Die Uhrwerke für Rolex entstehen in Biel. Dass dort seit 2004 Rolex selbst das Sagen hat, ist vergleichsweise neu: Rund ein Jahrhundert lang lieferte das Familienunternehmen Aegler die Werke, während die Marke in London und Genf saß. Hier ist die Rolex Biel Werkgeschichte kompakt: Steckbrief, Zeitleiste und die zehn wichtigsten Kaliber sowie die bekannten Informationen zum aktuellen Ausbau.

Rolex Werk Geschichte: So wurde aus Aegler der Rolex-Werkelieferant
- Der Anfang: Jean Aegler gründet 1878 in Biel eine Uhrenfabrik. Hans Wilsdorf bezieht ab 1905 Werke für sein Londoner Unternehmen Wilsdorf & Davis.
- Die Exklusivität: Sie kam nicht sofort. Aegler belieferte auch die amerikanische Marke Gruen, und zwar bis 1936. Seit 1936 lagen die Exklusivrechte an der Bieler Produktion laut Rolex bei Genf. Ausnahmen waren später die Chronographenwerke von Valjoux und Zenith.
- Die Rollenteilung: Aegler gab 1919 die Gehäusefertigung auf und konzentrierte sich auf Werke. Genf montierte die Uhren. Rolex Genf und der exklusive Werkproduzent in Biel führten laut Gisbert L. Brunner seit dem frühen 20. Jahrhundert eine Art Ehe mit Gütertrennung, samt Streit über Preise, Qualität und Innovationskraft.
- Der Automatikaufzug: Emil Borer, technischer Kopf in Biel, entwickelte den 1931 patentierten Rotoraufzug. Er machte aus der Oyster die Oyster Perpetual.
- Die Übernahme: 2004 kaufte die Genfer Montres Rolex SA die Bieler Manufacture des Montres Rolex SA von der Familie Borer. Der Kaufpreis lag schätzungsweise bei 2,5 Milliarden Schweizer Franken.

Rolex Biel im Überblick
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Standort | Biel/Bienne, Bözingenfeld; historisch am Rebberg |
| Aufgabe | Uhrwerke, von der Fertigung der Komponenten bis zur Montage |
| Eigentum | Rolex, die Aktien hält die Hans-Wilsdorf-Stiftung |
| Bei Rolex seit | 2004, zuvor Familien Aegler und Borer |
| Neubau | Eingeweiht am 16. Oktober 2012 |
| Areal | 92.000 Quadratmeter |
| Umbauter Raum | Rund 400.000 Kubikmeter, davon 230.000 im letzten Bauabschnitt |
| Gebäude | Zuvor sieben Gebäude; der Neubau ergänzt zwei bestehende Einheiten |
| Beschäftigte | Über 2.000 (Rolex, 2012), rund 2.500 (Uhrenkosmos, 2018) |
| Werke pro Jahr | Mehr als 800.000 (Stand 2018, Schätzung, Rolex nennt keine Zahlen) |
| Zentrallager | 46.000 Lagerplätze, Roboter mit bis zu drei Metern pro Sekunde |
| Gangvorgabe der fertigen Uhr | plus/minus zwei Sekunden pro Tag |


Zeitleiste der Rolex Werke
| Meilensteine | |
|---|---|
| 1878 | Jean Aegler gründet in Biel eine Uhrenfabrik |
| 1881 | Umzug an den Bieler Rebberg unter der Leitung der Witwe von Jean Aegler |
| 1905 | Hans Wilsdorf gründet Wilsdorf & Davis und bezieht Werke von Aegler |
| 1908 | Der Name Rolex wird registriert |
| 1910 | Erstes Schweizer Chronometerzeugnis für eine Armbanduhr, ausgestellt in Biel am 22. März |
| 1914 | Class-A-Zertifikat aus Kew für eine Rolex; Aegler firmiert nun auch mit dem Namen Rolex |
| 1919 | Aegler gibt die Gehäusefertigung auf; Wilsdorf verlegt das Unternehmen in die Schweiz |
| 1920 | Gründung der Montres Rolex SA in Genf |
| 1931 | Patent auf den Rotoraufzug, Kaliber NA 620 |
| 1936 | Rolex Genf erhält die Exklusivrechte an der Bieler Produktion; laut Fachquellen endet die Belieferung von Gruen, und Aegler firmiert neu |
| 1994 | Einweihung der Produktionsgebäude Rolex IV und V |
| 2000 | Mit dem Kaliber 4130 erscheint das erste vollständig eigene Rolex-Chronographenwerk |
| 2003 | Eröffnung von Rolex VI |
| 2004 | Rolex übernimmt das Bieler Werk von der Familie Borer |
| 2009 | Baubeginn in Biel, Grundsteinlegung am 30. September |
| 2012 | Einweihung des Neubaus am 16. Oktober |
| 2014 | Erste Syloxi-Spirale aus Silizium im Kaliber 2236 |
| 2015 | Chronergy-Generation mit den Kalibern 3255 und 3235 |
| 2022 | Rolex kauft 104.686 Quadratmeter Land in Bulle |
| 2025 | Baubeginn in Bulle; Kaliber 7135 mit fünf Hertz in der Land-Dweller |
| 2029 | Geplante teilweise Inbetriebnahme in Bulle |

Die Werkerweiterungen
- Rebberg: Der historische Sitz prägte das Stadtbild und gab den frühen Werken ihren Spitznamen.
- Bözingenfeld: Der Neubau von 2012 ist über 300 Meter lang. Die Kosten dieses Abschnitts schätzte Uhrenkosmos auf mehr als 150 Millionen Franken, die des gesamten Standorts auf 400 bis 500 Millionen.
- Ausbaustufen: 1994 Rolex IV und V, 2003 Rolex VI, 2009 bis 2012 der Neubau, so die Dokumentation von Rolex zur Einweihung.
- Biel bleibt: Eine komplette Verlegung nach Genf wurde vorab geprüft und verworfen. Das Projekt in Bulle berührt das Bieler Werk laut SRF nicht.


Die zehn wichtigsten Rolex-Kaliber
Die Auswahl ist eine Einordnung der Redaktion. Bei einzelnen Werten weichen die Quellen ab, Rolex veröffentlicht zu älteren Werken wenig.
| Jahr | Kaliber | Halbschwingungen/h | Gangautonomie | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| 1928 | T.S. | k. A. | rund 58 Stunden | Baguette-Handaufzugswerk der Rolex Prince, 1936 Bestwert für Armbanduhren in Kew |
| 1931 | NA 620 | 18.000 | k. A. | Erster Rotoraufzug für Armbanduhren von Rolex, Basis der Oyster Perpetual |
| 1950 | 1030 | 18.000 | k. A. | Neue Automatikgeneration, unter anderem in frühen Submariner und Explorer |
| 1965 | 1570 | 19.800 | 42 bis 48 Stunden | Langlebiger Standard der Sportmodelle, Sekundenstopp ab etwa 1972 |
| 1977 | 3035 | 28.800 | rund 42 Stunden | 28.800 Halbschwingungen und Datumsschnellschaltung |
| 1988 | 3135 | 28.800 | rund 48 Stunden | Standardkaliber über rund drei Jahrzehnte, später mit Parachrom-Spirale |
| 1988 | 4030 | 28.800 | rund 54 Stunden | Daytona-Automatik auf Basis des Zenith 400, von 36.000 reduziert, rund die Hälfte der Teile geändert |
| 2000 | 4130 | 28.800 | 72 Stunden | Erstes eigenes Chronographenwerk, Vertikalkupplung und Schaltrad, 44 Steine |
| 2015 | 3235 | 28.800 | 70 Stunden | Chronergy-Hemmung, heutiger Standard für Modelle mit Datum, 31 Steine |
| 2025 | 7135 | 36.000 | rund 66 Stunden | Erstes Rolex Kaliber mit 36.000 Halbschwingungen, Dynapulse-Hemmung, Rolex Land-Dweller |






Mehr zur Technik: Rolex Daytona, Rolex Day-Date und Rolex Land-Dweller.
Wo Rolex heute produziert
Die Aufteilung, wie es in einem Rolex-Communiqué bei NZZ veröffentlicht wurde.
| Standort | Aufgabe |
|---|---|
| Genf, Acacias | Hauptsitz, Entwicklung und Montage der Uhren |
| Plan-les-Ouates | Entwicklung, Gehäuse und Armbänder |
| Chêne-Bourg | Zifferblätter, Lünetten aus Keramik, Fassen der Edelsteine |
| Biel | Uhrwerke, von den Komponenten bis zur Montage |
| Romont, provisorisch | Produktion sowie Forschung und Entwicklung |
| Villaz-Saint-Pierre, provisorisch | Kundendienst und Ausbildung |
| Bulle, im Bau | Künftiger fünfter fester Standort |

Der aktuelle Ausbau: Das ist bekannt
Rolex äußert sich selten, offizielle Kapazitätszahlen gibt es erst gar nicht. Somit haben wir aus verschiedenen Quellen zusammengetragen, was der über den großen Ausbau der Werkkapazitäten bei Rolex bekannt ist. Der Stand der Berichterstattung ist November 2026.
- Ende 2022: Der Generalrat von Bulle stimmt dem Landverkauf für 31,4 Millionen Franken zu. Das Grundstück misst laut Kanton Freiburg 104.686 Quadratmeter. Rolex will rund eine Milliarde Franken investieren, Produktionsstart ab 2029.
- Juni 2024: Im ersten offiziellen Communiqué nennt Rolex vier Produktionsgebäude und ein zentrales Gebäude für Verwaltung, Support und Gastronomie, mehr als 2.000 Beschäftigte und mehrere hundert Lehrlinge. Angestrebt wird laut NZZ das höchste Niveau des Breeam-Labels.
- Romont: Auf dem früheren Tetra-Pak-Gelände mietet sich Rolex für die Übergangszeit ein, laut NZZ unter Berufung auf „La Liberté“. Vorgesehen sind 250 bis 300 Personen, die ab 2029 nach Bulle wechseln sollen. Die erste Halle misst laut Coronet rund 5.800 Quadratmeter.
- Villaz-Saint-Pierre: Hier sind der Kundendienst und ein Ausbildungszentrum vorübergehend untergebracht. Ursprünglich war der Ort laut Coronet für die große Manufaktur vorgesehen, das wurde nach einer hydrogeologischen Untersuchung aufgegeben.
- Oktober 2026: Der Bau läuft seit 2025. Rolex selbst nennt für 2029 eine teilweise Inbetriebnahme; Frapp berichtete 2024 von einer Fertigstellung zwischen 2029 und 2030. Coronet nennt zusätzlich Forschung, ein Ausbildungszentrum und einen Service-Hub für Bulle. Am ersten Tag sollen noch nicht alle 2.000 Stellen besetzt sein.
- August 2026: Bilanz spricht dabei von 1.000 Beschäftigten.
Wie ernst man es mit der Geheimhaltung nimmt, zeigt der Umstand, dass über der Baustelle bis Ende 2032 ein Flugverbot für Drohnen gilt. Was einerseits nachvollziehbar ist, andererseits schmunzeln lässt. Weiß man doch, dass die Kameras moderner Satelliten bis auf die Größenordnung eines 5-Euro-Scheins auflösen können.
Flächen in Bulle: Das Grundstück misst 104.686 Quadratmeter (Kanton Freiburg), die Geschossfläche 288.000 Quadratmeter (Rolex). Frapp nannte 2024 noch 261.600 Quadratmeter. Noch offen: Welche Fertigung konkret nach Bulle zieht und wie viele Uhren dort entstehen sollen, hat Rolex nicht mitgeteilt.
Morgan Stanley und LuxeConsult schätzen die Produktion im Jahr 2025 übrigens auf rund eine Million Uhren, im zweiten Jahr in Folge rückläufig. Uhrenkosmos kennt auch Quellen, die von knapp 1,15 Millionen Werken sprechen. Aber all diese Zahlen sind Branchenschätzungen, die Rolex in gewohnter Weise kommentiert – nämlich gar nicht.





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