Seit 1861 in Schramberg
Junghans Armbanduhren – Meilensteine der Uhrengeschichte, heißt eine sehenswerte Sonderausstellung im Schramberger Terrassenbau Museum der 1861 von Erhard Junghans gegründeten Uhrenmarke. Bereits 1862 starteten die Uhrenfabriken Gebrüder Junghans A.G. mit der amerikanischen, also groß-seriellen Fertigung. Mit über 3000 Mitarbeitern und einer Tagesproduktion von 9000 Zeitmessern galt Junghans 1903 als weltweit größter Uhrenhersteller. Das Jahr 1912 brachte Taschenuhren mit Leuchtzifferblättern. Eine erste Armbanduhr mit dem kryptischen Namen NOBRK findet sich bereits 1917.

Am 22. November 1930 schaltete die Werbeabteilung eine Anzeige mit der Überschrift: „Die Junghans Armband-Uhr ist da!“ Von da an verknüpfte sich dieser Uhrentyp unlösbar mit der weiteren Entwicklung des Hauses. 1949 präsentierte die Manufaktur das Chronographenkaliber J 88, welches ab 1956 auch im offiziellen Fliegerchronographen der Deutschen Bundeswehr zu finden war. Unbändige Kreativität belegen 852 Patentanmeldungen zwischen 1949 und 1956. Zum Beispiel für den 1951 lancierten Armbandwecker Minivox.

Im gleichen Jahr debütierte auch das erste Junghans Automatikkaliber. Zu den weiteren Highlights gehören die legendären Junghans Chronometer. Bis Ende 1954 entstanden schon 7.000 Exemplare. Solche Mengen schaffte in Deutschland kein Mitbewerber. Und im internationalen Ranking der Produzenten amtlich zertifizierter Zeitmesser belegte Junghans hinter Rolex und Omega sogar den dritten Platz. An der Spitze dieses Segments stand das 1957 vorgestellte Automatikkaliber J83. Am 15. Dezember 1956 erwarb der Nürnberger Unternehmer Karl Diehl die Aktienmehrheit.



Elektronik und Schwingquarze
Mit der Astro-Quartz trat Junghans ab 1970 gegen die japanische und schweizerische Konkurrenz an. Bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München agierte Junghans als offizieller Zeitnehmer hervor. 1976 endete die Fertigung mechanischer Kaliber für Armbanduhren. Mehr als 150 eigene Werke rechtfertigten den Titel einer vielseitigen Mechanik-Manufaktur.

1985 sorgte Junghans erstmals mit funkgesteuerten Quarz-Zeitmessern für Aufsehen. 1990 fand der Hochleistungs-Empfänger ans Handgelenk. Die Antenne der bahnbrechenden Mega1 wanderte ins Armband. Solar-Technologie sorgte ab 1993 bei Funkarmbanduhren für den nötigen Energienachschub.

Mit dem Comeback der Kreationen von Max Bill holte sich Junghans ab 1997 einen anhaltenden Bestseller ins Haus. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wanderte Junghans unter das Dach der Egana-Goldpfeil-Holding. Als Hommage an den Firmengründer markierte die Linie Erhard Junghans ab 2006 die Spitze der Mechanik-Kollektion. Das Positive an der Egana-Insolvenz im Jahr 2008 ist im Einstieg der Schramberger Unternehmerfamilie Steim zu sehen.

Die neuen Eigentümer erkannten das Potenzial der Marke Junghans und nützen es für die Zukunft. Neben max bill by junghans weckt die Junghans Meister in ganz unterschiedlichen Ausführungen jede Menge Erinnerungen an die Mechanik-Tradition des Hauses. Selbst produzierte Quarzwerke mit Solarzellen und Funksteuerung wenden sich an Fans ultrapräziser Zeitmessung,



Schramberger Terrassenbau Museum
Diese und viele weitere Meilensteine aus der eigenen Geschichte zeigt Junghans derzeit im legendären, zwischen 1916 bis 1918 errichteten Terrassenbau, welcher seit 2018 nach aufwändiger Renovierung durch die Familie Steim in neuen Glanz erstrahlt. Aus schierem Platzmangel strebte der mit der Gestaltung des Industriegebäudes beauftragte Architekt Philipp Jakob Manz an einem steilen Hang hinter den existenten Junghans-Produktionsstätten nach oben. Nicht weniger als neun langgestreckte Terrassen beherbergten Abteilungen zur Fertigstellung vieler Millionen Wecker, Gross-, Taschen- und Armbanduhren. Diese jahrelang nicht mehr genutzte Architektur-Monument bietet den würdigen Rahmen für eine umfassende Sonderausstellung zur langen und bewegten Geschichte der Armbanduhr im Hause Junghans.


Verantwortlich für das Projekt zeichnet Norbert Grünberger, der sich bei Junghans im Auftrag von Geschäftsführer Hannes Steim um die Vergangenheit samt Archiv und Museum kümmert. Zu sehen sind rund 370 Exponate aus verschiedenen Epochen. Darunter befinden sich technische Innovationen besagte NOBRK Armbanduhr von 1927. Die fünf Buchstaben stehen für No Break, also nonbreakable oder auf gut Deutsch unzerbrechlich. Dieser patentierte Zeitmesser sollte Junghans den Weg in den US-amerikanischen Markt ebnen.

Besuch lohnenswert
Den Reiz der Ausstellung erhöht die Tatsache, dass neben dem während vieler Jahrzehnte allgemein Erhältlichen auch Prototypen und Vorserienmodelle zu sehen sind. Geschichten und Porträts von Menschen, die eine besondere Verbindung zu Junghans pflegen, runden die sehr gelungene Zusammenstellung ab. Zu ihnen gehörte der verstorbene deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble, der die Funkuhrentechnik schätzte und zur Vorstellung der ersten Funk-Solaruhr im Jahr 1993 eine kurze Rede hielt. Papst Benedikt XVI. trug eine mechanische Junghans aus den 1970er-Jahren. Zu sehen sind schließlich auch besondere werden besondere Stücke aus dem Besitz der Junghans-Inhaber Dr. Hans-Jochem Steim und Hannes Steim.


All das sollte Anlass genug sein, eine Reise in den schönen Schwarzwald und dort speziell in die Stadt Schramberg zu planen. Außer Montag ist das an der Lauterbacher Str. 68 gelegene Schramberger Terrassenbau Museum der Uhrenmarke Junghans täglich von 10 Uhr bis 16 Uhr geöffnet. Parkplätze stehen vor dem Eingang genügend zur Verfügung. Der Eintritt kostet 8 Euro. Nach Voranmeldung können Gruppen bis zu 25 Personen für insgesamt 50 Euro eine kundige Führung durch die Ausstellung bekommen. So oder so lohnt sich der Besuch.



Wer sich nun auch für aktuelle Modelle von Junghans, wie etwa die Junghans Mega 1000, interessiert, der wird hier fündig.







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