Unser Markenkosmos zum Uhrenhersteller

Seiko: Geschichte, Modelle und Kaliber

Als Seiko am 25. Dezember 1969 die erste kommerziell erhältliche Quarz-Armbanduhr der Welt präsentiert, ahnt kaum jemand, welche Folgen diese Entwicklung haben wird. Die Seiko Quartz Astron verändert die internationale Uhrenindustrie grundlegend und stürzt insbesondere die Schweizer Hersteller in eine tiefe Krise. Doch die japanische Marke steht für weit mehr als die Quarzrevolution. Seiko beherrscht die traditionelle mechanische Uhrmacherei ebenso wie die Entwicklung hochpräziser elektronischer Zeitmesser. Kaum ein anderer Hersteller hat die technische Entwicklung der Armbanduhr so nachhaltig beeinflusst – und dabei Uhren für nahezu jede Preisklasse geschaffen.

Die Geschichte beginnt 1881, als der 21-jährige Kintaro Hattori in Tokio ein Geschäft für den Verkauf und die Reparatur von Uhren eröffnet. 1892 gründet er die Fabrik Seikosha, in der zunächst Wanduhren entstehen. 1895 folgt die Taschenuhr Timekeeper und 1913 mit der Seiko Laurel die erste in Japan gefertigte Armbanduhr. Seit 1924 tragen Uhren den Markennamen Seiko, der sich vom japanischen Begriff für Präzision beziehungsweise Exaktheit ableitet. Schon früh verfolgt das Unternehmen das Ziel, technisch hochwertige und zuverlässige Zeitmesser unabhängig von europäischen Herstellern zu entwickeln.

Gründung Grand Seiko und erste Taucheruhr 62MAS

Nach dem Zweiten Weltkrieg baut Seiko seine Kompetenz in der mechanischen Uhrmacherei konsequent aus. 1960 erscheint die erste Grand Seiko, mit der das Unternehmen hinsichtlich Präzision und Verarbeitungsqualität zu den besten Schweizer Herstellern aufschließen will. Ein Jahr später folgt King Seiko. 1963 präsentiert Seiko die Sportsmatic 5, aus der sich eine der erfolgreichsten Automatikuhrenfamilien entwickelt. Die 1968 eingeführte Seiko 5 Sports verbindet robuste Technik mit sportlicher Gestaltung und einem attraktiven Preis.

Auch bei professionellen Instrumentenuhren setzt Seiko Maßstäbe. 1964 entsteht Japans erster Armbandchronograph mit Handaufzug. Ein Jahr später folgt mit der Referenz 6217, bekannt als 62MAS, die erste japanische Taucheruhr. Sie bildet den Ausgangspunkt einer langen Entwicklung robuster Unterwasserzeitmesser. 1968 erscheint eine bis 300 Meter wasserdichte Taucheruhr mit Hochfrequenzwerk. Mit der Professional Diver’s 600m von 1975 führt Seiko ein einteiliges Titangehäuse mit äußerem Schutzmantel ein. Die später als „Tuna“ bezeichnete Konstruktion wird zu einer Ikone japanischer Taucheruhren.

Seiko Astron

Das entscheidende Jahr der Unternehmensgeschichte ist jedoch 1969. Seiko stellt mit dem Kaliber 6139 einen der weltweit ersten serienmäßig gefertigten Automatikchronographen vor. Noch größere Bedeutung hat die am 25. Dezember präsentierte Quartz Astron 35SQ. Als erste kommerziell erhältliche Quarz-Armbanduhr der Welt erreicht sie eine zuvor kaum vorstellbare Ganggenauigkeit. Die Entwicklung leitet die Quarzrevolution ein, verändert die internationale Uhrenindustrie grundlegend und setzt insbesondere die Schweizer Hersteller unter erheblichen Wettbewerbsdruck.

Seiko treibt die elektronische Zeitmessung weiter voran. 1973 erscheint eine digitale Quarzuhr mit sechsstelliger LCD-Anzeige, 1988 folgt die Seiko Kinetic. Bei dieser Technologie erzeugt ein durch die Bewegung des Handgelenks angetriebener Generator die elektrische Energie für ein Quarzwerk. Einen weiteren Meilenstein bildet 1999 Spring Drive. Die Konstruktion verbindet den klassischen Antrieb durch eine Zugfeder mit einer elektronischen Gangregelung über einen Quarzoszillator. Das Ergebnis ist eine hohe Ganggenauigkeit bei vollkommen gleichmäßig gleitendem Sekundenzeiger.

Mit der 2012 vorgestellten Seiko Astron GPS Solar demonstriert Seiko erneut seine Innovationskraft. Die solarbetriebene Quarzuhr empfängt Satellitensignale und kann die angezeigte Zeit an unterschiedliche Zeitzonen anpassen. Zugleich bewahrt das Unternehmen seine mechanischen Traditionen. Die Seiko Kollektionen Prospex, Presage, Seiko 5 Sports und King Seiko decken unterschiedliche Ansprüche ab. Während Prospex für professionelle Sport- und Taucheruhren steht, verbindet Presage mechanische Uhrwerke mit japanischer Gestaltung und traditionellem Kunsthandwerk. Grand Seiko entwickelt sich zur eigenständigen Luxusmarke und wird seit 2017 international separat positioniert.

Heute zählt Seiko zu den wenigen Uhrenherstellern, die mechanische, quarzgesteuerte und solarbetriebene Uhrwerke ebenso beherrschen wie komplexe elektronische Zeitmesssysteme. Die Marke steht für technische Eigenständigkeit, Zuverlässigkeit und ein außergewöhnlich breites Angebot. Vor allem aber hat Seiko mehrfach bewiesen, dass Innovation nicht allein in der Verfeinerung traditioneller Uhrmacherei bestehen muss. Mit der Quartz Astron, Spring Drive und zahlreichen weiteren Entwicklungen hat das Unternehmen die moderne Armbanduhr nachhaltig verändert.

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