Liebhaber hochwertiger Uhren wissen es: Ob Uhr, Schreibgerät, Geldbörse oder Schlüsselbund – ein solches Accessoire ist stets mehr als ein einfacher Gebrauchsgegenstand. Es ist ein Signal an die Außenwelt und ein Symbol des eigenen Anspruchs. Doch während die mechanische Uhr sich als persönliches Bekenntnis zu Technik, Handwerkskunst und Material durchgesetzt hat, unterliegen die anderen Accessoires dem Wandel der Moderne. Denn Autos wie Wohnungstüren öffnen inzwischen oft drahtlos, wenn nicht gar automatisch, und Schreibgeräte werden dank zunehmender Digitalisierung und Spracherkennung zum Museumsstück.
Umso erstaunlicher, dass sich in Bayern ein Start-up dem Luxus des modernen Kartenhalters verschrieben hat. Wir haben uns die Geschichte des Geldbeutels wie das Portfolio der Evermade Wallets angesehen und einen Blick auf die Details und Werkstoffe dieser luxuriösen modernen Geldbörsen geworfen.


Von der Ledertasche zum Kartenhalter
Vor 2.000 Jahren, im Rom der Kaiserzeit, hatte das Geld nicht zuletzt dank des enthaltenen Wertmetalls noch Gewicht. Entsprechend wurde es meist in einem kleinen Lederbeutel mit Zugband am Gürtel getragen. Wer es sicherer wollte, trug Münzen von größerem Wert am Gürtel in einer innenliegenden Tasche. Dies änderte sich im Alltag trotz aufkommender Schuldscheine und Wechsel bis ins späte Mittelalter nicht. Erst das Papiergeld des 18. und 19. Jahrhunderts ermöglichte flache Geldbörsen oder kleine Ledertaschen für Münzen. Brieftaschen waren nun der Aufbewahrungsort für Geldscheine, Quittungen, Briefe und später Ausweise – oft verbunden mit einem kleinen Fach für Münzgeld.
Parallel entstand der Geldclip Anfang des 20. Jahrhunderts als elegantes, kleines Accessoire, um Banknoten unkonventionell in der Hosentasche zu tragen. Das änderte sich, als mit der Diners Club Card 1950 die erste universell einsetzbare Charge Card den Weg in die Brieftaschen fand. Wenige Jahre später leitete die BankAmericard, der Vorläufer von Visa, die Massenverbreitung der Karten ein. Nun war die Geldbörse kein reines Behältnis mehr, sondern hatte Platz für die standardisierten Kartenformate zu bieten: 85,6 × 54 mm, 0,76 mm stark – das ISO-Kartenformat, das bis heute gilt.
In weiterer Folge fand eine Ansammlung gleichgenormter Karten und damit einhergehend eine schrittweise Entschlackung statt. Waren es zunächst Bifold-Modelle mit Kartenschlitzen, die Kartenhalter, Münzfach und Geldscheinfach kombinierten, kamen nach und nach Portemonnaies auf, die ganz ohne Münzfach auskamen.
Den nächsten Schritt machten reine Kartenhalter, die allein auf Scheckkarten und Ausweise ausgelegt waren. Und spätestens mit dem Wechsel der Ausweise vom Papier zum ISO-Kartenformat für Personalausweis, Führerschein, Tankkarten oder Krankenkassenkarten war der Trend zum schlanken Wallet nicht mehr aufzuhalten. Plötzlich passte die gesamte persönliche Identität in ein kompaktes, flaches Wallet von alltagstauglicher Kreditkartengröße.


Erste Anbieter von luxuriösen Wallets
Aber der Mensch wäre nicht der Mensch und Luxus nicht die hochwertigere Form eines alltäglichen Gegenstands, würden sich nicht rasch Spezialisten um eine höherwertige Diversifizierung des alltäglichen Gebrauchsguts bemühen. So war es unter anderem die amerikanische Marke Ridge, die im Jahr 2012 mit einem Wallet aus Metallplatten und Gummiband das neue Segment des Slim Metal Wallet erfand.
Das niederländische Unternehmen Secrid entwickelte dagegen ein neuartiges Kartenetui mit Cardprotector, bei dem ein gefederter Aluminium-Mechanismus die Karten per Daumendruck herausfächert.
Im hochwertigen Bereich war es wiederum das junge Unternehmen Dango, das mit Aerospace-Aluminium und handgenähtem Leder auf sich aufmerksam machte. Alle drei bedienen einen wachsenden Markt – doch wie im Uhrensegment gibt es im High-End-Bereich stets Luft für Neues und neue Wettbewerber.

Evermade Wallets
Mit diesem Anspruch setzte die bayerische Marke Evermade an, als die beiden Jungunternehmer Andreas Jung und Thorsten Fleckenstein im Jahr 2014 in Alzenau das Unternehmen Firestarter gründeten. Hier sollten unter dem Namen „AVIATOR by EVERMADE Wallets“ Kartenhalter allererster Güte entstehen. Dabei ging es weniger um einen ausgeklügelten Kartenmechanismus oder eine besondere Serviceleistung. Das Ziel war schlicht und einfach, mit präzisionsgefertigten Wallets aus hochwertigen Materialien – einzeln nach Bestellung in der eigenen Werkstatt in Bayern gefertigt – das Segment der Luxus-Wallets zu besetzen.
Um dem selbstformulierten Ziel gerecht zu werden, konzentrierte man sich bei Evermade von Anbeginn auf zwei Aspekte. Alle Teile, die unabänderlich und frei von Verschleiß sind, sollten durch die Präzision der Verarbeitung und die verwendeten Werkstoffe herausragen. Gleichzeitig musste durch einen modularen Aufbau sichergestellt werden, dass Verschleißteile jederzeit problemlos austauschbar bleiben. Überdies wollte man mit vielfältigen Möglichkeiten der Individualisierung dem Trend zur Personalisierung folgen. Entsprechend entstehen Evermade Wallets oft auf individuelle Bestellung – was mitunter zu etwas längerer Lieferzeit führen kann, dem Kunden jedoch die Möglichkeit zur Personalisierung offenlässt.

Aviator Wallets
Das Fundament des Evermade Sortiments bildet dabei die Aviator-Linie. Diese Wallets sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich – etwa aus Holz, Carbon oder Metall – und bewegen sich preislich im gehobenen Segment zwischen 80 und 350 Euro. Damit positionieren sie sich deutlich oberhalb von Massenware, ohne die exklusiven Höhen der limitierten Evermade Sonderauflagen zu erreichen.
Gerade mit den Carbon-Varianten sucht man in Alzenau jene Käufer anzusprechen, die Wert auf ein hochwertiges Alltagsobjekt legen, ohne gleich den Schritt in die Welt der Sammlerstücke zu wagen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei in der handwerklichen Qualität und der individuellen Konfigurierbarkeit der Wallets.

Evermade Uniques: Zwei ausverkaufte Vorgänger
Offenbar hatte man in Bayern, fernab der internationalen Design-Hotspots, durchaus ein gutes Gespür für den Zeitgeist und für jene Form des diskreten persönlichen Luxus. Denn parallel zu den hochpreisigen Wallets legte man früh mit der ersten limitierten Edition der Evermade Titanium Hive eine Kleinserie im Ultra-Luxus-Segment auf – und konnte trotz des nicht eben unerheblichen Verkaufspreises von 2.500 Euro die 24 Exemplare schnell verkaufen. Hergestellt aus Titan des Härtegrads 1, punktete dieses High-End-Wallet mit einer gravierten vollflächigen Wabenstruktur.
Motiviert vom Erfolg folgte darauf das ebenfalls limitierte Modell Evermade Forged Nova Limited Edition. Bei diesem Modell bestanden die Flächen aus hochdichtem Carbon, das von scheinbar geschmolzenen Bronzeadern und Bronze-Einschlüssen durchzogen war. Die Carbon-Bronze-Flächen waren auf einem Messing-Rahmen aufgebracht und wurden durch anodisierte Titanschraubenmit dem Gehäuse verbunden. Und auch hier waren die 25 Exemplare zum Preis von 700 Euro schnell abverkauft.


Evermade Brass Wave: Messing als Materialentscheidung
Nach dem Erfolg der ersten Evermade Luxus-Editionen legt man beim aktuell erhältlichen Evermade Brass Wave Wallet die Messlatte mit 500 verfügbaren Exemplaren deutlich höher. Bei diesem Slim-Wallet bestehen nicht nur der Korpus, sondern auch die Front- und Rückseite, der Cash Clip sowie das Münzmodul aus massivem Messing. Entsprechend ist das Gewicht mit 183 Gramm deutlich höher als bei vergleichbaren Modellen aus Aluminium oder Titan.
Die Maße betragen 85,6 x 54 x 10,5 Millimeter. In einer Produktkategorie, die üblicherweise mit kompaktem Format und geringem Gewicht argumentiert, stellt das Gewicht einen bewussten Kontrapunkt dar: Hier ist die warme Metallhaptik des Messings neben dem höheren Gewicht zentraler Punkt des Konzepts. Ebenso wie der hohe Aufwand, der bei der Erstellung des Messing Wallets betrieben wird.
So erhalten die Grundflächen des Gehäuses der Brass Wave Wallets in einer mehrstündigen CNC-Bearbeitung ein subtiles japanisches Wellenmuster. Anschließend folgen mehrere Stunden Feinschliff sowie weitere 3 Stunden für das Stonewashed-Finish.
Das unter der Oberfläche liegende Kleingeldfach ist ebenfalls aus massivem Messing gefertigt. Für die notwendige Flexibilität im Alltag sorgt das verstellbare Zugband-System, das einen sekundenschnellen Zugriff auf bis zu 20 Karten ermöglicht. Auf der Oberfläche befindet sich außerdem ein Clip für Belege, Parktickets oder Geldscheine.



Schutz der Karten vor Datenklau
Ein nicht unwichtiger Nebeneffekt des Messing-Körpers ist der Umstand, dass das Metall als Faradayscher Käfig wirkt und ein betrügerisches Auslesen der Karten verhindert. Ein Aspekt, der bei den Aviator-Modellen aus Holz oder Carbon übrigens durch eine mitgelieferte Datenschutzkarte berücksichtigt wird.
Nicht allzu sehr verwundert sollte man auch sein, wenn der helle Messingfarbton des Gehäuses sich mit der Zeit verdunkelt. Wie bei Bronzeuhren (mehr über die Metalllegierung gibt es hier auf Uhrenkosmos zu lesen) oder Musikinstrumenten bildet sich auf der Oberfläche eine natürliche Patina, die dem Wallet eine individuelle Farbigkeit verleiht – sich jedoch mit etwas verdünntem Zitronensaft im Nu wieder auf den Ausgangszustand zurücksetzen lässt.
Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Messing wird eine antimikrobielle Wirkung zugeschrieben. Man hält also ungeachtet der täglichen Nutzung einen Gebrauchsgegenstand in Händen, der nicht nur schön anzuschauen, sondern auch praktisch konzipiert ist.

Evermade Brass Wave Wallet Preis
Wer sich für eines der 500 Exemplare des Brass Wave mit Münzfach interessiert, kann seine Bestellung direkt online bei Evermade aufgeben und dabei angeben, für wieviele Karten das Wallet ausgelegt sein soll. Für weitergehende Individualisierungen empfiehlt sich der direkte Kontakt mit dem Hersteller.
Ob man beim Evermade Brass Wave zum Preis von 950 Euro gleich ins oberste Regal greift oder mit einem Aviator by Evermade den ersten Schritt in die Markenwelt wagt – die Entscheidung bleibt der persönlichen Neigung überlassen. Erfreulich über alle Preiskategorien hinweg ist indes die Tatsache, dass es abseits von vergänglicher Temu und Alibaba Ware auch hierzulande attraktive und handwerklich überzeugende Wallets gibt, die von Dauer sind und mit den Vorzügen echter Manufakturarbeit überzeugen können.







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