
„Hausaufgaben erledigt“, ist, was der Gründer und „Governing Director“ von Rolex, Hans Wilsdorf gedacht haben mag, als er 1945, nach vier Jahrzehnten unermüdlichen Strebens die Datejust Oyster Perpetual ablieferte. Wie anders wäre zu erklären, dass er nach all den Jahren strikter Konzentration auf die wesentlichen Unterschiede zwischen Armband- und Taschenuhren eine der verspieltesten Herrenuhren erschuf, die je den Namen Rolex auf dem Zifferblatt trug.
Die kleinen Werke der Datejust waren die ersten, die dank hervorragender Verarbeitung und automatischem Aufzug die Chronometer-genaue Zeit in Serie lieferten. Und das taten sie, dank ihres „hermetischem“ Oyster-Gehäuses verlässlich, über Jahre hinweg. Der zentrale Sekundenzeiger und das praktische Fensterdatum bei 3 Uhr erlaubten es, alle wichtigen Informationen mit einem Blick zu erfassen. Diese große Leistung zum 40-jährigen Firmengeburtstag wurde mit einem exklusiven „Jubilée“-Armband und einem Schuber mit den Memoiren des Meisters zelebriert.

Auch 80 Jahre später ist die Datejust fest in der DNA der meisten Modelle des Hauses verankert und ihr Konzept dient noch immer als Vorbild etlicher Wettbewerber. Der unerschütterliche Glaube an die eingeschlagene Strategie, gepaart mit Durchhaltevermögen, waren der Schlüssel zum Erfolg. Gleichzeitig waren Wilsdorfs Uhren vergleichsweise funktional und weniger emotional.
Er selbst dagegen war dem Luxus mehr als aufgeschlossen. Mit seiner Frau Florence verband ihn eine Leidenschaft für Antiquitäten, die sich auch in seinem persönlichen Uhrengeschmack zeigte. 1944 ließ er durch den renommierten Chronisten Alfred Chapuis einen schmuckvollen Band mit seiner Sammlung reich verzierter Taschenuhren veröffentlichen.
Bei Armbanduhren hatte Patek Philippe allerdings schon 4 Jahre vor der Datejust den Maßstab für Luxus gesetzt. Anstatt von Konzentration auf das Wesentliche bekam man von Patek einen ewigen Kalender mit Mondphase ans Handgelenk und die Uhrzeit ließ sich nebenbei ebenfalls akkurat und verlässlich ablesen. Das Modell 1518 ging sogar noch einen Schritt weiter. Es war 1941 der erste in Serie gefertigte Armband-Chronograph mit ewigem Kalender und Mondphase. Genau wie die Datejust für Rolex markierten die ewigen Kalender für Patek Philippe den Beginn einer Zeitenwende.

Man kann Wilsdorf heute nicht mehr fragen, ob er ernsthaft vorhatte, Patek Philippe Konkurrenz zu machen oder ob er tatsächlich nur ein kleines Juwel unter dem Dach seiner Marke wollte, um so sich selbst und seinesgleichen ein wenig Freude zu bereiten. Auf jeden Fall entstanden in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre zwei Uhren, die zumindest optisch ein Kapitel aus der Geschichte von Patek Philippe nahmen, indem Datum und Mondphase in ähnlicher Weise hinter Fenstern auf dem Zifferblatt erschienen.
Die neuen Rolex Modelle waren im Unterschied zu den Pateks zwar nur einfache Kalender, aber sie verfügten über den markentypischen automatischen Gang. Das Modell 6062 war zusätzlich noch in ein Oyster-Gehäuse eingebaut, während das Schwestermodell 8171 eine Schmuckuhr mit aufgesprengtem Deckel war. Entgegen der Intuition und dem damaligen Geschmack war die Schmuckuhr die größere der beiden. Vielleicht noch überraschender ist, dass zwei unterschiedlich große Werke mit denselben Funktionen entwickelt wurden, von denen das kleinere in die Oyster-Uhr eingesetzt wurde.

Zwar konnten die Rolex-Uhren denen von Patek Philippe technisch nicht das Wasser reichen, ihren unmittelbaren Konkurrenten waren sie aber voraus. Jaeger-LeCoultre und Omega boten zur gleichen Zeit Armbanduhren mit Kalender und Mondphase an, allerdings weder mit automatischem Aufzug noch mit einem wasserfesten Gehäuse.

Dennoch waren die Mondphasen Uhren von Rolex kein Erfolg. Von beiden Referenzen sind bisher weniger als 200 Exemplare wieder aufgetaucht. Man kann nur spekulieren, ob technische Schwierigkeiten in Kombination mit einem hohen Preis oder das wenig markentypische Konzept dafür verantwortlich waren. Modell 6062 wurde ursprünglich mit „Super Oyster“ Kronen geliefert, die schnell floppten, weil sie nicht verschraubt werden konnten. Die Knöpfe zum Stellen des Datums und der Mondphase waren ein weiterer Schwachpunkt.
Auf jeden Fall wurde die Produktion beider Modelle schon 1954, nur 5 Jahre nach ihrer Einführung wieder eingestellt. Das damals neue automatische Kaliber 1030 wurde von Rolex niemals mit Dreifachdatum oder einer Mondphase ausgestattet. Stattdessen wurde es genutzt, um eine neue Generation von Uhren anzutreiben, die die Marke Rolex neu definieren sollten und sie in einer Weise emotionalisierten, dass sie bis heute den Neid der gesamten Uhrenwelt erregen: die Rolex Explorer, die Rolex Submariner und die Rolex GMT-Master.

Heute gehören automatische Rolex Uhren mit Dreifachdatum und Mondphasenanzeige zum heiligen Gral der Vintage Enthusiasten. Ihre Schönheit, Seltenheit und Tragbarkeit haben die Begehrlichkeit wichtiger Persönlichkeiten von Karl Lagerfeld bis Nicholas Cage erweckt und so die Preise ins Astronomische steigen lassen.

Die Uhr im Sale der Monaco Legend Group lässt sich treffend als Einhorn unter den Einhörnern beschreiben. Die meisten bekannten Exemplare sind aus Gold und haben sternförmige Stundenzeichen auf dem Zifferblatt. Dann kommen Uhren aus Stahl, bei denen typischerweise das gepresste Zifferblatt eine Mischung aus Pfeilindexen und arabischen Zahlen ist, die gemeinsam mit der Perlenkrone im Relief herausstehen. Sehr wenige Uhren haben roségoldene Gehäuse.
Die allermeisten Zifferblätter sind, unabhängig vom Gehäusematerial elfenbeinfarben, ein- oder zweitönig, mit grainierter, respektive gebürsteter Oberfläche. Echte Blätter mit Sonnenschliff existieren auch, aber dabei ist nicht sicher, ob es sich möglicherweise nicht um nachträglich eingesetzte Teile handelt.

Nur sehr wenige Uhren mit glaubwürdigen schwarzen Zifferblättern sind über die letzten 20 Jahre auf dem öffentlichen Sammlermarkt aufgetaucht. Alle diese Uhren erzielten außerordentliche Preise, aber keine davon hatte Brillant-Indexe als Stundenzeichen.

Neben dem Los in der Oktoberauktion der Monaco Legend Group ist nur eine weitere Uhr mit schwarzem Brillant-Zifferblatt bekannt. Sie gehörte dem letzten Kaiser von Vietnam, der sie während der Genfer Indochina Konferenz im Jahr 1954 erwarb. Die Reise nach Genf ließ den Monarchen ohne Thron, aber mit einer Rolex. Der Händler war Phillippe Beguin, damals ein prominenter Rolex-Partner.
Die Legende besagt, Bao Dai, dem nur das Beste gut genug war, hätte zunächst alles, was ihm angeboten wurde, abgelehnt. Der Konzessionär soll sich in seiner Verzweiflung an Generaldirektor Wilsdorf selbst gewandt haben, der dann die diamantbesetzte Uhr liefern ließ, die schließlich den Gefallen des Edelmanns fand.
Die Uhr wurde erstmals 2002 von den Nachfahren des Bao Dai bei Phillips eingeliefert, wo sie auch bei ihrem bisher letzten öffentlichen Auftreten im Jahr 2017 versteigert wurde. Da erzielte sie einen Preis von 5 Millionen Schweizer Franken.

Mondani Mondphasen Rolex
Die Uhr bei Davide Parmegiani’s Monaco Legend Group wurde als Teil der legendären Rolex Sammlung des italienischen Verlegers Guido Mondani berühmt, die im Mai 2006 durch Osvaldo Patrizzi, damals Chairman von Antiquorum im Genfer Mandarin Oriental Hotel versteigert wurde. Seinerzeit wurde sie als Top-Los der Auktion beworben, musste sich aber einem Schleppzeiger Chronographen Modell 4113 mit einem Standarduhrwerk von Valjoux geschlagen geben, von dem 12 Exemplare bekannt sind.
Dieses Modell wurde später auch die erste Rolex, die die Millionenmarke brach, aber das war lange vor der Bao Dai. So erzielte ein solcher Schleppzeiger Chronograph von Rolex vergangenes Jahr einen Preis von 3,3 Millionen Euro, ebenfalls in Monaco.

Es wird spannend sein zu verfolgen, wie sich die Mondani Mondphasen Rolex dieses Mal schlägt. In der Auktion von 2006 erzielte sie einen Preis von 470.000 Schweizer Franken gegen eine höhere Schätzung von 350.000. Bei ihrem ersten Erscheinen, 9 Jahre früher, waren es noch 120.000 Franken. Also hat es bisher keine Enttäuschung gegeben und es wird auch jetzt keine erwartet.
Natürlich ist die Bao Dai mit ihrer berühmten, gut dokumentierten Herkunft im Vorteil. Dies umso mehr, als offenbar nicht festzustellen ist, wer die Mondani-Uhr 1997 bei Antiquorum einst zur Versteigerung eingereicht hat.
Ich hatte das Glück, beide Uhren in meinen Händen zu halten. Die Zifferblätter beider Uhren sind sehr schön erhalten, bzw. gepflegt. Beide Gehäuse sind schwer, haben scharfe Kanten, tiefe Stempel und unversehrte Riefen an den Schraubböden. Einzige Auffälligkeit ist, dass die Krone der Mondani Uhr im Service ersetzt worden zu sein scheint. Beide Uhren wurden im selben Jahr produziert und die Bao Dai hat noch eine Super Oyster Krone, während die Mondani Uhr eine verschraubte Krone besitzt.

Es besteht allerdings ein Unterschied zwischen den Zifferblättern, der meiner Einschätzung nach für die Mondani Mondphasen Rolex spricht. Bei ihr sind die Brillanten die ungeraden Stunden, während es bei der Bao Dai die geraden Stunden sind. Dadurch rückt bei der Bao Dai die Perlenkrone unter den Stein bei 12 Uhr und spielt so nicht mehr die Hauptrolle. Außerdem wird die restliche Information ebenfalls nach unten gedrückt, was dazu führt, dass das Register von kleiner Sekunde und Mondphase bedruckt ist. Die schöne schwarze Emailscheibe mit dem Mond und den Sternen büßt so an Aufmerksamkeit ein. Die Spitzen der langen Dartindexe bei 5 und 7 Uhr ragen dazu fast in das Register hinein.
Das Mondani Blatt wirkt im Vergleich etwas aufgeräumter und logischer. Aber mein Kommentar ist sicher unbescheiden, bedenkt man, dass wir hier von den Top-Exemplaren einer Referenz reden, die für die meisten Uhrensammler kaum mehr als eine Fata Morgana ist!





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