Ornamentaler Schmuckstein als konstruktives Element
Mit der neuen, während der LVMH Watch Week in Mailand vorgestellten Louis Vuitton Escale Tiger’s Eye erweitert LV seine noch junge Linie von Uhren mit Gehäuseringen und Zifferblättern aus ornamentalem Stein. Nach den 2025 vorgestellten Escale-Varianten aus Platin mit Türkis- und Malachitkomponenten folgt nun ein auf 30 Exemplare limitiertes Modell, welches erstmals ein Tigerauge- Mittelteil mit Gelbgold-Elementen kombiniert. Damit ergeben sich neue Aspekte in der Gehäusefertigung ohne Definition einer neuen Spezies Armbanduhr.
Die 40 Millimeter messende Schale basiert auf den gestalterischen Werten der bekannten Escale-Kollektion. Deren Optik nimmt Bezug auf das historische Louis-Vuitton-Reisegepäck, was sich vor allem in den markanten, an Kofferbeschläge erinnernden Bandanstößen ausdrückt.

Neu ist jedoch die Materialkombination: Lünette, Bandanstöße, Boden und Krone bestehen aus 18-karätigem Gelbgold, während für den mittleren Gehäusering das Steinmaterial Tigerauge Verwendung findet. Dieses augenfällige Bauteil bildet das konstruktive und visuelle Zentrum der Uhr und fasst zugleich ein Zifferblatt aus demselben Schmuckstein.
Tigerauge ist in der Uhrmacherei kein unbekannter Werkstoff. Bislang nutzte ihn die Uhrenindustrie jedoch insbesondere für Zifferblätter oder dekorative Applikationen. Die Verwendung als zentraler Bestandteil eines Gehäuses stellt jedoch deutlich höhere Anforderungen. Das Mineral weist eine faserige Struktur mit wechselnden Härtegraden auf. Gerade jene chatoyante Lichtwirkung, welche den Reiz des Materials ausmacht, erhöht zugleich das Risiko bei der Bearbeitung: Ungünstige Faserverläufe oder mikroskopische Einschlüsse können beim Fräsen leicht zu Rissen oder Brüchen führen.

Gehäusefertigung zwischen Präzision und Erfahrung
Die Fertigung der Steingehäuse erfolgt bei La Fabrique des Boîtiers, der auf Uhrenschalen spezialisierten Werkstatt von La Fabrique du Temps Louis Vuitton. Wie bereits bei den Modellen aus Türkis und Malachit erforderte auch das Tigerauge eine grundlegende Anpassung der Gehäusegeometrie. Wandstärken, Übergänge und Radien sind exakt definiert, um die strukturelle Stabilität des Steins zu gewährleisten, ohne dabei die Proportionen der Escale-Linie zu verändern.
Jeder Ring wird mit mikroskopischer Präzision gefräst und anschließend von Hand poliert, um die typische Tiefenwirkung und den seidigen Glanz des Tigerauges freizulegen. Die damit verbundenen Prozesse sind trotz moderner Fertigungstechnologie nicht vollständig automatisierbar. Unter anderem bei der Analyse der Faserorientierung, der Auswahl geeigneter Rohlinge oder dem bewussten Umgehen kritischer Zonen im Material sind menschliches Know-how und Urteilsvermögen unverzichtbar.

Ähnlich sorgfältig gestaltet sich die Kombination von Gehäusering und Zifferblatt. Die Auswahl erfolgt nach Farbton, Bandverlauf und optischer Balance. Beliebigkeit bleibt außen vor. Erst wenn besagte Kriterien erfüllt sind, entsteht jenes Ganze, welches mehr ist als die Summe seiner Teile. Das Resultat künstlerischen und handwerklichen Schaffens ist zwangsläufig individuell: Jede der insgesamt 30 Armbanduhren zeigt eine eigene Ausprägung des Naturmaterials, und sie unterscheidet sich sichtbar von den übrigen Exemplaren.

Klassische Mechanik im dekorativen Kontext
Optisch lebt die Escale Tiger’s Eye zweifellos vom kontrollierten Spannungsverhältnis zwischen dem warmen Braun-Gold des Steins und dem satten Glanz des Gelbgolds. Die überwiegend polierten Metallflächen treten bewusst hinter die mineralische Struktur zurück und verstärken deren Tiefenwirkung. Ein leicht gewölbtes, beidseitig entspiegeltes Saphirglas schützt das Zifferblatt und die davor rotierenden Zeiger für Stunden, Minuten und Sekunden, während der transparente Gehäuseboden den Blick auf das im Gehäuseinneren verbaute Automatikwerk freigibt. Bis zu 30 bar Druck reicht die Wasserdichte des Ganzen.

Im Inneren kommt das Automatikkaliber LFT023 zum Einsatz. Sein Gangregler oszilliert mit vier Hertz. Das Spannen der Zugfeder besorgt ein Mikrorotor aus 22-karätigem Roségold. Nach Vollaufzug stehen rund 50 Stunden Gangautonomie zur Verfügung. Für jedes dieser Uhrwerke braucht es summa summarum 147 Einzelteile. Die Zertifizierung obliegt dem Observatoire Chronométrique de Genève. Stunden- und Minutenzeiger sowie die Indizes bestehen aus 18-karätigem Gelbgold, der Sekundenzeiger aus PVD-beschichtetem Titan. Ein Armband aus braunem Saffiano-Kalbsleder kombiniert mit einer Gelbgold-Dornschließe hält den Zeitmesser am Handgelenk.
Als Preis für diesen Newcomer ruft Louis Vuitton rund 55.000 Euro auf. Erhältlich sind die 30 Exemplare nur in den markeneigenen Boutiquen.
Alle Infos über die bisherigen Gold- und Platinvarianten finden Sie hier auf Uhrenkosmos.


Louis Vuitton Escale Tiger’s Eye
Technischer Steckbrief
| Gehäuse |
40 mm Durchmesser |
| Zifferblatt | Zifferblatt aus Tigerauge-Stein genietete Gelbgold-Appliken satinierter goldfarbener Minutenring mit polierten Gelbgold-Nieten Dauphine-Stunden- und Minutenzeiger aus 18 Karat Gelbgold zentraler Sekundenzeiger aus Titan mit Gold-PVD-Beschichtung |
| Uhrwerk | 4 Hz Kaliber LFT023 La Fabrique du Temps / gefertigt von Le Cercle des Horlogers Automatischer Mikrorotor aus 22 Karat Roségold 32 Lagersteine bzw. 147 Komponenten ca. 50 Std. Gangreserve Chronometer-Zertifizierung Geneva Chronometric Observatory (Genauigkeit −4/+6 Sek./Tag) Stunden- und Minutenanzeige sowie zentrale Sekunde |
| Armband | braunes Kalbslederband mit schwarzem Lederfutter Dornschließe aus 18 Karat Gelbgold |
| Referenz | W3YG21 |
| Verfügbarkeit | Limitierung auf 30 Exemplaren |
| Preis | ca. 55.000 Euro |





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