Wer die neue Audemars Piguet Neo Frame Jumping Hour verstehen will, muss fast 100 Jahre zurückgehen, genauer gesagt ins Jahr 1929. Damals entstand mit dem Vorläufermodell 1271 eine Uhr, die zwar erst 1929 und 1930 vermarktet wurde, aber zu den frühen Audemars-Piguet-Modellen mit zwei Anzeigefenstern zählte. Insgesamt entstanden 14 Exemplare in vier Varianten: in Weißgold, in Weiß- und Gelbgold, in Weiß- und Grüngold sowie als Unikat in Platin. Nahezu alle wurden noch vor dem Börsencrash im Oktober 1929 verkauft. Das Platinmodell, das heute im Musée Atelier Audemars Piguet aufbewahrt wird, diente so als Inspiration für die neue Neo Frame Jumping Hour.

Offenbar fand die Uhr mit ihrer markanten Gestaltung auch intern etliche Freunde, denn sie diente als Vorlage für die Audemars Piguet Neo Frame des Jahres 2026. Diese Aufmerksamkeit kommt nicht von ungefähr, denn AP galt einst als Pionier der springenden Stunde.
Von Mitte der Zwanziger-Jahre bis Anfang der 1950er Jahre fertigte die Manufaktur mehrere Hundert dieser Zeitmesser mit dieser Komplikation, wobei ein knappes Drittel ein doppeltes Anzeigefenster gehabt haben soll. Mit Beginn der 1950er Jahre wurde es dann ruhig um die Uhren und ihre „Streamliner“– oder auch „Ocean-Liner“-Form. Nun waren technische Uhren für die Zeit des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders gefragt – was aber der Schönheit der alten Modelle aus heutiger Sicht keinen Abbruch tut.

Gehäuse: Godronierungen als gestalterisches Rückgrat
Das Gehäuse der Audemars Piguet Neo Frame Jumping Hour misst 34,6 × 34 Millimeter ohne Bandanstöße, besteht aus 18 Karat Roségold und wird beidseitig von je acht vertikalen Godronierungen gerahmt. Als Godronierung bezeichnet man rillenartige, abwechselnd erhabene und vertiefte Längsrippen, die in der Goldschmiedekunst seit dem Barock als Oberflächendekor bekannt sind und einem Objekt sowohl Struktur als auch Lichtreflexion verleihen. An der Neo Frame erfüllen sie keine rein dekorative Funktion: Sie schaffen visuelle Tiefe, gliedern die Gehäuseflanken und machen die Uhr von allen Seiten erkennbar.
Dieses Motiv setzt sich auf Gehäuseboden, Krone und Schwungmasse fort. Die Linien laufen in spitz zulaufende Bandanstöße aus – ein direktes Zitat der gestreckten, aerodynamischen Formen des Pre-Models 1271.

Zifferblatt: Reduktion mit konstruktivem Aufwand
Unter einem schwarz PVD-behandelten Saphirglas zeigen zwei goldgerahmte Fenster weiße Ziffern auf schwarzem Grund – springende Stunde oben, nachlaufende Minuten darunter. Der Markenname erscheint bei 6 Uhr in Roségoldtönen.
Die Konstruktion dahinter ist aufwendig: Weil bei 12 und 6 Uhr auf einen klassischen Metallrahmen verzichtet wurde, wird das Saphirglas mit der Zifferblattplatine verklebt und anschließend in das Gehäuse geschraubt. Diese eigens entwickelte Technik gewährleistet eine Wasserdichtigkeit bis 20 Meter.

Die Neo Frame Jumping Hour ist eine Hommage an Audemars Piguets Pionierrolle bei der Entwicklung der ersten Uhren mit springender Stunde in den 1920er-Jahren. Damals war das Glas so zerbrechlich, dass es durch Metall geschützt werden musste. Heute besteht es aus Saphirglas, das im Mittelpunkt steht.
Kaliber 7122: Das erste automatische Springende-Stunden-Werk von AP
Im Inneren arbeitet das neue Kaliber 7122 – Audemars Piguets erstes Automatikwerk mit springender Stunde überhaupt. Es basiert auf dem Kaliber 7121, misst 29,6 mm im Durchmesser bei nur 4 mm Dicke und umfasst 293 Komponenten. Die Schwingfrequenz beträgt 4 Hz (28.800 Halbschwingungen/Stunde), die Gangreserve 52 Stunden.
Ein patentiertes Stoßdämpfungssystem verhindert, dass die Stundenanzeige bei Erschütterungen ungewollt weiterspringt. Die Stundenscheibe besteht aus Titan, die Minutenscheibe aus einer Aluminiumlegierung – beide Materialien minimieren die bewegten Massen und erhöhen die Stoßfestigkeit. Durch den Saphirglasboden zeigt sich das Werk mit Genfer Streifen, Satinierungen und einer skelettierten Schwungmasse in Roségold.

Audemars Piguet Neo Armband und Preis
Getragen wird die Neo Frame an einem schwarzen Kalbslederarmband mit neu entwickeltem gewebt-strukturiertem Motiv, das bündig in das Gehäuse integriert ist. Der Preis liegt bei 65.400 Euro bzw. 71.200 US-Dollar.
Zweifellos kein geringer Preis. Allerdings gilt es festzuhalten, dass die Audemars Piguet Neo Frame Jumping Hour keine schlichte Hommage ist, sondern eine komplett neuentwickelte Variante des einstigen Modells, die aus der Verbindung von einst und jetzt zu etwas Neuem geführt hat. Nicht zu vergessen, dass AP wohl auch in der Lage war zu ergründen, was rechteckige Neu-Lancierungen in Gold im Markt sonst so kosten.
Weitere Audemars Piguet Modelle finden Sie im AP Markenkosmos auf Uhrenkosmos.com.
Audemars Piguet Neo Jumping Hour
Datenblatt
| Komplikation | Rechteckige Armbanduhr mit springender Stunde |
| Werk | Kaliber 7122 |
| Werktyp | Automatikwerk |
| Anzeige | Springende Stunde und nachlaufende Minuten |
| Gangreserve | 52 Stunden |
| Stoßschutz | Patentiertes Stoßdämpfungssystem |
| Material Stundenscheibe | Titan |
| Material Minutenscheibe | Kupferlegierung |
| Gehäusematerial | 18 Karat Roségold |
| Abmessungen | 34,6 x 34 mm |
| Gestaltung Gehäuse | Beidseitig je acht vertikale Godronierungen |
| Anzeigefenster | Zwei goldgerahmte Fenster |
| Konstruktion Zifferblatt | Saphirglas mit Zifferblattplatine verklebt und verschraubt |
| Wasserdichtheit | 20 Meter |
| Boden | Saphirglasboden |
| Schwungmasse | 18 Karat Roségold mit zusätzlicher Kannelierung / Godronierung |
| Armband | Strukturiertes Kalbslederarmband mit Dornschließe aus Gold |
| Preis | ca. 65.400 EUR |






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