Ewiger Kalender neu gedacht
In Gestalt der Gerald Charles Masterlink Perpetual Calendar präsentiert die Uhrenmarke schon im Vorfeld der Genfer Uhrenmesse Watches and Wonders eine brandneue Armbanduhr. Ohne Übertreibung lässt sie sich im Produktportfolio der 2000 von Altmeister Gérald Genta gegründeten Marke als echte Zäsur bezeichnen. Einmal handelt es sich um die bislang komplexeste Mechanik, und zum anderen auch um ein programmatisches Statement.
Das nun von Frederico Ziviani geleitete Familienunternehmen möchte nicht bloß vom Mythos des am 17. August 2011 verstorbenen Design-Gurus leben, sondern diesen mit Blick auf die Vergangenheit auch technisch eindrucksvoll fortschreiben. Genau darin liegt der Reiz des ausdrucksstarken Newcomers. Obwohl Gérald Genta schon in den 1970er Jahren ewige Kalender präsentierte, erschöpft sich dieser Signatur-Zeitmesser nicht in historischer Reminiszenz.

Er transportiert eine Komplikation, deren Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen, in die Gegenwart mit völlig veränderten Ansprüchen. Zweifellos gehört der immerwährende Kalender, dessen Ewigkeit auf Geheiß von Papst Gregor XIII. am 28. Februar 2100 endet, weil dann der im mechanischen Programm vorgesehene Schalttag außertourlich entfällt, gehört zu den anspruchsvollen Disziplinen der hohen Uhrmacherkunst. Zugleich leiden gar nicht wenige Repräsentanten dieser Spezies komplizierter Zeitmesser unter nicht sonderlich guter Ablesbarkeit sowie herausfordernder Einstellbar- und Korrekturmöglichkeit. Das schmälert die Alltagstauglichkeit und damit auch die Freude.
Genau an dieser Stelle setzt die Kalender-Philosophie von Gerald Charles an. Naturgemäß ist der Masterlink Perpetual Calendar technisch kompliziert. Ungeachtet dessen will er aber auch lesbar, ergonomisch und darüber hinaus auch noch sportlich nutzbar sein. Und das ist dem Entwicklungsteam tatsächlich gelungen.

Ablesbarkeit und Ergonomie
Das logischerweise zunächst ins Auge stechende Merkmal dieses gleichermaßen markanten wie komplexen Zeitmessers ist seine äußere Erscheinung. Die von oben nach unten asymmetrisch gestaltete und deshalb auf hohen Wiedererkennungswert ausgerichtete Masterlink-Schale in Titan Grad 5 misst 40 Millimeter und baut lediglich zehn Millimeter hoch. Auf die Waage bringt das gesamte Oeuvre gerade einmal 97 Gramm.
Trotz seiner vier Korrektoren im Gehäuserand reicht die Wasserdichte bis zu zehn bar Druck. Feierabendliche Workouts oder Outdoor-Wochenenden, bei denen es auch mal richtig nass werden kann, machen dieser Armbanduhr also gar nichts aus. Die Kalendertopografie mit Anzeige des Datums, der Wochentage und Monats folgt durchaus überlieferten Vorbildern.

Als Besonderheit kann die Platzierung der Schaltjahresindikation durch ein zwischen Januar und März positioniertes Fenster gelten. Dort ergibt sie tatsächlich Sinn. Dadurch bedingt steht der erste Monat des Jahres „im Norden“ des entsprechenden Felds. Logisch wäre es in meinen Augen gewesen, auch den 1. des Monats und den Montag als Wochenbeginn ganz oben in der Senkrechten zu verorten. Das jedoch nur am Rande. Durch die charakteristische untere Smile-Ausbuchtung des Gehäuses konnte Gerald Genta den im Alltagsgeschehen wichtigen Datumskreis deutlich größer schlagen. Das kommt dem intuitiven Erfassen sehr zugute.


Fast schon selbstverständlich ist ein Zifferblattausschnitt, in dem sich die Lichtphasen des bleichen Erdtrabanten zeigen. Die Verwendung einer ebenfalls großzügig dimensionierten Mondscheibe mit 135 Zähnen lässt darauf schließen, dass manuelle Korrekturen – rein theoretisch – erst nach 122 Jahren fällig werden. Bis dahin dürften freilich einige für den Werterhalt wichtige Grundüberholungen stattgefunden haben.

Vernünftiger Mix
Beim differenzierten Betrachten des Ganzen fällt auf, dass die Form des Uhrwerks exakt der des Gehäuses entspricht. Folglich stammt das im Schaleninneren verbaute Automatikkaliber GCA11000 nicht von der Stange. Seine Entwicklung erfolgte nach den von der markanten Schale vorgegebenen Anforderungen. Auf diese Weise wurde im Dienst möglichst großer Bauteile kein Platz verschenkt. Der goldene Mikrorotor ist in die Werksebene integriert. Das wiederum gestattet die gewünscht flache Ausführung des Mikrokosmos.
Stündlich 21.600 Halbschwingungen vollzieht die Glucydur-Unruh mit variabler Trägheit. Vier Masselots auf den Speichen gestatten präzises Regulieren. Zu den 306 sorgfältig finissierten Komponenten gehören 29 funktionale Steine. Nach Vollaufzug stehen 50 Stunden Gangautonomie zur Verfügung. Wer sich in der Mikrorotor-Szene auskennt, wird unschwer feststellen, dass das speziell geformte Basiswerk des Masterlink Perpetual Calendar von keinem Geringeren als der Vaucher Manufaktur in Fleurier stammt.

Demgegenüber weist die flache, auf der Vorderseite montierte Kalender-Kadratur deutliche Merkmale eigener Konstruktion auf. Diese Kombination aus bewährter tickender Grundlage und im Haus entwickelter Zusatzfunktion auf hohem Niveau ist Ausdruck uhrmacherischer und auch ökonomischer Vernunft.
Die Kreation eines eigenen Kalibers dieser Qualität erfordert Jahre und verschlingt definitiv einen siebenstelligen Betrag. Das hätte zwar noch einen Tick mehr Exklusivität gebracht, den Preis dieser Armbanduhr jedoch deutlich in die Höhe getrieben. Die Kombination von Zugekauftem und Proprietärem erklärt schließlich auch, warum das Einstellen und Korrigieren des ewigen Kalenders mit Hilfe vierer in die Gehäuseflanken versenkter Drücker erfolgt. Bedienung per Krone hätte die gesamte Konstruktion „aus einem Guss“ bedingt.

Zwei Versionen
An den Start geht das alles andere als alltägliche Opus in zwei Versionen. An Menschen mit Faible für das optisch eher Zurückhaltende wendet sich die Ausführung mit anthrazitfarbenem, zweistufigem Fumé-Zifferblatt und vertikaler Gitterstruktur. Mechanik-Voyeure kommen bei der Variante mit offen gearbeitetem Saphir-Zifferblatt auf ihre Kosten.

Apropos: Selbige beziffert Gerald Charles mit 63.000 bzw. 70.000 Schweizerfranken. Nach Deutschland importierte Armbanduhren dieses Typs dürften gemäß aktuellen Wechselkursen sowie inklusive der hier geltenden Mehrwertsteuer mit rund 75.000 bzw. 83.000 Euro zu Buche schlagen.
Fürs Geld bekommen die Zeitmesser auch eine Menge Ergonomie mit auf den Weg. Darauf legt Gerald Charles traditionsgemäß besonderen Wert, wie das selbst gewählte Schlagwort ErgonTeq zum Ausdruck bringt. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Denkweise, bei der eine Anpassung der Proportionen von Gehäuse und Gliederband an die Anatomie des Handgelenks erfolgt.

Böse Zungen könnten das als Marketingvokabular brandmarken. Aber wer Gerald Genta und seine Design-Philosophie verfolgt, erkennt die Schlüssigkeit dieses Ansatzes. Eine Uhr mit Formgehäuse, integriertem Band, Korrektoren und letzten Endes auch reichlich gefülltem Zifferblatt, vor dem insgesamt fünf Zeiger drehen, muss nicht nur in der Vitrine, sondern in erster Linie am Unterarm überzeugen. Und genau das ist der Genfer Marke bei ihrem neuen Masterlink Perpetual Calendar gelungen.

Rückblick
Zum Schluss heißt es kurz zurückblicken auf das einschlägige Erbe von Gérald Genta. Schließlich war er nicht nur der Schöpfer bekannter und begehrter sportlich-eleganter Armbanduhren wie Royal Oak und Nautilus, sondern mit seiner eigenen Marke auch ein wichtiger Protagonist bei der Wiederbelebung klassischer mechanischer Komplikationen nach der Quarzkrise.
In diesem Sinne entwickelte der Uhrmacher Pierre-Michel Golay für Gerald Genta schon 1974 für ein schlankes Modul für einen immerwährenden Kalender. Selbiges steuerte ein flaches Automatikwerk vom Kaliber (Frédéric) Piguet 71 an. Dieses Duo beseelte meines Wissens nach bereits 1977 eine Armbanduhr mit ewigem Kalendarium.



Bemerkenswert sind auch Skelett-Versionen. 1981 folgte mit der Referenz G2015.4 ein durch zusätzliche Minutenrepetition deutlich aufgewertetes Meisterwerk. Dessen Auftritt mit achteckigem und getrepptem Gehäuse war gewiss nicht jedermanns Sache. Aber die technische und uhrmacherische Leistung schmälert das retrospektiv in keiner Weise. Vor diesem Hintergrund verkörpert die Gerald Charles Masterlink Perpetual Calendar Uhr mit ewigem Kalender auch eine verdiente Hommage an den Meister.
Weitere Gerald Charles Modelle finden auf dieser Seite im Gerald Charles Markenkosmos.


Gerald Charles Masterlink Perpetual Calendar
Datenblatt
| Werk | Kaliber GCA11000, Automatik mit Mikrorotor, geformtes ultraflaches Werk, 306 Komponenten, 29 Steine, |
| Frequenz | 3 Hz |
| Gangreserve | ca. 50 Stunden |
| Funktionen | Ewiger Kalender mit Anzeige von Wochentag, Großdatum, Monat, Schaltjahreszyklus und Mondphasen |
| Gehäuse | Titan Grad 5, asymmetrische Form, verschraubte Krone, verschiedene Finissierungen inklusive Darkblast, satiniert und poliert |
| Maße | 40 mm × 40 mm, Höhe: 10 mm |
| Wasserdichte | 10 bar |
| Zifferblätter | Anthrazitfarbenes zweistufiges Fumé-Zifferblatt mit vertikaler Struktur oder offen gearbeitetes Saphir-Zifferblatt |
| Armband | Integriertes Gliederband aus Titan Grad 5, Feinverstellung über Mikrolink, Faltschließe |
| Gewicht | 97 Gramm |
| Referenzen | ML11.0-TNBR-TNSB-BR00SR-TNDP (Fumé-Zifferblatt) |
| ML11.0-TNBR-TNSB-SP31PS-TNDP (Saphir-Zifferblatt) | |
| Preis | CHF 63.000 (Fumé) und CHF 70.000 (Saphir) |






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