Aussergewöhnliche Patek Philippe Uhren auf dem Auktionsmarkt

Das gab es noch nie: Patek Philippe Modell 1518 in Stahl – zwei Exemplare stehen gleichzeitig zum Verkauf

Adrenalin garantiert! Zwölf Millionen Euro liegen zwischen den Reservepreisen von zwei der vier bekannten Patek Philippe 1518 Armband Chronographen mit ewigem Kalender und Mondphase mit Stahlgehäuse aus den 1940er Jahren. Zustand und Provenienz: vergleichbar. Einmalige Chance oder Mondpreis - abwarten oder zuschlagen?

von | 26.09.2025

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Als Patek Philippe die berühmte Super Komplikation am 19. Januar 1933 an Henry Graves auslieferte, steckte die Firma trotz des technischen Triumphs in einer existenziellen Krise. Der Wallstreet Crash von 1929 hatte die Schweizer Uhrenexporte zusammenbrechen lassen und Pateks Konzentration auf wenige, schwerreiche Kunden verschärfte die Situation zusätzlich. Das Wachstumssegment Armbanduhren wurde bis dahin vorwiegend mit zugelieferten Dreizeiger Uhrwerken von Jaeger Le Coultre bedient.

Die wenigen Versuche, komplizierte Armbanduhren, wie Chronographen oder Schleppzeigerchronographen in Serie zu fertigen, schliefen während der großen Depression wieder ein. Als dann noch der wichtigste Kunde für Armbanduhren, Juwelier Gondolo & Labouriau aus Rio de Janeiro im Jahr 1930 aufhörte zu bestellen, stand Patek Philippe mit dem Rücken zur Wand.

Patek Philippe Super Komplikation von Henry Graves und Wall Street Crash

Gefährliche Brandung: während der großen Depression konzentrierte sich Patek Philippe auf die Konstruktion der Super Komplikation, ©Sotheby’s, ©The Gale Review

Das war die Situation, in der Zifferblatt Lieferant Cadrans Stern Frères entschied, eine Mehrheit am Kapital seines eigenen Kunden zu übernehmen, um dessen wirtschaftliche Probleme mit einer neuen Strategie zu lösen. Eckpfeiler waren die Entwicklung von ‚inhouse‘ Armbanduhrwerken, die in den eigenen Werkstätten in Serie gefertigt werden sollten und die Einführung von Komplikationen für Armbanduhren des oberen Marktsegments. Ziel war es, für den wachsenden Markt von Armbanduhren zu wiederholen, was Patek Philippe im 19. Jahrhundert zum unumstrittenen Marktführer bei Luxus Taschenuhren gemacht hatte.

Die traditionelle Kundschaft aus Royals und Magnaten der industriellen Revolution wich zunehmend einer neuen Generation wohlhabender Persönlichkeiten, die ihre Inspiration bei den Größen des Sports und der Unterhaltungsindustrie suchten. Diese waren damals wie heute Stilikonen ihrer Zeit. Nur ein Jahr nach der Vollendung der Henry Graves Super Komplikation wurden erstmals mehr Armband- als Taschenuhren aus der Schweiz exportiert.

Joe Dimaggio Megastar der 1930er und 40er Jahre

Megastar Mitte des letzten Jahrhunderts: Joe DiMaggio scheint eine komplizierte Armbanduhr zu tragen, ©SABR Baseball Cards

Patek Philippe Modell 1518

Mit der Umsetzung der neuen Strategie wurde Jean Pfister betraut, der dazu von Cyma/Tavannes, einem damals sehr erfolgreichen Produzenten von Armbanduhren ‚aller Art‘, abgeworben wurde. Pfisters wichtigste Priorität war die Entwicklung der neuen Uhrwerke, die erstmals mit strukturierten Abläufen seriell gefertigt werden sollten. Für die Konstruktion der Komplikationsmodule engagierte er das Atelier Victorin Piguet aus dem Vallée de Joux, das schon bei der Entwicklung der Graves Uhr eine zentrale Rolle gespielt hatte.

Das Resultat konnte sich sehen lassen. Gleich zwei komplizierte Armbanduhren mit den Referenzen 1518 und 1526 wurden im Jahr 1941 vorgestellt. Beide hatten einen ewigen Kalender mit Mondphasenanzeige und das Modell 1518 war gleichzeitig ein Chronograph. Die Zeit wurde selbstverständlich ebenfalls präzise und verlässlich angezeigt. Mit der Referenz 1518 schrieb Patek Philippe Geschichte. Es dauerte über ein Jahrzehnt, bis der erste Konkurrent es schaffte, auch nur eine Handvoll ewiger Kalender für das Handgelenk herzustellen. Allerdings nicht als Chronographen.

Über vierzig Jahre blieb Patek Philippe der einzige Hersteller, der diese Kombination von Komplikationen in einem mechanischen Armbanduhrwerk serienmäßig produzierte. Nach der Krise bescherte das Modell 1518 Patek Philippe die dominante Position am oberen Ende der Schweizer Uhrenindustrie, die das Haus bis heute belegt.

Patek Philippe Modelle 1518 (links) und 1526 (rechts)

Patek Philippe Modelle 1518 (links) und 1526 (rechts), erste Serie: sie waren ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus, ©Christie‘s

Um sich die technische Leistung bewusst zu machen, sollte man sich vor Augen führen, dass es nur sehr wenige Hersteller gab, die überhaupt verlässliche Taschenuhren als Chronographen mit ewigem Kalender und Mondphase herstellen konnten. Deren Durchmesser lag dann durchweg bei 50 Millimetern und mehr.

Das Patek Philippe Modell 1518 maß dagegen nur 35 Millimeter, was im Vergleich einer Miniaturisierung von über 35% entspricht. Das wurde ohne die heute verfügbaren Präzisionswerkzeuge erreicht. Basis Kaliber war das bewährte Standarduhrwerk 13‘‘‘ von Valjoux, das auch von vielen anderen Herstellern eingesetzt wurde. Allerdings wurde daraus bei Patek ein hochfeines Brückenwerk, das zifferblattseitig mit der Kalender Kadratur von Victorin Piguet aufgebaut wurde.

Patek Philippe Uhrwerk 13’’’Q der Referenz 1518

Patek Philippe Uhrwerk 13’’’Q der Referenz 1518, basierend auf dem Valjoux Kaliber 13’’’, später Valjoux 23, ©Christie’s

Die Produktion des Modells lief bis Mitte der 1950er Jahre. Wie heute auch war es nur wenigen, sehr wichtigen oder schwerreichen Persönlichkeiten vorbehalten, die Spitzenmodelle von Patek Philippe zu besitzen. 281 Stück wurden in dieser Zeit produziert, von denen um die hundert bisher wieder aufgetaucht sind. Jedes Exemplar war schon bei Erstauslieferung eine „Important Watch“. Wegen ihrer geschichtlichen Bedeutung, ihrer
Schönheit und ihrer Seltenheit nimmt der Wert dieser Uhren nur noch weiter zu.

Erwartungsgemäß war Gold das Material der Wahl für die Gehäuse. Die wurden beim Genfer Meister Gehäusemacher Emile Vichet bestellt. Die meisten Cases wurden in 18 Karat Gelbgold geliefert und um die 60 in Roségold. Gut erhaltene Exemplare aus Roségold mit korrespondierendem, lachsfarbigem Zifferblatt erzielen schon lange Preise im siebenstelligen Bereich.

Patek Philippe Ref. 1518 der zweiten Serie in Roségold mit passendem Lachs-Blatt Bild Christies

Der Traum jedes Enthusiasten: Patek Philippe Ref. 1518 der zweiten Serie in Roségold mit passendem "Lachs"-Blatt, ©Christie’s

Patek Philippe 1518 in Stahl

Überraschend ist dagegen Stahl als Gehäusematerial, weil dessen Vorzüge eher funktionaler und nicht ästhetischer Natur sind, wie es bei Edelmetallen der Fall ist. Trotzdem sind vier Uhren in Stahlgehäusen aufgetaucht. Drei der vier Gehäuse wurden von George Croisier und nicht von Emile Vichet, wie die goldenen Uhren, hergestellt. Croisier hatte sich damals einen Namen als Pionier der Bearbeitung von Stahl zu Herstellung hochwertiger Gehäuse gemacht. Die ersten drei Uhren wurden alle 1943 produziert und tragen aufeinanderfolgende Gehäusenummern. Die letzte Uhr stammt aus 1947 und besitzt ein Gehäuse von Edouard Wenger, der später Lieferant für das Nachfolgemodell der Referenz 1518 wurde.

Referenzangaben und Auslieferungsnummern Patek Philippe 1518

Diese Uhren zählen zu den wertvollsten Zeitmessern, die jemals gemacht wurden und zwei davon stehen diesen Herbst gleichzeitig zum Verkauf. Bei Phillips in Association with Bacs & Russo ist die zuerst hergestellte Uhr im Katalog der Herbstauktion und die letzte Uhr der Serie aus 1943 wird seit Februar im Private Sale der Monaco Legend Group angeboten.

Patek Philippe Modell 1518

Patek Philippe Ref. 1518, Case 508473-1 in der Genfer November Auktion von Phillips, in Association with Bacs & Russo, ©Phillips

Die drei zuerst produzierten Uhren unterscheiden sich nur durch ihren Zustand und die Tatsache, dass das Exemplar bei der Monaco Legend Group das einzige ist, das ursprünglich mit einem Metallarmband im „Grain de Riz“ Design, statt mit einem Lederarmband ausgeliefert wurde. Unbeteiligte mögen denken, der Zustand der angebotenen Uhren wäre nicht relevant, da eh nur zwei zur Auswahl stehen, die im Übrigen beide ziemlich gut aussehen. Den Zustand einer Vintage Uhr so genau wie möglich zu verstehen, steht aber im Zentrum der Vintage Passion selbst. Leider ist es mir bislang nicht gelungen, die Uhren selbst unter die Lupe zu nehmen, deshalb will ich mich hier darauf beschränken zu erklären, worauf ich dabei achten würde.

Die Zifferblätter beider Uhren sehen sehr attraktiv aus, definitiv nicht so, wie man es bei über 80 Jahre alten Uhren erwarten würde. Das macht es wahrscheinlich, dass die Blätter gereinigt wurden. Weil die Grafik in einer für Pateks dieser Periode typischen Weise emailliert und nicht gedruckt wurde, verhält sie sich bei der Reinigung stabiler. Trotzdem sind die Akzente über dem „Genève“ und die Kommas zwischen „Patek“ und
„Philippe“ verwundbar. Sie besitzen eine typische Form, die bei Reinigungsvorgängen leicht an Kontur verliert.

Werden die Linsenindexe und Stundenzeichen zur Reinigung nicht entfernt, laufen sie Gefahr, ihre Farbe zu ändern. Werden sie dagegen vorher abgebaut, muss beim Wiederanbau größte Vorsicht herrschen, um Spuren auf dem Blatt zu vermeiden. Die Oberfläche neigt dazu, sich um die Bohrungen der Indexe und die Stundenzeichen herum zu lösen. Das Gleiche gilt für die scharfen Kanten der Fenster im Blatt und der Register-Fräsungen. Die Technik der Gehäuse Restaurierung hat sich über die Jahre sehr verbessert, speziell bei Stahlgehäusen. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die Stärke und die Symmetrie der Bandanstöße, genauso wie auf die Klarheit aller Absätze.

Wie immer zählt auch hier der erste Eindruck. Wie fühlt sich das Gewicht der Uhr an, wenn man sie zum ersten Mal in die Hände nimmt? Alle vier bekannten Modelle 1518 in Stahl sind fantastisch in John Goldbergers exzellentem „Patek Philippe Steel Watches“ Buch dokumentiert, dessen Lektüre eine schöne Vorbereitung auf eine persönliche Besichtigung ist!

Die Uhr in der Phillips Auktion erzielte bei ihrem letzten Verkauf im November 2016 einen Gesamtpreis von 11 Millionen Schweizer Franken. Deshalb verwundert die jetzige Mindestschätzung von 8 Millionen Schweizer Franken etwas. Möglicherweise ist es ein Ausdruck von Selbstvertrauen, darauf angelegt, den Bieterwettbewerb zu stimulieren.

Die Uhr im Private Sale der MLG wird dagegen auf mindestens 20 Millionen Euro geschätzt und reflektiert damit die Richtung, in die sich der Markt über die letzten Jahrzehnte bewegte. Die Uhr wurde öffentlich zum ersten Mal im Jahr 1989 angeboten, als sie der Modedesigner Gerolamo Etro in die Auktion lieferte. Damals wurde sie für umgerechnet 270.000 Euro verkauft. Die zweite Patek Philippe Modell 1518 in Stahl wurde zuletzt von Dr. Crott Auktionen in Mannheim im Jahr 2004 für 1,3 Millionen Euro verkauft.

 Patek Philippe Ref. 1518 Case 508475 – 3 im Private Sale der Monaco Legend Group, MLG

Patek Philippe Modell 1518 in Stahl, Case 508475 – 3 im Private Sale der Monaco Legend Group, ©MLG

Patek Philippe Modell 1518 in Stahl

Die erstproduzierten zwei Uhren wurden ursprünglich von Patek Philippe nach Ungarn ausgeliefert. Von dort kamen, dem Vernehmen nach, auch die Familien, die sie wieder auf den Sammlermarkt brachten. Die dritte Uhr scheint ursprünglich in den 1980er Jahren aus der Schublade eines Händlers aus der New Yorker 47ten Straße wiederauferstanden zu sein. Abgesehen vom italienischen Modedesigner bietet die Herkunft der Uhren also
keinen riesigen Raum zur Fantasie bzw. wenig Gründe zu unterschiedlichen Bewertungen.

Die November Auktion bei Phillips zu verfolgen wird trotzdem extrem spannend, zumal es das allererste Mal ist, dass zwei derartig seltene und wertvolle Stücke gleichzeitig zum Verkauf stehen. Potenzielle Bieter wollen wegen der niedrigen Schätzung die Phillips Auktion abwarten. Allerdings ist Phillips nicht für Sonderangebote bekannt und das Genfer Ergebnis dürfte den Private Sale in Monaco – so oder so – nicht unbeeinflusst lassen.

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