Eisblaues Gesicht
2026 spendiert Nomos Glashütte der ausdruckstarken Metro Datum Gangreserve nicht nur ein neues Gesicht, sondern gleichzeitig auch ein neues Herz. Wobei der Terminus „neu“ nur die halbe Geschichte erzählt. Denn hinter der Neuheit Nomos Metro Datum Gangreserve eisblau steckt eine technische Idee, deren Ursprünge fast ein Vierteljahrhundert zurückreichen.

Ans Handgelenk findet die Metro Datum Gangreserve eisblau, Referenz 1121, mit einem 37 Millimeter großen und acht Millimeter hoch bauenden Edelstahlgehäuse. Ihr galvanisiertes und hellblau lackiertes Zifferblatt erhält ein metallisches Finish. Weiß, Hellblau und Türkis kennzeichnen die zwischen „12“ und „1“ angesiedelte Gangreserveanzeige. Kleine Sekunde und ein großflächiges Fensterdatum bei „6“ komplettieren das vertraute Nomos Metro-Gesicht.

Wichtiger als die neue Farbe ist das, was Nomos darunter verbaut. Im eisblauen Newcomer debütiert das Handaufzugskaliber DUW 4701 mit einer Gesamthöhe von lediglich 2,8 Millimetern. Der Durchmesser beträgt 32,1 Millimeter. Mit von der Partie sind 23 funktionale Steine. Nach manuellem Vollaufzug stehen rund 52 Stunden Gangautonomie zur Verfügung. Hinzu kommen Sekundenstopp, Nomos-Swing-System und erstmals bei dieser Werkfamilie eine komfortable Datumsschnellverstellung.

Letztgenannte schafft einen kleinen Anachronismus des bisherigen Kalibers DUW 4401 aus der Welt. Dessen Datum ließ sich nicht über eine separate Schnellschaltung korrigieren. Und das erwies sich bei häufigem Wechsel der tickenden Begleiterin am Unterarm durchaus als lästig.
Fortan verbindet das Kaliber DUW 4701 die traditionsreiche Gangreserveanzeige mit zeitgemäßerem Bedienkomfort. Als echter Vorteil in mehrfacher Hinsicht erweist sich auch die um zehn Stunden verlängerte Gangautonomie.

125 Uhren als Feldversuch
Die Geschichte dieser Gangreserveindikation beginnt im Jahr 2003. Nomos war damals noch längst nicht die deutsche Uhrenmanufaktur, welche wir heute kennen und schätzen. Als Basis der Handaufzugswerke diente das 1971 vorgestellte Schweizer Kaliber Peseux 7001. Das lediglich 2,5 Millimeter hohe Handaufzugswerk war ausgereift, zuverlässig, robust und verkörperte daher eine ausgezeichnete Ausgangsbasis für die immer weitergehenden Modifikationen des Glashütter Familienunternehmens.

2001 hatte Nomos dem Werk bereits eine eigene Datumsmechanik spendiert. Zwei Jahre später folgte der nächste Schritt in Gestalt einer Gangreserveanzeige, die vor allem eines sein sollte: flach.
Vor der Nutzung in Serie startete im Herbst 2003 ein bemerkenswerter Praxistest. 125 römisch nummerierte Tangente Datum Gangreserve gelangten zu berichtfreudigen Testkunden. Als Preis rief die Manufaktur lediglich den damaligen Preis einer normalen Tangente Datum auf. Die neue „Tankuhr“ gab es gewissermaßen zum Ausprobieren dazu.
Nach einigen Monaten waren die Käuferinnen und Käufer gebeten, einen Fragebogen auszufüllen und darin ihre Erfahrungen mitzuteilen. Wer mit der Uhr nicht zufrieden war, konnte sie zurückgeben und erhielt sein Geld zurück. Aber davon machte kaum jemand Gebrauch.

Eine dieser 125 Uhren befindet sich seit damals in meiner Sammlung: XVII/CXXV, also Nummer 17. Solche frühen Exemplare unterscheiden sich teilweise bei Gangreserveanzeige und Anordnung des Nomos-Schriftzugs. Der clevere Feldversuch diente also nicht nur der technischen Bewährung, sondern auch der gestalterischen Feinabstimmung.

Einfachheit statt Zusatzmodul
Gerade die Konstruktion der Gangreserveanzeige bestätigt eindrucksvoll, wie Nomos damals dachte. Anstatt ein voluminöses Zusatzmodul auf das Uhrwerk zu setzen, integrierte das Entwicklungsteam die Indikation unmittelbar am Federhaus.
Die vergleichsweise simple, aber hochfunktionale Mechanik besteht aus nur drei Rädern. Auf der Federhauswelle sitzt ein Rad mit 20 Zähnen. Darüber befindet sich eine frei gelagerte Anzeigescheibe mit 19 Zähnen. Ein achtzähniges Planetenrad auf dem Federhausdeckel greift in beide ein. Beim Aufziehen und beim Ablaufen des Werks entstehen durch die unterschiedlichen Bewegungen von Federhaus und Federwelle sowie die abweichenden Zähnezahlen minimale Relativbewegungen zwischen den beiden Scheiben. Genau diese Differenz macht den Spannungszustand der Zugfeder sichtbar.

In meiner damaligen Beschreibung hieß es sinngemäß: Bei Vollaufzug erscheint der sichelförmige Ausschnitt schwarz, bei nahezu entspannter Zugfeder weiß. Zwischen beiden Zuständen liegen rund sechseinhalb Umdrehungen des Federhauses. Das Entscheidende daran besteht bis heute in der relativen Einfachheit. Es braucht keinen klassischen Zeiger und kein großes Differenzialgetriebe. Folglich kostet die praktische Zusatzfunktion kaum Bauhöhe.
Das damalige Kaliber 1 TSDPG bündelte praktisch alles, was Nomos dem Peseux 7001 bis dahin beigebracht hatte: Triovis-Feinregulierung, Sekundenstopp, Fensterdatum, Glashütter Dreiviertelplatine und Gangreserveanzeige. Mit 23 Steinen und 2,65 Millimetern Höhe blieb die mit drei Hertz tickende Zeit-Mechanik bemerkenswert schlank.

Von Delta zum DUW 4401
2005 folgte der nächste große Schritt. Konsequent löste sich Nomos vom zugekauften Schweizer Basiswerk und fertigte die entsprechenden Kaliber nun im sächsischen Müglitztal. Das einfache Handaufzugswerk hieß Alpha. Die Variante mit Gangreserve erhielt den Namen Gamma, jene mit Datum und Gangreserve Delta. Die Architektur der frühen Werke blieb grundsätzlich erkennbar, aber Nomos besorgte die Fertigung unter dem eigenen Dach.
2014 kam die entscheidende nächste Etappe. Mit dem eigenen Nomos-Swing-System stellte das Unternehmen auch Assortiment und Hemmung selbst her. Aus den bisherigen Werkfamilien entstanden die DUW-Kaliber. Für Datum plus Gangreserve stand fortan das DUW 4401 mit rund 42 Stunden Gangautonomie.


Und genau dieses Werk debütierte in einer völlig neuen Armbanduhr: der von Mark Braun gestalteten Metro Datum Gangreserve. 2014 handelte es sich um das erste Nomos-Modell mit dem eigenen Swing-System. Damit markierte es einen wichtigen Schritt zur technologischen Unabhängigkeit der Glashütter Marke.
Braun verpasste der bekannten Technik zudem ein neues Gesicht. Bei der Tangente erinnert die Gangreserveindikation noch ein wenig an eine klassische Tankanzeige. Die Metro nutzt dagegen ein kreisrundes, asymmetrisch platziertes Fenster. Farbe ersetzt Zahlen und Zeiger. Das passt zur technischen Idee dahinter: so wenig Mechanik und Information wie nötig, aber so viel wie sinnvoll.

Nomos Metro Datum Gangreserve eisblau – das Uhrenkosmos Fazit
2026 schließt sich der Kreis ein weiteres Mal. Das DUW 4701 ersetzt nicht das Grundprinzip der vor 23 Jahren entwickelten Gangreserveanzeige. Es entwickelt das Konzept weiter.
52 Stunden Gangautonomie statt gut 42, eine echte Datumsschnellverstellung, Nomos-Swing-System sowie zeitgemäßere Finissierung stehen für den seit Jahrzehnten zu beobachtenden Fortschritt. Der skelettierte Unruhkloben, die sorgfältige Perlage, temperaturgebläute Schrauben, vergoldete Gravuren und verschiedene Strahlenschliffe lassen sich durch den Saphirglasboden betrachten. Diese Version schlägt mit unverbindlichen 3.500 Euro zu Buche. Wer einen massiven Stahlboden bevorzugt, erhält diese Armbanduhr für 3.280 Euro.

Bemerkenswert ist aber auch, was sich nicht geändert hat: Trotz Datum und Gangreserveanzeige bleibt das DUW 4701 erstaunliche 2,8 Millimeter flach. Genau darin steckt die eigentliche Kontinuität. Eine ausgeklügelte Zusatzfunktion bedeutet bei Nomos nicht zwangsläufig mehr Volumen und Komponenten.
Die durch ihr eisblaues Zifferblatt förmlich ins Auge springende Metro erzählt deshalb weit mehr als eine Farbgeschichte. Sie führt zurück ins Jahr 2003, zu 125 Testuhren, einem modifizierten Peseux 7001 und einer kleinen Konstruktion mit drei Zahnrädern. Meine Nummer XVII/CXXV bewahrt die Erinnerung an diese Phase. 23 Jahre später steckt dieselbe Grundidee in einem modernen, flachen und zukunftsweisenden Manufakturkaliber.

Manchmal besteht Fortschritt eben nicht darin, eine gute Konstruktion zu ersetzen, sondern darin, sie über Jahrzehnte immer weiter zu verfeinern und zu optimieren. Und darauf versteht sich Nomos traditionsgemäß meisterlich.
Weitere Nomos Modelle und Varianten finden Sie im Nomos Glashütte Markenkosmos unter diesem Link.

Datenblatt |
Nomos Metro Datum Gangreserve eisblau |
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| Referenz | 1121 / 1121.SB | |||||
| Gehäusematerial | Edelstahl | |||||
| Gehäuse | zweiteilig | |||||
| Durchmesser | 37,0 mm | |||||
| Höhe | 8,0 mm | |||||
| Glas | gewölbtes Saphirglas | |||||
| Gehäuseboden | mit oder ohne Saphirglas | |||||
| Wasserdichte | bis 5 atm (spritzwassergeschützt) | |||||
| Zifferblatt | galvanisiert, hellblau lackiert, Metallic-Finish | |||||
| Gangreserveanzeige | dreifarbig in Weiß, Hellblau und Türkis | |||||
| Zeiger | rhodiniert; Sekundenzeiger hellblau | |||||
| Armband | Horween Genuine Shell Cordovan, schwarz, mit Schnellwechsel-Federstegen |
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| Uhrwerk | Nomos DUW 4701 | |||||
| Aufzug | Handaufzug | |||||
| Werkdurchmesser | 32,1 mm (14 ¼ Linien) | |||||
| Werkhöhe | 2,8 mm | |||||
| funktionale Steine | 23 | |||||
| Gangautonomie | ca. 52 Stunden | |||||
| Indikationen | Stunden, Minuten, kleine Sekunde, Datum, Gangreserveanzeige | |||||
| Datum | patentierte Datumsanzeige, Schnellverstellung | |||||
| Gangreserve | patentierte Gangreserveanzeige | |||||
| Assortiment | NOMOS-Swing-System | |||||
| Regulierung | DUW-Reguliersystem, Feinregulierung in sechs Lagen | |||||
| Sekundenstopp | ja | |||||
| Preise | 3.500 Euro mit und 3.280 Euro ohne Sichtboden | |||||
Weitere Infos wie auch andere Varianten der Uhr finden Sie direkt bei Nomos unter diesem Link.






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