Die Geschichte des Rolex Daytona Chronographen
Geschichte und Mythos: Der Rolex Daytona Chronograph

Kein anderer Armbandchronograph ist auf dem aktuellen Uhrenmarkt derart begehrt wie die Rolex „Daytona“. Dieser Hype kommt selbstverständlich nicht von ungefähr. Der Uhrenkosmos ist ihm auf den Grund gegangen.

Geschichte und Mythos: Der Rolex Daytona Chronograph

Die Rolex Daytona im Laufe der Zeit: Referenzen 6241, 16520, 116520 und 116520LN

Lust auf Luxus

Von der Hand zu weisen ist es nicht, dass Sars-CoV-2 dem einen oder der anderen Konsumenten die Lust auf den Kauf einer neuen Armbanduhr gründlich verdirbt. Die Angst vor Kurzarbeit oder Jobverlust schafft andere Prioritäten. Nicht jedoch bei stählernen Sportuhren aus dem Hause Rolex. Und vor allem nicht beim Modell Daytona.

Die Begehrlichkeit nach Rolex Stahluhren ist ungebrochen. Der virusbedingte Produktionsstopp fachte die Nachfrage sogar an, wie die am Parallelmarkt verlangten Preise belegen. Zu den ganz großen Favoriten gehört dabei nach wie vor der RolexCosmograph Daytona“. Inoffiziell kostet die Referenz 116500LN mit Stahlgehäuse und Keramiklünette tendenziell sogar mehr als vor der Coronakrise. Für ungetragene Exemplare werden deutlich mehr als 20.000 Euro verlangt.
Welche Summen am Ende nun tatsächlich fließen, ist ungewiss. Sicher hingegen ist: Die Lust auf einen Luxus, den niemand wirklich braucht, lässt sich auf Dauer nicht unterdrücken. Naturgemäß verlangt diese Suche auch in Krisenzeiten über kurz oder lang nach einem Ventil. Der Drang, sich endlich wieder etwas Guten zu tun, steckt im menschlichen Naturell. Folglich siegt er früher oder später über die Ratio.

Mythos mit Tradition und Sexappeal

Warum gerade die RolexDaytona“ einen derartigen Hype erzeugt, kann man mit wissenschaftlicher Sachlichkeit schwerlich nachvollziehen. Viele Gründe fallen in den Bereich des Irrationalen. Auf jeden Fall besitzt dieser Chronograph das gewisse Etwas, welches etlichen seiner Konkurrenten offenbar fehlt. Man kann ohne weiteres auch von einem Sexappeal sprechen, hervorgerufen nicht zuletzt durch Paul Newman. Die Geschichte zu seiner Armbanduhr findet sich hier.

In Preisregionen, wo sich gegenwärtig beispielsweise die Rolex Vintage-Referenzen 6239, 6241 oder 6265 derzeit tummeln, werden die aktuellen Automatikmodelle vermutlich niemals vordringen. Dazu gibt es einfach zu viele am Markt. Aber der kontinuierliche Preisanstieg der 1988 lancierten und 2000 eingestellten Referenz 16520 mit dem Zenith-basierten Rolex-Kaliber 4030 belegt, dass nicht mehr Produziertes oft an Reiz gewinnt.

Vor allem dann, wenn es vom richtigen Hersteller stammt. Am Uhrenmarkt ist die Marke vergleichbar mit der Lage bei Immobilien. Und da ist Rolex bekanntlich ganz oben angesiedelt. Abgesehen davon hat der Mythos „Daytona“ weitere Gründe. Seit die Referenz 16520 im Jahr 1988 auf der Bildfläche erschien, übersteigt die Nachfrage die zu offiziellen Publikumspreisen erhältliche Anzahl an Uhren ganz erheblich.

Und Rolex tut bewusst und klugerweise nichts, um diesem Mangel-Zustand abzuhelfen. Zum einen ist die Fabrikation speziell in der Bieler Werkemanufaktur ohnehin ausgelastet. Zum anderen werden Produkte ganz allgemein erst dann interessant, wenn am Markt immer mindestens ein Exemplar weniger wohlfeil ist, als die Kunden verlangen.

Eine Rolex ist ein Guter Kauf, fürwahr

Wer eine Sport-Rolex besitzt, kann sich ziemlich sicher sein, auf Dauer kein Geld zu verlieren. Die für Autos geltende Regel, dass der erste Kilometer aus dem Hof des Händlers der teuerste, weil den Wert am meisten mindernde ist, trifft hier nicht zu. Bis an diese Stelle kann man durchaus von einer Art Herdentrieb sprechen. Weil sich das vorteilhafte Investment beispielsweise in eine „Daytona“, „Submariner“ oder „GMT-Master II“ allgemein herumgesprochen hat, wollen auch solche Zeit-Genossen eines dieser sportlichen Rolex Stahlmodelle, die zuvor nicht einmal im Traum daran gedacht haben. Entsprechend sind Wartelisten bei den Konzessionären an der Tagesordnung.

Warum gerade die Daytona?

Hinter dem Hype rund um die „Daytona“, um auf dieses Uhrenmodell zurückzukommen, verbirgt sich freilich mehr, viel mehr sogar. Ganz zweifellos ist da das gewandelte Renommée einer im umfassenden Sinn wahrhaft einzigartigen Uhrenmarke. Vom einstigen Schmuddel-Image redet kaum noch jemand. Seit der Gründung im Jahr 1905 war Rolex entweder im Eigentum von Hans Wilsdorf oder der von ihm ins Leben gerufenen Stiftung. Gewinnmaximierung um jeden Preis stand deshalb nie zur Debatte.

Werte groß geschrieben

Natürlich haben auch die Armbanduhren mit dem Kronenlogo ihren Preis. Und der ist nicht gerade niedrig. Aber fürs Geld bekommt man zuverlässige, präzise und langlebige Manufakturarbeit mit Brief und Siegel. Gemeint sind ein offizielles COSC-Chronometerzertifikat und inzwischen fünf Jahre internationale Garantie.

Hinzu gesellen sich beispiellose Kontinuität im Produktdesign und daraus resultierend der sprichwörtliche Wiedererkennungswert selbst aus zwanzig Metern. Und das nicht nur beim GMT-Master II Modell “Pepsi”. Zugegeben: Rund um den Globus sind mehr Rolex-Plagiate als Originale unterwegs. Aber die Eigentümer des Echten ficht das nicht an. Im Gegenteil: Sie wissen um den Wert ihrer Erwerbung und sind stolz darauf. Ferner lässt sich eine Rolex mit bestem Wissen und Gewissen an die nächsten Generationen weiterreichen. Und die Erben können sich freuen, denn ungeachtet des Alters wird die Hinterlassenschaft niemals unmodern und wertlos.

Bleibt zum Schluss das immer bedeutendere Storytelling. Der Mythos Rolex und auch jener der „Daytona“ stecken voller Geschichten, welche sich zum Erzählen eignen, die Zuhörer staunen lassen und dort womöglich ebenfalls die Lust auf eine solche Armbanduhr wecken. Herz, was willst du mehr.

Zeitschreibende Rolex-Historie

Im Gegensatz zu anderen uhrmacherischen Pioniertaten hat Rolex bei Chronographen, wie übrigens auch Audemars Piguet, Patek Philippe oder Vacheron Constantin erst relativ spät eigene Manufaktur-Geschichte geschrieben. Und zwar mit dem Start des Automatikkalibers 4130 im Jahre 2000. In den Jahrzehnten zuvor tat es die renommierte Manufaktur vielen anderen Nobelmarken gleich: Sie baute auf die Kompetenz des im abgeschiedenen Vallée de Joux ansässigen Rohwerkefabrikanten Valjoux.

Nur im circa 1938 vorgestellten „Zerographe“, Referenz 3346, tickte ein eigenes Kaliber. Rund zehn zusätzliche Komponenten führten beim 10½-linigen Basis-Handaufzugswerk zu einer permanent nullstellbaren, nicht aber anhaltbaren Zentralsekunde.

Daher handelte es sich bei dieser optisch sehr attraktiven Armbanduhr mit dem so genannten “California”-Zifferblatt also lediglich um einen Pseudo-Chronographen, der bei Sammlern gleichwohl hohen Stellenwert genießt und entsprechend teuer bezahlt wird.

Chronographische Kooperation zum Ersten

Als ausgewiesener Sportuhren-Spezialist kam auch Rolex in den 1920-er Jahren nicht mehr an den bei Sportsleuten extrem beliebten Chronographen vorbei. Hans Wilsdorf war ein viel zu guter Geschäftsmann, um diese Chance nicht zu nutzen. Außerdem brauchte er nach den Wirrnissen der vorangegangenen Kriegsepoche jeden Franken Umsatz. Die ersten Zeitschreiber, zum Beispiel die Referenz 2021 besaß wie üblich nur einen Drücker zum Starten, Stoppen und Nullstellen.

In den Rolex-Katalogen fand sich dieser Uhrentyp noch nicht. Selbst 1934 waren Chronographen dort noch kein Thema. Erst 1937 gab es fünf verschiedene Modelle zu sehen.

1939, als die Welt in den Zweiten Weltkrieg stürzte, brachte gleich eine ganze Reihe neuer Armbandstopper: Die Referenz 3335 mit 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler, die Referenz 3481 mit verschraubter „Oyster”-Krone und normalen Drückern sowie die ungewöhnliche Referenz 3529 mit kleinem quadratischen Gehäuse, in dem das Kaliber Valjoux 69 tickte. Letztgenannte Armbanduhr eignete sich wegen ihrer geringen Dimensionen auf für weibliche Handgelenke. Dem nassen Element hatte die goldene Schale nichts entgegenzusetzen. 

1942 wandte sich die italienische Armee an Rolex. Man brauchte gut ablesbare Schleppzeiger-Chronographen fürs Handgelenk. Die Genfer Manufaktur lieferte sie. Und zwar als heutzutage extrem teuer bezahlte Referenz 4113 mit dem feinen aber opulenten Kaliber 55 VBR, welches einmal mehr das erfahrene Haus Valjoux zulieferte.

Am 19. November 2019 versteigerte das Auktionshaus Phillips eine derartige Armbanduhr aus dem Jahr 1942 für1,94 Millionen Schweizerfranken.

„Oyster“-Chronographen

Zwischen 1951 und 1953 gab es die „Oyster”-Referenz 6036 mit dem Vollkalendarium-Kaliber Valjoux 72C. Die gleichzeitig lancierte und wohl bis in die 1960-er Jahre produzierte Referenz 6034 mit Tachy- und Telemeterskala musste hingegen ohne Kalendarium auskommen. Zum kleinen aber feinen Kreis der klassischen „Oyster” Handaufzugs-Chronographen gehört die 1960 vorgestellte Referenz 6239. Ihre Kennzeichen: Oyster-Krone, normale, aber wasserdichte Drücker und markante Lünette mit Tachymeterskala. 1965 stand im Zeichen der „Cosmograph“-Referenz 6240, welche erstmals neben der Oyster-Krone auch verschraubte Drücker vorzuweisen hatte.

Ab 1967 machten die sagen- und mythenumwobenen „Oyster Cosmographen“ mit so genanntem „Paul Newman”-Zifferblatt von sich reden. Dessen Kennzeichen sind kleine quadratische Markierungen an den Indexen der kleinen Skalen für den permanent mitlaufende Sekundenzeiger sowie die Totalisatoren für Minuten und Stunden. Seinen Armbandstopper hatte der beliebte Schauspieler von Ehefrau Joanne Woodward mit der einprägsamen Bodengravur DRIVE CAREFULLY. ME geschenkt bekommen.

Die Verbindung zu dem populären Amerikaner lässt die Preise für dieses und andere historische „Daytona“-Modelle förmlich explodieren. Vermutlich sind am Markt inzwischen mehr gefälschte als originale Paul-Newman-Zifferblätter unterwegs. 

1976, als alle Welt von Quarzuhren sprach, gelangte die letzten Handaufzugs-Referenzen auf den Markt. Gemeint sind die Cosmograph-Modelle 6263 und 6265 mit Uhrwerken wiederum von Valjoux. Zu diesem Zeitpunkt hatte der traditionsreiche Rohwerkespezialist die Produktion der Handaufzugs-Schaltradkaliber schon seit zwei Jahren beendet. Speziell in den USA gab es die Rolex-Chronographen mit Discount, denn für die amerikanischen Händler waren nur die „Oyster Perpetuals“ mit Manufaktur-Automatik authentische Produkte des Kronenlabels. Bei Valjoux gehörte die Zukunft dem 1973 eingeführten Chronographenkaliber 7750 mit Selbstaufzug. Das jedoch genügte den hohen Rolex-Ansprüchen in keiner Weise.

Im zweiten Teil dieser Uhrenkosmos Chrono-Logie beschäftigen wir uns ausgiebig mit dem Automatikkaliber 4030 und sowie Details und Hintergründen des Manufakturkalibers Rolex 4130.

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