Anglierung oder Anglage bezeichnet das Fasen und Polieren der scharfen Kanten von Uhrwerksteilen wie Brücken, Kloben oder Sperrklinken. Durch das gezielte Abschrägen, idealerweise im Winkel von 45 Grad, entsteht eine schmale, gleichmäßige Fase, die je nach Werkgestaltung bis zum Spiegelglanz poliert wird. Technisch entfernt die Anglierung Grate, reduziert Kerbspannungen und erleichtert so die Montage. Optisch sorgt die Anglierung für eine höhere Wertanmutung des Uhrwerks und macht seine Konturen im Licht klar ablesbar.

Anglierung
Die höchste Qualität entsteht in Handarbeit: Mit Feilen, Schabern, Schleifleinen und Polierhölzern werden Außen- und besonders Innenwinkel sauber herausgearbeitet. Charakteristisch sind scharfe Innenkanten und eine über die gesamte Strecke gleich breite Fase ohne Wellenbild.
Maschinell gearbeitete Fasen wirken oft runder, insbesondere die Innenwinkel erreichen nicht ganz das Qualitätsniveau guter Handarbeit. Entsprechend wird Anglierung in Handarbeit, sofern sie sich kostentechnisch darstellen lässt, der maschinellen Anglierung vorgezogen.
Qualitätsmerkmale einer hochwertigen Anglage sind Gleichmäßigkeit der Breite, sauberer Verlauf an Übergängen und ein makelloser Spiegel („poli miroir“). Zu breite Fasen können dabei die Proportionen stören und im schlimmsten Fall sogar das Material schwächen. Beurteilt wird bei einer Anglierung daher die Gleichmäßigkeit der Linie und der Politur.
Die Anglierung zählt zur klassischen Genfer Finissage und ist Bestandteil strenger Gütesiegel. Nicht zu verwechseln sollte man Anglierung mit der Veredelung durch Côtes de Genève oder Perlage, bei der lediglich Flächen veredelt werden.
Welche Vorgaben für Qualtität und Finissierung das Genfer Sieger verlangt, das verraten wir hier auf Uhrenkosmos.










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