Der Besuch einer Schweizer Handelsdelegation in Washington ist nicht ungewöhnlich. Dass jedoch die hochkarätig besetzte Führungsriege der Schweizer Uhrenindustrie bei Donald Trump gemeinsam mit wenigen offiziellen politischen Würdenträgern bei Donald Trump vorsprach, zeigte die Ernsthaftigkeit der Lage. Seit dem 1. August erhoben die USA auf Anweisung des amerikanischen Präsidenten für die Einfuhr von Uhren drastische Zölle von bis zu 39 Prozent.
Nun steht der Deal – und der Besuch war erfolgreich. Nach intensiven Gesprächen einigten sich beide Seiten auf eine deutliche Reduktion der bisherigen Strafzölle. Statt der ursprünglich bis zu 39 Prozent gilt für Schweizer Uhren künftig ein Einfuhrzoll von 15 Prozent. Konnten die ersten Monate nach Einführung der Zölle noch mit zusätzlichen Lieferungen im Sommer 2025 überbrückt werden, zeigen die Exportzahlen der Schweizer Uhrenindustrie im September und Oktober zwar noch steil nach unten – mit dem nun vereinbarten Zollsatz von 15 Prozent besteht jedoch wieder eine realistische Perspektive, dass sich die Exporte in den kommenden Monaten stabilisieren. Wir hatten im Detail bereits darüber berichtet.

Schweizer Uhrenindustrie bei Donald Trump
Vor diesem Hintergrund traf am Dienstag, den 4. November 2025 eine hochrangige Schweizer Wirtschaftsdelegation den US-Präsidenten Donald Trump im Weißen Haus. Bei diesem Spitzentreffen dabei war die komplette Führungsriege der großen Schweizer Uhrenmarken – unter Ihnen Rolex-CEO Jean-Frédéric Dufour, Richemont-Präsident Johann Rupert sowie weitere Spitzenvertreter großer Rohstoff- und Finanzhäuser.
Sie alle versuchten im kleinen Kreis den amerikanischen Präsidenten von einer schnellen und pragmatischen Lösung zu überzeugen, um den ins Stocken geratenen Handel und insbesondere den wirtschaftlich wichtigen Uhrenexporten neues Leben einzuhauchen.
Dabei war der Druck auf eine schnelle, zufriedenstellende Lösung für die Schweizer Uhrenindustrie wohl höher als für alle anderen Industriezweige. Denn der vor wenigen Jahren noch wichtigste Absatzmarkt China und Hongkong befindet sich weiter im Sinkflug und kann durch das kränkelnde Europa und die Märkte im Nahen Osten, Afrika oder Südamerika in keiner Weise aufgefangen werden, was die Exportstatistik der letzten Monate eindrücklich verdeutlicht – obwohl nicht verschwiegen werden sollte, dass diese Zahlen durch den Aufbau von größeren Lagern in den Ländern und bei Juwelieren noch geschönt wird.

Schweizer Uhrenindustrie hat große Bedeutung
Dass die Spitze der Handelsdelegation von den Granden der Schweizer Uhrenindustrie gebildet wurde, ist mehr als Symbolik und hat auch nicht mit einer Schwäche des amerikanischen Präsidenten für Gold zu tun. Vielmehr gehört die Uhrenindustrie der Schweiz zu den exportstärksten Industriebereichen und beschäftigt direkt und indirekt zehntausende Fachkräfte. Entsprechend hoch ist – nach Pharma/Chemie sowie dem Bereich Maschinenbau – mit 4% Anteil am Brutto-Inlands-Produkt die Wichtigkeit der Schweizer Uhrenindustrie für die Eidgenossen.
Dabei zieht der Rückgang der Umsätze der Uhrenindustrie weite Kreise. Auch die Zulieferer im Jura oder der deutschsprachigen Schweiz stehen unter enormen Druck und viele der Hersteller befinden sich seit Monaten im Modus der Kurzarbeit. Umso wichtiger wäre der Abschluss eines neuen, für beide Seiten Umsatz-schaffenden neuen Handelsabkommens und das Vermeiden weiterer Strafzölle.
Dass in solch einer für den Wohlstand des Landes enorm wichtigen Frage nun die Lenker und Eigentümer der großen Schweizer Unternehmen das Heft des Handelns in die Hand nahmen und zum Erfolg führten, zeigt nur eines: Wenn es darum geht, etwas zu richten, dann am ehesten Rolex und Richemont. Wissen diese doch bestens, wie man große und kleine Räder nahezu reibungslos ineinandergreifen lässt.
Eine gewisse Unruhe
Betrachtet man nun das Treffen aus neutralem, „uhrenfreien“ Blickpunkt gelangen zwei Aspekte des Treffens in den Fokus des Treffens. Zum einen ist dies das Versagen der politischen Führung, die es nicht vermochte, den Dialog mit dem mitunter erratisch auftretendem Präsidenten aufrecht zu halten. Zum anderen kann es langfristig nicht im Sinne einer Demokratie sein, wenn privatwirtschaftlich geführte Unternehmen Themen besprechen, die für ein ganzes Land von Bedeutung sind. Ob da alle Akteure „Individuelles“ von der „Allgemeinheit“ betreffend unterscheiden können, muss sich noch zeigen.







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