Chronograph mit langer Vorgeschichte
Die intensive Beschäftigung mit dem während der Watches and Wonders 2026 vorgestellten TAG Heuer Monaco Evergraph verlangt zunächst einen Blick zurück. Spätestens seit 1888, als Edouard Heuer das Patent für seine Schwingtrieb-Kupplung erhielt, gehören die 1860 gegründete Uhrenmarke und Chronographen untrennbar zusammen.

1916 folgte mit dem Mikrograph eine erste Stoppuhr zur Messung von Hundertstelsekunden. Des Weiteren stehen die Namen Autavia, Carrera und Monaco (die ganze Monaco Chronograph Geschichte finden Sie hier auf Uhrenkosmos) für Armbanduhren mit Stoppfunktion, die Geschichte geschrieben haben. Speziell die Monaco mit ihrem erstmals wasserdichten quadratischen Chronographengehäuse und links positionierter Krone machte deutlich, dass der damalige Markenchef Jack W. Heuer weit über die eigentliche Funktion hinausdachte.

TAG Heuer Monaco Evergraph
Daher ist es kein wirkliches Wunder, dass die seit 1999 zum französischen Luxuskonzern LVMH gehörende Firma bei ihrer neuesten technischen Kreation auf das kantige Monaco-Outfit mit hohem Wiedererkennungswert setzt. Der Namensbestandteil Evergraph verweist in diesem Zusammenhang auf Dauerhaftigkeit.
Zunächst mag die Modellbezeichnung nach Marketing klingen. Aber das ist hier keineswegs der Fall. Mit dem Monaco Evergraph betritt nämlich auch das neu entwickelte Automatikkaliber TH80-00 die Bühne mechanischer Uhrwerke mit integrierter Stoppfunktion. Bei ihm mussten traditionsgemäß verwendete Teile des Schaltwerks kontrolliert elastisch verformbaren Komponenten weichen.
Konstruktiv bedingen Chronographen bekanntlich Baugruppen zum Starten und Anhalten sowie zum Nullstellen der zugehörigen Zeiger. Mit jeder Nutzung des Kurzzeitmessers, egal ob schaltrad- oder kulissengesteuert, verknüpft sich zwangsläufig eine winzige mechanische Strapaze, erzeugt unter anderem durch Reibung.
Langfristig kann das bei häufigem Betätigen der Bediendrücker natürlich einen gewissen Verschleiß nach sich ziehen. Als weiter Aspekt gesellt sich bei manchen Konstruktionen ein recht harter Druckpunkt hinzu. Genau an diesen Stellen setzte die Entwicklung des im Monaco Evergraph verbauten neuen Kalibers TH80-00 an.

Flexible Bauteile
Im neuen Kaliber finden sich zwei flexibel und bistabil ausgeführte Bauteile. Sie bewerkstelligen Start und Stopp sowie die Rückstellung. Beide Komponenten wechseln zwischen zwei stabilen Zuständen. Auf diese Weise übernehmen sie Aufgaben, welche in überlieferten Schaltwerken mehrere separate Bauteile bedingen.

Als uhrwerkstechnische Strategin und Entwicklungschefin bei TAG Heuer spielte Carole Forestier-Kasapi auf dem Weg zum Monaco Evergraph eine wichtige Rolle. Durch ihren anerkannten konstruktiven Sachverstand hat die Marke ihre angestammte Chronographen-Kompetenz nicht historisierend fortgeschrieben, sondern auf eine andere Ebene verlagert. In enger Kooperation mit der Vaucher Manufacture Fleurier, die schon in ambitionierte Schleppzeiger-Projekte eingebunden war, kreierte das TAG Heuer LAB den besagten flexiblen, bistabilen Schaltmechanismus des Kalibers TH80-00. Geschützt ist er durch zwei Patente.
Carole gab dabei erkennbar die Richtung vor: weniger Reibung, weniger Verschleiß, ein neues Drückergefühl. Optimierung in Richtung Magnetfeldresistenz erfuhr auch der Gangregler durch die Verwendung einer Unruhspirale aus beschichtetem und deshalb nun auch gegen Feuchtigkeitseinflüsse geschütztem Carbon-Verbundmaterial.

Soweit die Innovationen im Überblick. Das Prinzip der neuen flexiblen, bistabilen Komponenten entstammt nicht der klassischen Uhrmacherei, die traditionell auf Stahl, Gelenke, Hebel und Federn setzt, sondern den Möglichkeiten moderner Präzisionsfertigung. Nachgiebige Elemente übertragen Bewegung durch gezielte elastische Verformung. Sie entstehen aus Nickel-Phosphor durch Lithografie, Galvanik und Abformung. Das kurz LiGA genannte Verfahren führt zu extrem genauen Mikroteilen mit klar definierten Geometrien.
Für Chronographen ist das insofern von Bedeutung, als die Schaltvorgänge einerseits zuverlässig funktionieren, andererseits aber auch bei häufiger Ausführung möglichst identisch bleiben sollen. Mit anderen Worten: Selbst bei der zehntausendsten Betätigung des Start-/Stopp- oder Nullstelldrückers soll sich das gleiche haptische Gefühl einstellen wie am Anfang.
Natürlich hat TAG Heuer den Langzeitgebrauch vor der Freigabe des Serienprodukts im Labor simuliert. Konstruktiv ist der Ansatz jedenfalls schlüssig: keine Gelenke, geringeres mechanisches Spiel, weniger Kontaktflächen und damit auch weniger klassische Verschleißstellen.

Neu gedacht, nicht neu erfunden
Der guten Ordnung halber gilt es an dieser Stelle zu konstatieren, dass TAG Heuer den Chronographen in Gestalt des Kalibers TH80-00 nicht grundsätzlich neu erfunden hat. Geblieben sind der altbekannte Energiefluss vom Sekundenrad zum Chronographen-Zentrumsrad, die Kupplung, die Fortbewegung des Zählzeigers sowie die Nullstelllogik. Neu hingegen ist die Art der Umsetzung der Drückerbefehle zum Starten, Anhalten und Rückstellen der Kurzzeitmessung. Sie weicht deutlich von traditionellen Problemlösungen ab.

Entwickelt vom TAG Heuer LAB, leistete der unter anderem durch Tätigkeiten für Richard Mille einschlägig erfahrene Spezialist Vaucher in Fleurier tatkräftige Unterstützung hinsichtlich der Integration in ein serienfähiges Uhrwerk. Somit entstand das aus 322 Teilen assemblierte Kaliber TH80-00 mit seinem flexiblen Schaltmechanismus als herausragendem Alleinstellungsmerkmal nicht isoliert in einer Uhrenforschungsstätte, sondern auf solider industrieller Basis. Der Funktionssicherheit ist das ausgesprochen dienlich.


Vergeblich sucht man beim zeitschreibenden Newcomer übrigens den von Edouard Heuer erfundenen und bis heute unter anderem im Klassiker ETA/Valjoux 7750 oder im Klon Sellita SW500 erfolgreich praktizierten Schwingtrieb. Die energiesparende und weitestgehend ruckfrei arbeitende Alternative agiert vertikal durch Friktion.
Architektonisch unterscheidet sich die Monaco Evergraph ebenfalls von aktuell angesagten Chronographen mit offenem Zifferblatt. Vieles von dem, was Mechanikfreaks interessiert, kehrt TAG Heuer gewissermaßen nach vorne. Federhaus, Räderwerk, Hemmung und die Unruh mit variabler Trägheit stechen bei jedem Blick auf den Monaco Evergraph sofort ins Auge. Unter diesen Vorzeichen ist das transparente Acrylzifferblatt mit quadratischen Feldern für Permanentsekunde und Totalisator kein dekoratives Gimmick, sondern Teil der zeitschreibenden Inszenierung.
Das Rot des zentral drehenden Chronographenzeigers passt zu dem des Zählers. Als helles Ensemble mit roter Spitze präsentieren sich die drei Zeit-Zeiger. Jene zur Indikation von Stunden und Minuten tragen nachleuchtendes Super-LumiNova. Nur im laufenden Zustand entdecken Kenner die auf fünf Hertz angehobene Unruhfrequenz. Wie beim El Primero der Schwester Zenith gestattet sie präzise Stoppvorgänge auf die Zehntelsekunde genau.
Karbonspirale, fünf Hertz und COSC
Neben der markanten Aluminium-Unruh mit insgesamt acht Massivgold-Inlays und zwei Masselots zur Veränderung der Masseträgheit tritt die durch fünf Patente geschützte Spirale aus Karbon-Verbundmaterial allein schon wenigen ihr winzigen Dimension optisch in den Hintergrund. Die Arbeiten an der gegen Magnetfelder unempfindlichen Seele mechanischer Uhrwerke begannen im TAG-Heuer-LAB bereits unter dem damaligen technischen Direktor Guy Sémon. Weil essenzielle Probleme ungelöst blieben, schied eine serielle Nutzung zunächst allerdings aus.

Intensive Forschungen und die Anwendung von Chemical Vapor Deposition, kurz CVD, haben zur Beseitigung der einstigen Mankos geführt. Das, was im Kaliber TH80-00 stündlich 36.000 unverzichtbare Unruh-Rückschwünge bewirkt, ist nach Angaben von Carole Forestier leicht, resistent gegen Stöße, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen. Somit soll die Spirale mindestens auf einer Ebene mit Exemplaren aus Silizium stehen. Die Leistungsfähigkeit des mit rund 70 Stunden Gangautonomie ausgestatteten Automatikwerks stellen das Prüf-Prozedere bei der COSC und die von TAG Heuer auf täglich maximal minus zwei bis plus vier Sekunden durchgeführte Reglage deutlich unter Beweis.

Titan, zwei Varianten und ein Preis
Bleiben die äußeren Werte. Das charakteristische Monaco-Gehäuse mit 40 Millimeter Kantenlänge, Sichtboden und bis zu zehn bar reichender Wasserdichte besteht aus Titan Grad 5. Entscheiden heißt es zwischen zwei Varianten. Naturbelassenes Material und blaue Farbakzente nehmen Bezug auf die durch Steve McQueen berühmt gemachte Referenz 1133B.



Schwarz DLC-beschichtetes Titan mit roten Details kennzeichnet die zweite Version.
Einschließlich farblich abgestimmtem Kautschukband mit Textileffekt ruft TAG Heuer für jede Ausführung unverbindliche 25.000 Euro auf. Damit verlässt neben dem Monaco Split-Seconds-Chronograph auch der Monaco Evergraph das natürlich weiterhin reichlich besetzte Feld der Serienmodelle mit Stoppfunktion. Im deutlich schmaleren Segment müssen Entwicklungsaufwand, technische Eigenständigkeit, und dazu natürlich auch die markengeschichtliche Symbolik einen durchaus stattlichen Preis rechtfertigen.

TAG Heuer Monaco Evergraph
Datenblatt
| Uhrentyp | Automatik-Chronograph |
| Kollektion | TAG Heuer Monaco |
| Einführung | Watches & Wonders Genf, April 2026 |
| Limitierung | Keine Limitierung |
| Gehäuseform | Quadratisch |
| Gehäusematerial | CEW5181: Titan Grade 5, unbeschichtet · CEW5180: Titan Grade 5, schwarzes DLC |
| Gehäusefinish | Fein gebürstet / poliert / sandgestrahlt |
| Gehäusedurchmesser | 40 mm |
| Gehäusehöhe | 14,51 mm |
| Bandanstoßbreite | 22,59 mm |
| Lünette | Fest · Titan Grade 5 |
| Krone | Titan Grade 5 · Position bei 9 Uhr |
| Drücker | Verlängerte Drücker bei 2 Uhr (Start/Stopp) und 4 Uhr (Nullrücksprung) · Titan Grade 5 |
| Gehäuseboden | Quadratisches Saphirglas · Titan Grade 5 |
| Wasserdichtigkeit | 10 bar (100 Meter) |
| Glas | Saphirglas, gewölbt |
| Zifferblatt | Transparent (skelettiert) – gibt Blick auf die invertierte Werkarchitektur frei |
| Zifferblattfarbe | CEW5181: Transparentes Zifferblatt, blaue Opalin-Totalisatoren, fein gebürstete Brücken · CEW5180: Transparentes Zifferblatt, schwarze Opalin-Totalisatoren, schwarz-DLC-beschichtete Brücken |
| Anzeigen | Stunden, Minuten, Chronographensekunde (1/10 Sekunde), 30-Minuten-Zähler, kleine Sekunde |
| Chronographenanzeigen | Kleine Sekunde bei 9 Uhr · 30-Minuten-Zähler bei 3 Uhr |
| Datum / Wochentag | Nicht vorhanden |
| Skala | Keine |
| Indizes | Appliziert · Super-LumiNova |
| Zeiger | CEW5181: Rhodiniert, durchbrochen, Super-LumiNova, rote Spitzen · CEW5180: Durchbrochen, Super-LumiNova, rote Spitzen |
| Chronographenzeiger | Rot lackiert (beide Varianten) |
| Leuchtmasse | Super-LumiNova auf Stunden- und Minutenzeiger sowie Indizes |
| Uhrwerk | TAG Heuer Kaliber TH80-00 |
| Werkherkunft | TAG Heuer LAB / Vaucher Manufacture Fleurier |
| Aufzug | Automatik (bidirektional) |
| Werkfunktion | Chronograph mit Compliance-Mechanismus (bistabile flexible LIGA-Komponenten); ersetzt klassische Hebel, Federn und Säulenrad |
| Werkarchitektur | Invertiert – Federhaus, Räderwerk und Hemmung von der Zifferblattseite sichtbar |
| Unruh | TH-Carbonspring Oszillator (amagnetisch, stoßfest) |
| Chronometerzertifizierung | COSC-zertifiziert |
| Frequenz | 36.000 Halbschwingungen pro Stunde / 5 Hz |
| Gangreserve | 70 Stunden |
| Rotor | TAG-Heuer-Schild-Design |
| Armband | Kautschuk mit Textilprägung · CEW5181: Blau, graue Naht · CEW5180: Schwarz, rote Naht |
| Schließe | Faltschließe mit Drück-Sicherheitstasten · Titan Grade 5, fein gebürstet / poliert |
| Wechselbandsystem | Ja |
| Fertigung / Montage | TAG Heuer, La Chaux-de-Fonds, Schweiz |
| Garantie | 5 Jahre |
| Referenz | CEW5181.FT8123 (Titan / Blau) · CEW5180.FT8122 (Titan DLC / Schwarz) |
| Preis | 25.000 Euro · CHF 23.000 · |
| Bezug | TAG Heuer Boutiquen · tagheuer.com · autorisierte Uhrenfachhändler · ab April 2026 erhältlich |








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