancen wie die „Independents“ zu verpassen, besonders dann nicht, wenn das mittlere Segment des Marktes schwächelt.
Wer nicht gezwungen ist, selbst Geld mit Uhren zu verdienen, sollte sich deshalb nicht verleiten lassen, in diesem Teil des Marktes aktiv zu werden, wenn es nicht aus Passion geschieht. Und wer liquide ist, der findet jetzt Chancen Uhren zu kaufen, die noch vor 3 bis 4 Jahren unerschwinglich schienen. In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß beim Studium der Kataloge aus Hong Kong und New York!
Weitere Artikel über das Vintage-Geschehen finden Sie in meinem Uhrenblog https://www.addisontime.com/







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