Mit dem Start von Artemis II am 1. April 2026 ist die bemannte Mondfahrt keine ferne Erinnerung mehr, sondern mitten im Zeitgeschehen. Damit wird für Uhrenliebhaber natürlich die Frage relevant, welche Uhren im All die Menschen auf ihren Missionen begleitet haben.
In der öffentlichen Wahrnehmung führt diese Frage fast automatisch zur Omega Speedmaster Professional. Das ist nachvollziehbar, weil keine andere Uhr so eng mit Apollo und den Bildern vom Monde verbunden ist. Rein historisch ist die Sache aber durchaus differenzierter zu betrachten. Denn die Geschichte der Uhren im All begann früher, verlief auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs unterschiedlich und wurde von deutlich mehr Marken geprägt.



Gagarin, Heuer, Breitling und Bulova
Der Anfang der Zeitmesser im Weltraum liegt unwidersprochen in der Sowjetunion. Als Juri Gagarin am 12. April 1961 mit Wostok 1 zum ersten Menschen im All wurde, trug er eine Sturmanskie der Ersten Moskauer Uhrenfabrik. Somit war die erste Armbanduhr im Weltraum keine Schweizer Prestigeuhr, sondern ein nüchternes sowjetisches Instrument.
Auch der nächste große Schritt der Raumfahrtgeschichte hatte uhrmacherisch noch nichts mit der späteren Moonwatch-Dominanz zu tun: John Glenn, der erste Amerikaner, der die Erde umkreiste, nahm bei Friendship 7 1962 eine Heuer 2915A Stoppuhr mit, die außen am Raumanzug befestigt war.
Kurz darauf, im Mai 1962, folgte mit Scott Carpenter und seiner Breitling Navitimer Cosmonaute die erste Schweizer Armbanduhr im All. Ihre 24-Stunden-Anzeige war kein Gimmick, sondern eine funktionale Antwort auf eine Umgebung, in der Tag und Nacht im Orbit rasch wechseln.




Bulova Accutron
In den USA tauchte früh noch ein weiterer Name auf, der heute mitunter übersehen wird: Bulova. Deren Bulova Accutron Stimmgabelwerk war im Umfeld der frühen US-Raumfahrt sehr präsent. Ganz konkret ist eine Bulova Accutron Astronaut als eine von zwei Uhren am Handgelenk des Astronauten Gordon Cooper bei der am 15. Mai 1963 gestarteten Mercury-Atlas 9 dokumentiert. Aber auch bei späteren Missionen – etwa bei Gemini V – sind Accutron Uhren dokumentiert. Die erste Bulova Armbanduhr auf dem Mond war ein Bulova Chronograph / Lunar Pilot bei Apollo 15 im Jahr 1971.
Wobei die Accutron-Technik als präzise Zeitbasis in den 1960er Jahren, vor dem Aufkommen der Quarzuhren, in vielen Instrumenten und Timern eingesetzt wurde. Damit stand Bulova in der Raumfahrt nicht nur für eine Armbanduhr, sondern zugleich für eine technische Plattform präziser Zeitmessung. Gerade dieser Punkt macht deutlich, wie vielschichtig das Thema Uhren im Weltall schon vor Apollo 11 war.



Apollo machte Omega berühmt – sie war aber nicht allein
Die Sonderstellung der Omega Speedmaster begann mit ihrer offiziellen NASA-Karriere. Wally Schirra trug 1962 bereits eine private Omega Speedmaster CK 2998 auf Sigma 7. Im Jahr 1965 wurde die Speedmaster dann von der NASA für alle bemannten Missionen qualifiziert. Von da an war sie bei den Missionen Gemini, Apollo und Skylab als Standardchronograph gesetzt.
Endgültig zur Ikone und „Moonwatch“ wurde die Omega Speedmaster auf dem Mond. Die Wahrnehmung als Monduhr beruht also nicht nur auf den starken Bildern der Mondmission. Vielmehr waren Omega Speedmaster Modelle ein veritabler Teil der großen US-Raumfahrtprogramme.


Nur galt auch zur Zeit der Apollo-Missionen der Grundsatz, doppelt genäht, hält besser. Und so nahmen Astronauten neben ihrem Dienst-Chronographen noch selten private Uhren als Sicherheit mit an Bord.
Als erste Rolex-Uhr auf dem Mond gilt nach heutigem Kenntnisstand die Rolex GMT-Master Ref. 1675 von Edgar Mitchell, die er bei Apollo 14 trug.
Und bei Apollo 15 kam mit dem Bulova Chronograph Prototype eine weitere Uhr zum Einsatz, nachdem Dave Scotts Speedmaster beschädigt worden war.

Die sowjetischen Uhren im All: Strela, Poljot, Raketa und Vostok
Auch auf sowjetischer Seite war die Entwicklung vielfältiger, als es der westliche Blick lange wahrnehmen wollte. So trug Alexei Leonov bei seinem historischen Weltraumausstieg 1965 einen Strela Chronographen der Ersten Moskauer Uhrenfabrik. Aus dieser Tradition entwickelte sich später die Marke Poljot, die den Moskauer Chronographenstrang fortführte.
Unter diesen russischen Weltraum-Chronographen ragt besonders der Poljot Okean mit ihrem Kaliber 3133 hervor. Diese erreichte zwar nie den Status einer Uhrenikone, wie die Omega Speedmaster. Gleichwohl waren die Uhren bei vielen Weltraummissionen am Handgelenk der russischen Kosmonauten.

Uhren im All
Später kamen weitere russische Markennamen zur Geschichte der Weltraum-Uhren hinzu. Hervorzuheben ist hierbei etwa Raketa mit ihrer Logik der 24-Stunden-Anzeige. Auch die heutige Raketa Baikonur liefern diese wichtige Funktionen, die den Anforderungen eines ISS-Alltags gerecht werden müssen. Schließlich liefert das 24-Stunden-Zifferblatt und der GMT-Bezug die notwendige Orientierung im Tages- und Nachtrhythmus.
Vostok gehört eher an den Rand dieser Erzählung. Die Marke steht primär für robuste sowjetisch-russische Instrumentenuhren und greift das Thema Raumfahrt in eigenen Linien wie Open Space auf, ohne in der belegten Fluggeschichte eine vergleichbare Rolle zu spielen wie Sturmanskie, Strela beziehungsweise Poljot oder später Fortis. Warum die russischen Uhren nie an die Bedeutung der Uhren der Handgelenke der Astronauten herankamen, ist leicht erklärt. Hinter dem eisernen Vorhang kamen Informationen nur sporadisch heraus und die Marken selbst waren „im Westen“ von recht dezenter Bedeutung.

Deutsche Raumfahrtuhren: Von Ruhla bis Sinn
Spätestens seit den 1970er-Jahren wurde die Liste der Uhren im All noch länger. So nahm William Pogue auf Skylab 4 eine Seiko 5 Sports Speed-Timer 6139 mit ins All; sie gilt damit als einer der frühesten automatischen Chronographen im Orbit.
Aus deutscher Sicht ist vor allem Ruhla wichtig. Sigmund Jähn, der erste Deutsche im All, trug 1978 auf Sojus 31 eine Ruhla Interkosmos mit dem Quarzkaliber 28-33. Die spannende Geschichte dieser Uhr und das heutige Modell stellen wir Ihnen hier vor.
Später schrieb auch Sinn Raumfahrtgeschichte: Reinhard Furrer trug 1985 auf der Spacelab-D1-Mission die Sinn 140 S, Klaus-Dietrich Flade 1992 bei Mir-92 die Sinn 142 S. Damit war Deutschland nicht nur mit Astronauten, sondern auch mit eigenen Uhren im Orbit vertreten.





Fortis im All
In der russischen Raumfahrt der Neuzeit wurde dann Fortis zur festen Raumfahrt-Uhren-Größe. Der Fortis Official Cosmonauts Chronograph flog in den 1990er-Jahren im Mir-Umfeld, später folgte der Fortis B-42 Official Cosmonauts Chronograph. Parallel dazu entwickelte Omega mit der ESA den analogen-digitalen Speedmaster X-33 Skywalker, dessen Funktionen auf ESA-Ideen für Missionsabläufe zurückgehen und dessen Einsatz auf der ISS dokumentiert ist. Ein spannendes aktuelles Fortis Modell mit DLC-gehärteter Oberfläche stellen wir Ihnen hier auf Uhrenkosmos vor.
Und ganz am anderen Ende des Spektrums stehen digitale Gebrauchsinstrumente: Nach Collectspace gehörten auf Shuttle und ISS auch Modelle wie Casio G-Shock zu den zugelassenen persönlichen Zeitmessern. Der Kontrast zur Moonwatch könnte kaum größer sein, folgt aber derselben Logik: Uhren im All müssen über jeglichen Mythos vor allem eines – exakt, präzise, zuverlässig und gut ablesbar die Zeit zeigen.


Uhren im All
Gerade darin liegt die eigentliche Pointe dieses Themas. Die Omega Speedmaster Professional bleibt die bekannteste aller Raumfahrtuhren, weil sie die offizielle NASA-Uhr der großen Mondära war und weil ihre Bilder Teil der globalen Erinnerung geworden sind.
Aber die Geschichte der Uhren im All ist größer: Sturmanskie, Heuer 2915A, Breitling Navitimer Cosmonaute, Bulova Accutron Astronaut, Rolex GMT-Master 1675, Strela, Raketa, Vostok, Poljot Okean, Ruhla Interkosmos, Seiko 6139, Sinn 140 S, Sinn 142 S, Fortis Official Cosmonauts Chronograph und etliche weitere Marken und Modelle gehören alle zu diesem Panorama.
Die Omega Moonwatch ist dabei sicher die berühmteste Figur dieser Geschichte – aber nicht ihre einzige. Entsprechend reizvoll kann es für Uhrenliebhaber sein, nach „Weltraum-Uhren“ zu suchen, die neben aller Technik auch über eine interessante Historie in der Raumfahrt verfügen.

„Fast“-Weltraumuhr
Kleiner Nachtrag: Nicht vergessen sollte man an dieser Stelle das weltweit beachtete Projekt Stratos von Red Bull. Dabei handelt es sich um den Sprung von Felix Baumgartner aus einer Kapsel, die mit Hilfe eines Helium-Ballons in eine Höhe von 38.969 Metern aufstieg.
Bei seinem Sprung aus der Kapsel am 14. Oktober 2012 trug der österreichische Base-Jumper und Extremsporter Felix Baumgartner mit der El Primero Stratos Flyback einen Manufaktur-Chronographen des Projektpartners Zenith. Was zeigt, dass Chronographen gerade bei hochriskanten, präzise Zeitintervalle fordernden Projekten willkommene Begleiter sind.






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