Moderne Unruh Spirale

Glucydur Unruh: Das sind ihre Vorzüge und ihre Bauweise

Schweizer Wissenschaftlern gelang in den 30er Jahren ein echter Durchbruch: Eine neuartige Kupferlegierung machte die Glucydur Unruh einer Uhr deutlich härter als vergleichbare Exemplare aus Nickel oder Messing. Und das war nur der erste Schritt bei der Verbesserung der Unruh.

Unruh – das Herz einer Uhr

Auch vor der Erfindung des Werkstoffs Glucydur  und dem Bau einer Glucydur Unruh war jedem Uhrenkenner klar: Das Herzstück einer mechanischen Uhr ist das System rund um die Unruh. Je besser und präziser es arbeitet, umso genauer misst die Uhr die Zeit. Ebenso ist bekannt, dass bei der Konzeption einer Unruh die größte Masse außen am Reif liegen muss. 

Parallel zur Entwicklung des Spiralenmaterials Nivarox beschäftigten sich Schweizer Wissenschaftler in den 1930-er Jahren mit der dazu passenden Unruh. Hierfür bot sich ein neuartiger Werkstoff namens Glucydur an. Das Wort setzt sich aus den französischen Begriffen Glucinium (Beryllium) und dur (hart) zusammen. Bei diesem Material handelt es sich um eine Kupferlegierung. Berrydur, so wird das Material ebenfalls genannt, entsteht durch die Beimengung von etwa drei Prozent Beryllium. Das Erkennungsmerkmal dieser Unruh-Spiralen ist die goldene Farbe.
Eine Glucydur Unruh besitzt eine Härte von 380 Vickers gegenüber 220 Vickers einer Nickel-Unruh und 180 einer Unruh aus Messing. Dadurch lassen sie sich vorzüglich vernieten, auswuchten und ebenso feinregulieren. Robert Lavest, Ex-Direktor der Uhrmacherschule Le Locle, beschrieb die Glucydur Unruh folgendermaßen:

Diese Unruh, gefertigt aus einem sehr harten Metall, Härte 400 Brinell, amagnetisch, nicht oxidierend, von feinem  Glanzzeichnet sich durch ihr bemerkenswertes Finish und die Würde feiner Handwerkskunst aus, welche sie einem Uhrwerk verleiht. Für Massenprodukte ebenso wie für besondere Uhrwerke ist die Glucydur-Unruh sehr begehrt, geschätzt von Zapfen-Rollieren und auch von Regleuren.  Die Glucydur-Unruh erleichtert das Regulieren und ihre Erfindung bedeutet einen wichtigen Schritt in der Uhrentechnik. („This balance, made of a very hard metal, 400 Brinell, non-magnetic, non-corrosive, having a fine lustre, is outstanding for its remarkably brilliant finish and the air of fine workmanship it lends to the movement. For mass-produced as wells as for special movements, the Glucydur Balance is in great demand, appreciated by pivot-makers and adjusters alike. It makes adjustment easier and its discovery means one step further in watchmaking technique.“)
Robert Lavest

Glucydur Unruh

Anfänglich wurde eine monometallische Glucydur Unruh in mechanischen Uhren zumeist noch mit Regulierschrauben verbaut. Bald aber fanden Uhrmacher heraus, dass die schraubenlose, maschinell ausgewuchtete Ringunruh die bessere Lösung sei. Daher regelt ab 1968 in ungefähr 90 Prozent aller  Qualitäts-Uhrwerke eine Glucydur Unruh den Gang. 

Quellen: 1. Lavest, R.: The Elements of Watchcraft“ 1949; 2. Berner, G.A. : Dictionnaire Professionnel Illustré de l’Horlogerie, 1961

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