Rolex Werke und Produktion in Zahlen

Rolex Biel: Die Werkgeschichte von Aegler bis Bulle in Zahlen

Die Rolex Werke im Schnelldurchlauf: von Aegler über den Rotoraufzug und die Übernahme 2004 bis zum Neubau in Biel und dem Projekt in Bulle. Mit Zeitleiste, den zehn wichtigsten Kalibern und dem Stand der neuen Standorte.

von | 02.11.2026

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Die Uhrwerke für Rolex entstehen in Biel. Dass dort seit 2004 Rolex selbst das Sagen hat, ist vergleichsweise neu: Rund ein Jahrhundert lang lieferte das Familienunternehmen Aegler die Werke, während die Marke in London und Genf saß. Hier ist die Rolex Biel Werkgeschichte kompakt: Steckbrief, Zeitleiste und die zehn wichtigsten Kaliber sowie die bekannten Informationen zum aktuellen Ausbau.

Jean Aegler Gründer von Fabrication d'Horlogerie Bienne

Historische Aufnahme von Jean Aegler, dem Gründer von Fabrication d'Horlogerie Bienne und späteren Rolex Werke-Zulieferer

Rolex Werk Geschichte: So wurde aus Aegler der Rolex-Werkelieferant

  • Der Anfang: Jean Aegler gründet 1878 in Biel eine Uhrenfabrik. Hans Wilsdorf bezieht ab 1905 Werke für sein Londoner Unternehmen Wilsdorf & Davis.
  • Die Exklusivität: Sie kam nicht sofort. Aegler belieferte auch die amerikanische Marke Gruen, und zwar bis 1936. Seit 1936 lagen die Exklusivrechte an der Bieler Produktion laut Rolex bei Genf. Ausnahmen waren später die Chronographenwerke von Valjoux und Zenith.
  • Die Rollenteilung: Aegler gab 1919 die Gehäusefertigung auf und konzentrierte sich auf Werke. Genf montierte die Uhren. Rolex Genf und der exklusive Werkproduzent in Biel führten laut Gisbert L. Brunner seit dem frühen 20. Jahrhundert eine Art Ehe mit Gütertrennung, samt Streit über Preise, Qualität und Innovationskraft.
  • Der Automatikaufzug: Emil Borer, technischer Kopf in Biel, entwickelte den 1931 patentierten Rotoraufzug. Er machte aus der Oyster die Oyster Perpetual.
  • Die Übernahme: 2004 kaufte die Genfer Montres Rolex SA die Bieler Manufacture des Montres Rolex SA von der Familie Borer. Der Kaufpreis lag schätzungsweise bei 2,5 Milliarden Schweizer Franken.
Aegerl Visitenkarte und die Aeglers Witwe von Anna Maria Aegler-Ramser

Die Fabrik der Witwe Anna Maria Aegler-Ramser mit der Visitenkarte von Johann "Jean" Aegler am Bieler Rebberg. Nach dem Tod ihres Mannes am 2. August 1891 übernahm sie gemeinsam mit ihren Söhnen Hans und Hermann die Uhrenmanufaktur

Rolex Biel im Überblick

Merkmal Angabe
Standort Biel/Bienne, Bözingenfeld; historisch am Rebberg
Aufgabe Uhrwerke, von der Fertigung der Komponenten bis zur Montage
Eigentum Rolex, die Aktien hält die Hans-Wilsdorf-Stiftung
Bei Rolex seit 2004, zuvor Familien Aegler und Borer
Neubau Eingeweiht am 16. Oktober 2012
Areal 92.000 Quadratmeter
Umbauter Raum Rund 400.000 Kubikmeter, davon 230.000 im letzten Bauabschnitt
Gebäude Zuvor sieben Gebäude; der Neubau ergänzt zwei bestehende Einheiten
Beschäftigte Über 2.000 (Rolex, 2012), rund 2.500 (Uhrenkosmos, 2018)
Werke pro Jahr Mehr als 800.000 (Stand 2018, Schätzung, Rolex nennt keine Zahlen)
Zentrallager 46.000 Lagerplätze, Roboter mit bis zu drei Metern pro Sekunde
Gangvorgabe der fertigen Uhr plus/minus zwei Sekunden pro Tag

 

Emil Borer und Hans Wilsdorf mit Rolex Automatikwerk

Emil Borer (links), Hans Wilsdorf und das Rolex Automatikwerk

Rolex Biel Werk am Bözingenfeld

Das Rolex Werk am Bieler Bözingenfeld - Foto Rolex

Zeitleiste der Rolex Werke

  Meilensteine
1878 Jean Aegler gründet in Biel eine Uhrenfabrik
1881 Umzug an den Bieler Rebberg unter der Leitung der Witwe von Jean Aegler
1905 Hans Wilsdorf gründet Wilsdorf & Davis und bezieht Werke von Aegler
1908 Der Name Rolex wird registriert
1910 Erstes Schweizer Chronometerzeugnis für eine Armbanduhr, ausgestellt in Biel am 22. März
1914 Class-A-Zertifikat aus Kew für eine Rolex; Aegler firmiert nun auch mit dem Namen Rolex
1919 Aegler gibt die Gehäusefertigung auf; Wilsdorf verlegt das Unternehmen in die Schweiz
1920 Gründung der Montres Rolex SA in Genf
1931 Patent auf den Rotoraufzug, Kaliber NA 620
1936 Rolex Genf erhält die Exklusivrechte an der Bieler Produktion; laut Fachquellen endet die Belieferung von Gruen, und Aegler firmiert neu
1994 Einweihung der Produktionsgebäude Rolex IV und V
2000 Mit dem Kaliber 4130 erscheint das erste vollständig eigene Rolex-Chronographenwerk
2003 Eröffnung von Rolex VI
2004 Rolex übernimmt das Bieler Werk von der Familie Borer
2009 Baubeginn in Biel, Grundsteinlegung am 30. September
2012 Einweihung des Neubaus am 16. Oktober
2014 Erste Syloxi-Spirale aus Silizium im Kaliber 2236
2015 Chronergy-Generation mit den Kalibern 3255 und 3235
2022 Rolex kauft 104.686 Quadratmeter Land in Bulle
2025 Baubeginn in Bulle; Kaliber 7135 mit fünf Hertz in der Land-Dweller
2029 Geplante teilweise Inbetriebnahme in Bulle
Rolex Aegler Chronometerzertifikat Biel 1910

Chronometerzeugnis der Prüfstelle Biel für Rolex und Aegler, 1910

Die Werkerweiterungen

  • Rebberg: Der historische Sitz prägte das Stadtbild und gab den frühen Werken ihren Spitznamen.
  • Bözingenfeld: Der Neubau von 2012 ist über 300 Meter lang. Die Kosten dieses Abschnitts schätzte Uhrenkosmos auf mehr als 150 Millionen Franken, die des gesamten Standorts auf 400 bis 500 Millionen.
  • Ausbaustufen: 1994 Rolex IV und V, 2003 Rolex VI, 2009 bis 2012 der Neubau, so die Dokumentation von Rolex zur Einweihung.
  • Biel bleibt: Eine komplette Verlegung nach Genf wurde vorab geprüft und verworfen. Das Projekt in Bulle berührt das Bieler Werk laut SRF nicht.
Rolex Biel am Rebberg

Der historische Rolex Standort am Bieler Rebberg - Foto Rolex Biel

Rolex Fabrikgebäude in Biel

Der Neubau in Biel - Foto Rolex

Die zehn wichtigsten Rolex-Kaliber

Die Auswahl ist eine Einordnung der Redaktion. Bei einzelnen Werten weichen die Quellen ab, Rolex veröffentlicht zu älteren Werken wenig.

Jahr Kaliber Halbschwingungen/h Gangautonomie Bedeutung
1928 T.S. k. A. rund 58 Stunden Baguette-Handaufzugswerk der Rolex Prince, 1936 Bestwert für Armbanduhren in Kew
1931 NA 620 18.000 k. A. Erster Rotoraufzug für Armbanduhren von Rolex, Basis der Oyster Perpetual
1950 1030 18.000 k. A. Neue Automatikgeneration, unter anderem in frühen Submariner und Explorer
1965 1570 19.800 42 bis 48 Stunden Langlebiger Standard der Sportmodelle, Sekundenstopp ab etwa 1972
1977 3035 28.800 rund 42 Stunden 28.800 Halbschwingungen und Datumsschnellschaltung
1988 3135 28.800 rund 48 Stunden Standardkaliber über rund drei Jahrzehnte, später mit Parachrom-Spirale
1988 4030 28.800 rund 54 Stunden Daytona-Automatik auf Basis des Zenith 400, von 36.000 reduziert, rund die Hälfte der Teile geändert
2000 4130 28.800 72 Stunden Erstes eigenes Chronographenwerk, Vertikalkupplung und Schaltrad, 44 Steine
2015 3235 28.800 70 Stunden Chronergy-Hemmung, heutiger Standard für Modelle mit Datum, 31 Steine
2025 7135 36.000 rund 66 Stunden Erstes Rolex Kaliber mit 36.000 Halbschwingungen, Dynapulse-Hemmung, Rolex Land-Dweller
Rolex Prince Kaliber T.S.

Kaliber T.S. der Rolex Prince

Rolex Perpetual Kaliber NA620

Kaliber NA 620 mit dem Rotoraufzug von 1931

Rolex Kaliber 3035

Kaliber 3035 - Foto Rolex Biel

Rolex Kaliber 4030 und 4130

Automatik-Chronographen im Zeichen der Krone: Kaliber 4030 und 4130

Rolex Kaliber 3235

Kaliber 3235 mit Chronergy-Hemmung

Rolex Kaliber 7135 Gangregler und Dynapulse-Hemmung

Gangregler und Dynapulse-Hemmung des Kalibers 7135

Mehr zur Technik: Rolex Daytona, Rolex Day-Date und Rolex Land-Dweller.

Wo Rolex heute produziert

Die Aufteilung, wie es in einem Rolex-Communiqué bei NZZ veröffentlicht wurde.

Standort Aufgabe
Genf, Acacias Hauptsitz, Entwicklung und Montage der Uhren
Plan-les-Ouates Entwicklung, Gehäuse und Armbänder
Chêne-Bourg Zifferblätter, Lünetten aus Keramik, Fassen der Edelsteine
Biel Uhrwerke, von den Komponenten bis zur Montage
Romont, provisorisch Produktion sowie Forschung und Entwicklung
Villaz-Saint-Pierre, provisorisch Kundendienst und Ausbildung
Bulle, im Bau Künftiger fünfter fester Standort
Rolex Hauptsitz in Genf

Der Rolex Hauptsitz in Genf - Foto Rolex

Der aktuelle Ausbau: Das ist bekannt

Rolex äußert sich selten, offizielle Kapazitätszahlen gibt es erst gar nicht. Somit haben wir aus verschiedenen Quellen zusammengetragen, was der über den großen Ausbau der Werkkapazitäten bei Rolex bekannt ist. Der Stand der Berichterstattung ist November 2026.

  • Ende 2022: Der Generalrat von Bulle stimmt dem Landverkauf für 31,4 Millionen Franken zu. Das Grundstück misst laut Kanton Freiburg 104.686 Quadratmeter. Rolex will rund eine Milliarde Franken investieren, Produktionsstart ab 2029.
  • Juni 2024: Im ersten offiziellen Communiqué nennt Rolex vier Produktionsgebäude und ein zentrales Gebäude für Verwaltung, Support und Gastronomie, mehr als 2.000 Beschäftigte und mehrere hundert Lehrlinge. Angestrebt wird laut NZZ das höchste Niveau des Breeam-Labels.
  • Romont: Auf dem früheren Tetra-Pak-Gelände mietet sich Rolex für die Übergangszeit ein, laut NZZ unter Berufung auf „La Liberté“. Vorgesehen sind 250 bis 300 Personen, die ab 2029 nach Bulle wechseln sollen. Die erste Halle misst laut Coronet rund 5.800 Quadratmeter.
  • Villaz-Saint-Pierre: Hier sind der Kundendienst und ein Ausbildungszentrum vorübergehend untergebracht. Ursprünglich war der Ort laut Coronet für die große Manufaktur vorgesehen, das wurde nach einer hydrogeologischen Untersuchung aufgegeben.
  • Oktober 2026: Der Bau läuft seit 2025. Rolex selbst nennt für 2029 eine teilweise Inbetriebnahme; Frapp berichtete 2024 von einer Fertigstellung zwischen 2029 und 2030. Coronet nennt zusätzlich Forschung, ein Ausbildungszentrum und einen Service-Hub für Bulle. Am ersten Tag sollen noch nicht alle 2.000 Stellen besetzt sein.
  • August 2026: Bilanz spricht dabei von 1.000 Beschäftigten. 
    Wie ernst man es mit der Geheimhaltung nimmt, zeigt der Umstand, dass über der Baustelle bis Ende 2032 ein Flugverbot für Drohnen gilt. Was einerseits nachvollziehbar ist, andererseits schmunzeln lässt. Weiß man doch, dass die Kameras moderner Satelliten bis auf die Größenordnung eines 5-Euro-Scheins auflösen können. 

Flächen in Bulle: Das Grundstück misst 104.686 Quadratmeter (Kanton Freiburg), die Geschossfläche 288.000 Quadratmeter (Rolex). Frapp nannte 2024 noch 261.600 Quadratmeter. Noch offen: Welche Fertigung konkret nach Bulle zieht und wie viele Uhren dort entstehen sollen, hat Rolex nicht mitgeteilt.

Morgan Stanley und LuxeConsult schätzen die Produktion im Jahr 2025 übrigens auf rund eine Million Uhren, im zweiten Jahr in Folge rückläufig. Uhrenkosmos kennt auch Quellen, die von knapp 1,15 Millionen Werken sprechen. Aber all diese Zahlen sind Branchenschätzungen, die Rolex in gewohnter Weise kommentiert – nämlich gar nicht.

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