In memoriam Francesco Trapani
Am 10. September 2025 verstarb Franceso Trapani in London. 1984 hatte der 1957 geborene Neffe von Paolo und Nicola Bulgari den Top-Job als CEO des italienischen Luxusunternehmens Bulgari nach seinem MBA an der New Yorker Universität angetreten. Damals setzte die Gruppe konsolidiert 828 Millionen Euro um. Weltweit unterhielt sie knapp 200 Bulgari-Geschäfte. Zu den Spitzenmärkten gehörten nach Italien vor allem Deutschland, Japan und die USA. 1995 ging das Unternehmen an die italienische Börse. Von 1997 bis 2003 stieg der Umsatz unter Trapanis Ägide um 150 Prozent. 2004 öffnete in Mailand das erste Bulgari-Hotel seine Türen.
Im März 2011 schloss der französische LVMH-Konzern die komplette Übernahme von Bulgari ab. Insgesamt waren beim Kauf der Unternehmensanteile 3,7 Milliarden Euro geflossen. Noch bis Ende Februar 2014 leitete Francesco Trapani danach das Uhren- und Schmuckgeschäft von LVMH, einschließlich der Marken Hublot, TAG-Heuer und Zenith. Dann übernahm Jean-Claude Biver diesen Job bis Ende 2019.
Zur Erinnerung an Francesco Trapani publiziert der Uhrenkosmos ein Interview, das Mitte September 2005, also vor genau 20 Jahren, in der römischen Bulgari-Zentrale am Lungotevere Marzio 11 stattgefunden hatte.

Mechanik oder Quarz?
Gisbert Brunner: Dottor Trapani, wozu braucht ein Mann heute noch eine Armbanduhr? Handys zeigen die Zeit an, Computer ebenfalls, vom Armaturenbrett kann man sie ablesen, sogar vom Display des Elektroherds in der Küche ,.. Aber vielleicht ist das keine gute Einstiegsfrage an die Adresse eines Mannes, dessen Unternehmen seit 1977 fest mit Armbanduhren verknüpft ist.
Dott. Francesco Trapani: Die Frage finde ich gar nicht so abwegig. Wir haben auch gar keine Angst, dass es der Luxusarmbanduhr irgendwann an den Kragen geht. Bei Männern wie Frauen ist sie ist als schmückendes Accessoire fürs Handgelenk zu betrachten, als Statement für einen persönlichen Lebensstil. Nein, ich mache mir da keine Sorgen. Die Armbanduhr wird auf Dauer unersetzlich bleiben.
Dann stellt sich gleich die zweite Frage: Womit soll der anspruchsvolle Mann seine Zeit heutzutage messen? Mit moderner Elektronik oder überlieferter Mechanik?
Darf ich das zunächst einmal auf mich beziehen? Ich bevorzuge eindeutig die Mechanik, wobei ich darunter aber die Automatik verstehe. Die besitzt in meinen Augen jede Menge Zukunft. Bei der Armbanduhr mit Handaufzugswerk betrachte ich die Dinge skeptischer.

Heißt das, für Bulgari, Gérald Genta und Daniel Roth, ihre drei Top-Marken, wird der manuelle Aufzug künftig kein Thema mehr sein?
Nein, so darf man meine Aussage natürlich nicht interpretieren. Alle unsere Marken sind auf dem Gebiet der mechanischen Komplikationen tätig, und da führt teilweise am Handaufzug kein Weg vorbei. Hier könnten in meinen Augen Uhrwerke mit einer langen Gangautonomie von einer Woche interessant werden.
Wie viel soll Ihrer Meinung nach die „Uhr fürs Leben“ kosten, welche sich ein Mann irgendwann leistet.
(Lacht). Hoffentlich kaufen sich nicht zu viele Männer die „Uhr fürs Leben“. Unser Interesse besteht eindeutig darin, Menschen zum Kauf mehrerer Uhren zu verleiten. Davon leben wir schließlich. Aber Spaß beiseite. Die Entscheidung ist natürlich abhängig vom Einkommen und der Leidenschaft, die man solchen Produkten entgegenbringt. Aber tausend Euro sollten es schon sein.
Sie sagten gerade, ein Mann sollte mehrere Uhren besitzen. Wie viele denn?
Möglichst viele natürlich.
Und Frauen?
Mehr noch. Ganz klar.
Für die von Ihnen erwähnten tausend Euro bekommt man aber keine Armbanduhr von Bulgari, ganz zu schweigen von Genta oder Daniel Roth.
Stimmt. Bei uns muss man traditionsgemäß schon etwas mehr investieren.

Bulgari, Genta und Roth
Nennen wir das Kind doch gleich beim Namen: Ihre Top-Uhren sind Luxus pur und damit für viele Menschen eigentlich unerschwinglich. Bereitet Ihnen das irgendwelches Kopfzerbrechen?
In keiner Weise. Die Positionierung in höheren Kategorien ist Teil unseres Geschäfts, für das wir uns ganz eindeutig entschieden haben. Wir sind sehr erfolgreich mit unserer Marken- und Produktphilosophie. Warum also sollten wir da was ändern?
Welche Spezies von Menschen leistet sich unter diesen Vorzeichen die Uhren von Bulgari, Gérald Genta oder Daniel Roth?
Das muss man differenziert betrachten. Daniel Roth kaufen Menschen mit einem Sinn für klassisches Design und überlieferte Uhrmacherei. Die Gérald-Genta-Kunden sind hingegen eher modisch, avantgardistisch orientiert. Man könnte sie auch als „stylish“ bezeichnen. Bei Bulgari sehen die Dinge noch einmal anders aus. Hier ist die Klientel traditionsgemäß wesentlich breiter gefächert, dementsprechend breit ist auch das Produktspektrum, welches von sehr sportlich bis zu kompliziert, mit eher zurückhaltendem Auftritt reicht. Auf jeden Fall besitzt jede Marke ihre eigene Identität, die wir auch in Zukunft konsequent pflegen werden.

Bleiben wir noch bei ihrer Stammmarke Bulgari. Welchen Weg wird die künftig einschlagen?
Unser definiertes Ziel besteht darin, Produktnischen zu bedienen. Im Bereich der sportlichen, der designorientierten, aber auch der komplizierten Armbanduhren. Und natürlich streben wir an, in allen Nischen durch Erzeugnisse mit einem ausgeprägt distinguierten Stil Führungspositionen zu besetzen. Unsere 2004 vorgestellte Ergon-Linie ist dafür ein beredtes Beispiel.
Jedes Jahr kommen mehr Armband-Tourbillons auf den Markt. Wie denkt ein Firmenchef, der mit Daniel Roth einen der Tourbillon-Pioniere unter seinem Dach hat, über diese Entwicklung?
Der Wettbewerb ist zwischenzeitlich sehr hart, das gebe ich gerne zu. Letztlich haben wir im Frühjahr 2000 Gérald Genta und Daniel Roth auch deshalb erworben, um mechanische Kompetenz für solche Dinge unter dem eigenen Dach zu haben. Weil wir diese Komplikationen in Le Sentier im eigenen Hause fertigen, sind beispielsweise unsere Tourbillons exklusive Produkte, die es bei niemandem sonst gibt. Das macht sie wiederum interessant.

Luxus-Armbanduhren
Beeinflussen Sie von der Bulgari-Zentrale in Rom aus die Politik und Strategie Ihrer verschiedenen Uhrenmarken und deren Erzeugnisse oder sind die auf diesem Gebiet autonom?
Ganz klar, wir bestimmen den grundsätzlichen Lauf der Dinge von hier aus. Und dem haben alle unsere Marken zu folgen.
Sind Sie der Auffassung, dass es in Zukunft noch neue, bislang unbekannte mechanische Komplikationen geben kann und wird? Oder ist alles Mögliche abgearbeitet?
Ehrlich gesagt weiß ich das nicht. Aber es ist heute schon sehr schwer, noch etwas ganz Neues zu erfinden.
Vielleicht können Sie uns eher erläutern, wie luxuriöse Armbanduhren in der Zukunft aussehen werden. Erwarten Sie da grundlegende Änderungen?
Auf jeden Fall muss eine Armbanduhr die Philosophie jener Marke nach außen tragen, welche sie repräsentiert. In diesem Sinne wird ein exklusives Design mit charakteristischen Gesichtszügen eine besondere Rolle spielen. Wer viel Geld für seine Armbanduhr ausgibt, möchte auch, dass man die Provenienz erkennt. Nehmen wir nochmals unsere bei Damen wie Herren sehr erfolgreiche Bulgari Ergon. An deren Auftritt haben wir sehr lange gearbeitet. Aber das hat sich gelohnt. Sie hat sehr eigenständige Züge und wir haben mit diesem Produkt noch viel vor.

Weiteres Standbein
Die Bulgari-Gruppe macht gegenwärtig 31 Prozent ihres Umsatzes mit Uhren. Woher kommt der Rest?
Unser Stammgeschäft, die Juwelierskunst steuert 42 Prozent bei, Parfüm inzwischen 19 Prozent. Den Rest erbringen Accessoires und andere Aktivitäten. Wir wachsen in allen Bereichen, wobei das Wachstum bei Parfüm und Accessoires wegen des geringeren Basiseffekts größer ist.
Zu den anderen Aktivitäten gehört mittlerweile auch ein Luxushotel, das sie im Mai 2004 in Mailand eröffnet haben. Passt das in eine Zeit, in der viele Beherbergungsbetriebe unter Gästemangel leiden?
Eindeutig ja. Es geht um ein zukunftsorientiertes Investment und um eine Darstellung des Namens nach außen. Das Hotel dient der Imagebildung und bringt uns eine Menge Öffentlichkeitswirksamkeit. Auf dem Gebiet der Rentabilität brauchen die Dinge etwas mehr Zeit. Ein Hotel alleine kann auf Anhieb keinen so riesigen Schub bringen.
Auf einem Bein alleine steht man bekanntlich auch nicht so gut.
Eben deshalb eröffnen wir im Dezember 2005 auf Bali ein luxuriöses Ressort mit 60 Villen, von denen jede etwa 300 Quadratmeter besitzt. Andere City-Hotels z.B. in Paris oder Tokio haben wir auch schon ins Auge gefasst. Aber das geht nur langsam voran, weil für uns nur beste Lagen in Betracht kommen. Dort wollen wir optimale Räumlichkeiten und einen perfekten Service bieten.
Können Sie diese Annehmlichkeiten denn persönlich auch genießen. Bekanntlich heißt es, Selbstständige arbeiten erstens selbst und zweitens ständig,
Das wird man sehen, wenn es soweit ist. Auf jeden Fall bedeutet freie Zeit für mich Luxus. Und die verbringe ich dann am liebsten mit meiner Frau und meinen Kindern.

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